Sofa

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Dieser Artikel behandelt das Möbelstück. Für die völkerrechtliche Vereinbarung siehe Status of Forces Agreement (SoFA).
Darstellung eines Sofas im antiken Griechenland im Nordisk familjebok
Sofa, Nußholz geschnitzt. An den Zargen, den sechs geschwungenen Beinen und den in Voluten auslaufenden Armstützen Rocaillemotive und Schnörkel. Theresianisch, 1750–1760
Loriots grünes Sofa in der Deutschen Kinemathek, 2012
Braunes Sofa
Beispiel für einen langen Divan in der Art einer Récamière oder eines antiken Triclinium, der auch als Bettcouch verwendet werden kann
Als das Himmelbett noch kein „Kanapee“ war: „Canopée“ mit seinem Baldachin im Château de Bazoches

Das Sofa (Plural Sofas, von arabisch ‏صفة‎, DMG ṣuffa ‚Ruhebank‘), auch Couch (englisch, von französisch coucher ‚liegen‘, urspr. lateinisch collocare ‚zusammenfügen‘), Kanapee (von französisch canapé, von lateinisch conopeum ‚Himmelbett‘, von altgriechisch κωνωπεῖον) oder Diwan (von persisch ‏دیوان‎, DMG dīwān, ‚Gerichtshof‘ eigentlich ‚Kanzlei‘, ‚Amt‘, ‚Büro‘, zugeordnetes arabisches Verb dawwana ‚aufzeichnen‘, ‚eintragen‘, ‚registrieren‘), regional auch Bettbank oder Bettcouch genannt, ist ein mehrsitziges gepolstertes Sitz- und Liegemöbel, das sich auch für den kurzen Mittagsschlaf eignet. Aufgrund ihres höheren Sitzkomforts wird heute die Bettcouch der eher selten gewordenen Chaiselongue vorgezogen, welche stark an das antike Triclinium oder die moderne Récamière erinnert.

Geschichte[Bearbeiten]

Schon in der griechischen Antike gab es ein Möbelstück zum Sitzen und Ruhen, die sogenannte Kline. Sie spielte nicht nur im privaten Alltag eine bedeutende Rolle, sondern auch beim Speisen mit Gästen und in großer Gesellschaft. Im 6.–7. Jahrhundert v. Chr. wurden Klinen aus Marmor, Elfenbein, Holz oder Metall angefertigt.

Ab dem 17. Jahrhundert wurden Sofas erstmals in England und Deutschland hergestellt und waren ausschließlich dem Adel vorbehalten, da es sich um teure Luxusmöbel handelte. Anfangs waren die Holzmöbel sehr massiv, später sehr viel aufwendiger verziert und mit edlen Polsterstoffen bezogen, beispielsweise die opulentem Möbel am Hof von Ludwig XIV. Im Rokoko wurde der Stil der Sofas immer filigraner, florale Gestaltungselemente waren hier ausschlaggebend. [1]

Das Fremdwort Sofa ging erst Ende des 17. Jahrhunderts in den deutschen Sprachgebrauch über, als die damaligen Sofas den heutigen Gestellen mit Polsterung entsprachen. Das orientalische Fremdwort diwan für Sitzmöbel, wie man sie in orientalischen Amtsstuben findet, wurde vor allem im 19. und 20. Jahrhundert verwendet.

Die Funktion des Sofas war im 17. Jahrhundert auf das Liegen und Ausruhen tagsüber beschränkt. Allmählich entwickelten sich verschiedene Sofa-Arten wie die Chaiselongue und hier besonders die Ohnmachts-Couch. Diese diente im 19. Jahrhundert den Frauen zur Erholung nach einem Schwächeanfall. Sofas mit Sprungfedern und Rückenlehnen zum Anlehnen beim Sitzen kamen erst im 19. Jahrhundert auf und wurden im Zuge der Industriellen Revolution zu Massenprodukten. Im 20. Jahrhundert entwickelte sich das Sofa zum Alltagsmöbel für jedermann und wurde immer erschwinglicher. Garnituren aus mehreren Polstermöbeln waren in den meisten Haushalten zu finden. Zahlreiche Designer und Künstler entwarfen berühmte Sofas wie beispielsweise die schlichte „Swan Couch“ des Dänen Arne Jacobsen. [2]

Sofas existieren heute in zahlreichen Varianten. Das so genannte Ostfriesensofa ist ein Tisch- oder Küchensofa mit seitlich abklappbaren Armlehnen. Weitere Bauarten sind auch heute noch die Ottomane, die Chaiselongue, die Récamière und das ausziehbare oder ausklappbare Sofa, dessen Liegefläche sich durch einen einfachen Mechanismus zu einem Schlafplatz vergrößern lässt. Diese Bauart wird nach ihrer Funktion Schlafsofa genannt und hat den Vorteil, dass sie platzsparend ist.

Ein Sofa ist in privaten Wohnzimmern, in der Flughafen-Lounge, in Kneipen sowie auch beim Psychologen und Psychotherapeuten zu finden. Bei Letztgenannten soll es im Sprechzimmer für eine entspannte Atmosphäre sorgen und damit gute Voraussetzungen für die Psychoanalyse schaffen. „Auf der Couch“ oder „ein Fall für die Couch sein“ wird abwertend sprichwörtlich als Synonym für „reif für die Psychotherapie“ benutzt.

Bekannt geworden ist das grüne Biedermeier-Sofa, auf dem der Humorist und Künstler Loriot seine Sketche präsentierte. Seine Vorliebe für dieses Möbelstück übertrug Loriot in die Trickfilme Wum und Wendelin. In diesen humoristisch satirischen Zusammenhang passt auch das Gedicht

DU BIST DIE RUH...

Ja, auf dem DIWAN ist gut ruhn,

will man sich mal gemütlich tun.

Das SOFA dient als RUHEBANK,

denn hier vergisst man Müh' und Zank!

Die COUCH pour bien, très bien coucher,

ist lieb und teuer uns seit je.

Das KANAPEE, das HIMMELSBETT,

was wäre denn, wie dies, so nett!?

Das RÖMERSOFA, die CHAISELONGUE

find't man nicht nur en France très bon.

Ganz ähnlich auch die RÉCAMIÈRE,

sie hilft bei jeglicher Misere...

Und schließlich noch die OTTOMANE,

die ist das Häubchen auf der Sahne!


Zu Deinem herzlichen Gedenken

möcht ich Dir all die LIEGEN schenken.

Was kann man dort nicht alles tun?!

Ich wüsst' was Bessres als zu ruhn ... !

<aus: 'NORD-SÜDLICHER DIWAN' von Rainer Leptihn>

Sofagarnitur[Bearbeiten]

Eine Sofagarnitur (auch: Polster- oder Couchgarnitur) ist eine Zusammenstellung einzelner gepolsterter Sitzmöbel. Das Wort Garnitur beschreibt dabei die Zusammengehörigkeit der einzelnen Möbelstücke, d. h. dass die Einzelkomponenten das gleiche Design und den gleichen Bezug besitzen. Sie besteht meist aus einer Couch und zwei Sesseln.[3]

Polstergarnitur in der klassischen 3-2-1 Kombination

Bauarten[Bearbeiten]

In der Regel bezieht sich die Bezeichnung auf eine Kombination von Sofas mit einer unterschiedlichen Anzahl von Sitzplätzen. Sie werden daher auch als Sofagarnitur oder 3,2,1-Sofa bezeichnet. Polster- /Sofagarnituren sind als Möblierung für Wohnzimmer vorgesehen. Sie sind in vielen unterschiedlichen Farben, Formen, Funktionen und Materialien zu bekommen. Im Gegensatz zu einer Rundecke oder einem Ecksofa, die durch ihre Bauart nur in einer Position stehen können, ist die Polstergarnitur variabel im Raum kombinierbar. Laut einer Untersuchung von 1980 gehörte die Polstergarnitur "zur Standardausstattung der überwiegenden Mehrzahl aller deutscher Wohnzimmer[4] und 83 % der Haushalte besaßen eine solche.[5]

Design[Bearbeiten]

Im Laufe der letzten 60 Jahre waren Polster-/ Sofagarnituren mal mehr und mal weniger beliebt. Auch das Design variierte stark während der letzten Jahrzehnte. Während der 1950er und 1960er Jahre dominierten noch Materialien wie Holz in Kombination mit Stoff.

Sofagarnitur mit einem Hocker anstelle eines Tisches oder eines Sessels

Die Farben waren eher gedeckt und das Design war funktional. In den 1950ern saß die deutsche Bevölkerung bevorzugt auf „Rundecken“. Auch waren Sessel, z. B. Club-/Cocktail- und Fernsehsessel, beliebte Einrichtungsgegenstände. Zum Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre wandelte sich der Einrichtungsstil stark. Auch die Materialien wandelten sich. Leder oder Kunststoff dominierten. Anstelle von gedeckten Farbtönen wie sie in den 1950ern und 1960er Jahren noch gerne verwendet wurden, bevorzugte man grelle Farben und große Muster.

Die Garnituren heute zeichnen sich meistens durch klare Formen und Farben aus. Der Einzelsitzplatz wird zum Teil durch einen Hocker ersetzt, der variabel auch als Tisch genutzt wird. Der Trend geht hin zum Minimalistischen, ohne große Muster oder schnörkelige Verzierungen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Universität Kiel, Historisches Seminar: Die Möbel in ihren Stilepochen (HTML) Abgerufen am 28. Juni 2015.
  2. Die Geschichte des Sofas–von der Antike bis zur Neuzeit (PDF) Abgerufen am 28. Juni 2015.
  3. Couch. In: Andreas Cyffka (Hrsg.): Pons Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache. Klett, Stuttgart 2006, ISBN 3-12-517044-3, S. 260.
  4. Richard Peel: Die Wahrnehmung von Wohnzimmern und ihrer Bewohner. Verlag Ruprecht-Karl-Universität, Heidelberg 1980, S. 18.
  5. Klaus Grefermann: Holzverarbeitende Industrie aus der Sicht der siebziger Jahre. Verlag Duncker & Humblot, 1978, ISBN 3-428-04198-4, S. 77.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sofa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Sofa – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen