St. Pankraz (Karlstein)

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Katholische Wallfahrtskirche St. Pankraz
„Pankrazkirche“
Außenansicht von Norden

Außenansicht von Norden

Daten
Ort Bad Reichenhall, Schmalschlägerstr. 15
Baumeister Lorenzo Sciasca
Baujahr 1687–1689
Koordinaten 47° 43′ 10″ N, 12° 50′ 34″ OKoordinaten: 47° 43′ 10″ N, 12° 50′ 34″ O

Die katholische Wallfahrtskirche St. Pankraz befindet sich auf dem sog. Pankrazfelsen in Karlstein bei Bad Reichenhall. Sie wird von der im Juli 2012 neu gegründeten kath. Stadtkirche Bad Reichenhall betreut und ist dem hl. Pankratius geweiht. Im Volksmund und auf den meisten Wegweisern wird sie auch einfach nur Pankrazkirche genannt.

Ansicht von Osten

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche befindet sich 145 Meter über dem Talgrund auf dem Pankrazfelsen, welcher der Burgruine Karlstein vorgelagert ist. Sie ist aus nördlicher Richtung von der Schmalschlägerstraße über einen Weg mit über 300 Stufen erreichbar.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals wurden im Jahre 1130 kirchliche Kultgebäude im heutigen Karlstein erwähnt. Erzbischof Konrad I. von Salzburg stiftete für die von ihm geweihte Kirche St. Georg in Kirchberg ein Lehengut beim Kirchberg. Nach dem Verschwinden des Gebäudes wurde ihr Patrozinium im 16. Jahrhundert in das zuvor dem hl. Martin geweihte Nonner Kirchlein übertragen. Die ebenfalls verschwundene Burgkapelle der Burgruine Karlstein war dem hl. Andreas geweiht. Dafür scheint der Einfluss Salzburgs und der Grafen von Peilstein maßgebend gewesen zu sein.

Kirchenpatron[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. August 1427 erklärte Erzbischof Eberhard IV. von Salzburg, dass man die Weihe der Pankrazkirche auf der Burg Karlstein am Alexiustag (17. Juli) zu feiern pflegt. Seitdem ist St. Pankraz als Kirchenpatron urkundlich nachweisbar. Im 15. Jahrhundert kam das Pankrazkirchlein in den Genuss verschiedener frommer Stiftungen. Die Bürgerseheleute Wilhelm und Margret Sprengel schenkten 1450 zwei Tagwerk Wiese bei Reichenhall, 1485 verkaufte Ritter Hanns von Haslang zu Moosen der St. Pankrazkirche fünf Gulden jährliche Gilt aus seinem Turm Rutzenlachen in Reichenhall. 1487 wurde diese Rente gegen eine Zahlung von 100 Gulden wieder abgelöst. Ein Kalender des Stifts St. Zeno verzeichnet am 3. Mai 1619 eine Wallfahrt der Pfarrgemeinde Marzg nach St. Pankraz. Das Kirchlein entwickelte sich in der Folge zunehmend zu einem Wallfahrtsort. Deshalb genehmigte der bayerische Kurfürst Ferdinand Maria 1673, dass im Sommerhalbjahr ein geistlicher Herr von St. Zeno wöchentlich eine Messe in der Pankrazkirche lesen durfte. Noch heute erinnern zahlreiche Votivbilder an die einst blühende Wallfahrt.

Neubau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Spenden der Wallfahrer und die Wirtschaftskraft des Stiftes St. Zeno erlaubten 1687–1689 einen Neubau. Mitte August 1686 besichtigte der welsche Pau= oder Maurermaister Lorenzo Sciasca aus Graubünden die bisherige Kirche. Auf den von ihm am 2. September abgegebenen Kostenvoranschlag zum Abbruch der alten und zur Errichtung der neuen Kirche einschließlich Zimmerer-, Glaser- und Schlosserarbeiten erhielt er den Auftrag zum Neubau der Kirche. Für den Bau wurden die Schwierigkeiten der Materialversorgung durch die Errichtung eines eigenen Aufzuges überwunden. Am 7. Juli 1689 war der Bau soweit vollendet, dass man in ihm Gottesdienste feiern konnte. In den folgenden Jahren wurde die Inneneinrichtung fertiggestellt. Die Altäre werden dem Reichenhaller Bildhauer Johann Schwaiger (1657–1734), einem Schüler des Salzburger Meisters Wilhelm Weissenkirchner, die Fassung dem Reichenhaller Maler Martin Pöck zugeschrieben. Ob das ursprüngliche Wallfahrtsbild verschwunden ist oder von Schwaiger barockisiert wurde, ist nicht geklärt. 1748 wurde noch ein Kreuzweg eingesetzt und von P. Jucundian Lechner geweiht. Beinahe wäre die Kirche am Anfang des 19. Jahrhunderts ein Opfer vorschneller Entscheidungen geworden. Der seit 1815 amtierende Reichenhaller Dekan wollte sie wegen angeblicher Baufälligkeit abbrechen lassen. Nur der Hartnäckigkeit der Karlsteiner Bauern, die sich ganz entschieden gegen den Abbruch ihrer Kirche wehrten, ist es zu verdanken dass eine Untersuchungskommission abgeordnet wurde. Diese Kommission konnte keine Baufälligkeit feststellen und der Abbruch unterblieb. Im 19. Jahrhundert war St. Pankraz die reichste Kirche im ganzen Dekanat (1880: 225.266 Goldmark) und wurde deshalb auch häufig für alle anderen Kirchen in Form von Darlehen herangezogen. Im Juli 1973 wurde St. Pankraz von Kirchenräubern heimgesucht, die zahlreiche wertvolle Kunstwerke entwendeten. 1981-82 erfolgte unter Stadtpfarrer Helmut Eisele eine umfassende Renovierung.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Weg zur Kirche befinden sich ein Kreuz mit der schmerzhaften Muttergottes, eine Lourdesgrotte, eine Figur des Pestpatrons St. Rochus und eine Ölberggruppe. Am östlichen Ende des Felssporns, auf dem sich die Kirche befindet, steht ein Kreuz mit der Inschrift Gott und der Wissenschaft zum Dank mit Wappen.

Ansicht von Nordwest

Äußeres[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die St. Pankrazkirche ist eine einfache barocke Saalkirche mit eingezogenem, halbrund geschlossenem Chor. Im Norden und Süden befinden sich drei rechteckige Fenster mit Marmorumrandung, die Wände werden durch gemalte Pilaster gegliedert. Als Lichtquelle für den Chor dienen im Norden querliegende Ochsenaugen, darunter befindet sich der Sakristeibau mit je einem Fenster nach Norden und Osten. Östlich vom Chorschluss befindet sich der Kuppelturm nach Salzburger Typ mit drei sich verjüngenden Helmen und einer Gliederung durch gemalte Pilaster in allen Geschossen. Alle Dächer sind mit Holzschindeln gedeckt. Die Fassade ist einfach gehalten und mit gemalten Eckpilastern und Gesimse verziert. Das Marmorportal hat einen gebrochenen Giebel, in dessen Mitte befindet sich auf einem Postament eine Kugel.

Inneres[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Langhaus besitzt drei Joche, der Chor eines. Das Tonnengewölbe ruht auf schmalen Wandpfeilern und einem kräftigen Gesimse, das im Chorbereich doppelt abgesetzt ist. Die Gliederung der Gewölbe durch die Gurtbögen und die Gesimse sind durch das Ockergelb stark überbetont. In der Chorapsis befindet sich der prunkvolle Hochaltar, im Chorbogen die beiden Seitenaltäre. An der Nordwand des Langhauses ist eine Kanzel angebracht. Die Orgelempore ruht auf zwei Holzsäulen mit hohen Sockeln.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein prunkvoller Hochaltar von 1690, etwas spätere Seitenaltäre und eine weit auslandende Kanzel des Reichenhaller Bildhauers Johann Schwaiger. Die Altäre sind Musterbeispiele für den Salzburger Altartypus mit schwarzer Architektur, farbigen Figuren und vergoldetem Zierrat. Der Hauptaltar trägt im Mittelteil die Figur des Kirchenpatrons in voller Rüstung mit Lanze und Schild, flankiert durch die beiden Mitpatronen mit ihren Attributen, dem hl. Kaiser Heinrich zur Rechten und dem hl. Alexius zur linken. Im Chorraum finden sich vier Bilder mit Darstellungen von Judith, Ester, David und König Salomon. Dort befinden sich auch zwei Fahnen für die Prozessionen, eine mit den Heiligen Pancratius, Heinrich und Alexius, die zweite mit Sebastian, Magdalena, Alexius und rückseitig Pancratius. Der rechte Seitenaltar ist der hl. Magdalena geweiht, der linke dem Pestpatron Sebastian. Zwischen den Seitenaltären befindet sich an der Decke ein mächtiges Chorkreuz von 1700. Die Kanzel trägt auf dem Schalldeckel die zwei Steintafeln mit dem Willen Gottes, von Wolken und Strahlen umgeben. Über dem Prediger der Hl. Geist, an der Brüstung in vier Feldern die Evangelisten auf Leinwand. Der Chorstuhl und das Hauptgestühl sind einfach gehalten, die Wangen bemalt. Die Orgel von 1950 in altem Gehäuse besitzt sieben Register und stammt von der Fa. Julius Zwirner aus München.

Der über die ganze Kirche verteilte Kreuzweg mit geschnitzten Rahmen stammt von 1748.

An der Nordwand ein Votivbild mit der Mutter Gottes und dem hl. Albert, darunter Kranke und Sterbende. Unter der Kanzel ein Bild des hl. Petrus in einfachem Rahmen, daran anschließend eine Anna selbdritt mit Hl. Geist.

An der Südwand im ersten Joch ein Votivbild von 1693 mit Maria als Schutzmantelmadonna, ihr zur Seite der hl. Benedikt und der hl. Pancratius. Am Pfeiler das Innsbrucker Gnadenbild (original von Lucas Cranach), in der Ecke der hl. Martin.

In den Zwickeln über den Fenstern zwei Gemäldezyklen, wovon der erste das Sterben des Menschen, sein Gericht, die Anbetung der Dreifaltigkeit und die Verdammung in der Hölle darstellt. Der zweite Zyklus zeigt das Marienleben mit der Immaculata, Maria mit Kind und dem hl. Josef und Johannes, Benedikt und Scholastika sowie die Krönung der Gottesmutter.

Die Kirche besitzt noch 44 weitere Votivbilder, das älteste in der Sakristei von 1672, alle anderen aus der Zeit von 1698 bis 1810 unter der Orgelempore.

Das Weihwasserbecken ist aus Marmor mit ovaler Schale und gegliedertem Unterbau.

In der Kirche stehen zwei Glocken, die älteste (noch aus der alten Kirche) neben dem Hochaltar um 1400, die zweite unter der Orgelempore 1689 von Andreas Gartner aus Salzburg gegossen und dem Altarsakrament der Maria geweiht.

Kreuz vor der Kirche

Heutige Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St. Pankraz wird von der neu gegründeten kath. Stadtkirche Bad Reichenhall betreut. Aufgrund des Priestermangels und der schlechten Erreichbarkeit werden auf St. Pankraz selten Messen abgehalten. In der Regel sind dies noch das Patrozinium, die Maiandacht, Erntedank und im Wechsel mit St. Georg in Nonn die Christmette. Selbst Hochzeiten und Taufen kommen kaum noch vor. Trotzdem befindet sich die Kirche in einem guten Zustand und der vorgelagerte Felsen mit dem Kreuz bietet einen wunderbaren Blick auf Karlstein und die Stad Bad Reichenhall.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hubert Vogel: VOM VIERTAUSENDJÄHRIGEN KARLSTEIN, München 1973
  • Schnell, Kunstführer, Dr. Walter Brugger: Die Kirchen der Pfarrei St. Nikolaus BAD REICHENHALL (Nr. 2043), Regensburg 1994, ISBN 3-7954-5781-5

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: St. Pankraz (Karlstein) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Webseite kath. Stadtkirche Bad Reichenhall