Städtische Museen Junge Kunst und Viadrina

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Die Städtischen Museen Junge Kunst und Viadrina vereinen das Museum Junge Kunst und das Stadt- und Regionalmuseum Viadrina in Frankfurt (Oder).

Museum Junge Kunst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausstellungsort Festsaal des Rathauses[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Museum Junge Kunst: Ausstellungsort Festsaal des Rathauses Welt-Icon

In den Sammlungen des Museums Junge Kunst befinden sich über 11.000 Werke der Malerei, Handzeichnungen, Aquarelle, Druckgrafiken, Objekte, Installationen und Skulpturen mit dem Hauptschwerpunkt von Kunst aus dem Osten Deutschlands, das heißt aus der Sowjetischen Besatzungszone (1945–1949), der Deutschen Demokratischen Republik (1949–1990) und der Bundesrepublik Deutschland – Neue Bundesländer.

In der ständigen Ausstellung werden etwa 100 Arbeiten von 37 Künstlern aus vier Generationen vorgestellt; der älteste ist Friedrich Press, Jahrgang 1904. Bis auf wenige Ausnahmen (unter anderen Hermann Glöckner und Friedrich Press) haben alle ihr Kunststudium nach 1945 absolviert, wenn sie nicht als Autodidakten zur Kunst fanden, wie zum Beispiel Carlfriedrich Claus, Monika Maria Nowak oder Carsten Nicolai.

Weitere Künstler in der Sammlung sind Hartwig Ebersbach, Walter Libuda, Willy Wolff, Bernhard Heisig, Werner Tübke, Eberhard Göschel, Moritz Götze, Gerhard Altenbourg, Michael Morgner, Robert Rehfeldt, Georg Herold, Via Lewandowsky, Rainer Görß, Fritz Cremer, Gustav Seitz, Rolf Biebl, Jürgen Schön, Wieland Förster, Werner Stötzer, Sabine Grzimek. Eine besondere Sammlungskonzeption ist der Erwerb von Arbeiten von Künstlern, die die DDR verließen oder verlassen mussten, wie A.R. Penck, Lutz Dammbeck, Hendrik Grimmling, Roger Loewig, Gil Schlesinger,

Ausstellungsort Packhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Museum Junge Kunst: Ausstellungsort Packhof Welt-Icon

Im Obergeschoss des an das Junkerhaus angrenzenden Speichers das Packhofs finden seit 2003 wechselnde Ausstellungen junger Künstler statt. Unter anderem stellten aus: Richard K. H. Burkart (* 1950), Daniel Klawitter (* 1962), Eva-Maria Wilde (* 1972), Friedemann Grieshaber (* 1968), Patricia Waller (* 1962), Peter K. Koch (* 1972) und Kristina Schuldt (* 1982).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Museum Junge Kunst: Ehemaliger Ausstellungsort Villa Trowitzsch Welt-Icon

Am 15. Juni 1965 wurde in der unteren Etage der Villa Trowitzsch das Kabinett der Galerie Junge Kunst eröffnet. Dort standen Räume der gründerzeitlichen Sommervilla eines der reichsten Bürger Frankfurts für Ausstellungen zur Verfügung. Des Weiteren gab es Arbeits- und Werkstatträume sowie ein Depot in einem rückwärtigen Gebäude. Wenige Monate später kamen am 7. Oktober 1965 in der 800 m² großen gotisch-renaissancistischen Halle des Rathauses eine Dauerausstellung für zeitgenössische Kunst und ein 200 m² großer hochgotischer Festsaal hinzu.[1]

Die Eröffnungsausstellung im Rathaussaal stand anlässlich der 7. Arbeiterfestspiele der DDR unter dem Motto „Kunstpreisträger des FDGB“. Nach Abschluss der Eröffnungsausstellung wurde die ständige Ausstellung eingerichtet. Politische Vorgaben für die Sammlung und Ausstellungen waren eine Unterstützung des Machtanspruchs von Partei und Staat, die Bejahung des Sozialismus und eine strikte Abgrenzung von der westeuropäischen Kunst. Dies sollte durch eine Bevorzugung von Gestaltungsmerkmalen, welche von Lebensbejahung durch Harmonie, Körperlichkeit und Klassizität geprägt wurden erreicht werden. Werke, die diesen Vorgaben entsprachen, dominierten die meisten Arbeiten der beiden Präsentationen ebenso wie die Übereignungen und Ankäufe aus den Jahren 1964 und 1965.[2] Brigitte Rieger-Jähner, die nach der Wende in der DDR das Museum leitete schrieb zum Wirken des Gründungsleites Maetzke: „Obwohl der Gründungsdirektor Karl-Heinz Maetzke, der die Einrichtung bis 1983 leitete, mit den Bewertungskriterien der SED übereinstimmte, war der gelernte Gebrauchsgrafiker durchaus in der Lage, qualitätsvolle künstlerische von handwerklichen Leistungen zu unterscheiden. Auf dieser Grundlage gelangten von 1966 bis 1983 hervorragende Werkgruppen von Malerei, Plastik und Druckgrafik, sowie von Handzeichnungen und Aquarellen in den Besitz des Museums. Diese wurden vor allem von Künstlern geschaffen, die in den 1920er Jahren geboren wurden. Dennoch war es bis zum Beginn der 1980er Jahre durch seine Weisungsbefugnis weder möglich, non figurative und konstruktiv konkrete Werke zu erwerben, noch Belege für eine eigenständige Variante der Popkunst. Sie blieben bis 1983 nicht nur vom Ankauf, sondern auch von Schenkungen ebenso ausgeschlossen wie Werke, die sich mit den Fragen der Struktur von Diktaturen auseinandersetzten.“ (Brigitte Rieger-Jähner: [2])

Neben der Ständigen Ausstellung und den Präsentationen von Künstlern der DDR und des Bezirkes Frankfurt (Oder) gab es bis zu zehn Wechselausstellungen im Jahr. Diese informierten über die Arbeit eines Künstlers oder einer Künstlergruppe oder waren themenbezogen. Ebenso wurden Arbeiten von Kindern und Laien vorgestellt. Die Reihe der Ausstellungen mit Werken von Kindern begann mit der Ausstellung „Kinderzeichnungen aus dem Bezirk Frankfurt (Oder)“ vom 8. Februar bis 28. Februar 1967. Als Laien wurden Künstler ohne künstlerischen Studienabschluss bezeichnet. Ihre Werke wurden erstmals von Dezember 1966 bis Januar 1967 in Zusammenarbeit mit dem Bezirkskabinett für Kulturarbeit gezeigt. Später wurde ein eigener Sammlungsbereich mit Laienkunst eingerichtet. Ab 1972 gab es zudem jährliche Präsentationen polnischer Kunst; von 1972 bis 1976 aus der Woiwodschaft Zielona Góra und von 1977 bis 1990 aus der Woiwodschaft Gorzów.[2][3]

Gründungsdirektor Maetzke ging 1984 in den Ruhestand. Mit dem neuen Direktor Kukla kam es zu einem Generationenwechsel. Damit und zusammen mit der sich ändernden politischen und verschlechternden wirtschaftlichen Situation in der DDR kam es zu einer Änderung des Museumskonzepts. Es wurden jetzt auch Werke von ausreisewilligen sowie regimekritischen Künstlern angekauft. Zudem konzentrierte man sich auf Künstler aus den 1930er und 1940er Geburtsjahrgängen.

1994 erfolgte die Umbenennung von „Galerie Junge Kunst“ in „Museum Junge Kunst“, um die Verwechslung mit kommerziellen Galerien auszuschließen. 2001 wurden das Museum Junge Kunst und das Museum Viadrina zum „Städtischen Museen Junge Kunst und Viadrina“ fusioniert. Nach der Schließung des Kabinetts in der Villa Trowitzsch in der Heilbronner Straße 19 wurde am 31. August 2003 der Packhof in der Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Straße 11 als neuer Ausstellungsort des Museums Junge Kunst eröffnet.[4]

Leiter Galerie Junge Kunst/Museum Junge Kunst
  • 1965–1984 Karl-Heinz Maetzke (* 1915; † 2000; Gebrauchsgrafiker)
  • 1984–1987 Karl-Heinz Kukla (* 1934; † 1987; Kunstwissenschaftler)
  • 1987–1989 Waltraud Osten (auch: Waltraud Endler; * 1950; Literaturwissenschaftlerin)
  • 1989–1990 Rudolph Quaiser (* 1939; Historiker)
  • 1990–2001 Brigitte Rieger-Jähner (* 1949; Kunsthistorikerin)

Museum Viadrina[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausstellungsort Junkerhaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Museum Viadrina: Junkerhaus Welt-Icon

Das Museum Viadrina hat etwa 70.000 Stücke in seinen Sammlungen.

Sammlungsschwerpunkte
  • Ur- und Frühgeschichte (ab Altsteinzeit), vorrangig Oder-Spree-Gebiet, insbesondere Gruppen der Lausitzer Kultur (Aurith, Göritz) sowie der germanischen und slawischen Kultur
  • Bodenfunde vom 13. bis 19. Jahrhundert aus den Stadtkerngrabungen in Frankfurt (Oder)
  • kulturgeschichtliches Material aus dem Oderland, zum Beispiel märkische Glasmarken
  • Dokumente, Plakatkunst, Sachzeugnisse ab 1945
  • Sammlungsstücke zur Schulgeschichte,
  • Gemälde seit dem 18. Jahrhundert und Gemälde und Grafiken des 19./20. Jahrhunderts mit der Thematik Frankfurt (Oder) und Oderlandschaft
  • Keramik, Metall, Glas des 18. bis 20. Jahrhunderts
  • Numismatik und Medaillen
  • Waffen
  • Möbel (insbesondere barockes Mobiliar),
  • Hausrat und Textilien
  • Rundfunkgeräte und Rundfunktechnik, Elektronik (Halbleiter)
  • REKA-Sammlung historischer Musikinstrumente, über 400 vorwiegend mitteleuropäische Instrumente des 18. bis 20. Jahrhunderts
  • Tonträger
  • Studienbibliothek mit ca. 12.000 Bänden unter anderem zu den Sachgebieten
    • Stadt- und Regionalgeschichte
    • Pädagogik
    • Kunst
    • Volkskunde
    • Museologie

Ausstellungsort Gedenk- und Dokumentationsstätte „Opfer politischer Gewaltherrschaft“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Museum Viadrina: Gedenk- und Dokumentationsstätte „Opfer politischer Gewaltherrschaft“ Welt-Icon

Ausstellungen in der Gedenk- und Forschungsstätte „Opfer der politischen Gewaltherrschaft“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gedenkstätte dokumentiert die Schicksale von Menschen, die durch ihre politische Überzeugung, ihren Glauben, ihrer Herkunft oder einfach nur auf Verdacht zum Opfer der Strafjustiz wurden. Dabei wird die Zeit des Nationalsozialismus (unter anderen Walter Korsing, Paul Feldner, Albert Gebhardt, Adolf Hermann Porgede), der Sowjetischen Besatzungszone (unter anderen Fritz Hertter, Kurt Ulbrich, Richard May) und des SED-Regimes (unter anderen Walter Danschke, Hans-Joachim Helwig-Wilson, Birgit und Michael Bundschuh) dargestellt.

Die mehrsprachige Dauerausstellung „Eingesperrt … Untersuchungshaft bei der Staatssicherheit in Frankfurt (Oder)“ informiert anhand von Texten, Dokumenten, Fotos und Grafiken über die Zustände in der Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit Frankfurt (Oder). Auf einer Prolog-Tafel und auf vier Säulen mit insgesamt 16 Ausstellungsflächen werden Einzelschicksale früherer Häftlinge dargestellt, sowie Fotos aus der Untersuchungshaftanstalt nach ihrer Schließung 1990 gezeigt.

Ein Zellentrakt mit fünf Zellen wurde als authentischer Ort belassen. In drei der fünf Zellen werden Schicksale von bekannten Frankfurter Bürgern dargestellt, gegliedert nach Zeitabschnitten von 1933 bis 1989. Die anderen zwei Zellen, eine Einzelzelle um 1960 und eine Arrestzelle von 1989, geben über die Haftbedingungen Aufschluss.

In einem Ausstellungsraum wird über vollstreckte Hinrichtungen in Frankfurt (Oder) von 1945 bis 1952 informiert. In diesem Raum sind in regelmäßigen Abständen Sonderausstellungen zu sehen.

Geschichte der Haftanstalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gedenkstätte befindet sich in einer der ältesten Strafvollzugsanstalten der Mark Brandenburg. Ende des 18. Jahrhunderts existierte auf dem Gelände ein Arbeitshaus. Im Hof des Gebäudes wurden 2001 bei Bauarbeiten zahlreiche Menschenknochen gefunden. Vermutlich wurden verstorbene Bewohner hier beigesetzt.[5] 1812 wurde ein Polizei- und Gerichtsgefängnis errichtet, das im Laufe der Zeit mehrfach baulich erweitert wurde.

In der Zeit des Nationalsozialismus nach 1933 übernahm die Geheime Staatspolizei das Gefängnis und nahm dort auch Hinrichtungen vor. Durch Befehlsstrukturen waren das KZ Sonnenburg östlich Küstrins (Kostrzyn nad Odrą) und das Arbeitserziehungslager und das erweiterte Polizeigefängnis Schwetig (Świecko) mit Frankfurt (Oder) verbunden.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges nutzten sowjetische Sicherheitsorgane das Gefängnis zuerst als Internierungs-, später als Etappengefängnis. Es wurden tausende Personen verhaftet, interniert, verurteilt oder in die Sowjetunion verschleppt. Dazu reichte der Verdacht, NS-Funktionär gewesen, Mitglied des Werwolf oder negativ gegenüber der Besatzungsmacht eingestellt zu sein.

Etwa 1950 wurde die Einrichtung vom Ministerium für Staatssicherheit (MfS) übernommen, die das Gebäude als Untersuchungshaftanstalt (UHA) führte. In den Jahren 1950 bis 1952 war das Gefängnis auch Hinrichtungsstätte. Es wurden 12 Todesurteile mit dem Fallbeil vollstreckt.

  • Am 10. November 1950 starben drei Mitglieder der Gladow-Bande: Werner Gladow selbst, als erster Staatsbürger auf dem Gebiet der DDR, sowie Kurt Gäbler und Gerhard Rogasch. Nach einem Bericht der B.Z. von 2002 soll das Fallbeil geklemmt haben und zweimal im Hals des schreienden Gladow stecken geblieben sein. Erst beim dritten Anlauf soll der Kopf vom Körper getrennt worden sein. Der anwesende Staatsanwalt fiel angeblich in Ohnmacht.[6]
  • Am 20. Februar 1951 wurden sechs ehemalige SA-Männer wegen ihrer Beteiligung an der Köpenicker Blutwoche hingerichtet.
  • Ebenfalls unter dem Fallbeil starb am 7. Mai 1952 Walter Lemm (* 1901), Schlosser, ab 1927 Mitglied KPD, der der Gestapo KPD-Mitglieder verriet, die daraufhin getötet wurden.[7] Sein Todesurteil war vom Politbüro des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands am 25. März 1952 bestätigt worden.[8] Walter Lemm wurde nach 1990 rehabilitiert, da er seinen Verrat 1944 in Stettin unter Folter beging.
  • Als weiterer hier Hingerichteter ist der Name Siegmund Andrejz überliefert.

Das Fallbeil wurde nach 1953 nach Berlin gebracht. Bei der Restaurierung des Gebäudes 2002 waren noch zwei Befestigungszapfen des Fallbeils im Boden und ein Schacht zu sehen, durch den das Blut der Opfer abgeflossen war.[5]

Nach der Fertigstellung eines Neubaus in der Otto-Grotewohl-Straße 53 (heute: Robert-Havemann-Straße 11) im Jahre 1969 zog das MfS dorthin und übergab das alte Gebäude in der Großen Oderstraße 67 (Collegienstraße 10) der Volkspolizei (Ministerium des Innern), die das Gefängnis bis zum Ende der DDR weiter als Untersuchungshaftanstalt führte.

Nach der politischen Wende wurde das Gebäude in mehreren Etappen (1990, 2001 und 2003) für die Frankfurter Musikschule, die Stadt- und Regionalbibliothek und die Gedenkstätte hergerichtet. In einem Zellentrakt im Erdgeschoss des Erweiterungsbaues aus dem Jahre 1899 entstand die Gedenk- und Dokumentationsstätte, die am 17. Juni 1994 eröffnet wurde.

Ausstellung „Willkommen in der Heimat“ in der Hornkaserne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Museum Viadrina: Ausstellung „Willkommen in der Heimat“ Welt-Icon

Die vom Museum Viadrina gestaltete Ausstellung und das vom Verband der Heimkehrer, Kriegsgefangenen und Vermisstenangehörigen Deutschlands gestiftete Mahnmal für den Frieden in der 1923 errichteten Hornkaserne sollen an die Rückkehr von fast zwei Millionen deutschen Kriegsgefangenen und Zivilinternierten über Frankfurt (Oder) erinnern. Durch Frankfurt (Oder) zogen nach Ende des Zweiten Weltkriegs täglich Tausende von Menschen. Das waren in Richtung Osten sowjetische Bürger, Kriegsgefangene und ehemalige Zwangsarbeiter, die teilweise gewaltsam in die Sowjetunion repatriiert wurden. Außerdem wurden viele Deutsche als Kriegsgefangene oder Zivilinternierte in sowjetische Lager abtransportiert. Aus dem Osten kamen vertriebene Deutsche, entlassene Kriegsgefangene und zivilinternierte Männer, Frauen und Kinder. In Frankfurt wurden zu ihrer Aufnahme und Unterbringung eine Reihe Lager und Notlazarette eingerichtet, da viele von ihnen schwerkrank aus der Gefangenschaft zurückkehrten und nicht transportfähig waren. In Frankfurt mussten viele Personen beigesetzt werden, die beim Transport oder kurz nach ihrer Ankunft wegen Krankheit und Erschöpfung gestorben waren. Die Ausstellung beschreibt die Situation der Stadt zur damaligen Zeit und stellt mit vielen originalen Exponaten sowie Ton- und Videoinstallationen die Geschichte der Heimkehrer dar.[9]

Geschichte des Museums Viadrina[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Lienauhaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der seit 1860 bestehende „Historische-statistischer Verein zu Frankfurt a. d. O.“, der Verein für Naturwissenschaften und der Kunstverein hatten bis 1905 eigene Sammlungen zusammengetragen. Erst jetzt bot sich ihnen die Möglichkeit, ein Haus zu erwerben, um ihre Sammlungsschätze zu präsentieren. Das um 1780 von Stadtbauinspektor Martin Friedrich Knoblauch (oder 1788 von Karl Friedrich Bohne) errichtete Patrizierhaus in Besitz der Weinhändlerfamilie Lienau sollte nach Geschäftsliquidation verkauft werden. Etwa einhundert Frankfurter Bürger gründeten eine Museumsgesellschaft, um das Haus in der Oderstraße 15 (heute etwa Kleine Oderstraße 2) kaufen zu können. Durch finanzielle Zuwendungen der Stadt und der Provinzialregierung gelang der Kauf. Die Vereine legten ihre Sammlungen zusammen und am 20. Mai 1905 wurde das „Museum für Kunst und Wissenschaft“ eröffnet. 1923 gingen das Haus und die Sammlung von Martin Michael Lienau in den Besitz der Stadt über. Zu den Ausstellungsstücken gehörten die Innenausstattung des Hauses mit Kachelöfen, Möbelstücken und Holzplastiken, zahlreichen Abbildungen mit Darstellungen der Stadt und von Frankfurter Persönlichkeiten. Des Weiteren gab es Sammlungen von Keramik und Zinn, Münzen und Medaillen aus Brandenburg/Preußen, Sammlungen der Geologie, Botanik, Ur- und Frühgeschichte und Völkerkunde. Darüber hinaus gab es eine große Bibliothek mit literarischen Werken insbesondere von und über Heinrich von Kleist. 1936 wurde das Haus in „Oderlandmuseum“ umbenannt. Das 1922 im Geburtshaus Heinrich von Kleists eingerichtete Museum für Heinrich und Ewald Christian von Kleist wurde 1937 ins Oderlandmuseum verlegt und bezog zwei Schauräume. 1945 brannte das Haus zum Ende des Zweiten Weltkrieges nieder. Eine Augenzeugin berichtete von einem Beutekommando der Roten Armee, das als wertvoll eingeschätzte Stücke einsammelte und einem darauf folgenden Brandkommando, das das Haus mit großem Aufwand niederbrannte.

Im Junkerhaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Rat der Stadt unter Oberbürgermeisterin Else Noack stellt dem Museum per Ratsbeschluss 1956 einige Räume im Junkerhaus zur Verfügung. Am 15. August 1957 beginnt Direktor Ernst Walter Huth das Museum „mit leeren Händen und in leeren Räumen“ in der ersten Etage aufzubauen. Im März 1959 wurde in drei Räumen in der ersten Etage eine ur- und frühgeschichtliche Ausstellung gezeigt. Im März 1962 wird die Ausstellung um Stücke der mittelalterlichen Stadtgeschichte erweitert, dessen Exponate zum großen Teil aus geborgenem Stücken aus dem zerstörten Stadtkern stammen. Vor der Sprengung des Großes Philosophisches Collegiums der Alma Mater Viadrina am 20. Dezember 1962 wird ein Abguss des Portals genommen und am Eingang des Junkerhauses angebracht. Ab dem 20. Oktober 1962 finden im Museum Konzerte der Staatskapelle Berlin auf historischen Musikinstrumenten unter der Leitung des Frankfurter Komponisten und Kantors Hans Stein (* 1909; † 1978) statt. Auf Antrag des Museumsdirektors beim Rat der Stadt unter Fritz Krause erfolgt 1969 die Umbenennung in „Museum Viadrina“.

Nach dem Weggang Ernst Walter Huths 1979 finden unter dem neuen Leiter Joachim Winkler weiterhin Vergrößerungen der Ausstellung wie der Sammlungsbestände statt. 1970 kauft die Stadt die Sammlung historischer Musikinstrumente des Musikalexzentrikers Berol Kaiser-Reka (* 1930) an. Die Sammlung wird im Museum präsentiert und von Kaiser-Reka im Rahmen musikalischer Vorträge vorgeführt. 1974 wird anlässlich des 75. Konzerts auf historischen Musikinstrumenten das „Convivium musicum viadrianae“ unter Leitung von Hans Stein gegründet. 1979 wird eine Abteilung für Frankfurter Musikgeschichte mit Neugestaltung der Reka-Sammlung historischer Musikinstrumente in vier Räumen eröffnet. 1982 werden die Ausstellung „Ur- und Frühgeschichte des Oder-Spree-Gebietes“ neu eröffnet, das Magazin in der Gartenstraße ausgebaut und die ständigen Ausstellung „1933 bis 1945 im Gebiet des Bezirkes Frankfurt (Oder)“ eröffnet. Im März 1986 müssen die Ausstellungsräume wegen Einsturzgefahr geschlossen werden. Die Exponate der Reka-Sammlung historischer Musikinstrumente wurden im Musikkabinett im Doppelpfarrhaus der Nikolaikirche (heute Stadtarchiv Frankfurt (Oder)) gezeigt. Die Konzerte auf historischen Musikinstrumenten fanden in der wiederhergestellten Sakristei der Marienkirche statt.

Mit Beginn des Jahres 1991 wurde Siegfried Griesa Museumsdirektor. Trotz der andauernden Sanierungsarbeiten wurden im Foyer und in einem Raum Vortragsreihen gehalten. 1991 begann der Aufbau der Gedenk- und Dokumentationsstätte „Opfer der politischen Gewaltherrschaft“. Im selben Jahr wurde die von Achim Heselbarth geschaffene Schulsammlung übernommen und in zur Verfügung gestellten Schulräumen in der Wieckestraße gezeigt. Nachdem diese Räume nicht mehr zur Verfügung standen, wurde das Schulmuseum im Schulgebäude Potsdamer Straße 4 neu eingerichtet und 1992 eröffnet. Eine Teileröffnung der Ausstellung „Opfer politischer Gewaltherrschaft“ in der ehemaligen Untersuchungshaftanstalt in der Collegienstraße 19 fand am 17. Juni 1994 statt. Die Ausstellung und Vorführung der historischen Musikinstrumente im Doppelpfarrhaus Collegienstraße 9 wurde nach dem Weggang Berol Kaiser-Rekas aus Frankfurt aufgegeben. Ab dem 12. Oktober 1996 wurden Instrumente in der Konzerthalle Carl Philipp Emanuel Bach gezeigt und vorgeführt. Mit der Ausstellung „Die Viadrina – eine preußische Universität im 18. Jahrhundert“ vom 9. Juni bis zum 14. Oktober 2001 anlässlich des so genannten Preußenjahres konnte das Erdgeschoss dem Museum Viadrina wieder zur Nutzung übergeben werden. Im Dezember 2001 fusionieren das Museum Viadrina und das Museum Junge Kunst zu den Städtischen Museen Junge Kunst und Viadrina. Leiterin wurde die vorherige Chefin des Museums Junge Kunst Brigitte Rieger-Jähner. 2003 kann das Museum Viadrina im sanierten Junkerhaus mit einer neuen Ausstellung zur Stadt- und Regionalgeschichte wiedereröffnet werden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Martina Breitmoser, Günter Fromm, Martin Schieck, Rüdiger Sielaff: Begleitheft Gedenk- und Dokumentationsstätte »Opfer politischer Gewaltherrschaft«. Hrsg.: Museum Viadrina Frankfurt [Oder]. Frankfurt (Oder) 2010.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Städtische Museen Junge Kunst und Viadrina – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Beschlussprotokoll vom 27. Oktober 1964 der Beschlussvorlage des Bezirkes Frankfurt (Oder), Beschluss 206-26/64, Anlage 5, S. 6.
  2. a b c Brigitte Rieger-Jähner: Die wechselvolle Geschichte des Museums Junge Kunst 1965-2012. In: www.museum-junge-kunst.de. Abgerufen am 15. August 2016.
  3. Ausstellung "50 Jahre Museum Junge Kunst – 50 Jahre Ausstellungen" - Rathaushalle/Festsaal. In: www.museum-junge-kunst.de. Abgerufen am 17. August 2016.
  4. Packhof des Museums Junge Kunst Frankfurt (Oder). In: www.museum-junge-kunst.de. Abgerufen am 15. August 2016.
  5. a b Susanne Rost: Frankfurt (Oder) baut sein altes Gefängnis zum Kulturzentrum um / Gedenkstättenbeirat entsetzt: Der einstige Hinrichtungsraum wird ein Café. In: Berliner Zeitung. Abgerufen am 6. März 2015.
  6. Gladow-Bande hingerichtet. Henker in Haft – B.Z. Berlin. In: bz-berlin.de. Abgerufen am 6. März 2015.
  7. RG-14.068 Postwar East German Investigative Court Cases and Trials to Nazi War Crimes, 1945–1990. In: United States Holocaust Memorial Museum Archives. Abgerufen am 6. März 2015 (englisch).
  8. DY 30/IV 2/2/204 Protokoll Nr. 104 des Politbüros des ZK der SED der Sitzung am 25. März 1952. In: Das Bundesarchiv. Abgerufen am 6. März 2015.
  9. Museum Viadrina - Ausstellung Hornkaserne. In: www.museum-viadrina.de. Abgerufen am 16. August 2016.