Roger Loewig

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Roger Loewig
"Leskowiak", Gouache, 1956
"Ahasvers Flug", Bleistift, Feder, 1966
"Zugvögel", Kugelschreiber, 1991
Roger Loewig, 1975

Roger Loewig (* 5. September 1930 in Striegau, Provinz Niederschlesien; † 4. November 1997 in Berlin) war ein deutscher Zeichner, Maler und Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgewachsen in Oels, Schlesien, und ab 1939 in Jarotschin im damaligen Reichsgau Wartheland, floh Roger Loewig 1945 mit seiner Mutter nach Obercunewalde in der Lausitz. Er wurde vom Gymnasium relegiert und arbeitete in der Land- und Forstwirtschaft. Von 1951 bis 1953 absolvierte er eine Ausbildung zum Neulehrer und war anschließend Lehrer für Russisch, Deutsch und Geschichte in Berlin-Köpenick

Als Künstler war Roger Loewig Autodidakt. Neben seiner Lehrtätigkeit schrieb er Gedichte und schuf Aquarelle und Gouachen. In seinem frühen malerischen Werk orientierte er sich an der Kunst des Expressionismus und des Fauvismus, die von den Nationalsozialisten als „entartet“ diffamiert worden waren. Werke der von ihm verehrten Künstler fand er vor allem in Museen und Ausstellungen in West-Berlin. Von der in der DDR maßgeblichen Lehre des Sozialistischen Realismus distanzierte er sich. Ab etwa 1960 widmete er sich in zunehmendem Maß auch der Zeichnung und verfasste Erzählungen. Förderung erfuhr er durch Marga Böhmer, die ehemalige Lebensgefährtin Ernst Barlachs.

Auf den Bau der Mauer reagierte er 1961/1962 mit einer Serie von Tuschzeichnungen „Aus deutscher Vergangenheit und Gegenwart“, in der er die Gewalt der deutschen Zeitgeschichte anprangerte. Er schloss Freundschaften mit Gleichgesinnten, die Verbindungen zu West-Berliner Studenten unterhielten. Eine offiziell nicht genehmigte Ausstellung in einem Ost-Berliner Pfarrhaus, Pläne zur Gründung einer grenzüberschreitenden Zeitschrift und nicht zuletzt der Besitz verbotener Literatur führten zur Verhaftung wegen „staatsgefährender Hetze und Propaganda in schwerwiegendem Falle“. Ein Freikauf durch die Evangelische Kirche bewirkte die Entlassung Roger Loewigs und seiner Freunde im Sommer 1964.

Roger Loewig fand 1965 Aufnahme im Verband Bildender Künstler Deutschlands (VBKD). Er arbeitete in der Wohnung von Freunden in Belzig und schuf jetzt fast ausschließlich Zeichnungen und Lithographien sowie Gedichte und Einleitungstexte zu Graphikserien. Bild und Wort sind in seinem Werk aufeinander bezogen. Er reflektierte die Shoa, indem er die Leiden der Opfer anklagend ins Bild setzte. Ab Ende der 1960er Jahre ist auch die deutsche Teilung ein wiederkehrendes Thema seiner Arbeit. Anerkennung fand Roger Loewig innerhalb der DDR vor allem im Kreis der inoffiziellen „Erfurter Ateliergemeinschaft“ um Rudolf Franke und Waldo Dörsch, in deren privaten Räumen er 1966, 1968 und 1973 ausstellte. Im staatlichen Kunstbetrieb der DDR konnte er sich dagegen nicht verankern. In der Bundesrepublik Deutschland wurde sein Werk durch Vermittlung von Freunden bekannt. Hier galt er als Vertreter des Phantastischen Realismus.

Nach einem 1967 gestellten Ausreiseantrag siedelte er 1972 zusammen mit seiner Lebensgefährtin Creszentia Troike in die Bundesrepublik Deutschland über. Beide bezogen eine Atelierwohnung auf dem Dach eines Hochhauses im West-Berliner Märkischen Viertel mit Blick über die Mauer hinweg. In den folgenden Jahren hatte Roger Loewig zahlreiche Ausstellungen und veröffentlichte sein literarisches Werk. Nach einer Begegnung mit Aldona Gustas 1972 schloss er sich der Künstlergruppe Berliner Malerpoeten an. Den Freunden in der DDR blieb er trotz seines Einreiseverbots eng verbunden. Ab 1990 kehrte er zeitweise zur Arbeit nach Belzig zurück; in einer letzten Werkfolge zeichnete er die Feldsteinkirchen und verfallenden Mühlen des Fläming. Im Oktober 1997 wurde Roger Loewig für sein Lebenswerk mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Er starb am 4. November 1997.

Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Teil seiner Werke wird im früheren Wohnhaus des Künstlers in Bad Belzig ausgestellt, das von der Roger-Loewig-Gesellschaft betreut wird.

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1972: Roger Loewig: Das lithographische Werk, Bonn, Gesellschaft der Freunde Roger Loewigs
  • 1972: Roger Loewig: Und verliebt in mein Land – Gedichte 1970 und 1971, Hannover/Bonn, Gesellschaft der Freunde Roger Loewigs
  • 1977: Roger Loewig: Sei ein himmel gnädig meiner späten ernte, Berlin, Selbstverlag
  • 1979: Roger Loewig: Ewig rauchende Kältezeit - Gedichte: Berlin, Oberbaum Verlag
  • 1980: Roger Loewig: Ein Vogel bin ich ohne Flügel – Gedichte und Zeichnungen, Hamburg, Hoffmann & Campe
  • 1981: Roger Loewig: Gesichtedünung – Handzeichnungen 1954-1980, hrsg. von Werner Timm, Berlin/Frankfurt am Main/Wien, Propyläen Verlag
  • 1981: Eine Hinterlassenschaft – Geschichten von Käfigen und vom Zugvogeldasein, Berlin/Frankfurt am Main/Wien, Verlag Ullstein
  • 1982: Bis ein Stück Himmel die Brust trägt – Gedichte aus drei Jahrzehnten, Berlin/Frankfurt am Main/Wien, Verlag Ullstein
  • 1988: Roger Loewig: Etwas unheimliche Zeichnungen oder verändertes Vokabular – Zwanzig doppeltbetitelte Bleistiftzeichnungen zusammen mit unerläßlichen Bemerkungen 1983 und 1984, Hofgeismar, Evangelische Akademie Hofgeismar
  • 1993: Roger Loewig: Porträt einer Landschaft in Wort und Bild. Als Beitrag zu einem deutschen Geschichtsbild der Jahre 1988 bis 1993 herausgegeben von Roger Loewig und Creszentia Troike, Berlin, Selbstverlag
  • 1997: Roger Loewig: Wie Schiffe im weiten Roggenmeer – alte Flämingkirchen und ihr Land. Zeichnungen, Gedichte, Texte und Bemerkungen 1969-1997, Berlin, Selbstverlag
  • 2002: Roger Loewig: Mein Kopf fliegt als Mond über dieses Land: Gedichte, hrsg. von der Roger Loewig Gesellschaft e. V., Berlin
  • 2004: Roger Loewig: Unter den Häuten der Stadt: Erzählungen, hrsg. von der Roger Loewig Gesellschaft e. V., Berlin

Kataloge zu Einzelausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1966: Roger Loewig: Rysunki (Zeichnungen), Warschau, Gesellschaft der Freunde der Bildenden Kunst Warschau
  • 1972: Roger Loewig: Dunkelland – Zeichnungen 1965-1972, Hannover, Galerie Brusberg, Hannover
  • 1975: Strom zwischen Anfang und Ende – Roger Loewig: Ölbilder, Gouachen, Handzeichnungen, Lithographien, Köln, Baukunst-Galerie
  • 1976: Roger Loewig Berlin (West), Galerie Pels-Leusden
  • 1978: Fluchtgedanken – Zeichnungen und Texte von Roger Loewig, Hamburg, Hamburger Kunsthalle
  • 1979: Roger Loewig: Bilder-Zeichnungen-Graphik, Regensburg, Ostdeutsche Galerie Regensburg
  • 1984: Roger Loewig – Bilder und Zeichnungen in der St.-Matthäus-Kirche. Berlin (West), Neuer Berliner Kunstverein
  • 1986: Roger Loewig: Handzeichnungen und Graphiken. Ausstellung der Schenkung für das Nationalmuseum, Warschau, Nationalmuseum Warschau
  • 1989 Roger Loewig: Zeichnungen und Lithographien, Berlin (West), Berlinische Galerie
  • 1992: Roger Loewig: Reminiszenzen. Bilder – Zeichnungen – Bücher, Berlin, Haus Ungarn
  • 1992: Roger Loewig: Epitafia. Staatliches Museum Auschwitz
  • 2000: Roger Loewig: Auf der Suche nach Menschenland, Berlin, Museum Nicolaihaus, hrsg. von Günter und Ursula Feist
  • 2012: Ich komme aus Vergangenheiten – Roger Loewig: Maler, Zeichner, Dichter, Katalog zur Ausstellung Bad Belzig, Marienkirche, hrsg. von der Roger Loewig Gesellschaft e. V.

Kataloge zu Ausstellungsbeteiligungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1966: Labyrinthe – Phantastische Kunst vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart, Berlin (West), Akademie der Künste
  • 1967: 2. Internationale der Zeichnung, Darmstadt, Mathildenhöhe
  • 1967: Ars phantastica: Deutsche Kunst des magischen Realismus, Phantastischen Realismus und Surrealismus seit 1945, Schloß Stein bei Nürnberg, Albrecht-Dürer-Gesellschaft
  • 1968: Phantastische Kunst in Deutschland, Hannover, Kunstverein
  • 1971: Deutsche Zeichnungen und Aquarelle des 19.und 20. Jahrhunderts. Neuerwerbung der Sammlung der Zeichnungen 1945-1970, Berlin (Ost), Kupferstichkabinett und Sammlung der Zeichnungen
  • 1977: Die gezeichnete Welt. Hamburg, Hamburger Kunsthalle
  • 1978: Europäische Meisterzeichnungen und Aquarelle, Berlin (West), Galerie Pels-Leusden
  • 1985/86: Von dort hierher – Ausstellung ehemaliger DDR-Künstler, Landau/Pfalz, Kunstverein Villa Streccius
  • 1987: Schrecken und Hoffnung. Künstler sehen Frieden und Krieg, Hamburg, Hamburger Kunsthalle
  • 1992: 20 Jahre Berliner Malerpoeten, Berlin, Galerie im Rathaus Tempelhof
  • 1997: Deutschlandbilder. Kunst aus einem geteilten Land: Eberhard Roters zu Ehren, hrsg. von Eckhart Gillen, Berlin (West), 47. Berliner Festwochen im Martin-Gropius-Bau
  • 1998: Kunst im Gegenwind – Die Erfurter Ateliergemeinschaft 1963-1974, Erfurt, Mühlhäuser Museen und Graphik Art e. V.
  • 2004: Ost-westlicher Ikarus: Ein Mythos im geteilten Deutschland, Stendal, Winkelmann-Gesellschaft

Literatur (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1996: Ursula Feist: Leid-Erfahrung, in: Günter Feist, Eckhart Gillen, Beatrice Vierneisel (Hrsg.).: Kunstdokumentation SBZ/DDR 1945-1990. Aufsätze-Berichte-Materialien, Köln 1996.
  • 1998: Helmut Börsch-Supan: Landschaftsbild und Menschlichkeit, in: Roger Loewig Gesellschaft (Schrift zur Gründung)
  • 1998: Günter Feist: Symbol Frankfurt, in: Roger Loewig Gesellschaft (Schrift zur Gründung)
  • 2005: Helmut Börsch-Supan: Roger Loewig: Sein Gesicht – seine Gesichte, Kat. Ausst. Berlin, Gedenkstätte Hohenschönhausen
  • 2005: Günter Feist: Lichtung auf einem „langen weg schattenab“. Roger Loewig findet Rudolf Franke, in: Dem Auge ein Fest: Die Schenkung Rudolf und Ilse Franke, Kat. Ausst. Erfurt *2005, S. 269-276
  • 2010: Kurzbiographie: Loewig, Roger, in: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe, Band 1. Berlin, Ch. Links Verlag,
  • 2011: Felice Fey: Roger Loewig: Eine Biographie, Berlin, Lukas Verlag

Werkverzeichnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2000: Kuschel, Ulrike, geb. Abel: Roger Loewig: Verzeichnis der Handzeichnungen und Gemälde aus dem Nachlass des Künstlers und aus zugänglichen Sammlungen: Roger Loewig Gesellschaft e. V.
  • 2000: Kuschel, Ulrike, geb. Abel: Roger Loewig: Verzeichnis der Druckgrafiken aus dem Nachlass des Künstlers: Roger Loewig Gesellschaft e. V.
  • 2000: Fey, Felice: Findbuch zum Bestand Roger Loewig: Roger Loewig Gesellschaft e. V./ Akademie der Künste, Archiv Bildende Kunst

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]