Karl Landauer

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Dieser Artikel beschreibt den Psychoanalytiker Karl Landauer; zu dem Sozialdemokraten siehe Carl Landauer.
Karl Landauer auf dem Psychoanalytischen Kongress 1911 in Weimar (3. Reihe, 5. von links)
Die Karl-Landauer-Gedenktafel am Sigmund-Freud-Institut in Frankfurt

Karl Landauer (* 12. Oktober 1887 in München; † 27. Januar 1945 im KZ Bergen-Belsen) war ein deutscher Psychoanalytiker und Mitbegründer des ersten Frankfurter Psychoanalytischen Instituts.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landauer wurde 1887 in eine alt eingesessene jüdische Bankiersfamilie in München geboren. Der Vater starb, als Landauer 13 Jahre alt war, und als einziger Sohn hatte Landauer die religiösen Pflichten des Familienoberhauptes zu übernehmen. Nach dem Abitur am Wilhelmsgymnasium München 1906 absolvierte er ein Medizin-Studium (u. a. in Freiburg und in Berlin) und die Ausbildung zum Facharzt für Nervenheilkunde an der – von Emil Kraepelin geleiteten – Münchner Universitätsklinik. 1912 ging er nach Wien, um bei Freud eine analytische Ausbildung zu absolvieren und um an der Psychiatrischen Klinik bei Wagner-Jauregg zu praktizieren. Er befasst sich überwiegend mit Psychosen und den Fragen des Narzissmus, leistet aber auch wesentliche Beiträge zur Psychoanalyse der Affektbildung und wird ein wichtiger Wegbereiter der Psychoanalyse.

Die Erfahrung des Ersten Weltkriegs lässt Landauer zum Pazifisten werden. 1916 erkrankt er schwer an Typhus und wird danach als Arzt an ein Militärgefängnis in Heilbronn versetzt. Dort lernt er Lins Kahn kennen und heiratet sie. Nach Kriegsende lässt er sich – seit 1917 auch Vater einer Tochter – in Frankfurt am Main nieder, ab 1923 als Psychoanalytiker in freier Praxis. Er analysiert Max Horkheimer und ist mit ihm freundschaftlich verbunden. Das von Landauer mitgegründete Frankfurter Psychoanalytische Institut (heute Sigmund-Freud-Institut) kooperiert mit Horkheimers Institut für Sozialforschung, in dessen Räumen es Gaststatus hat. 1933 werden beide Einrichtungen geschlossen. Landauer kann nach Schweden fliehen, lässt sich dann jedoch in den Niederlanden nieder, wo er als Lehranalytiker wirkt. Er erhält 1942 Berufsverbot und wird 1943 verhaftet. Im Februar 1944 wird er zusammen mit seiner Frau und der ältesten Tochter ins KZ Bergen-Belsen deportiert, wo er im Januar 1945 den Hungertod stirbt. Seine Frau und seine Tochter Eva Landauer überleben das KZ; zwei jüngere Kinder Landauers hatten sich ihrer Verhaftung durch die Nazischergen entziehen können.

Anlässlich des 100. Geburtstag der Goethe-Universität ist am 17. Oktober 2014 ein Stolperstein für ihn in der Savignystraße 76 verlegt worden.

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Spontanheilung einer Katatonie. Zeitschrift für ärztliche Psychoanalyse 2 (1914), 441-459
  • Passive Technik: Zur Analyse narzißtischer Erkrankungen. Intern. Zeitschrift f Psychoanalyse 10 (1924), 415-422
  • Die Affekte und ihre Entwicklung. Imago 22 (1936), 275-291
  • Theorie der Affekte und andere Schriften zur Ich-Organisation. Hg. von HJ Rothe. Frankfurt/Main (Fischer) 1991

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Elke Mühlleitner: Biographisches Lexikon der Psychoanalyse. Die Mitglieder der Psychologischen Mittwoch-Gesellschaft und der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung 1902–1938. Tübingen 1992.
  • HJ Rothe: Ein exemplarisches Schicksal: Karl Landauer (1887–1945). In: Tomas Plänkers et al.: Psychoanalyse in Frankfurt am Main. Tübingen 1996, S. 87-108.
  • Stumm/Pritz et al.: Personenlexikon der Psychotherapie. Wien, New York 2005, 268f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]