Stilmöbel

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Stilmöbel im Adenauer-Haus
Original-Sitzgruppe im Biedermeierstil (um 1820)

Der Begriff Stilmöbel bezeichnet einen Möbelstil, mit dem zum Zeitpunkt der Herstellung ein früherer Stil imitiert wird.

Stilmöbel gehören zum Feld des Eklektizismus. Ein Biedermeierstilmöbel ist beispielsweise eine Nachbildung eines Möbels aus der Biedermeierzeit, und keinesfalls ein Originalmöbel aus dieser Zeit. Dabei muss es sich jedoch nicht zwangsläufig um die genau Kopie eines existierenden Originalstücks handeln, die meisten Stilmöbel sind Neuentwürfe im historischen Stil. Auch wurden Möbeltypen als Stilmöbel produziert, die es in der als Vorbild dienenden Epoche gar nicht gegeben hatte, z. B. Schrankwände oder Schränke zur Aufnahme des Fernsehers.

Stilmöbel waren insbesondere in den 1960er und 1970er Jahren eine Geschmacksrichtung, die bei der Möblierung von Privatwohnungen genutzt wurde. Sie gelten als Kennzeichen von Wohnungseinrichtungen des bürgerlichen Mittelstandes. Ein abwertender Sammelbegriff für Stilmöbel aus Eiche war „Eiche-Rustikal“. In Deutschland ist ein „Arbeitskreis Deutscher Stilmöbel e. V.“ bekannt, der als Verbindung von Herstellern etabliert war. Gelegentlich finden sich im Gebrauchtmöbelhandel Stücke, die mit Kennzeichen dieses Arbeitskreises versehen sind.

Stilmöbel, die vor dem 20. Jahrhundert gebaut wurden, gelten auch schon als zeitgenössische Originale. Insbesondere im Historismus war es üblich, Stilrichtungen vorhergehender Epochen zu imitieren. Im 21. Jahrhundert, gelten zunehmend auch die Stilmöbel des mittleren 20. Jahrhunderts als zeitgemäße Vertreter der jeweiligen Einrichtungsstile (Vintage-Strömung). Auch wenn sie im Antiquitätenhandel durchweg wesentlich geringere Preise erzielen als Originalstücke erfreuen sich Stilmöbel daher mittlerweile wieder eine gewissen Beliebtheit.

Jüngere Stilmöbel sind von Originalstücken aus der Zeit neben stilistischen Merkmalen auch an den verwendeten Materialien (z. B. Sperrholz) leicht zu unterscheiden. Schwieriger ist dies bei Stücken aus dem Historismus des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, die oft aus bereits in der Originalzeit üblichen Materialien bestehen und durch ihr Alter von mittlerweile mehr als 100 Jahren auch deutliche Altersspuren aufweisen. Hier sind ebenfalls stilistische Kriterien heranzuziehen, auch Bearbeitungsspuren wie sie von Maschinen und anderen modernen Werkzeugen stammen, geben hier Hinweise.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Duden, Deutsches Universalwörterbuch (DUW). 2. Aufl. 1989, S. 1470, ISBN 978-3-411-02176-5.
  • Rolf-Ulrich Kunze: Symbiosen, Rituale, Routinen: Technik als Identitätsbestandteil : Technikakzeptanz der 1920er bis 1960er Jahre. KIT Scientific Publishing, 2010, S. 173–174, ISBN 978-3-86644-493-5.
  • Julius Posener: Aufsätze und Vorträge 1931 – 1980. Vieweg & Teubner, Wiesbaden 2012, S. 223 ff. ISBN 978-3-663-00115-7.
  • Barbara Hölscher: Lebensstile durch Werbung? Zur Soziologie der Life-Style-Werbung. VS Verlag für Sozialwissenschaften, 1998, S. 49, ISBN 978-3-322-87309-5.
  • Joachim Petsch: Eigenheim und gute Stube : Zur Geschichte des bürgerlichen Wohnens. DuMont, Köln 1989, ISBN 978-3-7701-1759-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]