Straßenbahn Flensburg

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Städtische Straßenbahn Flensburg
Städtische Straßenbahnen Flensburgs im Oktober 1972 beim Deutschen Haus
Basisinformationen
Unternehmenssitz Flensburg
Eigentümer Stadt Flensburg
Gründung 1881
Linien
Straßenbahn 1,2,3,4
Obus 2
Anzahl Fahrzeuge
Straßenbahnwagen Busch/AEG, MAK/AEG, HAWA/Siemens, Elze/AEG
Oberleitungsbusse Henschel/Schumann/SSW, MAN/Kässbohrer/SSW[1]
Betriebseinrichtungen
Betriebshöfe Apenrader Straße 22

Die Straßenbahn Flensburg war ein Straßenbahnbetrieb in Flensburg und als solcher von 1920 bis 1973 der nördlichste in Deutschland. Die Bahn wurde von der Stadt als Städtische Straßenbahn Flensburg betrieben.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfänge als Pferdebahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1881 baute das Berliner Unternehmen Reymer & Masch eine normalspurige Pferdestraßenbahn durch den Flensburger Hauptstraßenzug von der Apenrader zur Angelburger Straße. Ab 1889 arbeitete der Betrieb rentabel. Zunächst vom zeitweiligen Reichstagsabgeordneten Gustav Johannsen geführt, erlebte sie vor allem unter der Ägide von Kleinbahn-Pionier Emil Hironymus Kuhrt in der stetig wachsenden Stadt einen Aufschwung. 1906 endete die 25-jährige Konzession, die von der Stadt nicht erneuert wurde.

Aufbau und Ausbau der elektrischen Straßenbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt baute in Eigenregie einen elektrischen Betrieb in der nach wie vor wachsenden Stadt auf. Die erste meterspurige und zweigleisige Straßenbahnlinie folgte der alten Pferdebahntrasse zwischen Apenrader Straße und Hafermarkt und nahm am 6. Juli 1907 ihren Betrieb auf. 1911/12 folgten die Linien 2 und 3. Erstere verband die Marienhölzung mit dem Kreisbahnhof und kreuzte die Stammstrecke in der Rathausstraße. Letztere benutzte die Strecke der Linie 1 mit und fuhr in Richtung Nordosten bis zur neuen Marineschule Mürwik. Gleichzeitig wurden die Linien 1 und 3 in der Apenrader Straße bis zur Glashütte verlängert. 1925 wurde die Linie 4 nach Glücksburg eingerichtet, die zum großen Teil auf der Trasse der Kreisbahn verkehrte und damit den Charakter einer Überland-Straßenbahn annahm. 1927 wurde das südliche Ende der Linie 1 zum neuen Bahnhof verlegt. Im Norden fuhren die Linien 1 und 3 über die Glashütte hinaus zum Ostseebadweg. Damit war das Netz 18 Kilometer lang und bestand aus vier Linien.

Niedergang in der Zeit des Nationalsozialismus und Nachkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die zunächst gut gestartete Linie 4 erlebte nach der Weltwirtschaftskrise 1929 einen deutlichen Rückgang der Fahrgastzahlen und wurde schon 1934 wieder eingestellt. Der Verkehr nach Glücksburg wurde weiterhin von der Kreisbahn sowie durch die Fördeschifffahrt gewährleistet. Mitten im Zweiten Weltkrieg folgte die Umstellung der Linie 2 auf Oberleitungsbusbetrieb (Obus). Da die Luftangriffe auf Flensburg wenig erfolgreich waren, erlitt die Straßenbahn nur verhältnismäßig geringe Schäden. Dennoch wurden beim Luftangriff vom 19. Mai 1943 mehrere im Straßenbahndepot befindliche Straßenbahnwagen beschädigt und beim Luftangriff vom 2./3. Mai 1945 gingen vier Sprengbomben auf die Straßenbahn bei der Endhaltestelle bei Mürwik nieder. Sieben Menschen starben.

Das Straßenbahndepot in der Apenrader Straße (8. Oktober 1972.)
Die Linie 1 der Flensburger Straßenbahn im Betrieb vor dem Nordertor, Richtung Südermarkt
Wagen 36 der Flensburger Straßenbahn im Museum Skjoldenæsholm (2012)

In den frühen 1950er Jahren wurde der Wagenpark mit sieben Triebwagen und acht Beiwagen vom Verbandstyp erneuert. Der Beschluss, die neuen Wohngebiete im Osten nicht mit der Straßenbahn zu erschließen und die Linie 3 entlang der Mürwiker Straße nicht zu modernisieren, musste zwangsläufig zum baldigen Ende der Straßenbahn führen. 1957 erfolgte die Einstellung der Linie 3, die ebenso wie der Obus auf Linie 2 durch Dieselbusse ersetzt wurde. Dennoch blieb die 4,2 Kilometer lange Linie 1 vom Ostseebad zum Bahnhof das Rückgrat des Flensburger Nahverkehrs und wurde weitgehend im Fünf-Minuten-Takt bedient. Im Juni 1973 wurde jedoch auch sie durch eine Dieselbuslinie ersetzt und bald abgebaut, als die Stadtwerke Flensburg das Fernwärmenetz in der Hauptverkehrsachse (Große Straße, Holm) ausbauten. Seitdem ist diese größtenteils Fußgängerzone.

Die Erinnerungen an die Flensburger Straßenbahn blieben noch lange in der Bevölkerung lebendig. In einem alten Rätselreim zum Nordertor wird noch erwähnt, dass die Straßenbahn ums Gebäude herumfuhr.[2] Ein Straßenbahnmast blieb bis heute in der Bismarckstraße stehen (Stand 2013). In den neunziger Jahren wurde in der Hansens Brauerei einer der Wagen als Sitzmöglichkeit für die zu bewirtenden Gäste genutzt. Im Carlisle-Park, beim Bahnhof Flensburg, sowie bei der Apenrader Straße, wo sich das Straßenbahndepot befand, welches heutzutage als Busdepot verwendet wird, findet man jeweils ein Denkmal zur Erinnerung an die Flensburger Straßenbahn. Im Stadtteil Mürwik, an der stark frequentierten Mürwiker Straße, befindet sich an einem Haus eine Wandmalerei mit der Straßenbahn.

Liniennetz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Linie 1: 1907: Apenrader Straße – Hafermarkt, 1912: Glashütte – Hafermarkt, 1927–1973: Ostseebadweg – Bahnhof
  • Linie 2: 1911: Marienhölzungsweg – Kreisbahnhof, 1943 auf Obus umgestellt
  • Linie 3: 1912: Glashütte – Mürwik, 1927–1957: Ostseebadweg – Mürwik, Abbau des Abschnitts Südermarkt – Mürwik
  • Linie 4: 1925: Apenrader Straße – Glücksburg, 1926–1934: Südermarkt – Glücksburg
Wagen SFV 33; Ersatzteilspender für das Museum Skjoldenæsholm

Fahrzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis heute sind folgende Fahrzeuge erhalten geblieben:

Tw Nr. 36 wurde bis Mai 2012 in den Werkstätten des Geraer Verkehrsbetriebs überholt und restauriert.[3] Tw Nr. 33 befindet sich aktuell (Stand Ende Juli 2013) in unbearbeitetem Zustand in Gera.[4]

Bis 2009 Erhalten

  • Nr. 102 (1954): Wagenaufbau in Flensburg bis 2009 erhalten, anschließend verschrottet

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dieter Höltge: Straßen- und Stadtbahnen in Deutschland. Band 8: Schleswig-Holstein. EK-Verlag, Freiburg 2002, ISBN 3-88255-339-1, S. 22–46 und 209–212.
  • Reinhard Müller: Endstation Schrott. Die Straßenbahn in Flensburg. In: Straßenbahn-Magazin. Heft 1/2001, S. 52–58.
  • Broder Schwensen, Karl Wilhelm Lönneker: Bewegte Jahre · Die Flensburger Straßenbahnen 1855–1973. Flensburg 2001, ISBN 3-926055-56-1.

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dieter Nickel: Auf Schienen durch Flensburg · Alltag und Ende der Flensburger Straßenbahn 1907–1973. Harrislee 2006.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.aktiv-bus.de/ueberuns/unternehmensentwicklung/DerStadtverkehr.pdf?m=1421690681
  2. Vgl. Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte, 1972, S. 275 (eines der beiden Standardwerke zur Flensburger Geschichte)
  3. Video des Straßenbahnmuseums Skjoldenæsholm auf YouTube
  4. persönlicher Besuch des Betriebshofes in Gera am 25. Juli 2013.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Streetcars of Flensburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien