Tobias Brocher

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Hans Heinz Tobias Brocher (* 21. April 1917 in Danzig; † 30. Oktober 1998 in München) war ein deutscher Psychiater, Psychoanalytiker und Sozialpsychologe. Er erweiterte die Psychoanalyse um den sozialpsychologischen Aspekt, wandte sich als einer der ersten Analytiker der Gruppentherapie zu und hat die Zeitschrift „Gruppendynamik“ mitbegründet.

Leben[Bearbeiten]

Brocher studierte in Berlin Psychologie, Pädagogik, Medizin und Philosophie und schloss sein Studium 1942 mit Staatsexamen und Promotion zum Dr. med. ab. Nach dem Zweiten Weltkrieg eröffnete er in Ulm eine psychoanalytische Privatpraxis und gründete dort 1954 eine damals weithin beachtete „Elternschule“ (eine Familien- und Elternberatung), die er bis 1962 leitete.

1949 gründet Brocher zusammen mit Viktor von Weizsäcker, Wilhelm Bitter und Alexander Mitscherlich die Deutsche Gesellschaft für Psychotherapie und Tiefenpsychologie (DGPT; heute: Deutsche Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie e.V.), deren Vorsitzender er von 1964 bis 1968 war. 1956 wurde Brocher Vorsitzender des Instituts für Psychotherapie und Tiefenpsychologie in Stuttgart. 1963 organisierte er zusammen mit Donald Nylen das erste gruppendynamische Seminar („Schliersee-Seminar“ für Lehrer) in Deutschland.

Von 1962 bis 1970 war Brocher Professor für Sozialpsychologie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität und Gastdozent an der University of Pittsburgh, USA. Gleichfalls ab 1962 leitete er als stellvertretender Direktor die sozialpsychologische Abteilung des Sigmund-Freud-Instituts in Frankfurt am Main. Er war Ehrenmitglied der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft und gehörte zeitweise auch dem Vorstand und dem Beirat der Humanistischen Union an. Er lehrte und forschte bei der Menninger Foundation, einer Stiftung in Topeka (Kansas), die medizinische Einrichtungen betreibt.[1]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Hans-Heinz Brocher: Das Aufhellungspräparat: Über die Methoden der Aufhellung von Operationspräparaten. 1942 (Dissertation, Universität Berlin, 20. Juli 1942).
  • Eine kleine Elternschule. Klett, Stuttgart 1962.
  • Plädoyer für die Abschaffung des § 175. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1966.
  • Das unbekannte Ich. Eine Einführung in die Psychologie des Alltags (= rororo tele. Band 9). Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1969, ISBN 3-499-60009-9.
  • Von der Schwierigkeit zu lieben. Kreuz, Stuttgart 1975, ISBN 3-7831-0465-3.
  • Stufen des Lebens. Kreuz, Stuttgart 1977, ISBN 3-7831-0503-X.
  • Wenn Kinder trauern. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1985, ISBN 3-499-17950-4.
  • Gruppenberatung und Gruppendynamik. Rosenberger Fachverlag, Leonberg 1999, ISBN 3-931-08523-6.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Klappentext von: Von der Schwierigkeit zu lieben. 6. Auflage 1981.