St. Michael (Göttingen)

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St. Michael

St. Michael ist eine katholische Kirche im historischen Zentrum von Göttingen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Reformation in Göttingen 1529 wurden alle katholischen Gottesdienste verboten. Da nach der Gründung der Georg-August-Universität Göttingen auch zunehmend Katholiken in der Stadt heimisch wurden, lockerte man auch die strikten religiösen Beschränkungen. Ab 1747 waren wieder öffentliche katholische Gottesdienste zugelassen. 

Zunächst fanden die Gottesdienste in privaten Wohnhäusern statt. 1787 begann man, eine Kirche zu errichten. Baumeister war Georg Heinrich Borheck. Das Gotteshaus sollte jedoch nicht als solches erkennbar sein und musste sich daher mit einer einfachen, zweigeschossigen Wohnhausfassade aus verputztem Bruchsteinmauerwerk in Werksteingliederung[1] und mit Walmdach in Häuserreihe der Kurzen Straße einpassen. Auch die Seitenfassaden der, mit starker Südabweichung nach Westen ausgerichteten, Kirche erinnerten eher an ein zweigeschossiges Wohnhaus. Über dem östlichen Eingang, im ersten Geschoss, war zunächst eine Priesterwohnung eingerichtet. Dahinter öffnete sich die Saalkirche, die 1789 geweiht werden konnte. 

1815 wurde auf dem östlichen Ende des Walmdaches ein hölzerner, achteckiger Dachreiter zur Aufnahme eines kleinen Geläutes errichtet, der mit einer flachen Welschen Haube bekrönt war. 

Bis 1873 war die Gemeinde auf über 1200 Mitglieder gewachsen. Um den Gläubigen mehr Platz zu bieten, wurde nach den Entwürfen von Johann Eduard Friese damit begonnen, den Kirchenraum gen Westen durch einen Chor mit polygonalem Abschluss und Sakristei zu erweitern. Da der dadurch gewonnene Platz aufgrund der schnell wachsenden Gemeinde bald schon nicht mehr ausreichte, erwog man 1893 den Kirchenraum auch nach Osten hin zu erweitern. So wurde die Priesterwohnung entfernt und der dadurch entstandene Platz in den Kirchenraum integriert. Zudem wurde das Äußere der Kirche, ebenfalls nach Plänen von Friese, verändert. So trug man den Dachreiter ab und setzte auf die Ostfassade den heutigen quadratischen neobarocken Turm, der eine Höhe von 27 Metern erreicht. Heute beherbergt er drei Glocken.

Auch die Innenausstattung wurde mehrfach verändert. So zierte die Kirche bis zur Erweiterung des Chores ein klassizistischer Altar mit Tabernakel, der von einem baldachinähnlichen Aufbau „überdacht“ war.

Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts erhielt die Kirche eine Ausstattung im Stil der Neuromanik. Dabei kamen ein Altar mit Tabernakel (1901), eine aufwendige Innenausmalung (1907) und eine Kreuzigungsgruppe (1909) in das Gotteshaus. 

Im Laufe des Jahrhunderts wurde die Kirche wiederum mehrfach umgestaltet. Dabei setzte man die Kreuzigungsgruppe, die einst als Triumphkreuz gedacht war, ans Chorhaupt, wo sie bis 2014 ihren Platz hatte. 

In den 1950ern brach man das Mauerwerk zwischen den oberen und unteren Fenstern des Kirchenschiffs aus, um dadurch die heutigen länglichen Fenster zu erhalten.

1986 brachte man eine von Josef Baron gestaltete Bronzeplastik an die rechte Ecke der Ostfassade an.

Das aktuelle Innere ist geprägt von der jüngsten Innensanierung, geleitet durch das Architekturbüro soan architekten (Bochum), die 2015 abgeschlossen wurde.

St. Michael ist heute das Zentrum der katholischen City-Pastoral in Göttingen.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orgel von St. Michael wurde 1989 durch die Orgelbaufirma Eisenbarth (Passau) erbaut. Das Instrument hat 34 Register auf Schleifladen. Die Spieltrakturen sind mechanisch, die Registertrakturen mechanisch und elektrisch. Teilweise fand Pfeifenmaterial der Vorgängerorgel(n) Wiederverwendung.[2]

Die Orgel vor 2015
I Hauptwerk C–c4

1. Rohrpommer 16′
2. Prinzipal 8′
3. Holzflöte 8′
4. Spitzgambe 8′
5. Oktave 4′
6. Rohrflöte 4′
7. Nasat 223
8. Superoctave 2′
9. Mixtur IV-V 113
10. Trompete 8′
Tremulant
II Schwellwerk C–c4
11. Prinzipal 8′
12. Flûte traversière 8′
13. Holzgedackt 8′
14. Salizional 8′
15. Vox coelestis 8′
16. Violprinzipal 4′
17. Traversflöte 4′
18. Quintflöte 223
19. Flageolett 2′
20. Terzflöte 135
21. Larigot 113
22. Plein jeu IV-V 2′
23. Basson-Hautbois 8′
III Trompetenwerk C–g4
24. Bombarde 16′
25. Trompette harmonique 8′
26. Clairon 4′
27. Cornet V 8′
Pedal C–g1
25. Violon 16′
26. Subbaß 16′
28. Prinzipalbaß 8′
29. Bordun 8′
30. Fugara 4′
31. Hintersatz V 223
32. Posaune 16′

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sabine Wehking: St. Michael - Göttingen 1789-1989. Glotze-Druck, Göttingen 1989.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: St. Michael (Göttingen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ilse Röttgerodt-Riechmann: Stadt Göttingen. In: Christiane Segers-Glocke (Hrsg.): Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Baudenkmale in Niedersachsen. Band 5.1. Friedr. Vieweg & Sohn, Braunschweig 1982, ISBN 3-528-06203-7, S. 49.
  2. Näheres zur Eisenbarth-Orgel

Koordinaten: 51° 31′ 51″ N, 9° 56′ 8″ O