Stiftung Sammlung E. G. Bührle

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Haus der Sammlung Bührle in Zürich

Die Stiftung Sammlung E. G. Bührle wurde von den Erben des Unternehmers Emil Georg Bührle eingerichtet, um wesentliche Teile seiner Kunstsammlung der Öffentlichkeit zu zeigen. Von 1960 bis 2015 konnten diese Werke in einem eigenen Haus in Zürich besichtigt werden, ab 2020 sollen sie im Kunsthaus Zürich ausgestellt werden.

Sammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rund 180 Werke[1] der umfangreichen privaten Kunstsammlung des Zürcher Industriellen und Alleingesellschafters der Holding Oerlikon-Bührle, Emil Georg Bührle (1890–1956), wurden 1960 von seinen Erben in eine Stiftung überführt und seitdem in einer Villa neben dem ehemaligen Wohnhaus Bührles in der Zollikerstrasse 172 in Zürich gezeigt. Präsidentin der Stiftung war bis zu ihrem Tod 2014 Bührles Tochter Hortense Anda-Bührle. Ihr Nachfolger ist Christian Bührle, ein Enkel von Emil Georg Bührle.

Zu den Exponaten gehören:

2020 ist der Umzug der Sammlung Bührle in den geplanten Erweiterungsbau des Kunsthauses Zürich vorgesehen, nachdem im November 2012 das Zürcher Stimmvolk dafür stimmte, dass das zu rund 40 Prozent aus Steuergeldern zu finanzierende Gebäude errichtet werden kann.[2] Der entsprechende Entwurf von Architekt David Chipperfield aus dem Jahr 2010 sieht zwölf Prozent der Nutzfläche des Neubaus für die Sammlung Bührle vor.[3]

Raubkunst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bezüglich des seit 1941 in der Sammlung Bührle befindlichen Monet-Bildes Mohnfeld bei Vétheuil besteht wegen seiner Provenienz der Verdacht, es sei in den Jahren 1940/41 Gegenstand eines möglicherweise fragwürdigen Geschäfts zwischen Bührle und dem nach Südamerika emigrierten jüdischen Kaufmann Max Emden gewesen.[4] Eine Anzahl weiterer Bilder hat eine ungeklärte Provenienz, es kann sich bei ihnen ebenfalls um Raubkunst oder Fluchtgut handeln.[5] Provenienzforscherin Laurie A. Stein arbeitet für die Stiftung seit 2002.[6]

Kunstraub[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 10. Februar 2008 wurden bei einem bewaffneten Kunstraub vier Gemälde im Gesamtwert von 180 Millionen Franken erbeutet. Es handelt sich um die Bilder Der Knabe mit der roten Weste von Paul Cézanne, Blühende Kastanienzweige von Vincent van Gogh, Mohnfeld bei Vétheuil von Claude Monet und Ludovic Lepic und seine Töchter von Edgar Degas, wie Kurator Lukas Gloor bekanntgab. Der Raub wird als «der wohl grösste Kunstraub Europas» bezeichnet.[7]

Am 18. Februar 2008 fand die Polizei zwei Bilder (jene von van Gogh und Monet) in einem Auto mit gestohlenen Kennzeichen auf dem Parkplatz der Psychiatrischen Klinik Burghölzli unbeschädigt wieder auf und konnte diese dem Museum zurückgeben. Die beiden anderen Bilder blieben dieweil verschwunden. Ob für die Bilder ein Lösegeld bezahlt wurde, ist unklar.[8][9] Am 11. April 2012 wurde in Belgrad Cézannes „Knabe mit der roten Weste“ wieder aufgefunden.[10] Am 27. April 2012 teilte die Zürcher Staatsanwaltschaft mit, Degas’ Bild Ludovic Lepic und seine Töchter sei bereits vor mehreren Monaten nach Zürich zurückgeführt worden.[11]

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Katalog Washington D. C.: The Passionate Eye, Impressionist and other Master Paintings from the E. G. Bührle Collection. Zürich 1990, ISBN 0-8478-1215-4.
  • Lukas Gloor: Stiftung Sammlung E. G. Bührle: Katalog I–III. Silvana 2004–2005, ISBN 88-87582-95-5 (1), ISBN 88-87582-88-2 (2), ISBN 88-87582-73-4 (3).
  • Emil Maurer: Stiftung Sammlung E. G. Bührle. (= Schweizerische Kunstführer, Band 526/527). Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 1992, ISBN 3-85782-526-X.
  • Thomas Buomberger, Guido Magnaguagno (Hrsg.): Schwarzbuch Bührle. Raubkunst für das Kunsthaus Zürich? Rotpunkt, Zürich 2015, ISBN 978-3-85869-664-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sammlung E.G. Bührle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Volker Breidecker: Ars für Mars. In Zürich wird die prachtvolle Sammlung Bührle gezeigt – ihre Herkunft lässt Fragen offen. In: Süddeutsche Zeitung vom 1. März 2010.
  2. Jvo Cukas: Kunsthaus-Erweiterung: Zürcher sagen Ja zum Ausbau. In: Tages-Anzeiger Online / Newsnet. 26. November 2012, abgerufen am 15. April 2013.
  3. Kunsthaus-Erweiterung auf der Website des Kunsthauses Zürich, abgerufen am 11. April 2012.
  4. swissinfo.org, 27. Februar 2008: Monets «Mohnfeld» mit Erblast.
  5. Thomas Buomberger, Guido Magnaguagno (Hrsg.): Schwarzbuch Bührle. Raubkunst für das Kunsthaus Zürich? Rotpunkt, Zürich 2015, ISBN 978-3-85869-664-9; Guido Magnaguagno: Altlasten im Neubau. In: Tages-Anzeiger vom 21. August 2015, abgerufen am 30. August 2015.
  6. http://www.buehrle.ch/provenance.php?lang=de
  7. Tages-Anzeiger, 11. Februar 2008: Der wohl grösste Kunstraub Europas.
  8. Tages-Anzeiger, 19. Februar 2008: Bilder auf Parkplatz entdeckt.
  9. Tages-Anzeiger, 19. Februar 2008: Rätseln über wiedergefundene Raubbilder.
  10. Gestohlener Cézanne in Belgrad aufgespürt. In: Neue Zürcher Zeitung online, abgerufen am 12. April 2012.
  11. Alle vier gestohlenen Bührle-Bilder zurück. NZZ vom 27. April 2012.

Koordinaten: 47° 21′ 10,9″ N, 8° 33′ 42,2″ O; CH1903: 684853 / 245293