Nikolaikirche (Leipzig)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Die Nikolaikirche von Nordosten mit der Nikolaisäule (August 2010)

Die Nikolaikirche (offiziell: Stadt- und Pfarrkirche St. Nikolai) ist die älteste und größte Kirche in Leipzig sowie neben der Thomaskirche die bekannteste Kirche der Stadt. Der nach dem heiligen Nikolaus benannte Sakralbau ist Hauptkirche der evangelisch-lutherischen St.-Nikolai-Kirchengemeinde Leipzig. Die Umgestaltung und Ausstattung des Innenraumes der Nikolaikirche stellt eine bedeutende Schöpfung des Klassizismus dar.

Im Herbst 1989 war die Nikolaikirche zentraler Ausgangspunkt der friedlichen Revolution in der DDR mit dem anschließenden Mauerfall in Berlin am 9. November 1989 und der Wiedervereinigung Deutschlands am 3. Oktober 1990.

Geschichte und Baugeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt- und Pfarrkirche St. Nikolai wurde ab 1165 nach der Verleihung des Stadt- und Marktrechtes an Leipzig im romanischen Stil erbaut. An der Westseite der Kirche ist der romanische Ursprung bis heute sichtbar. Im 15. und 16. Jahrhundert erfolgten Erweiterungen und der vollständige Umbau zur dreischiffigen spätgotischen Hallenkirche.[1]

1452 erhielt die Nikolaikirche mit der Osanna ihre erste Glocke, von Nikolaus Eisenberg verziert mit Darstellungen des gekreuzigten Jesus und der vier Evangelisten, des heiligen Martin und des Schutzpatrons dieser Kirche, des heiligen Nikolaus.[2] Die Glocke läutete nicht nur die Gottesdienste ein, sondern wurde auch als Feuerglocke genutzt. Die fast 6 t schwere, im Südturm hängende Osanna ging durch Einschmelzen im Ersten Weltkrieg verloren.

Am 25. Mai 1539 wurde durch die Predigten der Reformatoren Justus Jonas der Ältere und Martin Luther die Reformation in Leipzig begonnen. Die Kirche wurde damit Sitz des ersten Superintendenten der Stadt Johann Pfeffinger.

In der Nikolaikirche führte Johann Sebastian Bach zahlreiche seiner Kantaten und Oratorien zum ersten Mal mit dem Thomanerchor auf, darunter auch die Johannespassion, sein bis dahin umfangreichstes Werk, am Karfreitag, dem 7. April 1724.

Im Zuge der Aufklärung und Revolutionsarchitektur wurde der Innenraum der Kirche zwischen 1784 und 1797 nach dem Ideal der Urhütte (Bäume (Säulen), Blätterdach usw.) umgestaltet. Darauf weist auch die 1999 errichtete Palmsäule vor der Kirche hin. Die letzten großen baulichen Veränderungen erfolgten von 1901 bis 1902 an der Außenfassade. Das spätgotische Aussehen wurde beibehalten.

Der Mittelturm ist 75 m hoch.[3]

Die Montagsdemonstrationen, die gegen das DDR-Regime gerichtet waren, entwickelten sich aus den Montagsgebeten, die in der Nikolaikirche bereits Anfang der 1980er-Jahre stattfanden und anfänglich nur von einigen wenigen Menschen besucht wurden (vgl. Friedliche Revolution (Leipzig)). In den späten Novembertagen 1982 wurde in der Nikolaikirche zum ersten Mal in der DDR eine große Schautafel mit dem Symbol für Schwerter zu Pflugscharen öffentlich aufgestellt. Ende der 1980er-Jahre gingen allwöchentlich Zehntausende, manchmal sogar über 100.000 Menschen, während der Montagsdemonstrationen auf die Leipziger Straßen, um für Demokratie, freie Wahlen, Reisefreiheit und die Einheit Deutschlands zu demonstrieren.

Auf dem Nikolaikirchhof neben der Kirche wurde 1999 nach Entwürfen des Leipziger Künstlers Andreas Stötzner die Nachbildung einer Dauthe’schen Säule errichtet, die als Friedenssäule an die Montagsdemonstrationen und die Friedhaftigkeit der Revolution erinnern soll. Im Jahr 1995 drehte Frank Beyer einen nach der Kirche benannten Film, der die Geschehnisse des Jahres 1989 künstlerisch aufarbeitete.

Jahrzehntelang stellte die Nikolaigemeinde ihre Kirche dem Leipziger Propsteichor als Probe- und Aufführungsstätte zur Verfügung. Die Propsteikirche war im Zweiten Weltkrieg beschädigt und später gesprengt worden. Selbst als die Propsteigemeinde in den 1980er-Jahren am Rand der Innenstadt, am Rosenthal, in eine neue Kirche ziehen konnte, trat ihr Chor weiterhin auch in St. Nikolai auf.

Bis zum 30. März 2008 war Christian Führer Pastor der Nikolaikirche. Sein Nachfolger ist Bernhard Stief.

Innenraum und Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1521 stammt die sogenannte Lutherkanzel in der Nordkapelle. Sie stand bis 1785 am dritten südlichen Pfeiler des Hauptschiffes. Von 1784 bis 1797 wurde der Innenraum im klassizistischen Stil durch den Leipziger Stadtbaumeister Johann Carl Friedrich Dauthe grundlegend umgebaut. Die Gemälde der klassizistischen Ausstattung schuf der Leipziger Akademiedirektor Adam Friedrich Oeser. Dauthes Umgestaltung ist beeinflusst durch die Architekturtheorie von Marc-Antoine Laugier. Das Gesamtkonzept folgt Laugiers Forderungen im Kapitel De la difficulté de décorer les églises gothiques seiner Observations sur l’architecture (Den Haag 1765). Laugier äußert sich positiv über die gotischen Kirchenbauten, will sie aber in klassischen Formen korrigieren und mittelalterliche Ausstattungselemente beseitigen.

Der Niedergräfenhainer Altar

Dauthe deutete nach Laugiers Vorstellungen die Pfeiler der spätgotischen Hallenkirche durch Abarbeitung bzw. Antragung eines Stuckmantels in kannelierte Säulen von rötlichem Farbton um. Die aus ihren Palmenkapitellen aufsprießenden hellgrünen Blätter kaschieren den Ansatz der gotischen Kreuzgewölbe. Deren Gewölbefelder sind zu klassischen, mit Rosetten besetzten Kassetten geworden. Alles ist auf den Farbakkord Weiß-Rosa-Hellgrün abgestellt. Die von Doppelsäulen korinthischer Ordnung getragenen Emporen orientieren sich hingegen mehr an Laugiers Essai sur l’architecture (Paris 1753, 2. Aufl. 1755). Im Chor wurde ein hölzernes Tonnengewölbe unterhalb des mittelalterlichen Gewölbes eingezogen.

1903 erwarb die Kirchengemeinde St. Nikolai den zweiflügeligen sogenannten Niedergräfenhainer Altar. Der 1510 von unbekanntem Meister geschaffene Schnitzaltar stand bis 1943 in der Nordkapelle und fand erst lange nach dem Zweiten Weltkrieg dort wieder seinen Platz.

Neben dem Hauptaltar wurde 1982 für das erste Friedensgebet auf einem Ständer aus Metall ein einfaches Holzkreuz aufgestellt.

Mit mehr als 1400 Sitzplätzen gehört die Nikolaikirche zu den größten Kirchen Sachsens.

Orgeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zustand der Orgel 1785

Erstmals wird eine Orgel im Jahr 1479 erwähnt, die im südlichen Seitenschiff errichtet war. Mehrfach arbeitete Hermann Raphael Rodensteen an dem Instrument. Johann Lange baute 1597–1598 Werk eine neues Werk (II/P/27), Valentin Silbermann das Gehäuse und Thomas Lichtenstein und sein Geselle Heinrich Eckersen die Seitenflügel. Das Gehäuse wurde 1625–1626 erneuert und das Werk nach Kriegsschäden 1638–1639 durch Andreas Werner instand gesetzt. Zacharias Thayßner erweiterte das Instrument 1693–1694 auf III/P/36. Nach einer Renovierung durch Johann Scheibe im Jahr 1725 folgten Reparaturen durch Zacharias Hildebrandt 1739–1740 und 1750–1751. Johann Gottlob Trampeli ersetzte das abgängige Werk 1785–1787 durch einen Neubau (III/P/49).[4]

Eine kleine Orgel ist 1506 bezeugt. Sie wurde 1577 durch ein Instrument von Rodensteen (I/8) ersetzt, das 1693 von Thayßner abgetragen wurde.[5]

Ansicht der heutigen Orgel

Die heutige Orgel geht zurück auf ein Instrument, das 1862 von dem Orgelbauer Friedrich Ladegast (Weißenfels) mit mechanischen Trakturen und 83 Registern auf vier Manualen und Pedal erbaut wurde. Ladegasts Klangbild unterschied sich deutlich von dem französischer Orgeln jener Zeit, bspw. von Cavaillé-Coll. In Ladegasts Orgel waren neun Zungenstimmen, davon fünf durchschlagende, und unter den Manualregistern nur eine einzige aufschlagende Zunge, eine Trompete, vorhanden. Das E des Principalbass 32` ist die größte Prospektpfeife.[6]

Die ganze Orgel enthielt eine Barker-Maschine. Die Orgel war damals (und ist es auch heute wieder) die größte Orgel Sachsens und hat die romantische Interpretation der Orgelkompositionen Johann Sebastian Bachs in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mitgeprägt. Später baute Ladegast die Orgel um, stattete sie mit weiteren Barker-Maschinen aus, und stimmte sie etwas tiefer, auf den um 1885 gängigen Stimmton.

In den Jahren 1902 bis 1903 wurde die Orgel durch die Firma Wilhelm Sauer (Frankfurt/Oder) umgebaut und erweitert. Dabei änderte sich das Klangbild von einem hochromantischem zu einem typisch deutsch-spätromantischem. Das Pfeifenwerk blieb dabei weitgehend erhalten, die ursprünglich mechanischen Schleifladen wurden gegen pneumatische Kegelladen ausgetauscht, ein moderner Spieltisch installiert, und die Windanlage in das Hauptgehäuse verlegt. Gutachter empfanden einige Sauer-Register als missraten und kritisierten, dass Sauer es nicht geschafft habe, aus Ladegasts Werk eine typische Sauer-Orgel zu machen.

1934 versuchte man, von der Orgelbewegung inspiriert, auch die Ladegast–Sauer-Orgel zu barockisieren. Dabei tauschte man zwölf Register gegen neobarocke aus. Diese mischten sich aber schlecht mit dem restlichen Pfeifenbestand, so dass sie eher als Fremdkörper eine Klangaufhellung bewirkten. Außerdem waren sie zu schwach, um das grundtönige Klangbild in solch einem Maße, dass es einem barocken gleichkommt, aufzuhellen.

Im Zuge einer Restaurierung des Instruments in den Jahren 1986 bis 1988 wurden die Trakturen durch VEB Orgelbau Sauer (Frankfurt/Oder) elektrifiziert.

Nach der Wende stand eine Innenraumsanierung an. In deren Zuge war auch eine Orgelreinigung fällig, so dass überlegt wurde, wie man die Orgel, die zu jener Zeit 94 Register enthielt, bei der Gelegenheit verbessern könne. Unter anderem führte der Platzbedarf der von Sauer installierten Kegelladen dazu, dass die Orgel im Innern "total verbaut" war, was die Klangabstrahlung behinderte.[7][6] In den Jahren 2002–2003 wurde das Instrument dann durch die Orgelmanufaktur Hermann Eule in Bautzen, in Orientierung an der historischen Orgel und unter Wiederverwendung der erhaltenen historischen Substanz im Stil Ladegasts, technisch neu gebaut (Schleifladen) und in dem historischen Gehäuse von 1862 wieder aufgestellt:

a) Die originale Disposition Ladegasts von 1862 wurde wieder hergestellt, wozu neun Register rekonstruiert werden mussten. Kennt der Organist diese Disposition, kann er nun einen Klang, wie die Orgel ihn 1862 erzeugte, registrieren.

b) Man wollte jedoch keinen radikalen Rückbau auf den Zustand von 1862, sondern betrachtete die von Sauer hinzugefügten Register als historisch gewachsenen Bestandteil, der erhalten werden soll. Da die Sauer-Register aber einem anderen Klangideal als dem von Ladegast entsprachen, und auf einen höheren Winddruck eingestellt waren, wäre es ungünstig gewesen, diese unverändert mit Ladegasts Originaldisposition zu mischen.

c) Fa. Eule errichtete ein neues, fünftes Manualwerk (das Schwellwerk), hauptsächlich, um schwer integrierbare Sauer-Register unterzubringen.

d) Zur klanglichen Verbindung der Sauer-Register mit der Ladegast-Disposition baute Fa. Eule elf zusätzliche, neue Register, hauptsächlich aufschlagende Zungenstimmen, in die gesamte Orgel verteilt ein.[8]

Der neue Spieltisch wurde von Designern der Firma Porsche AG entworfen und gesponsert. Der Spieltisch besitzt runde Winddruckanzeiger, die an ein Armaturenbrett erinnern. Die Registrieranlage ist elektrisch, die Traktur mechanisch, und teilweise durch Barker-Maschinen unterstützt. Die Orgel hat 102 Register auf fünf Manualwerken und Pedal.[9]

I Hauptwerk C–a3

1. Bordun (ab c0) 32′ L
2. Principal 16′ L
3. Bordun 16′ L
4. Principal 8′ L
5. Doppelgedackt 8′ L
6. Flaut major 8′ E
7. Gambe 8′ L
8. Gemshorn 8′ T
9. Rohrquinte 513 L
10. Oktave 4′ L
11. Spitzflöte 4′ L
12. Rohrflöte 4′ T
13. Terzflöte 135 R
14. Quinte 223 L
15. Septime 227 R
16. Oktave 2′ L
17. Terz 135 L
18. Mixtur IV 2′ L
19. Cymbel III 2′ L
20. Cornett III–V 223 L
21. Trombone 16′ E
22. Trompete 8′ R
23. Trompete 4′ E
II Oberwerk C–a3
24. Principal (ab c0) 16′ L
25. Quintatön 16′ L
26. Principal 8′ L
27. Bordunalflöte 8′ L
28. Fugara 8′ E
29. Quintatön 8′ L
30. Rohrflöte 8′ L
31. Oktave 4′ L
32. Gedackt 4′ L
33. Hohlflöte 4′ L
34. Spitzquinte 223 L
35. Oktave 2′ L
36. Waldflöte 2′ L
37. Terz 135 L
38. Quinte 113 E
39. Flageolett 1′ E
40. Cymbel IV 2′ R
41. Cornett III 513 R
42. Basson 16′ E
43. Trompete 8′ S
Tremulant
III Brustwerk C–a3 (schwellbar)
44. Lieblich Gedackt 16′ L
45. Geigenprincipal 8′ L
46. Flauto traverso 8′ L, E
47. Doppelflöte 8′ L
48. Harmonica 8′ L
49. Octave 4′ L
50. Octavflöte 4′ E
51. Piffaro 4′ R
52. Rohrquinte 223 L
53. Piccolo 2′ L
54. Scharf III 113 L
55. Fagott 16′ R
56. Oboe 8′ R
57. Cor anglais 8′ S
Tremulant
IV Schwellwerk C–a3
58. Stillgedackt 16′ E
59. Diapason 8′ S
60. Flute traversiere 8′ S
61. Viola di Gamba 8′ S
62. Aeoline 8′ S
63. Voix celeste 8′ E
64. Flute octaviante 4′ E
65. Octavin 2′ E
66. Plein jeu IV–V 223 S
67. Bombarde 16′ E
68. Trompette harm. 8′ E
69. Basson-Hautbois 8′ E
70. Clairon harm. 4′ E
Tremulant
V Echowerk C–a3 (schwellbar)
71. Viola 16′ L
72. Viola d’amour 8′ L
73. Lieblich Gedackt 8′ L
74. Salicional 8′ L
75. Unda maris II 8′ E
76. Sanftflöte 8′ L,E
77. Viola 4′ L
78. Zartflöte 4′ L
79. Nassat 223 L
80. Violino 2′ L
81. Harmonia aetheria III 223 L
82. Aeoline 16′ R
83. Vox humana 8′ S
Tremulant
Pedal C–f1
84. Principalbass 32′ L
85. Untersatz 32′ S
86. Principalbass 16′ R
87. Violonbass 16′ L
88. Salicet 16′ L
89. Subbass 16′ T
90. Terz 1245 L
91. Nassat 1023 R
92. Octavbass 8′ L
93. Bassflöte 8′ L
94. Violoncello 8′ L
95. Nassat 513 R
96. Octavbass 4′ L
97. Cornett V 223 L
98. Posaunenbass 32′ R
99. Posaunenbass 16′ R
100. Dulcian 16′ R
101. Trompete 8′ R
102. Clarine 4′ R
  • Koppeln:
    • Normalkoppeln: II/I, III/I, IV/, III/II, IV/II, IV/III, V/VI, I/P, II/P III/P, IV/P, V/P
    • Superoktavkoppel: III/P
    • Suboktavkoppel: III/I
  • Spielhilfen: 4000-fache Setzeranlage, Crescendowalze, Absteller
  • Anmerkungen:
T = Register weitgehend von Trampeli
L = Bestand von 1862 (Friedrich Ladegast)
S = Register von 1903 (Sauer)
R = nach Ladegast rekonstruiertes Register (Eule, 2004)
E = neues Register von Eule (2004)

Während der Umbau- und Restaurierungsarbeiten an der Ladegast-Orgel stand das op. 644 von Firma Eule, eine 2002 nach italienischen Vorbildern gebaute, zweimanualige Orgel mit 17 Registern nahe dem Chorraum aufgestellt als Interimsorgel zur Verfügung. Diese Orgel steht seit 2012 in der Marienkapelle des Naumburger Doms.[10][6][11] An Stelle der Interimsorgel hatte zuvor lange Zeit eine Kleinorgel der Fa. Alexander Schuke aus den 1950er-Jahren gestanden.

Organisten und Kantoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Derzeit (Stand: Mai 2018) hat die Nikolaikirche nur drei bronzene Glocken: Die beiden Glocken h0 und d1 von 1964 aus der Glockengießerei Schilling in Apolda und die kleine Glocke e1 von 1925 erklingen im Nordturm. Ihre Inschriften lauten: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen“. Es sind die Worte, die das Geläut von 1869 trug.[12] Die Kirchgemeinde sich hat das Ziel gesetzt, dass zum 30. Jahrestag der Friedlichen Revolution am 9. Oktober 2019 ein neues Geläut mit acht Glocken (zwei bisherige und sechs neue) erklingen soll. Dazu läuft eine Spendensammelaktion mit dem Ziel von 136.000 Euro.[13] Die Namen und die Aufschriften für die Glocken stehen bereits fest.[14][15]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das historische Hufeisen

Varia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • An der südlichen Außenseite des Chores befindet sich in einer Nische ein leicht überdimensioniertes Hufeisen. Seine Herkunft ist ungeklärt. Deshalb ranken sich Sagen darum. Eine schreibt es dem Pferd des heiligen Georg zu, das es beim Kampfe Georgs mit dem Drachen verloren habe. Eine andere bringt es mit dem Tode des Landgrafen Diezmann 1307 in Leipzig in Verbindung, dessen Pferd bei einer Verfolgung durch die Stadt ein Hufeisen verlor, das bis in die Nikolaikirche geschleudert worden sei.[16][17]
Wichtig war das Hufeisen, in welchem ein ehemaliges Zunftzeichen eines Leipziger Schmiedemeisters vermutet werden kann, für wandernde Handwerksgesellen, die mit der genauen Kenntnis der Lage dieses Wahrzeichens der Stadt nachweisen konnten, in Leipzig gewesen zu sein.[18]
  • Mit den Geschehnissen um die Nikolaikirche von 1987 bis 1989 setzt sich der Schriftsteller Erich Loest in seinem 1995 erschienenen Roman Nikolaikirche auseinander.[19] Das Buch wurde auch 1995 verfilmt.
  • Ein etwas anderes Bild aus Sicht jugendlicher Oppositioneller zeichnet der Schriftsteller Martin Jankowski, der jahrelang selbst die Friedensgebete mitgestaltete, in seinem Roman Rabet oder Das Verschwinden einer Himmelsrichtung.[20]
  • Die Heilig-Kreuz-Kirche im Leipziger Stadtteil Neustadt ist neben der Nikolaikirche das zweite Gotteshaus der Kirchgemeinde St. Nikolai.
  • Sir Colin Mawby komponierte in Erinnerung an Pfarrer Christian Führer das Oratorium Ecce homo, welches unter Leitung von Frank Steffen Elster (Gewandhaus zu Leipzig) am 26. Mai 2016 mit über 200 Mitwirkenden in der Nikolaikirche uraufgeführt wurde. Es ist „Allen Frauen, Männern und Kindern gewidmet, die versuchen, der inneren Stimme ihres Gewissens trotz Gefahr, Verfolgung und Angst zu folgen – wie die Demonstrierenden der Friedlichen Revolution am 9. Oktober 1989 in Leipzig“.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Czok: Die Nikolaikirche Leipzig. Edition Leipzig 1992, ISBN 3-361-00390-3.
  • Christian Dietrich, Uwe Schwabe (Hrsg.): Freunde und Feinde. Friedensgebete in Leipzig zwischen 1981 und dem 9. Oktober 1989. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 1994.
  • Cornelius Gurlitt: Nikolaikirche. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 17. Heft: Stadt Leipzig (I. Theil). C. C. Meinhold, Dresden 1895, S. 3.
  • Martin Jankowski: Der Tag, der Deutschland veränderte – 9. Oktober 1989. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2007, ISBN 978-3-374-02506-0.
  • Armin Kohnle (Hrsg.): St. Nikolai zu Leipzig. 850 Jahre Kirche in der Stadt. Imhof, Petersberg 2015, ISBN 978-3-86568-857-6.
  • Heinrich Magirius: Nikolaikirche Leipzig. (= Kleiner Kunstführer. 1870). Schnell & Steiner, München 1991.
  • Heinrich Magirius: Die Umgestaltung des Innenraums der Nikolaikirche zu Leipzig durch Johann Carl Friedrich Dauthe 1784 bis 1797. In: Gebaute Vergangenheit heute – Berichte aus der Denkmalpflege. Berlin/München 1993, ISBN 3-345-00530-1, S. 121–152.
  • Reinhard Wegner: Gotik und Exotik im Zeitalter der Aufklärung. Der Umbau der Nikolaikirche in Leipzig. In: Deutsche Baukunst um 1800. Böhlau, Köln u. a. 2000, S. 53–63.
  • St. Nikolai zu Leipzig. 850 Jahre Kirche in der Stadt. Imhof, Petersberg 2015, ISBN 978-3-86568-857-6. (Rezension:[21].)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Nikolaikirche (Leipzig) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nikolaikirche Leipzig: Kurze Baugeschichte, abgerufen am 6. Mai 2017.
  2. Peter Schwarz: Das tausendjährige Leipzig. Von den Anfängen bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. 1. Auflage. Band 1. Pro Leipzig, Leipzig 2014, ISBN 978-3-945027-04-2, S. 153.
  3. Go Vista City Guide Leipzig. Vista Point Verlag, Köln 2005, ISBN 3-88973-646-7, S. 12–13.
  4. Christoph Wolff, Markus Zepf: Die Orgeln J. S. Bachs. Ein Handbuch. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2006, ISBN 3-374-02407-6, S. 68.
  5. Ulrich Dähnert: Historische Orgeln in Sachsen. Ein Orgelinventar. VEB Deutscher Verlag für Musik, Frankfurt 1980, ISBN 3-920112-76-8, S. 182.
  6. a b c E-Mail von Jiri Kocourek (Künstlerischer Leiter der Fa. Eule-Orgelbau) an den Autor
  7. https://www.nikolaikirche.de/kirchen/nikolaikirche/orgel/
  8. Radiosendung „Orgelmagazin : Friedrich Ladegast zum 200. Geburtstag (4). Die große Orgel der Leipziger Nikoilaikirche (1862) – rekonstruiert und erweitert durch die Firma Hermann Eule Bautzen (2003) Gespräch mit Jiri Kocourek (künstlerischer Leiter der Firma Eule)“. MDR Kultur, 18. März 2018.
  9. Nähere Informationen zur Geschichte und Disposition der Orgel der Nikolaikirche auf der Webseite der Firma Eule.
  10. Greystyle.com - Graphic & Webdesign: Evangelische Kirchengemeinde Naumburg/Saale. Abgerufen am 4. September 2018.
  11. Hermann Eule Orgelbau Bautzen
  12. Friedemann Szymanowski: Die Glocken der Nikolaikirche – Geschichte und Geschichten. In: www.nikolaikirche.de, Online-Portal. 6. Mai 2018, abgerufen am 13. Mai 2018.
  13. Spendenaufruf: Aus 1 mach 3. In: www.nikolaikirche.de, Online-Portal. 6. Mai 2018, abgerufen am 13. Mai 2018.
  14. Susan Künzel: Nomen est omen – Die Glocken für die Nikolaikirche haben Namen. In: www.nikolaikirche.de, Online-Portal. 6. Mai 2018, abgerufen am 13. Mai 2018.
  15. Informationen zu den Glocken der Nikolaikirche und zu Plänen für ein aktualisiertes Geläut, Leipziger Volkszeitung; abgerufen am 17. April 2017.
  16. Wilhelm Schäfer: Das Hufeisen an der Nikolaikirche. In: Deutsche Städtewahrzeichen: Ihre Entstehung, Geschichte u. Deutung. Band 1, Verlagsbuchhandlung J. J. Weber, Leipzig 1858, S. 18–24 (Digitalisat des Buches)
  17. Johann Georg Theodor Grässe: Das Hufeisen an der Nicolaikirche zu Leipzig. (Wikisource)
  18. Claus Uhlrich: Der Marienborn und andere Geschichten aus dem alten Leipzig. ProLeipzig, 2001, ISBN 3-9807201-8-7, S. 67.
  19. Erich Loest: Nikolaikirche. Dt. Taschenbuch-Verlag, München 1997, ISBN 3-423-12448-2.
  20. Martin Jankowski: Rabet oder Das Verschwinden einer Himmelsrichtung. via verbis München 1999, ISBN 3-933902-03-7.
  21. Burkhard Kunkel: Rezension über: St. Nikolai zu Leipzig. 850 Jahre Kirche in der Stadt, Petersberg 2015. In: Neues Archiv für sächsische Geschichte. Nr. 86/15. Neustadt a. d. Aisch 2015, S. 340–342.

Koordinaten: 51° 20′ 25″ N, 12° 22′ 42,8″ O