Sheytan vojud nadarad

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Filmdaten
Originaltitelشیطان وجود ندارد
(Sheytan vojud nadarad)
ProduktionslandDeutschland, Tschechische Republik, Iran
OriginalspracheFarsi
Erscheinungsjahr2020
Länge150 Minuten
Stab
RegieMohammad Rasulof
DrehbuchMohammad Rasulof
ProduktionMohammad Rasoulof,
Kaveh Farnam,
Farzad Pak
MusikAmir Molookpour
KameraAshkan Ashkani
SchnittMohammadreza Muini,
Meysam Muini
Besetzung

Sheytan vojud nadarad (شیطان وجود ندارد / internationaler Titel: There Is No Evil bzw. Es gibt kein Böses[1]) ist ein Spielfilm von Mohammad Rasulof aus dem Jahr 2020. Der Film folgt vier Figuren, die auf unterschiedliche Weise vom Thema Todesstrafe im Iran berührt werden.[2]

Die Uraufführung soll am 28. Februar 2020 im Rahmen des Wettbewerbs der 70. Internationalen Filmfestspiele Berlin erfolgen.[1]

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film besteht aus vier Geschichten, die die Themen „moralische Kraft und Todesstrafe“ variieren. Sie sind erzählerisch nur lose miteinander verbunden und enden jeweils abrupt:[1]

  • Heshmat gilt als vorbildlicher Ehemann und Vater. Jeden Morgen bricht er sehr früh zu seiner geheimnisvollen Arbeit auf.
  • Pouya glaubt nicht im Traum daran, jemals einen Menschen zu töten. Trotzdem bekommt er eines Tages den Befehl dazu.
  • Javad will seine Geliebte mit einem Heiratsantrag überraschen. Doch für seine zukünftige Ehefrau bleibt es nicht die einzige Überraschung.
  • Bahram darf als Arzt nicht praktizieren und führt ein Leben als Außenseiter. Als er eines Tages Besuch von seiner Nichte erhält, offenbart er ihr seine Geschichte.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mohammad Rasulof im Jahr 2017

Obwohl Rasulof 2019 zu einer Haftstrafe verurteilt worden war, drehte er Sheytan vojud nadarad an vier verschiedenen Orten. Die Dreharbeiten fanden zum Teil sowohl an realen Plätzen statt, als auch an Orten, die als Symbol für ein Land stehen können, über das wenig bekannt ist.[2] Der iranische Filmemacher, der mit seiner Familie in Hamburg lebt, hatte 2017 seinen vorangegangenen Film Lerd (لِرد / Alternativtitel: A Man of Integrity) beim 70. Filmfestival von Cannes in der Sektion Un Certain Regard vorgestellt und war dort mit dem Hauptpreis ausgezeichnet worden. Rasulof erzählte von einem nordiranischen Bauern und Fischzüchter, der von seinem Land vertrieben werden sollte, nachdem ein Unternehmen lokale Beamten bestochen hatte. Der Regisseur war sich bewusst, dass er gegen die iranischen Zensurvorgaben verstoßen hatte und dies zu Konsequenzen führen könnte. Auf der Rückreise von Cannes in den Iran wurde Rasulof noch auf dem Flughafen im Heimatland sein Pass entzogen. Daraufhin wurde er aufgrund seiner letzten drei Filme wegen „Propaganda gegen den Staat“ verurteilt und erhielt am 20. Juli 2019 eine Haftstrafe von einem Jahr, blieb aber vorerst auf freien Fuß.[3] Darüber hinaus durfte er den Iran für zwei Jahre nicht verlassen und im selben Zeitraum nicht Mitglied einer politischen oder sozialen Organisation sein.[4] Rasulof war u. a. aufgrund konkreter Pläne für einen Filmdreh von Frankreich in den Iran gereist. Dennoch blieb er hoffnungsvoll: „[...] solange ich bald wieder Filme machen kann, kann ich auch die Realität abbilden, die um mich herum ist. Das ist meine Aufgabe, und sie gibt mir Hoffnung“, so Rasulof.[3]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Carlo Chatrian, künstlerischer Leiter der Berlinale, hob bei der offiziellen Vorstellung des Wettbewerbs Ende Januar 2020 hervor, dass Rasulof gegenwärtig weder Filme drehen noch aus dem Iran ausreisen dürfe. Er hoffe aber, dass die iranische Regierung dem Filmemacher die Ausreise genehmige, um Sheytan vojud nadarad in Berlin vorstellen zu können. Trotz des sensiblen Themas handle es sich um keinen düsteren Film über den Iran. „Der Film zeichnet einen Weg von der Dunkelheit zum Licht nach“, so Chatrian.[2]

Einem Medienbericht zufolge sei Rasulofs Film eine Reminiszenz an die Philosophin Hannah Arendt, die im Zusammenhang mit ihrem 1961 erschienenen Buch Eichmann in Jerusalem den Begriff „Banalität des Bösen“ geprägt hatte.[5]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Sheytan vojud nadarad konkurriert Mohammad Rasulof erstmals um den Goldenen Bären, den Hauptpreis der Berlinale.[6]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Sheytan vojud nadarad. In: berlinale.de (abgerufen am 11. Februar 2020).
  2. a b c Berlinale Press Conference 2020. In: facebook.com, 29. Januar 2020, 24:37 min ff. (abgerufen am 2. Februar 2020).
  3. a b Dirk Peitz: "Die Revolutionswächter wollen ein islamisches Hollywood". In: zeit.de, 28. Juli 2019 (abgerufen am 3. Februar 2020).
  4. Tom Grater: Iranian director Mohammad Rasoulof sentenced to one year in prison. In: screendaily.com, 25. Juli 2019 (abgerufen am 3. Februar 2020).
  5. Mohammad Rasoulof to feature at Berlin Film Festival with ‘There Is No Evil’. In: broadcastprome.com, 30. Januar 2020 (abgerufen am 2. Februar 2020).
  6. Der Wettbewerb der 70. Berlinale und abschließende Auswahl des Berlinale Special. In: berlinale.de, 29. Januar 2020 (abgerufen am 29. Januar 2020).