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Stadtgespräch (1935)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Film
Titel Stadtgespräch
Originaltitel The Whole Town’s Talking
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1935
Länge 95 Minuten
Stab
Regie John Ford
Drehbuch Jo Swerling
Robert Riskin
Produktion John Ford
Lester Cowan
Musik Mischa Bakaleinikoff
Louis Silvers
Kamera Joseph H. August
Schnitt Viola Lawrence
Besetzung

Stadtgespräch ist eine US-amerikanische Kriminalkomödie aus dem Jahr 1935. Regisseur John Ford inszenierte den Film für Columbia Pictures nach der Erzählung Jail Breaker von W. R. Burnett, die im August 1932 im Magazin Collier’s veröffentlicht wurde.

Arthur Ferguson Jones, schüchterner und eher unauffälliger Angestellter einer Werbeagentur, soll gerade eine Gehaltserhöhung erhalten, als er sich zum ersten Mal in seinem Arbeitsleben verspätet. Da Jones Reue zeigt, kann er seinen Posten behalten, während seine Kollegin Wilhelmina Clark, in die er heimlich verliebt ist, wegen ihrer Verspätung gefeuert wird. Kollegen werden auf ein Zeitungsbild aufmerksam, das den entflohenen Mordverdächtigen und notorische Schwerverbrecher „Killer“ Manion zeigt. Manion und Jones sehen sich auffallend ähnlich.

Als Jones und Wilhelmina Clark während der Mittagspause in einem Restaurant sitzen, fällt die Ähnlichkeit mit dem Verbrecher auch einem Restaurantgast namens Hoyt auf. Hoyt, in Erwartung einer Belohnung, liefert den am Nachbartisch sitzenden Jones der Polizei aus. Den Beteuerungen von Jones und der ebenfalls verhafteten Wilhelmina Clark wird nicht geglaubt. Erst der Büroleiter Seaver kann seine Angestellten vor dem Gefängnis bewahren. Um weitere Irrtümer auszuschließen, erhält Jones vom Bezirksstaatsanwalt einen speziellen Ausweis, den er der Polizei vorzeigen kann, wenn er wieder für Manion gehalten wird.

Jones’ Chef Carpenter ermutigt ihn, der sich nebenbei schon länger als Schriftsteller versucht, eine Kolumne für die Zeitung zu schreiben. Das sei gute Werbung für die Firma. Der Reporter Healy soll Jones dabei helfen und die Geschichte als Serie herausbringen. Healy, Carpenter und Jones feiern ihren Geschäftsabschluss mit mehreren Drinks. Der angetrunkene Jones fordert seinen Büroleiter Seaver auf, Wilhelmina Clark wieder einzustellen, was dieser auch macht. Durch den Alkohol von seiner Schüchternheit befreit, gibt er Wilhelmina sogar einen Kuss.

Als Jones nach dem ereignisreichen Tag nach Hause kommt, wird er von Manion erwartet. Der Verbrecher will den Spezialausweis an sich bringen, damit er bei seinen kriminellen Aktivitäten vor der Polizei geschützt ist. So werden die nächsten Tage für Jones zu einem Wechselbad der Gefühle: Auf der einen Seite begegnen ihm die Menschen zum ersten Mal ehrerbietig und Wilhelmina handelt überdies für ihn eine hohe Gage für die Zeitungsartikel aus. Auf der anderen Seite lebt er in ständiger Angst vor Manion. Dieser beginnt Jones die Zeitungsartikel zu diktieren, um sich als genialen Verbrechern zu stilisieren. Bald fällt den Behörden jedoch auf, dass in den Kolumnen Täterwissen steht.

Manion überzieht die Stadt mit weiteren Verbrechen, während sein Doppelgänger Jones für Verwirrung sorgt. Deshalb wird beschlossen, dass Jones in Schutzhaft genommen werden soll. Manion gibt sich als Jones aus, lässt sich ins Gefängnis bringen und ermordet dort seinen verhassten Konkurrenten Slugs Martin, ehe er dann wieder fliehen kann. Mr. Seaver, Wilhelmina und auch Jones Tante Agatha fallen reihenweise Manions Bande in die Hände, die sie anschließend als Geiseln hält. Manion will nun Jones töten, um seine Identität annehmen und in Ruhe die Stadt verlassen zu können. Nur mit Glück entgeht Jones dem Mordplan.

Während Manion noch mit einer Freundin unterwegs ist, kommt Jones zum Versteck von Manions Bande, die ihn für ihren Boss hält. So erfährt Jones von Manions Plan. Jones, der eine frühere Gelegenheit, den Verbrecher zu töten, nicht wahrgenommen hatte, bringt die Männer dazu, auf den zurückkehrenden Manion zu schießen, den sie irrtümlich für Jones halten. Danach kann Jones die Bande einsperren und die Geiseln befreien. Hoyt, der ständig Jones verfolgt, weil er immer noch glaubt, Manion vor sich zu haben, hat die Polizei alarmiert, die nun die Bande festnimmt. Jones und Wilhelmina Clark heiraten und verbringen ihre Flitterwochen in Shanghai.

Das Lexikon des internationalen Films bezeichnete den Film als „bis auf das konventionelle Happy-End eine amüsante Gesellschaftssatire, die Bürgertum und Polizei auf die Schippe nimmt und deren subversiver Humor auch heute noch zu unterhalten weiß.“[1]

Andre Sennwald von der New York Times schrieb, der Film sei scharf geschrieben, witzig gemacht und glänze mit einer famosen Doppelrolle von Edward G. Robinson.[2]

Dave Kehr vom „Chicago Reader“ hob den Witz und die Leichtigkeit des Films hervor.[3]

Der Film wurde am 22. Februar 1935 in den USA uraufgeführt. In Österreich wurde er 1936 unter dem Titel Die ganze Stadt spricht davon aufgeführt.[4] In Deutschland wurde er am 10. November 1972 im Rahmen einer Fernsehpremiere erstmals gezeigt.

In einer kleinen Rolle als Bankangestellte ist Lucille Ball zu sehen. Francis Ford, Bruder des Regisseurs John Ford, spielt einen Reporter, Bess Flowers die Sekretärin Miss Gower. Walter Long, bekannt aus Langfilmen mit Laurel und Hardy, spielt einen Sträfling, Joe Sawyer ist als Nick und John Wray als Harry, beide Mitglieder in Manions Bande, zu sehen.

Edward G. Robinson wurde von Warner Bros. ausgeliehen. Für ihn, bislang als Gangster in Kriminalfilmen eingesetzt, war das Mitwirken in einer Komödie Neuland. Nach Der kleine Cäsar (1930) war es sein zweiter Film nach einer Vorlage von W. R. Burnett.

1998 entstand mit Duplicate ein Remake. Der Bollywoodfilm von Mahesh Bhatt diente als Vehikel für den indischen Filmstar Shah Rukh Khan.

Einzelnachweise

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  1. Stadtgespräch. In: Lexikon des internationalen Films. Filmdienst, abgerufen am 2. März 2017.
  2. Andre Sennwald in der New York Times (engl.)
  3. Dave Kehr im Chicago Reader (engl.)
  4. „Die ganze Stadt spricht davon“. Kurzrezension von Friedrich Porges in: Der Wiener Tag (Rubrik Der Tonfilm), 4. Februar 1936, S. 8.