Simon Gfeller

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Simon Gfeller (* 8. April 1868 in Trachselwald; † 8. Januar 1943 in Sumiswald) war ein Emmentaler Mundartschriftsteller.

Simon Gfeller am 8. Oktober 1903, Porträt von R. Münger

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geboren wurde er im «Zuguet», einem Einzelhof, der zu der Gemeinde Trachselwald gehörte. Er wuchs in einfachen bäuerlichen Verhältnissen auf. Im Schulhaus Thal im Dürrgraben absolvierte er neun Primarschuljahre.

Ab 1884 absolvierte er die Ausbildung zum Lehrer am Seminar Hofwil bei Münchenbuchsee. 1887 begann er als Lehrer im Dorf Grünenmatt zu unterrichten. 1893 heiratete er Meta Gehrig, ebenfalls Lehrerin; ihnen wurden zwei Töchter und ein Sohn geschenkt. 1896 wechselten er und seine Frau in die kleine Schule auf der Egg in Lützelflüh. Mehr als dreissig Jahre wirkte er dort als Lehrer. 1902 nahm er den Pfarrer und Schriftsteller Emanuel Friedli vorübergehend in seinem Haus auf und half diesem beim Verfassen seines ersten Berner-Mundart-Bandes Lützelflüh. Die beiden wurden enge Freunde.

1910 erschien sein erstes Buch Heimisbach, ein Roman aus dem bäuerlichen Leben, in dem er entschieden gegen die Trunksucht eintrat. Das Buch wurde ein grosser Erfolg. Es war der erste Roman im Emmentaler Dialekt. 1914 veröffentlichte er sein erstes schriftdeutsches Buch, die Geschichten aus dem Emmental. 1929 liess sich Gfeller pensionieren, um mehr Zeit zum Schreiben zu haben, und zog in ein neuerstelltes Haus an der Grabenhalde unterhalb des Schulhauses Egg.

1934 wurde ihm von der Universität Bern die Ehrendoktorwürde verliehen. Nach seinem Tod am 8. Januar 1943 wurde er neben den Gräbern von Jeremias Gotthelf und Emanuel Friedli an der Sonnenseite der Kirche Lützelflüh beerdigt.

Schaffen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seinem Roman Heimisbach beschrieb Gfeller den Heimisbach so exakt, dass sich unschwer erkennen liess, dass es sich um die die Landschaft Dürrgraben handelte. Am hundertsten Geburtstag des Dichters, 25 Jahre nach seinem Tod, änderte die Talschaft Dürrgraben ihren Namen offiziell in Heimisbach, um den beliebten und bekannten Dichter zu ehren.

Wie sein Vorbild, der ebenfalls in Lützelflüh wirkende Jeremias Gotthelf, beschrieb Gfeller in seinen Büchern das bäuerliche Leben detailreich und realistisch, jedoch ohne die grossen epischen Züge Gotthelfs, und mit wesentlich weniger moralisch-theologischen Exkursen. Dies dürfte mit ein Grund sein, dass Gfeller bereits zu Lebzeiten im Emmental wesentlich beliebter wurde als Gotthelf.

Neben dem in stadtbernischem Dialekt schreibenden Rudolf von Tavel wurde Gfeller zu einem der erfolgreichsten Mundartschriftsteller der Schweiz. Seine Werke werden immer wieder neu aufgelegt und sind in der Schweiz zu eigentlichen Longsellern geworden.

Die Simon-Gfeller-Stiftung betreut seinen Nachlass und führt das Dichtermuseum (die Simon-Gfeller-Gedenkstube) im alten Schulhaus Thal in Heimisbach.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Lebzeiten veröffentlicht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heimisbach. Bilder u Bigäbenheiten us em Bureläbe. Francke, Bern 1910
  • Geschichten aus dem Emmenthal, Bern 1914
  • Em Hag noh. Müschterli u Gschichten us em Ämmethal, Bern 1918
  • Steinige Wege. Geschichten aus dem Bernbiet, Bern 1920
  • Meieschössli. Gschichtli für jung un alt. Stab-Bücher Basel 1921
  • Ämmegrund. Mundartgschichte, Bern 1927
  • Drätti, Müetti u dr Chlyn. Bilder us myr Buebezyt, Bern 1931
  • Seminarzyt. Chrütli u Uchrütli us eme Jugetgarte, Bern 1937
  • Eichbüehlersch. E Wägstrecki Bureläbtig, Bern 1941
  • Landbärner. Mundartgschichten u Müschterli, Bern 1942

Theater[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Geld und Geist: emmentalisches Mundartschauspiel in 5 Aufzügen nach Jeremias Gottelfs Erzählung. Francke, Bern 1910, überarbeitete Fassung 1925
  • Hansjoggeli der Erbvetter: emmentalisches Mundartstück in 4 Aufzügen nach Jeremias Gotthelfs Erzählung. Francke, Bern 1918

Postum veröffentlicht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Vermächtnis. Aufzeichnungen aus seinen Tagebüchern, hg. v. Karl Uetz. Francke, Bern 1948
  • Gesammelte Erzählungen in 10 Bänden. Francke, Bern 1952–57
  • Briefwechsel zwischen Simon Gfeller und Otto von Greyerz 1900–1939, hg. v. Erwin Heimann. Francke, Bern 1957, ISBN 3-305-00027-9
  • Simon Gfeller-Trilogie, hg. v. der Simon Gfeller-Stiftung (zeitgemäss illustrierte Bände mit ausgewählten Erzählungen, dazu Ausschnitten aus Tagebüchern, Briefen und Vorträgen des Dichters)
    • Band 1: Heimisbach. Bilder u Bigäbeheiten us em Bureläbe, 2001
    • Band 2: Lehre wärche u wyteri bärndütschi Gschichte us em Ämmitall, 2002
    • Band 3: Steinige Wege. Etwas, das im Emmental jedermann vor den Füssen liegt, 2003

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Arnold: Simon Gfeller. In: Andreas Kotte (Hrsg.): Theaterlexikon der Schweiz. Band 1, Chronos, Zürich 2005, ISBN 3-0340-0715-9, S. 702.
  • Heinrich Baumgartner: Simon Gfeller. Erweiterte Fassung des Vortrags, der an der Simon Gfeller-Feier bei Anlass seines 70. Geburtstages im Burgerratssaal in Bern gehalten wurde. Bern [1938].
  • Valentin Binggeli: Simon Gfeller, der Emmentaler Mundartdichter. Eine Biographie entlang von Selbstzeugnissen und Zeitdokumenten. Francke, Bern 1968, ISBN 3-305-00028-7.
  • Valentin Binggeli: Egge u Grebe. Das Emmental bei Simon Gfeller. Fischer, Münsingen 1984.
  • Christian Joss: Es geit niene gspässiger weder uf der Wält. Der Mensch im Werk von Simon Gfeller. Cosmos, Bern 1987, ISBN 3-305-00029-5.
  • Georg Küffer: Vier Berner: Emanuel Friedli, Otto von Greyerz, Rudolf von Tavel, Simon Gfeller. Haupt (Berner Heimatbücher, Heft 92/93), Bern 1963.
  • Karin Marti-Weissenbach: Gfeller, Simon. In: Historisches Lexikon der Schweiz.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]