St. Louis (Schiff, 1929)

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St. Louis
Die St. Louis in Hamburg

Die St. Louis in Hamburg

Schiffsdaten
Flagge Deutsches ReichDeutsches Reich Deutsches Reich
Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Deutsches Reich
Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Deutsches Reich
Schiffstyp Passagierschiff
Rufzeichen DIFG
Heimathafen Hamburg
Reederei HAPAG
Bauwerft Bremer Vulkan (Bremen)
Baunummer 670
Stapellauf 2. August 1928
Indienststellung März 1929
Verbleib 1952 abgewrackt
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
174,90 m (Lüa)
Breite 22,10 m
Tiefgang max. 8,66 m
Vermessung 16.732 BRT
Maschine
Maschine Vier Dieselmotoren von MAN
Maschinen-
leistung
12.000 PS
Höchst-
geschwindigkeit
16,5 kn (31 km/h)
Propeller 2
Transportkapazitäten
Zugelassene Passagierzahl I. Klasse: 270
II. Klasse: 287
Touristenklasse: 413

Die St. Louis war ein 1929 in Dienst gestelltes Transatlantik-Passagierschiff der Hamburg-Amerika Line (HAPAG), das im Passagierverkehr nach New York eingesetzt wurde.

Das Schiff[Bearbeiten]

Das Schiff lief am 2. August 1928 mit der Baunummer 670 beim Bremer Vulkan in Bremen vom Stapel. Es war 174,90 m lang und 22,10 m breit und war mit 16.732 BRT vermessen. Vier doppeltwirkende Zweitakt-Dieselmotoren mit jeweils sechs Zylindern und einer Leistung von je 3000 PS ermöglichten eine Geschwindigkeit von 16,5 Knoten. Die Passagierkapazität betrug 270 Passagieren in der Ersten Klasse, 287 in der Zweiten Klasse und 413 in der Touristenklasse.

Schwesterschiff war die am 20. Februar 1929 bei Blohm & Voss in Hamburg-Steinwerder vom Stapel gelaufene, 16.699 BRT große Milwaukee.

Geschichte[Bearbeiten]

Linien- und Kreuzfahrtdienst[Bearbeiten]

Die St. Louis lief am 28. März 1929 von Hamburg zu ihrer Jungfernfahrt nach New York aus und wurde danach überwiegend im Nordatlantikdienst von Hamburg nach Halifax und New York eingesetzt. Daneben unternahm sie jedoch, besonders im Herbst und Frühjahr, auch Kreuzfahrten von jeweils 16-17 Tagen Dauer zu den Kanarischen Inseln, nach Madeira und nach Marokko. Ab1934 wurde sie im Sommer auch vom Amt für Reisen, Wandern und Urlaub (RWU) der NS-Organisation Kraft durch Freude (KdF) gechartert, um mit jeweils 900 Urlaubern an Bord "KdF-Reisen" nach Norwegen durchzuführen.

Die Irrfahrt von 1939[Bearbeiten]

Jüdische Flüchtlinge an Bord der St. Louis im Hafen von Havanna, wo sie nicht an Land dürfen.
Hauptartikel: Irrfahrt der St. Louis

Der Weltöffentlichkeit wurde die St. Louis durch ihre Irrfahrt mit jüdischen Emigranten Mitte Mai bis Mitte Juni 1939 bekannt. Das Schiff verließ am 13. Mai 1939 Hamburg zu einer Sonderfahrt mit Ziel Kuba. An Bord befanden sich 937 Passagiere, nahezu ausnahmslos deutsche Juden, die ein halbes Jahr nach den gewalttätigen Ausschreitungen der Reichspogromnacht aus dem nationalsozialistischen Deutschland auswandern wollten. Am 27. Mai 1939 erreichte das Schiff Havanna, wo es in der Bucht ankerte, da die kubanische Regierung das Anlegen am Pier verweigerte. Die kubanischen Visabestimmungen waren kurz zuvor geändert worden, und die dortigen Behörden verweigerten den Passagieren die Einreise. Nach Verhandlungen von Kapitän Gustav Schröder durften 29 Passagiere von Bord gehen.[1] Am 2. Juni 1939 musste das Schiff Kuba verlassen.[2] Es kreuzte dann vor der Küste Floridas, während Kapitän Schröder, die HAPAG und jüdische Organisationen sogar US-Präsident Franklin Roosevelt persönlich um Hilfe baten, aber am 4. Juni 1939 lehnte Roosevelt auf innenpolitischen Druck das Anlegen des Schiffes in den USA und die Einreise der Emigranten ab. Schließlich musste die St. Louis auf Anweisung der Reederei nach Europa zurückkehren. Erst kurz bevor die St. Louis den Ärmelkanal erreichte, konnten die jüdische Weltorganisation und HAPAG-Direktor Holthusen die Regierungen von Belgien, den Niederlanden, Frankreich und Großbritannien zur Aufnahme der Emigranten bewegen. Die Belgische Regierung erlaubte die Landung in Antwerpen, und am 17. Juni 1939 gingen die Flüchtlinge dort von Bord. Sie wurden von Belgien (214), den Niederlanden (181), Frankreich (224) und Großbritannien (254) aufgenommen.[3][4]

Mit der Besetzung Belgiens, der Niederlande und Frankreichs durch die Wehrmacht im Sommer 1940 geriet die Mehrzahl der in Belgien, den Niederlanden und Frankreich aufgenommenen Emigranten jedoch in den Herrschaftsbereich des NS-Regimes. Nach neueren Forschungen wurden 254 von ihnen im Holocaust ermordet.[5]

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Die St. Louis versah danach wieder ihren normalen Dienst. Dabei gelang es ihr, noch kurz vor Kriegsbeginn New York (ohne Passagiere) zu verlassen und damit der Internierung in den USA zu entgehen. Sie durchfuhr in der Zeit vom 4. bis 8. September 1939 von britischen Schiffen unentdeckt die Dänemarkstraße und traf am 11. September 1939 im sowjetischen Murmansk ein. Dort lag sie bis Dezember 1939. Dann fuhr sie entlang der norwegischen Küste nach Deutschland, und am 1. Januar 1940 erreichte sie schließlich Hamburg.

Nach einem Umbau im Mai 1940 in der Kriegsmarinewerft Wilhelmshaven nutzte die deutsche Kriegsmarine die St. Louis als Wohnschiff in Kiel, von September bis Dezember 1940 kurzzeitig auch in Stettin. Bei einem alliierten Luftangriff auf Kiel am 30. August 1944 erhielt sie mehrere Bombentreffer und brannte teilweise aus. Das erheblich beschädigte Schiff wurde am 22. September auf Grund gesetzt, um nicht zu sinken.

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

1946 wurde es gehoben, mit Erlaubnis der britischen Besatzungsmacht nach Hamburg geschleppt und notdürftig repariert. An der Altonaer Landungsbrücke festgemacht diente die St. Louis der HAPAG von April 1947 bis April 1950 als Hotelschiff.

Das Schiff wurde anschließend nach Bremerhaven zum Abbruch verkauft und dort 1952 abgewrackt.

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. 22 deutsche Juden, deren Visa als gültig anerkannt wurden, sowie vier Passagiere mit spanischen und zwei mit kubanischen Pässen und einer, der Suizid versucht hatte.
  2. Eigel Wiese: Die „St. Louis“ war ihr Schicksal. In: Hamburger Abendblatt, 3. Mai 2014, S. 20.
  3. Eigel Wiese: Die „St. Louis“ war ihr Schicksal. In: Hamburger Abendblatt, 3. Mai 2014, S. 20.
  4. Ein Passagier war während der Fahrt verstorben.
  5. Eigel Wiese: Die „St. Louis“ war ihr Schicksal. In: Hamburger Abendblatt, 3. Mai 2014, S. 20.

Literatur[Bearbeiten]

  • Georg Reinfelder, MS "St. Louis". Die Irrfahrt nach Kuba Frühjahr 1939. Kapitän Gustav Schroeder rettet 906 deutsche Juden vor dem Zugriff der Nazis. Hentrich & Hentrich, Berlin 2002, ISBN 3-933471-30-3
  • Sarah A. Ogilvie und Scott Miller: Refuge Denied: The St. Louis Passengers and the Holocaust, 2006, ISBN 978-0-299-21980-2
  • Georg Mautner Markhof: Das St. Louis-Drama. Hintergrund und Rätsel einer mysteriösen Aktion des Dritten Reiches. Leopold Stocker, Graz & Stuttgart, 2001, ISBN 3-7020-0931-0

Weblinks[Bearbeiten]