St. Georgen (Glauchau)

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St. Georgen (Glauchau)
Ansicht des Schiffs
St. Georgen im Stadtbild von Glauchau
Altar

Die evangelische Stadtkirche St. Georgen ist eine barocke Kirche in Glauchau im Landkreis Zwickau in Sachsen. Sie gehört zur Kirchengemeinde St. Georgen Glauchau im Kirchenbezirk Glauchau-Rochlitz der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens und ist durch ihre Orgel von Gottfried Silbermann bekannt.

Geschichte und Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadtkirche St. Georgen ist ein stattlicher barocker Bau, der in den Jahren 1726 bis 1728 unter Einbeziehung des gotischen Vorgängerbaus durch Baumeister Johann Herrmann, Hofzimmermeister Johann Michael Dörffel und Bauunternehmer Samuel Nendel neu errichtet wurde. Eine Restaurierung wurde 1842 durchgeführt, eine durchgreifende Erneuerung erfolgte 1892; dabei erhielt der Innenraum eine neue Farbfassung unter Leitung von Christian Schramm. Eine umfangreiche Innenrestaurierung mit Zurückführung auf den barocken Ursprungszustand wurde in den Jahren 1960 bis 1964 durch Helmar Helas und Albert Pitzschler durchgeführt.

Die Kirche ist ein rechteckiger Putzbau; der eingezogene Chor ist mit einem Dreiachtelschluss ausgestattet, der mit kräftigen Strebepfeilern versehen ist. An der Nord- und Südseite des Chores sind zweigeschossige Logen angebaut. Der kräftige Westturm zeigt einen quadratischen Unterbau und enthält das Hauptportal des gotischen Vorgängerbaus. Das Glockengeschoss setzt sich polygonal fort und ist mit einer welschen Haube und Laterne abgeschlossen.

Der Innenraum ist als geräumiger Emporensaal mit Spiegelgewölbe über kräftigem Gesims gestaltet, das von den Steinpfeilern der zweigeschossigen, umlaufenden Empore gestützt wird. Der Chor ist ebenfalls mit einem Spiegelgewölbe abgeschlossen. An der Ostseite sind hinter dem Altar zwei verglaste Logen der Grafen von Schönburg-Hinterglauchau und Schönburg-Forderglauchau angeordnet. Ein zweigeschossiger Logenprospekt an der nördlichen Chorwand ist mit Pilastergliederung und kräftigen verkröpften Gesimsen gegliedert. Die beiden Logen an der Chorsüdwand sind schmucklos. Im Süden schließen sich an den Chor Sakristei und Taufkapelle an.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Chorraum steht ein barocker Sandsteinaltar von 1728 mit architektonischer Gliederung, der von Graf Otto Ernst von Schönburg-Hinterglauchau gestiftet wurde. Er wurde 1960/64 auf das barocke Erscheinungsbild zurückgeführt und durch den hölzernen Altaraufsatz mit Gloriole und Kruzifix am Mittelteil des Altars ergänzt. Der barocke kelchförmige polygonale Taufstein stammt aus dem Jahr 1729 und ist mit Blattwerk geschmückt; der Holzdeckel ist als sechsteilige, reich geschnitzte Krone ausgebildet und mit drei gemalten Medaillons mit Taufdarstellungen versehen, die durch eine weibliche Figur bekrönt werden. Die barocke Kanzel (restauriert 1960–64) zeigt an den Brüstungsfeldern Gleichnisse mit Christus als Licht der Welt, als Sämann, als der gute Hirte, als der rechte Weinstock, als das Lamm und als Tür. An der Chorsüdwand zwischen Altar und Kanzel sind zwei farbig gefasste, hölzerne Epitaphe mit dem gemalten Bildnis des Grafen Otto Ernst von Schönburg und dem gemalten Brustbild des Grafen Friedrich Erdmann von Schönburg angebracht, umgeben von Trophäen (gestiftet 1738).

In der schmucklosen Taufkapelle steht die klassizistische Taufe von 1842, die eine in Eisenguss gefertigte Säule mit Engeldarstellungen zwischen Palmen zeigt, welche die Gnadenmittel, das Wort Gottes und beide Sakramente symbolisieren. Der Deckel besteht aus Messing. An der Westseite der Taufkapelle steht ein neugotischer Schnitzaltar aus der Schlosskapelle von Schloss Hinterglauchau mit Kreuzigungsgruppe, der von der Mayerschen Kunstanstalt in München gefertigt wurde, mit Figuren in Weißfassung. Im Kirchenschiff an den Pfeilern der Nordempore sind zwei qualitätvolle, unterlebensgroße gefasste Schnitzfiguren erhalten, die den heiligen Mauritius und den heiligen Stephanus darstellen und vom Gesprenge eines verloren gegangenen gotischen Schnitzaltars stammen. Unter der Nordempore sind Reste einer kunstvollen Predella mit der Anbetung der heiligen drei Könige erhalten, mit farbig gefassten Schnitzfiguren vor vergoldetem Hintergrund. An gleicher Stelle steht eine anmutige, lebensgroße Mondsichelmadonna, eine farbige Schnitzfigur aus der Zeit um 1480/90 vermutlich vom ehemaligen Hochaltar.

Unter der Südempore steht ein kleiner spätgotischer Flügelaltar ohne Predella und Aufsatz. Er zeigt im Schrein die Heilige Familie, im linken Flügel die geschnitzte Darstellung des Johannes Evangelista und eines Heiligen ohne Attribut, im rechten Flügel Petrus und die heilige Elisabeth. Auf den Rückseiten der Flügel sind gemalte Ranken aus Weintrauben und Ähren sowie Bibelsprüche dargestellt. Die bemalten Schnitzfiguren stehen vor vergoldetem, punziertem Grund. Die Fassung und Bemalung des kleinen Schnitzaltars weisen auf die Werkstatt des Zwickauer Bildschnitzers Peter Breuer hin, die Figuren auf die Altenburger Werkstatt des Franz Prüfer.

Auf der Südempore befindet sich eine Kopie des Gemäldes Christus als Lehrer von Giovanni Bellini. Davor sind lebensgroße ungefasste, qualitätvolle Schnitzfiguren des 19. Jahrhunderts angeordnet, welche die vier Evangelisten darstellen. Im Kirchenschiff werden ein steinerner, dornengekrönter Christuskopf und ein kleines Keramikrelief mit Darstellung der Geißelung aufbewahrt, beides aus dem 15. Jahrhundert. In der kreuzgratgewölbten Turmhalle findet sich ein kleines steinernes Epitaph für Richard Clemens Graf und Herr von Schönburg, eine schlichte Arbeit vom Beginn des 20. Jahrhunderts.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orgel mit wohlproportioniertem Prospekt ist ein Werk von Gottfried Silbermann aus den Jahren 1729/30 mit 27 Registern auf zwei Manualen und Pedal. Sie wurde mehrfach verändert und 1997/98 durch die Firma Eule Orgelbau Bautzen nach Originaldisposition restauriert, wobei eine ungleichschwebende Stimmungsart wiederhergestellt wurde. Weiterhin wurden der ursprüngliche Pedalumfang, neue Pedal- und Manualklaviaturen, der Tremulant und die Gebläseanlage originalgetreu rekonstruiert. Im Ergebnis der Geschichte der Orgel sind etwa 24 % aller Pfeifen noch von Silbermann, dabei jedoch keine unveränderte Metallpfeife.[1]

Hauptwerk CD–c3
Bordun 16′
Principal 8′
Rohrflöthe 8′
Octav 4′
SpitzFlöthe 4′
Quinta 3′
Octava 2′
Tertia 135
Cornet III (ab c1)
Mixtur III
Cymbel II
Oberwerk CD–c3
Principal 8′
Gedackt 8′
Qvintaden 8′
Octav 4′
Rohrflöthe 4′
Nassat 3′
Octava 2′
Qvinta 112
Sufflöth 1′
Sesqvialtera (45′, ab c1 135′)
Mixtur III
Vox human. 8′
Pedal CD–c1
Princip. Bass 16′
Octav. Bass 8′
Posaunen. B. 16′
Trompete 8′
Nebenregister
  • Tremulant (Hauptwerk)
  • Schwebung (Tremulant Oberwerk)
  • Schiebekoppel II/I
  • Pedalcoppel (I/P)
  • Klingel
Anmerkungen
  • Tonhöhe: Chorton, 1998 rekonstruiert 463,6 Hz
  • Stimmung: Ursprüngliche Temperatur nicht nachweisbar, seit 1998 annähernd wohltemperiert.
  • Winddruck: etwa 85 mm WS

Geläut[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Geläut besteht aus drei Bronzeglocken, der Glockenstuhl ist aus Eichenholz wie auch die Glockenjoche und wurden 2002 erneuert.[2] Im Folgenden eine Datenübersicht des Geläutes:[2]

Nr. Gussdatum Gießer Material Durchmesser Masse Schlagton
1 1713 Glockengießerei J.C. Bachmann Bronze 1340 mm 1430 kg d′
2 1713 Glockengießerei J.C. Bachmann Bronze 1055 mm 748 kg fis′
3 2002 Glockengießerei A. Bachert Bronze 910 mm 512 kg a′
4 2002 Glockengießerei A. Bachert Bronze 815 mm 360 kg h′

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: St. Georgen (Glauchau) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Frank-Harald Greß, Michael Lange: Die Orgeln Gottfried Silbermanns (= Veröffentlichungen der Gesellschaft der Orgelfreunde. Nr. 177). 2. Auflage. Sandstein-Verlag, Dresden 2001, ISBN 3-930382-50-4, S. 83–84.
  2. a b Rainer Thümmel: Glocken in Sachsen. Klang zwischen Himmel und Erde. Hrsg.: Evangelischen Landeskirchenamt Sachsens. 2., aktualisierte und ergänzte Auflage. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2015, ISBN 978-3-374-02871-9, S. 300 (Mit einem Geleitwort von Jochen Bohl und Fotografien von Klaus-Peter Meißner).

Koordinaten: 50° 48′ 58,2″ N, 12° 32′ 27,3″ O