Schloss Hinterglauchau

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Schloss Hinterglauchau
Saal von etwa 1480/85 im Ostflügel von Schloss Hinterglauchau
Astwerkportal der Renaissance um 1525 in Schloss Hinterglauchau (im Hintergrund Vorhangbogenfenster aus der Bauphase um 1480/85)
Turm mit der Kapellenapsis in Schloss Hinterglauchau

Schloss Hinterglauchau erhebt sich als Renaissanceschloss am Ort einer zwischen etwa 1180 errichteten Burg der Herren und späteren Grafen von Schönburg und bildete über Jahrhunderte deren Herrschaftsmittelpunkt. Mit der Errichtung der später Schloss Forderglauchau genannten Gebäudeteile wurde die Anlage ab etwa 1525 in Richtung Stadt erweitert und damals auch das Kernschloss umgebaut. Im frühen 20. Jahrhundert wurde hier ein Museum eingerichtet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Burg von Glauchau entstand als Herrschaftsmittelpunkt der Herren von Schönburg, die von hier aus ihr Territorium durch Rodung erweiterten. Die Burg befand sich später am westlichen Rand der um die Mitte des 13. Jahrhunderts planmäßig angelegten Stadt Glauchau.

Den Zustand der Burg Hinterglauchau um 1470 (also vor dem Bau von Schloss Forderglauchau) zeigt die älteste bekannte Ansicht des Glauchauer "Schlosses", ein Ölgemälde aus dem Schloss Rohnstock bei Freiburg in Schlesien, welches ehemals im Besitz des Fürsten Günther von Schönburg-Waldenburg gewesen war[1].

Als um 1470/80 in Sachsen eine Baukonjunktur auf den größeren Adelssitzen einsetzte, wurde auch der Hauptsitz der Herren von Schönburg zu einem standesgemäßen Schloss erweitert. Damals entstand eine geschlossene Anlage um einen in etwa dreieckigen Innenhof, die durch einen Graben von der Hochfläche der Stadt und der Vorburg abgetrennt war. Zwischen etwa 1480 und 1485 wurde der Ostflügel des Schlosses umgestaltet, dessen Dachstuhl dendrochronologisch auf 1483/84 datiert ist[2] und der einen großen Festsaal mit gekehlter Balkendecke im Obergeschoss erhielt. Außerdem wurde ein dreigeschossiger Nordflügel erbaut. Erhaltene Bauteile zeigen die Formen des kursächsischen Hofarchitekten Arnold von Westfalen im Übergang von Spätgotik zur Renaissance. Ältere Abbildungen dieser Zeit belegen einen Vorburgbereich in Richtung Stadt.

1524 erfolgte eine Teilung der Schönburgischen Besitzungen. Ernst II. von Schönburg (1486–1534) erhielt die Herrschaften Glauchau, Lichtenstein und Hartenstein.[3] Unter ihm arbeitete ab 1524/25 als Architekt der Steinmetz und Bildhauer Andreas Günther auf dem Schloss.[4] Damals erhielt die Anlage ein völlig neues Aussehen, das sie bis heute prägt. Ab etwa 1525 wurde der Nordflügel nach Osten verlängert und mit einem großen Giebel mit Rundbogenabschlüssen versehen.[5] Damals erhielt das Kernschloss seine Schaufassade nach Osten. Im Ostflügel befindet sich die Schlosskapelle mit einer halbrunden Apsis, die in den Graben hineinreicht. Über dieser erhebt sich ein mit Fenstern versehener, erkerartiger Turm mit einer fantasievollen Haube mit kugeligem Abschluss.

Von etwa 1525/27 bis 1534 wurde von Ernst II. von Schönburg in dem östlich des Kernschlosses gelegenen Vorburgbereich das später sogenannte Schloss Forderglauchau als Erweiterung errichtet. Der Neubau bestand vor allem aus einem zweigeschossigen Ostflügel mit zahlreichen, die äußere Erscheinung prägenden Zwerchhäusern, einem kürzeren Nordflügel und einenmTreppenturm an der Verbindungsstelle. Im Erdgeschoss waren Wirtschaftsbereiche vorgesehen; im Obergeschoss wahrscheinlich herrschaftliche Wohnräume. Diese Anlage erhielt erst bei der Teilung der Herrschaft Glauchau 1681 in die Teilherrschaften Forderglauchau und Hinterglauchau den Namen Forderglauchau und wurde als eigener Adelssitz nun organisatorisch von der Ausgangsanlage abgetrennt.

Das barocke Treppenhaus in Schloss Hinterglauchau

Im 18. Jahrhundert wurden von Graf Albert Christian Ernst von Schönburg umfangreiche Umbauten in Schloss Hinterglauchau vorgenommen. Der Nordflügel wurde zwischen 1752 und 1764 bis auf das Erdgeschoss abgetragen und neu errichtet. Damals entstanden großzügige Raumfolgen, die durch ein barockes Treppenhaus erschlossen werden.

1860 bis 1861 wurde die Schlosskapelle wieder als Sakralraum hergerichtet. 1864–1865 wurde der Südflügel erneuert.

Wohnräume des 19. Jahrhunderts in Schloss Hinterglauchau

Unter Richard Clemens Graf von Schönburg-Hinterglauchau wurden die Räume im ersten Obergeschoss des Nordflügels nach 1885 neu ausgestattet. Nach seinem Tod im Jahre 1904 fiel das Schloss an die Linie Schönburg-Forderglauchau, die in Wechselburg lebte. Graf Joachim von Schönburg-Glauchau stellte deshalb große Teile des Schlosses dem Glauchauer Museum zur Verfügung, wodurch die Anlage 1945 vor Plünderungen geschützt war.

Heutige Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1950 befindet sich in Schloss Hinterglauchau ein Museum. Bereits 1884 gegründet, präsentiert es bis heute die Glauchauer Stadt- und Schlossgeschichte, das Alltagsleben der Weber in den Schönburgischen Landen und die Geschichte des herrschaftlichen Interieurs. Zwei weitere Ausstellungen sind der bildenden Kunst und dem Stadtkind Georgius Agricola, dem „Vater der Mineralogie“, gewidmet.

Graffiti auf Schloss Hinterglauchau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1994 wurden im sogenannten „Weinstübchen“ (oder Trinkstube) – am Eingang zu den Kelleranlagen und unterirdischen Gängen des Schlosses – etliche Graffiti beziehungsweise Signaturen des 16. Jahrhunderts entdeckt. Hochadelige Besucher verschiedener Familien bei den Grafen Schönburg-Glauchau verewigten sich an Decke und Wänden dieser Trinkstube mit Name und Datum. Bislang (Stand: 2017) wurde nur ein kleiner Teil restauriert und dauerhaft freigelegt. Darunter sind zwei Signaturen der Grafen Schlick aus dem 16. Jahrhundert. Auch die Herren von Hohenthal haben sich hier verewigt.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Aus den Todesjahren Georgs I. (gest. 1585) und seiner zweiten Frau Dorothea Reuss zu Greiz (gest. 1572) sind ausführlichere Inventare erhalten. Ebenso anlässlich des Todes seiner dritten Frau, der Witwe Katharina Agathe von Putbus (gest. 1608).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Anke Neugebauer: Andreas Günther von Komotau. Ein Baumeister an der Wende zur Neuzeit. Bielefeld 2011, hier S. 37–51.
  • Wolf-Dieter Röber: Aspekte zur Baugeschichte des Schlosses Hinterglauchau. In: Museum und Kunstsammlung Schloss Hinterglauchau, Schriftenreihe, Heft I (1979), S. 4–21.(Kapitel: "Die Burg Glauchau von ihrer Gründung bis zum spätgotischen Umbau", "Der Umbau der Burg in ein Schloß im Stil der obersächsischen Spätgotik ca. 1470-1485", "Umbau des Nordflügels im Stil der Frührenaissance ca. 1527-1534", "Veränderungen im Ostflügel 1710/30 und Umbau des Nordflügels im barocken Stil 1752 und 1764/65", "Neubau des Südflügels im neugotischen Stil 1864/65", "Die unterirdische Ganganlage unter dem Schloß Hinterglauchau")
  • Wolf-Dieter Röber: Das schönburgsche Schloss Forderglauchau und sein Baumeister Andreas Günther. In: Wissenschaftliche Zeitschrift der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Gesellschafts- und Sprachwissenschaftliche Reihe 5 (1992), S. 57–63.
  • Matthias Donath: Burgen und Schlösser in Sachsen. Petersberg 2012, S. 66–68.
  • Steffen Winkler: Zur Geschichte des Glauchauer Museumswesens von den Anfängen bis 1945 sowie Abriß der Entwicklung des Glauchauer Museums von 1945 bis zur Gegenwart in: Schriftenreihe Heft 1, Herausgeber: Museum und Kunstsammlung Schloß Hinterglauchau: Stadt Glauchau, 1979, DDR (zZur Geschichte des Museums im Schloß Hinterglauchau, S. 26–34)
  • Wolf-Dieter Röber: Schloß Hinterglauchau, In: Schriftenreihe Heft 3, Museum und Kunstsammlung Schloß Hinterglauchau, Stadt Glauchau, 1981, DDR, S. 16–17 (zur Geschichte und Baugeschichte von Schloss Hinterglauchau)
  • "Geschichte der Schloß-Capelle zu Glauchau", 1862 (Handschrift im Museum Schloss Hinterglauchau)
  • Schnittzeichnung der unterirdischen Gänge unter Hinterglauchau, In: Schriftenreihe Heft 3, Museum und Kunstsammlung Schloß Hinterglauchau, Stadt Glauchau, 1981, DDR, S. 21
  • Wolf-Dieter Röber: "Aspekte zur Bedeutung und Datierung der Gangsysteme unter den Schlössern Hinterglauchau, Lichtenstein und Forderglauchau" S.31-33 sowie "Kellergänge Schloß Hinterglauchau" und Kellergänge Schloß Forderglauchau" S.18-19(Autorenkollektiv), In: Schriftenreihe Heft 7, Museum und Kunstsammlung Schloss Hinterglauchau, Stadt Glauchau, 1988, Abbildungen und Grundriß des Gangsystems Hinterglauchau Abb.1/S.6, Abb.10/S.27, Abb.11/S.28, Abb.19/S.36, Abb.20/S.37(Gänge Schloss Lichtenstein) und Titelbild

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Castles in Glauchau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Herausgeber: Museum und Kunstsammlung Schloß Hinterglauchau: Schriftenreihe "Heft1", Stadt Glauchau, 1979, Abbildung 1, S.13: Schloß Hinterglauchau um 1470 (Original-Ölgemälde -auf Leder- im Schloß Rohnstock in Schlesien)
  2. Neugebauer 2011, S. 39 (Anm. 46).
  3. Michael Wetzel: Ernst II., Herr von Schönburg. In: Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde (Hrsg.): Sächsische Biografie.
  4. Anke Neugebauer: Andreas Günther von Komotau. Ein Baumeister an der Wende zur Neuzeit. Bielefeld 2011.
  5. Für eine frühe Datierung argumentiert Neugebauer 2011, S. 49/50.

Koordinaten: 50° 49′ 0,2″ N, 12° 32′ 15,8″ O