Sigmund-Freud-Institut

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Das Sigmund-Freud-Institut (SFI) ist ein Forschungsinstitut für Psychoanalyse in Frankfurt am Main. Es wurde 1960 als Institut und Ausbildungszentrum für Psychoanalyse und Psychosomatik gegründet und trägt den Namen des Begründers der Psychoanalyse Sigmund Freud. Es dient seit 1995 als reine Forschungseinrichtung.

Geschichte[Bearbeiten]

Gedenktafel für Karl Landauer an der Fassade des Sigmund-Freud-Instituts

Von 1929 bis 1933 gab es bereits einmal eine psychoanalytische Forschungsstätte in der Stadt, das Psychoanalytische Institut Frankfurt. Zu seinen Gründern und Mitarbeitern zählten so bedeutende Psychoanalytiker wie Karl Landauer [1], Heinrich Meng [2][3], Frieda Fromm-Reichmann, Erich Fromm und Sigmund Fuchs (der sich später S.H. Foulkes nannte) [4]. Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten wurde das Frankfurter Psychoanalytische Institut 1933 geschlossen, alle fünf in ihm tätigen Analytiker emigrierten. Karl Landauer, der nach Holland geflohen war, wurde dort nach der deutschen Besetzung verhaftet. Er starb im Januar 1945 im KZ Bergen-Belsen an den Folgen der Lagerhaft. [5] Das Sigmund-Freud-Institut hatte unter der Emigration vieler jüdischer Wissenschaftler zu leiden und wurde schließlich von den Nationalsozialisten zerschlagen.

Am 27. April 1960 wurde das Institut und Ausbildungszentrum für Psychoanalyse und Psychosomatik offiziell gegründet. Anna Freud schrieb anlässlich der Eröffnung von einer „new psychoanalytic era in Germany“. Erster Direktor war Alexander Mitscherlich. 1964 wurde das Institut in "Sigmund Freud Institut" umbenannt. Neben Forschung und psychotherapeutischer Versorgung war es Aufgabe dieser Einrichtung, Ärzte und Psychologen nach den Richtlinien der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung und damit nach den Standards der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung zu Psychoanalytikern auszubilden. [6]

Seit dem 14. Oktober 1964 ist es in einem Neubau in der Myliusstraße im Stadtteil Westend untergebracht. Gefördert wurden die ersten Projekte des SFI unter anderem vom Sozialwissenschaftler Max Horkheimer und dem hessischen Ministerpräsidenten Georg-August Zinn. Nach Mitscherlichs Tod leiteten Clemens de Boor, Dieter Ohlmeier und Horst-Eberhard Richter das Institut. Derzeitige geschäftsführende Direktoren sind Marianne Leuzinger-Bohleber und Rolf Haubl. Im SFI forschten und lehrten u. a. Tobias Brocher, Hermann Argelander, Alfred Lorenzer, Klaus Horn und Helmut Dahmer.

Die Ausrichtung als Lehr- sowie Forschungsstätte behielt das SFI bis 1995 bei. Von 1959 bis 1994 bestand das Institut in der Rechtsform einer Landesbehörde, die dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst nachgeordnet war.

Zum 1. Januar 1995 wurde das Sigmund-Freud-Institut in eine Stiftung öffentlichen Rechts umgewandelt. Die Weiterbildung zum Psychoanalytiker wird seit dem 15. März 1995 vom Frankfurter Psychoanalytischen Institut e.V. durchgeführt. Das SFI dient seitdem ausschließlich Forschungsaufgaben im Bereich der Psychoanalyse. In Planung befindet sich die notwendige bauliche Erweiterung des Instituts durch den Aufbau einer zusätzlichen Etage und die Modernisierung des bestehenden Hauses. Es soll ein Psychoanalytisches Zentrum entstehen, das neben dem SFI folgende rechtlich selbständige psychoanalytische Einrichtungen unter einem Dach vereinen wird: das Frankfurter Psychoanalytische Institut, das Institut für Analytische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie in Hessen e.V., den Frankfurter Arbeitskreis für Psychoanalytische Pädagogik e.V. und das Jüdische Psychotherapeutische Beratungszentrum Frankfurt am Main für Kinder, Jugendliche und Erwachsene e.V. Der Baubeginn war für das Jahr 2009, die Fertigstellung war für das Jahr 2010, dem Jahr des 50-Jährigen Bestehens des Instituts, geplant.

Literatur[Bearbeiten]

  • Herbert Bareuther (Hrsg.): Forschen und Heilen. Auf dem Weg zu einer psychoanalytischen Hochschule. Beiträge aus Anlass des 25jährigen Bestehens des Sigmund-Freud-Instituts. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1989, ISBN 3-518-28298-0 (Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft 698).
  • Michael Laier: Das Frankfurter Psychoanalytische Institut. 1929–1933. Anfänge der Psychoanalyse in Frankfurt am Main. 2. Auflage. LIT-Verlag, Münster 1994, ISBN 3-89473-915-0 (Materialien aus dem Sigmund-Freud-Institut 9), (Zugleich: Frankfurt (Main), Univ., Diss., 1989).
  • Tomas Plänkers (Hrsg.): Psychoanalyse in Frankfurt am Main. Zerstörte Anfänge, Wiederannäherung, Entwicklungen. Edition diskord, Tübingen 1996, ISBN 3-89295-602-2.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Gedenktafel für Landauer in Frankfurt
  2. Heinrich Meng zum Gedächtnis
  3. Review des Buches von Meng "Strafen und Erziehen" durch Fromm
  4. [1] (frz.)
  5. Frankfurter Psychoanalytisches Institut e.V.
  6. Zur Geschichte der Psychoanalyse in Frankfurt, Seite des FPI