Soziale Interaktion

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Soziale Interaktion bezeichnet das wechselseitig aufeinander bezogene Handeln von Akteuren, also das Geschehen zwischen Personen, die aufeinander reagieren, einander beeinflussen und steuern.

Begriffsverwendung[Bearbeiten]

Der eigentliche Terminus, der später im amerikanischen als „interaction“ übersetzt wurde, stammt von Georg Simmel und lautete „Wechselwirkung“. Soziale Interaktion ist die aktive Wechselwirkung von wenigstens zwei Akteuren oder sozialen Institutionen wie etwa Organisationen, z. B. zum Zwecke der Abstimmung des Verhaltens der Beteiligten bzw. des konkreten Handelns der Kooperations­partner. Voraussetzung für die Anschlussfähigkeit einer Interaktion ist die wechselseitige kommunikative Bezugnahme der an der Interaktion Beteiligten. Diese Bezugnahme kann Handlungsgründe, Handlungsziele sowie Erwartungen des Gegenübers umfassen. Da solche Interpretation immer auch wechselseitig ist, ist soziale Interaktion zugleich auch Kommunikation.

Die Soziologie unterscheidet drei Ebenen des sozialen Lebens: Interaktion, Organisation und Gesellschaft. Organisationen und Gesellschaften bestehen aus den (strukturierten) unzähligen sozialen Interaktionen der beteiligten Menschen. In einigen soziologischen Theorien gilt die Interaktion als die Grundeinheit alles Sozialen.

Soziologische Auffassungen sozialer Interaktion[Bearbeiten]

Mit sozialer Interaktion haben sich verschiedene Theorien und Soziologen auseinandergesetzt. Sie weisen jeweils spezifische Aspekte aus.

Symbolischer Interaktionismus[Bearbeiten]

Interaktion ist im symbolischen Interaktionismus ein permanenter Prozess des Handelns, Beobachtens und Entwerfens weiterer Handlungen, in dem ego und alter wechselseitig die vermuteten Rollenerwartungen des anderen übernehmen oder ablehnen, darauf reagieren und weiteres Handeln antizipieren. Wechselseitige Interpretationen definieren die Situation, bestimmen, worum es geht oder nicht gehen soll, und leiten das Handeln an. Nicht vorgegebene Normen ermöglichen die Interaktion, sondern die gemeinsame Festlegung, welchen Sinn die Interaktion hat. Voraussetzung für das Gelingen von Interaktion ist die Fähigkeit zur Perspektivenübernahme. Diese Auffassung von Interaktion vertritt gegen das normative Paradigma das interpretative Paradigma.[1]

Max Weber[Bearbeiten]

Nach Max Weber ist soziales Handeln seinem von den Handelnden gemeinten Sinn nach immer auf das Verhalten Anderer bezogen. Von sozialer Interaktion kann man insofern sprechen, als Handeln in einer sozialen Beziehung erfolgt, d.h. ein fortlaufendes aufeinander eingestelltes und dadurch orientiertes „Sich-Verhalten“ mehrerer ist.[1] Die soziale Interaktion wird durch den individuellen Sozialisationsprozess sowie die individuell unterschiedliche selektive Wahrnehmung bestimmt.

George Herbert Mead[Bearbeiten]

George Herbert Mead versteht unter einer sozialen Handlung nicht die Handlung eines Einzelnen. Die soziale Handlung ist auf ein soziales Objekt gerichtet. So ist z. B. das soziale Objekt des Fußballteams, Tore zu schießen bzw. das Spiel zu gewinnen. Das kooperative Zusammenspiel des Teams ist die soziale Handlung. Sie besteht aus sozialen Interaktionen zwischen den Spielpartnern, die dadurch koordiniert sind, erstens ein gemeinsames soziales Objekt zu haben und zweitens durch die Fähigkeit der Interaktionsteilnehmer, die Rolle, welche die anderen für die Erreichung des Zieles spielen, zu antizipieren und entsprechend zu agieren und zu reagieren.

Talcott Parsons[Bearbeiten]

Nach Talcott Parsons Rollentheorie folgen wir in unserem Verhalten normativen Vorgaben, die sich aus sozialen Strukturen ergeben. Unsicherheit im Verhalten besteht, weil die Interpretation der Verhaltensnormen durch die Interaktionsteilnehmer unterschiedlich sein kann. Dass Interaktion trotzdem funktioniert, erklärt Parsons damit, dass die Teilnehmer durch Sozialisation die gleichen Normen und Werte der Gesellschaft internalisiert haben und daher motiviert sind, so zu handeln, wie sie handeln sollen. Eine solche Auffassung wird unter das normative Paradigma gezählt.[1]

Im Gegensatz zu Parsons Ansatz steht das Interaktionistische Rollenmodell.

Besondere Aspekte der sozialen Interaktion[Bearbeiten]

Bedingungen des Gelingens sozialer Interaktion[Bearbeiten]

Soziale Interaktion hängt direkt mit der Kommunikation zusammen. Deswegen gelten für eine erfolgreiche soziale Interaktion dieselben Bedingungen, wie für eine erfolgreiche Kommunikation. Von erfolgreicher Kommunikation und damit erfolgreicher sozialer Interaktion spricht man dann, wenn die Ziele der Interaktion erreicht wurden und die beabsichtigte Wirkung eintritt. Das heißt, dass die Erwartungen der Beteiligten an die Interaktion erfüllt wurden und somit auch deren Bedürfnisse. Als einfaches Beispiel ist das Unterrichtsgeschehen zu betrachten: Ein Schüler stellt eine Frage (sein Bedürfnis / seine Erwartung ist die Antwort) und der Lehrer beantwortet diese. Das Ziel ist dann erreicht, wenn der Schüler es verstanden hat, somit wurden sowohl die Erwartungen des Schülers sowie die des Lehrers erfüllt. Es ist auch wichtig, eine positive Interaktionsatmosphäre zu ermöglichen und seine Kommunikationsbereitschaft zu signalisieren. Wenn man zudem ständig die eigenen Zielsetzungen und Erwartungen an die Interaktion überprüft, läuft man auch nicht Gefahr, eine gestörte Interaktion zu provozieren.

Die Kategorie des „Dritten“[Bearbeiten]

Seit einiger Zeit wird in der Theorie der sozialen Interaktion systematisch mitreflektiert, dass in der Interaktion neben dem Anderen (als zweiter Person) basal ein Dritter immer schon im Spiel ist und besondere Funktionen übernimmt, die sich nicht auf den Anderen zurückführen lassen.

Soziale Interaktion und Kommunikation[Bearbeiten]

Gesellschaftlicher Diskurs
Soziale Interaktion findet immer auf der Grundlage oder zumindest vor dem Hintergrund gesellschaftsstruktureller Voraussetzungen statt. Die Gesellschaftsstruktur, also das Set dominanter Modi der Vergesellschaftung, beeinflusst somit die konkrete, situationale Interaktion. Beispiel: In einer hierarchisch-differenzierten Gesellschaft ist immer ein hierarchisches Verhältnis der Sich-in-Interaktion-Begebenden gesetzt. Hieraus ergeben sich Kommunikationsweisen, die auf das Herstellen von Hierarchie ausgerichtet sind.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Goffman, Erving (1986): Interaktion. Spaß am Spiel-Rollendistanz. München: Piper.
  • Goffman, Erving (1999): Interaktionsrituale. Über Verhalten in direkter Kommunikation. Frankfurt a.M.: Suhrkamp
  • Kieserling, André (1999): Kommunikation unter Anwesenden. Frankfurt a.M.: Suhrkamp.
  • Luhmann, Niklas (1975): Interaktion, Organisation, Gesellschaft. In: Luhmann, Niklas (Hg.): Soziologische Aufklärung 2. Aufsätze zur Theorie der Gesellschaft. Opladen: WDV, S. 9–20.

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b c Abels, H. (2004). Einführung in die Soziologie. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.