Stiftskirche Bassum

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Stiftskirche in Bassum von Südwesten

Die Stiftskirche St. Mauritius und St. Viktor in Bassum ist eine evangelisch-lutherische Kirche in der niedersächsischen Stadt Bassum (Landkreis Diepholz). Sie ist benannt nach St. Mauritius und St. Viktor, die als Heilige verehrt werden. Sie wurde als Stiftskirche des Frauenstiftes Bassum errichtet, befindet sich aber seit 1932 nicht mehr unter dessen Patronat.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die mittelgroße Backsteinkirche aus dem 13. Jahrhundert besteht aus einem Chorquadrat mit Apsis, einem Querschiff mit quadratischem Vierungsturm und einem dreischiffigen Hallenlanghaus.

Die ehemalige Doppelturmanlage im Westen wurde wahrscheinlich bereits 1327 beim Brand der Kirche zerstört. Das Westportal wurde bei der Restaurierung der Kirche durch Conrad Wilhelm Hase in den Jahren 1866–69 grundlegend erneuert.

Der älteste Teil sind die im ersten Viertel des 13. Jahrhunderts errichteten Ostteile, die Hauptapsis mit Lisenengliederung, Rundbogenfries und Rundbogenfenstern und der darüberliegende, durch Spitzbogenblenden gegliederte Giebel. Ursprünglich waren an den Kreuzarmen Seitenapsiden vorhanden. Die Querhausfronten sind mit Ecklisenen und Rundbogenfries gegliedert. Das nördliche Querhausportal wurde 1866–69 instandgesetzt, das südliche vollständig erneuert. Außerdem wurde der Fußboden im Chorquadrat in aufwändiger und heute nur noch selten erhaltener Inkrustationstechnik aus Hochbrandgips geschaffen, der im Frühjahr 2014 restauriert wurde.[1]

Baubeschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich war ein basilikales Langhaus geplant. Am Außenbau ist davon der um 1230 errichtete untere Teil der nördlichen Langhauswand erhalten. Nach einer Planänderung um 1250 wurde das Langhaus bis etwa 1270 als dreischiffige Hallenkirche errichtet, ohne das für Basiliken entwickelte Gebundene Systems zu verlassen. Die Längswände wurden zweigeschossig gegliedert, in der Romanik und Frühgotik eine häufige Gestaltung, u. a. bei der Zisterzienserkirche Haina und der Marburger Elisabethkirche.

Inneres[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Innern ist die in allen Bauphasen erfolgte Rezeption westfälischer Vorbilder und ihre Umsetzung in die Formen der Backsteinarchitektur sichtbar. Niedrige rundbogige Durchgänge und darüberliegende vermauerte Rundbogenfenster in der Westwand der Kreuzarme belegen die ursprüngliche Planung eines basilikalen Langhauses. Der Raum wird durch die wuchtigen Formen der Kreuzpfeiler bestimmt, die jedoch erst teilweise so elegant gestaltet sind wie etwa in der Bremer Liebfrauenkirche. In der Vierung werden Triumphbogen und Scheidbögen von Runddiensten gestützt, Scheid- und Gurtbögen des Langhauses jedoch nicht. Runddienste stützen die Rippen in Chorjoch, Vierung, westlichem Langhausjoch und Turmjoch, Konsolen die des östlichen Langhausjochs.

Besonders mächtig sind die Vierungspfeiler ausgebildet, die den entsprechenden Pfeilern in der gleichzeitig oder etwas früher errichteten Kirche des Klosters Marienfeld ähneln. Ähnliche Formen sind auch in der Liebfrauenkirche in Bremen (gleichzeitig oder etwas jünger) und in der Kirche in Berne zu finden. Das aus zwei quadratischen Jochen bestehende Langhaus ist als Hallenkirche des Gebundenen Systems ausgebildet. Vergleichbare Formen der Hallenkirche sind unter anderem in den Kirchen in Billerbeck (1234 geweiht) und Metelen (bis 2. Viertel des 13. Jh.) zu finden, beide jedoch ohne Querhaus.

Die steil ansteigenden Domikalgewölbe über den Pfeilern werden in den Ostteilen und im Mittelschiff des Langhauses von Bandrippen verstärkt. Darin unterscheidet sich die Stiftskirche in Bassum von den genannten Vergleichsbauten in Westfalen und an der Unterweser, denn diese haben Rippen mit runden Querschnitten (teils noch Wulst- teils schon Birnstabrippen) auf runden Vorlagen. Im wohl ab 1224 eingewölbten Bremer Dom gibt es nur ein einziges Joch mit Gurtbögen eckigen Querschnitts und Bandrippen, das zweitwestlichste.

Die Domikalgewölbe der Bassumer Seitenschiffe haben keine Rippen, aber trotzdem hängende Schlusssteine.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Taufstein, im Hintergrund Estorff-Epitaph

Wegen eines Brands im Jahr 1797 ist nahezu keine mittelalterliche Ausstattung erhalten. Von der Restaurierung unter Conrad Wilhelm Hase stammen das große Mosaik im Chor, der Altar, die Orgel, die Kanzel, der Taufstein, das Lesepult und das Chorgestühl. Ein Holzkern eines Reliquienschreins aus dem 13. Jahrhundert in Hausform ist mit einem Rundbogenfries verziert.

Das Grabmal der Gräfin Anna von Hoya († 1585) zeigt die Verstorbene als vollplastische Ganzfigur auf einem mit 16 Wappen geschmücktem Sarkophag liegend. Zwei Epitaphe mit Säulenrahmung und Beschlagwerkornament stammen aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Zwei Wappentafeln aus Sandstein sind auf 1542 und 1687 datiert. Ein wohlgestaltetes frühklassizistisches Epitaph für die Äbtissin Eleonora von Estorff († 1769) zeigt einen schlanken hölzernen Aufbau mit gemalten Wappenschilden und einer großen klassizistischen Urne.

Im Turm der Stiftskirche hängen drei Bronzeglocken der Glockengießerei Otto aus Hemelingen/Bremen mit der Schlagtonreihe: dis' – fis' – gis'.[2][3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rudolf Fantini und Nicolaus Heutger: Kirche und Stift Bassum (= Große Baudenkmäler. Heft 224). 2., völlig veränderte Auflage. München/Berlin 1987.
  • BASSUM Kr. Diepholz. Ev. Stiftskirche St. Mauritius und St. Viktor. In: Georg Dehio (Hrsg.): Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Bremen Niedersachsen. Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 1992, ISBN 3-422-03022-0, S. 197–198.
  • Ernst Andreas Friedrich: Die Stiftskirche in Bassum. In: Wenn Steine reden könnten. Band IV. Landbuch-Verlag, Hannover 1998, ISBN 3-7842-0558-5, S. 49–51.
  • Hermann Haiduck: Die Architektur der mittelalterlichen Kirchen im ostfriesischen Küstenraum. 2. Auflage. Ostfriesische Landschaftliche Verlags- und Vertriebs-GmbH, Aurich 2009, ISBN 978-3-940601-05-6, S. 101.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Stiftskirche St. Mauritius und St. Viktor (Bassum) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Stiftskirche Bassum und ihr leuchtender Gipsinkrustationsboden. Deutsche Stiftung Denkmalschutz, abgerufen am 6. November 2017.
  2. Gerhard Reinhold: Otto-Glocken. Familien- und Firmengeschichte der Glockengießerdynastie Otto. Selbstverlag, Essen 2019, ISBN 978-3-00-063109-2, S. 588 (hier insbes. S. 546).
  3. Gerhard Reinhold: Kirchenglocken - christliches Weltkulturerbe, dargestellt am Beispiel der Glockengießer Otto, Hemelingen/Bremen (= Dissertation an der Radboud Universiteit Nijmegen). Nijmegen/NL 2019, S. 556 (hier insbesondere. S. 504).

Koordinaten: 52° 50′ 41,2″ N, 8° 43′ 25,2″ O