Stengel & Co.

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Ljubljana; Ansichtskarte Serie VI, Nummer 5684, Lichtdruck in blau, um 1898

Die Kunstanstalt Stengel & Co. GmbH in Dresden war eine Buchdruckerei und Buchbinderei. Sie produzierte sowohl im Lichtdruck- wie im Offsetdruck-Verfahren[1] und gehörte zu den größten deutschen Exporteuren von Ansichtskarten.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Elisabeth zu Wied, Königin von Rumänien, handschriftlich nummeriert: 23563

1885 gegründet,[1] produzierte das Unternehmen bereits 1888 rund 6.000 Karten täglich. Die verschiedenen Ansichten erschienen schon vor 1900 in verschiedenen Serien[3] und waren, zum Beispiel auf einer Ansichtskarte von Laibach, laufend bis zu fünfstellig nummeriert.[4]

1891 lobte der Verlag unter der Adresse Elisabethufer 56 in Berlin ein Preisausschreiben aus für den Entwurf von Gratulations-Postkarten mit figuralen Darstellungen für verschiedene Feiertage.[5] Neben Ansichts- und Grußkarten reproduzierte Stengel & Co. auch Porträts bekannter Persönlichkeiten, etwa des Generals Berthold Deimling.[6]

Schon vor 1900 produzierte Stengel & Co. ganze Serien von Ortsansichten: „Ganz unter dem Zeichen der Natur- und Heimatschutzbewegung dieser Zeit und der sich daraus entwickelnden romantisierenden Sicht auf Stadt und Land“ entstand zum Beispiel 1897 die Lichtdruckserie von Emden.[7]

Aus der Zeit um 1900 produzierte Stengel & Co. eine Serie von Ansichtskarten von dem slowenischen Ort Celje, von denen bei Wikimedia Commons bis Anfang 2012 bereits fünf verschiedene mit den fortlaufenden Nummern 10882 bis 10899 dokumentiert werden konnten.[8]

Ebenfalls um 1900 erschien die Ansichtskarte Nummer 18607 mit einer Aufnahme der Leineinsel Klein-Venedig in Hannover; der Zudruck auf der Bildseite wies ausdrücklich den Hannoveraner F. Astholz jun für den Vertrieb aus.[9]

Im Zeitraum von 1906 bis 1908 gab die Firma für US-amerikanische Auftraggeber eine allgemeine Anleitung in Englisch heraus, wie und unter welchen Umständen Stengel & Co. für die Auftraggeber tätig werden konnte. Mindestabnahmemenge für von Stengel gedruckte und durch Maschinen gefärbte Artochrom- (Autochrom)Postkarten war zeitweilig 3.000 Stück.[2]

Unter der Adresse Bärensteiner Straße 21 in Dresden warb das Unternehmen auch für die Herstellung und das Bedrucken verschiedener Kartonagen, zum Beispiel für „Faltschachteln, Gürtelschachteln, Schiebeschachteln, Umkartons in allen Ausführungen für alle Branchen“. Auf einem Werbe-Plakat eines anonymen Urhebers warb die Firma auch mit einer dargestellten Schachtel der Marke Chlorodont und den Zigaretten-Hersteller Georg A. Jasmatzi.[10]

In den 1920er Jahren war der spätere Schriftsteller Reinhold Schneider kaufmännisch für das Unternehmen tätig.[11]

Stengel & Co. bestand bis 1944,[12] konnte offenbar schon nach den ersten Luftangriffen auf Dresden im Zweiten Weltkrieg nicht mehr produzieren.

Nach dem Adressbuch des deutschen Buchhandels von 1948 ging das verbliebene Eigentum über in die Dresdener Verlagsges. mbH, Dresden,[13] die letztmals 1950 verschiedene Drucke produzierte.[14]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Helmfried Luers: The Postcard Album. no. 22 (Auszug in englisch), bebildert unter anderem mit einem Stich des frühen Fabrikgebäudes und einer Musterkarte
  • Peter Leuter: Stengel und Co. In: AK Express. Ausgabe Nr. 116 von 2005, S. 9–16.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Stengel & Co. – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Karl Löffler, Joachim Kirchner, Wilhelm Olbrich: Stengel & Co. GmbH, in: Lexikon des gesamten Buchwesens, Band 3:, Petreius-Zyprische Schrift [und Register], Hiersemann, Leipzig 1937, S. 335; als Snippet-Ansicht über Google-Bücher
  2. a b Helmfried Luers: The Postcard Album (siehe Literatur)
  3. siehe diese Ansichtskarte um 1898.
  4. Ansichtskarte 22205 von Laibach
  5. Arthur Pabst, Karl Hoffacker, Fritz Helwag: Wettbewerbe [als Snippet-Ansicht], in: Kunstgewerbeblatt. Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart, Band 10, Seemann, Leipzig 1891, S. 60.
  6. Porträt des Generals
  7. Detlef Hoffmann, Jens Thiele (Hrsg.): Lichtbilder, Lichtspiele: Anfänge der Fotografie und des Kinos in Ostfriesland, Katalog zu den gleichnamigen Ausstellungen in Emden und Nienburg 1989. Jonas-Verlag für Kunst und Literatur, Marburg 1989, ISBN 3-922561-84-5, S. 63; online als Snippet-Ansicht über Google-Bücher
  8. Stand: 8. Februar 2012; siehe Category:Postcards of Celje
  9. siehe diese Karte Nummer 18607
  10. siehe dieses Plakat
  11. Bruno Stefan Scherer, Franz Anselm Schmitt: Reinhold Schneider. Leben und Werk in Dokumenten. Karlsruhe 1973, ISBN 3-7617-0039-3, S. 34; online als Snippet-Ansicht über Google-Bücher
  12. Ulrike Krause: Stengel in: artefakte moderner archäologie der Seite des Instituts für Kunstpädagogik der Universität Leipzig
  13. Adreßbuch des deutschen Buchhandels, bearb. von der Adreßbuch-Redaktion des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler zu Leipzig, Band 105, 1948, S. 233, Snippet-Ansicht
  14. Dresdner Verlagsges. in der Deutschen Nationalbibliothek

Koordinaten: 51° 2′ 11″ N, 13° 48′ 9″ O