Kunstraub

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum Album siehe Kunstraub (Album).
Byzantinische Fresken die nach der türkischen Invasion auf Zypern auf dem Kunstmarkt feilgeboten wurden
Vase mit Pechnelken, von Vincent van Gogh, 2010 aus dem Mohamed Mahmoud Khalil Museum in Kairo gestohlen.

Illegaler Handel mit Kulturgut aus Raubgrabungen, zerstörerische Plünderungen von antiken Kultstätten und Kunstraub aus Kirchen, Museen und Sammlungen steht neben Geldwäsche, Korruption, Drogen-, Menschen- und illegalem Waffenhandel mittlerweile weltweit an oberster Stelle krimineller Aktivitäten.[1] Laut LKA-Bayern entstehen jährliche Schäden in Höhe von 5 Milliarden US-Dollar.[2] In Deutschland werden jährlich zwischen 1.000 und 1.500 Antiquitäten und Kunstgegenstände gestohlen.[3]

Motive[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der international anerkannte Kriminologe John E. Conklin zählt fünf Motive für Kunstdiebstahl auf:

  1. Täter, die hoffen, gestohlene Kunst selber an Hehler oder durch Vermittlung veräußern zu können.
  2. Solche Täter oder Gruppen, die Kunstwerke auf Bestellung und für eine Provision stehlen.
  3. Kunstdiebe, die hoffen die Kunstwerke gegen ein Lösegeld den Eigentümern zum Rückkauf anbieten.
  4. Jene Täter, die die Kunst für sich und ihre eigene Sammlung stehlen und schließlich
  5. Eine vergleichsweise kleine Gruppe von Tätern, die Kunst stiehlt, um damit politische Ziele durchzusetzen.[4]

Immer häufiger werden Kunstwerke von der Organisierten Kriminalität und sogar auf Bestellung gestohlen. Diese Kunstwerke werden dann als Geldanlage, zur Geldwäsche oder als Zahlungsmittel verwendet. Häufigstes Motiv ist allerdings das der persönlichen Bereicherung. Nach Angaben des Art Loss Registers werden Kunstwerke von Picasso, Miró und Chagall am häufigsten entwendet.

Den Raub von Kunstwerken zum Zwecke der Erpressung nennt man Artnapping.

Kunstraub von antiken und archäologischen Gegenständen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Illegaler Handel mit archäologischen Funden und Kunstobjekten wird als Antikenhehlerei bezeichnet. (Siehe Hauptartikel: Antikenhehlerei und Raubgrabung)

Kunstraub durch Krieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor 1900 war es gängige Praxis, bei Kriegen Schätze, einschließlich Kunstwerke, des Kriegsgegners als Kriegsbeute zu plündern oder zu rauben. In Artikel 56 der Haager Landkriegsordnung von 1899 ächteten die Unterzeichnerstaaten den Kunstraub. In der Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten von 1954 erweiterten die Unterzeichnerstaaten nach den Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges die Regeln zum Schutz von Kulturgut.

  • Die im Zuge des Zweiten Weltkrieges und anderer Kriege geraubte Kunst und Kunstgegenstände werden häufig als Beutekunst bezeichnet. Im Zweiten Weltkrieg war der Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg mit systematischem Kunst- und Kulturraub in den besetzen Ländern beauftragt. Zudem bereicherten sich Nazigrößen, allen voran Hermann Göring, systematisch an Raubkunst. Heute geht die Wissenschaft davon aus, dass sich Göring über 4.000 Kunstwerke illegal aneignete.[5]
  • Im Zuge des Irakkrieges wurden zahlreiche wertvolle Exponate aus dem archäologischen Irakischen Nationalmuseum in Bagdad geraubt; einige davon wurden später bei Kunstauktionen versteigert oder privaten Kunstsammlern feilgeboten.

Einige spektakuläre Kunstdiebstähle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kunstdiebstahl in Filmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auswahl an Filmen, in denen es um Kunstdiebstahl geht. Meist werden hier die Diebe mythologisiert während sie mit der Realität des organisierten Verbrechens nichts gemein haben.

Recht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

International gelten folgende Konventionen:

  • UNESCO - Konvention gegen illegalen Handel mit Kulturgut vom 14. November 1970[10] − in Deutschland ratifiziert als Gesetz zur Ausführung des UNESCO-Übereinkommens, in Kraft getreten 2008 (konkretisiert mit Verordnung über das Verzeichnis wertvollen Kulturgutes nach dem Kulturgüterrückgabegesetz)[11]
  • UNIDROIT-Konvention über gestohlene oder rechtswidrig exportierte Kulturgüter vom 25. Juni 1995[12]

Galerie berühmter gestohlener Gemälde (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • John E. Conklin: Art Crime. Praeger Publishers, Westport 1994
  • Bénédicte Savoy: Kunstraub. Napoleons Konfiszierungen in Deutschland und die europäischen Folgen. Böhlau Verlag, Köln/Weimar/Wien 2010, ISBN 978-3-205-78427-2. (Übersetzung von Bénédicte Savoy: Patrimoine annexé. Les biens culturels saisis par la France en Allemagne autour de 1800. Éditions de la Maison des sciences de l’homme, Paris 2003, ISBN 978-2-7351-0988-3).
  • Steen Kittl, Christian Saehrendt: Geier am Grabe van Goghs und andere häßliche Geschichten aus der Welt der Schönen Künste. DuMont, Köln 2010, ISBN 978-3-8321-9093-4
  • Nora Koldehoff, Stefan Koldehoff: Aktenzeichen Kunst. Die spektakulärsten Kunstdiebstähle der Welt. DuMont, Köln 2004, ISBN 3-8321-7435-4
  • Sandy Nairne: Die leere Wand, Museumsdiebstahl - Der Fall der zwei Turner-Bilder. Piet Meyer Verlag, Bern/Wien 2013, ISBN 978-3-905799-19-4
  • Milbry Polk, Angela M. Schuster: The looting of the Iraq Museum. Baghdad - the lost legacy of ancient Mesopotamia. Abrams, New York 2005, ISBN 0-8109-5872-4
  • Peter Watson, Cecilia Todeschini: Die Medici-Verschwörung. Der Handel mit Kunstschätzen aus Plünderungen italienischer Gräber und Museen. Parthas-Verlag, Berlin 2006, ISBN 978-3-86601-905-8

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kunstdiebstähle, Lösegeld für eine Leinwand [1] Der Tagesspiegel-Online vom 25. Oktober 2012, abgerufen am 7. März 2013
  2. Erfahrungsaustausch "Sicherheit in Museen", in Sicherheit.Info [2], abgerufen am 7. März 2013
  3. Kunstdiebstähle Lösegeld für eine Leinwand siehe 1.)
  4. Sandy Nairne: Die leere Wand, Museumsdiebstahl - Der Fall der zwei Turner-Bilder. Piet Meyer Verlag, Bern/Wien 2013, S. 16.
  5. Nazi-Raubkunst: Görings Schatz jetzt online [3], in Spiegel-Online vom 20. Juni 2012, abgerufen am 8. März 2013
  6. BBC:Two Picassos stolen in Brazil
  7. Guardian:Paris art museum theft the work of lone robber
  8. Kunstraub - Heisse Spur zu gestohlenen Gemälden aus Rotterdam [4], in: Die Welt.de vom 13. Januar 2013, abgerufen am 7. März 2013.
  9. http://wien.orf.at/news/stories/2671324/ 250.000 Euro Belohnung nach Kunstdiebstahl, ORF.at 30. September 2014
  10. Generalkonferenz der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur, die vom 12. Oktober bis zum 14. November 1970 in Paris zu ihrer 16. Tagung zusammengetreten ist - Übereinkommen über Maßnahmen zum Verbot und zur Verhütung der unzulässigen Einfuhr, Ausfuhr und Übereignung von Kulturgut (BGBl. 2007 II S. 626, 627)
  11. Deutsche UNESCO Konvention
  12. Text (PDF; 682 kB). Aufgerufen am 6. Februar 2011.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Lost artworks – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien