Sonja Eismann

Sonja Eismann (* 1973 in Heidelberg) ist eine deutsche Journalistin und Kulturwissenschaftlerin. Sie ist Mitbegründerin und Mitherausgeberin des Missy Magazine und lebt in Berlin.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Sonja Eismann studierte Vergleichende Literaturwissenschaft in Wien, Mannheim, Dijon und Santa Cruz (USA).[1] 1998 war sie Mitbegründerin der Zeitschrift nylon. KunstStoff zu Feminismus und Populärkultur. Seit 2008 ist sie Mitherausgeberin des Missy Magazine. Sie hat als freie Autorin für verschiedene Zeitschriften geschrieben (u. a. Spex, taz, Jungle World, konkret, Freitag, Deutschlandfunk Kultur).
Sie ist Herausgeberin verschiedener Bücher, beispielsweise (zusammen mit Chris Köver) Mach’s selbst – Do it yourself für Mädchen (2012)[2] und Glückwunsch, du bist ein Mädchen! (2013).[3]
Seit 2007 lehrt sie an verschiedenen Universitäten. Als Wissenschaftlerin liegen ihre Forschungsschwerpunkte auf Repräsentation von Geschlecht in der Populärkultur, Dritte-Welle-Feminismus, gendersensiblem (pop)journalistischem Schreiben, Do-It-Yourself-Kulturen und Modetheorie.[4]
Mit dem Buch Candy Girls. Sexismus in der Musikindustrie (2025) befasst sich Eismann mit der strukturellen Benachteiligung von Frauen im Pop-Mainstream und widerspricht der Annahme, ein vielbeschworenes „Matriarchat des Pop“ durch weibliche Superstars löse die zugrunde liegenden Probleme bereits auf.[5] Sie zeigt anhand von Festival-Aufstellungen und Branchendynamiken, dass Machtgefälle fortbestehen und männliche Interpreten weiterhin dominieren.[5] Als analytische Figur arbeitet sie die von der Industrie entworfenene Weiblichkeitsfantasie der „Candy Girls“ heraus, die Künstlerinnen als süß, verfügbar und manipulierbar imaginiert und sie auf Körper und Sexiness reduziert.[5] In diesem Zusammenhang konstatiert Eismann, ein Mann mit einer Gitarre gelte schlicht als Gitarrist, während eine Frau zuerst als Frau wahrgenommen werde und erst nachrangig als Musikerin, was Expertise und Autorenschaft unsichtbar mache.[5] Überdies analysiert sie die Abwertung weiblicher Fankulturen – bis hin zur historischen Pathologisierung etwa in der sogenannten „Lisztomanie“ – und hält dem die Funktion von Fansein als Schutz- und Resonanzraum für Mädchen und Frauen entgegen.[5] Zugleich verweist Eismann auf Berichte über Grenzüberschreitungen im Livebetrieb, etwa Debatten um „Row Zero“ und Aftershowpartys, als Hinweise auf fortbestehende Risikozonen.[5] Als Gegenstrategien nennt sie die Arbeit von #MeToo-Aktivistinnen, den Aufbau eines feministischen FLINTA-Pop-Kanons sowie Arbeitskreise und Boykotte, durch die dominante Muster aufgebrochen werden sollen.[5]
Von 2016 bis 2022 war sie Mitglied im Musikbeirat des Goethe-Institutes.
Im Sommersemester 2024 übernahm Eismann die Popdozentur des Studiengangs Populäre Musik und Medien an der Universität Paderborn.[6]
Werke
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- Hot Topic. Popfeminismus heute. Ventil Verlag, Mainz 2007 ISBN 978-3-931555-75-7
- Craftista! Handarbeit als Aktivismus. Ventil, Mainz 2011 ISBN 978-3-931555-60-3
- absolute Fashion. orange-press, Freiburg 2012 ISBN 978-3-936086-57-7
- (mit Chris Köver) Mach’s selbst. Do it yourself für Mädchen. Beltz & Gelberg, Weinheim 2012 ISBN 978-3-407-75363-2
- (mit Chris Köver) Glückwunsch, du bist ein Mädchen! Eine Anleitung zum Klarkommen. Beltz & Gelberg, Weinheim 2013 ISBN 978-3-407-75368-7
- mit Anna Mayrhauser: Freie Stücke: Geschichten über Selbstbestimmung. Edition Nautilus, Hamburg 2019 ISBN 978-3-96054-185-1
- Die doppelte Scham. Über das autofiktonale Erzählen der französischen Schriftstellerin Annie Ernaux. Konkret, 9, 2020, S. 54f. (mit Foto: Ernaux und ihre Mutter 1959)
- Wie siehst du denn aus? Warum es normal nicht gibt. Beltz & Gelberg, Weinheim 2020[7]
- Movements and Moments. Indigene Feminismen. Jaja Verlag, 2022[8]
- Wo kommst du denn her? Warum das die falsche Frage ist und was uns wirklich ausmacht. Beltz & Gelberg, Weinheim 2022[9]
- Candy Girls. Sexismus in der Musikindustrie. Nautilus Flugschrift, Hamburg 2025[10]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Gerda Breuer: Her Stories in Graphic Design. Dialoge, Kontinuitäten, Selbstermächtigungen. Grafikdesignerinnen 1880 bis heute. Jovis Verlag GmbH, Berlin 2023, ISBN 978-3-86859-773-8, S. 282, 283.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Literatur von und über Sonja Eismann im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Kurzbiografie und Rezensionen zu Werken von Sonja Eismann bei Perlentaucher
- Lebenslauf auf der Website der Uni Paderborn; abgerufen am 30. Dezember 2013
- Goethe-Institut (Beiräte)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Lebenslauf ( vom 30. Dezember 2013 im Internet Archive) bei der Uni Paderborn, abgerufen am 30. Dezember 2013.
- ↑ Mach’s selbst. ( vom 30. Dezember 2013 im Internet Archive) beltz.de; abgerufen am 30. Dezember 2013.
- ↑ Glückwunsch, du bist ein Mädchen! ( vom 30. Dezember 2013 im Internet Archive) beltz.de; abgerufen am 30. Dezember 2013.
- ↑ 5. Popdozentur an der Universität Paderborn: Popmusikjournalistin und Kulturwissenschaftlerin Sonja Eismann zu Gast. In: www.uni-paderborn.de. Abgerufen am 5. Januar 2025.
- ↑ a b c d e f g Helene Slancar: Buch über Sexismus im Musikbetrieb: Wann ist eine Frau eine Frau und ein Mann ein Gitarrist? In: taz. 14. November 2025, abgerufen am 15. November 2025.
- ↑ Paderborner Popdozentur - Fach Musik | Universität Paderborn. Abgerufen am 26. November 2025.
- ↑ beltz: Wie siehst du denn aus? Abgerufen am 9. November 2024 (deutsch).
- ↑ Movements and Moments. Indigene Feminismen. In: Perlentaucher. Abgerufen am 14. März 2023.
- ↑ beltz: Wo kommst du denn her? Abgerufen am 9. November 2024 (deutsch).
- ↑ Edition Nautilus: Candy Girls. Abgerufen am 9. September 2025.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Eismann, Sonja |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Journalistin und Kulturwissenschaftlerin |
| GEBURTSDATUM | 1973 |
| GEBURTSORT | Heidelberg |