Specks Hof

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Specks Hof von der Nikolaistraße aus gesehen.

Specks Hof ist die älteste erhaltene Ladenpassage in Leipzig. Die Anlage nahe der Nikolaikirche steht beispielhaft für Leipzigs Messe- und Handelshäuser, die Anfang des 20. Jahrhunderts erbaut wurden.

Die gleiche Stelle um 1900 – das sogenannte „Nürnberger Häuschen“
Specks Hof heute bei Nacht
Die Passage von Specks Hof.
Bebauung der Reichsstraße um 1900.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit etwa 1430 befand sich etwa an dieser Stelle ein großes Gebäude, das als Wohnhaus, Brauhaus und Weinkeller diente. Das Gelände wurde 1815 von Maximilian Speck von Sternburg gekauft, bis 1908 hieß das Geschäftshaus in der Reichsstraße 6 Speck's Hof. Am 16. Dezember 1889 wurde es erbteilungshalber versteigert, wobei Alexander Speck von Sternburg es kaufte und seine drei Geschwister auszahlte. Bereits 1890 veräußerte dieser das Gebäude an Karl Gottlieb Scheller, welcher es neun Jahre später an Dr. Johanna Petersmann verkaufte. Von dieser erwarben am 15. März 1908 der Kaufmann Paul Schmutzler und der Architekt Emil Franz Hänsel das Haus.

Nachdem 1897 das städtische Kaufhaus in Leipzig als erstes überdachtes Messehaus gebaut wurde, begann in der Stadt ein Bauboom solcher Gebäude- und Gebäudekomplexe. Darunter fiel auch Specks Hof. Die moderne Passage, die das Gelände mehrerer ehemaliger Gebäude – darunter auch das sogenannte „Nürnberger Häuschen“ – umfasst, wurde von dem Architekten Emil Franz Hänsel in drei Bauabschnitten errichtet, 1909 wurde der erste Teil mit 5.000 m² eingeweiht, 1911 und 1928/1929 kamen Erweiterungsbauten hinzu. Mit 10.000 m² Ausstellungsfläche war sie der größte Messeplatz der damaligen Zeit.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Gebäudekomplex stark beschädigt und büßte seine Dachaufbauten ein. In den Jahren 1981 und 1982 wurde die historische Passage behutsam saniert. Die Umbaupläne des Jahres 1992 wurden zu einem Präzedenzfall für künftige Sanierungen denkmalgeschützter Bauten in Leipzig.[1] Während Specks Hof einerseits die historische Dachlandschaft wiedererhalten sollte, wollte man die historischen Passagen zunächst abbrechen. Widerstände aus der Bevölkerung und von Denkmalschützern führten schließlich zu einem Kompromiss. Dadurch wurden zwei von drei Lichthöfen vergrößert, während die Passagen und ein Lichthof erhalten blieben. Die Restaurierung wurde von 1993 bis 1995 ausgeführt und gewann 1996 auf der weltgrößten Immobilienmesse MIPIM in Cannes den Preis für das schönste in diesem Jahr restaurierte Gebäude. Nachdem die Leipziger Messe 1995 auf das neue Messegelände umzog, mussten die Passagen alleine von den Ladenmieten leben. Heute finden sich edle Boutiquen ebenso wie die Connewitzer Verlagsbuchhandlung, ein „Ost-Produkte“-Shop oder ein Steakhouse in den prachtvollen, glasgedeckten Passagen.

Die Fassadengliederung der Passage spiegelt den Grundaufbau des Gebäudes mit Kolossalpilastern, Erkern und Balustrade wider. Aufgelockert wird der Bau durch kunsthandwerkliche Arbeiten und die Passagen als Tonnengewölbe mit Durchgang zum Hansa Haus. Neuland betraten die Architekten von Specks Hof mit den Lichthöfen zwischen den Ladenzeilen. Diese wurden unter der künstlerischen Oberbauleitung des Leipzigers Peter Lang von Bruno Griesel, Moritz Götze und Johannes Grützke gestaltet.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Birk Engmann: Der große Wurf. Vom schwierigen Weg zur neuen Leipziger Universität. Sax- Verlag. Beucha. 2008, ISBN 978-3-86729-022-7

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolfgang Hocquél: Die Leipziger Passagen. Architektur von europäischem Rang. Sax-Verlag, Markkleeberg 2007, ISBN 978-3-930076-90-1.
  • Schmutzler, Paul: Fünfundzwanzig Messen in Specks Hof zu Leipzig. Leipzig 1922.
  • Bauaktenarchiv Leipzig. Bauakte "Specks Hof" Band 1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Specks Hof – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 51° 20′ 25″ N, 12° 22′ 39″ O