Sun Wukong

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Sun Wukong in einer Illustration zu Die Reise nach Westen aus dem 16. Jh.

Sūn Wùkōng (chinesisch 孫悟空 / 孙悟空, W.-G. Sun Wu-k'ung) ist im klassischen chinesischen Roman Die Reise nach Westen der König der Affen. Er ist eine ambivalente übernatürliche Wesenheit: „als steinernes Ei aus einem Felsen geboren, befruchtet vom Wind, geschaffen aus den reinen Essenzen des Himmels, den feinen Düften der Erde, der Kraft der Sonne und der Anmut des Mondes“.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der König der Affen ist in eine uralte Geschichte eingebettet. Im 7. Jahrhundert machte sich der Mönch Xuanzang von China aus auf den Weg nach Indien, um die heiligen Schriften Buddhas für seinen Kaiser zu holen. Die Reise dauerte sechzehn Jahre, und nach seiner Rückkehr verfasste der Mönch einen ausführlichen Reisebericht. Diese „Reise nach Westen“ ist bis heute eines der wichtigsten historischen Zeugnisse vom Leben in jenen frühen Zeiten. Im Laufe der Jahrhunderte rankten sich Legenden und Märchen um die Pilgerfahrt des Xuanzang – und eine davon ist die Geschichte vom Affenkönig.

Dank der Lehre bei verschiedenen daoistischen Meistern erlernt Sun Wukong nicht nur das Kämpfen, sondern auch die Fähigkeit, sehr hoch zu springen und sich auf 72 verschiedene Weisen zu verwandeln. Der Affenkönig erlangt einen Stab, der seine Größe beliebig ändern kann, und eine Wolke, auf der er fliegt. „Sogleich wird er König, findet einen gesegneten Erdwinkel für sein Volk und hält sein tägliches Bankett mit Behagen. Aber er will mehr – er will Unsterblichkeit und den Thron des Jadekaisers.“

Die gelernten Künste missbraucht er für allerlei Streiche. Schließlich erobert er den Himmel alleine gegen die Armeen des Jadekaisers und zwingt diesen, ihn zu einem himmlischen Gott zu machen. Auch als Gott treibt er weiter Schabernack, bis er durch eine List von Buddha gefangen und für 500 Jahre unter einem Berg gehalten wird. Zur Läuterung darf er schließlich den Mönch Xuanzang auf seiner Reise nach Indien begleiten, wo dieser von Buddha heilige Schriften für China erbeten soll. Auch im weiteren Verlauf der Reise in den Westen bleibt Sun die Hauptfigur des Romans, obwohl er der Diener des Mönches Xuanzang ist. Fast alle Probleme, in die die Reisegruppe gerät, löst Sun entweder selbst durch seine Intelligenz, Kampfkunst und Zauberkraft, oder er findet durch seine guten Beziehungen in den Himmel eine Gottheit, die ihm helfen kann.

Die Reise in den Westen kann auch auf einer philosophischen Ebene gelesen werden. Auf dieser Ebene symbolisiert Sun Wukong das menschliche Herz, dessen Vervollkommnung der Roman zum Thema hat. Am Anfang, als Sun den Himmel erobert, ist er egoistisch und genusssüchtig und gleicht sehr den Dämonen, die er später bekämpft, und die für Schwierigkeiten bei der Entwicklung von Einsicht und Mitgefühl stehen. Am Ende jedoch wird er selbst zum Buddha.[1]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit seiner Mischung aus ungestümem Verhalten, großem Mut, merkwürdigem Humor und stellenweise überraschender Weisheit ist er der eigentliche Hauptcharakter der Geschichte und ein typischer Trickster: ein heiterer junger Rebell, der die verknöcherte Himmelsherrschaft frech herausfordert.

In Asien gilt der Affe als schlau, klug, liebenswürdig und respektlos. Der Affenkönig aus der Legende – ob unter dem Namen Sun Wukong in China oder Hanuman in Indien – ist eine bis heute sehr populäre Figur. So ist Sun Wukong eine der bekanntesten mythischen Kreaturen, sowohl in China als auch in Japan, wo er Son Gokū ausgesprochen wird. Letzteres ist auch der Name der Hauptfigur der Dragon Ball Mangas bzw. Animes.

Weitere Anspielungen auf Die Reise nach Westen gibt es z. B. in den Mangas Love Hina, Naruto, One Piece und The God of Highschool, sowie in den Computerspielen Brawlhalla, Defense of the Ancients, Diablo 3, Enslaved: Odyssey to the West, Gods of Rome, Heroes of the Storm, Hyper Universe, League of Legends, Paragon[2], Smite, Warframe und Warriors Orochi 2 & 3.

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auswahl von Filmen zur Figur Sun Wukong

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Helwig Schmidt-Glintzer: Geschichte der chinesischen Literatur: Von den Anfängen bis zur Gegenwart. C.H.Beck 1999, ISBN 3-406-45337-6, S. 435
  • Graham Seal: Encyclopedia of Folk Heroes. ABC-CLIO 2001, ISBN 1-57607-216-9, S. 176
  • Wha len Lai: From Protean Ape to Handsome Saint: The Monkey King. Asian Folklore Studies, Band 53, Nr. 1 (1994), S. 29–65 (JSTOR 1178559)
  • J. Stephen Pearson: THE MONKEY KING IN THE AMERICAN CANON: PATRICIA CHAO AND GERALD VIZENOR'S USE OF AN ICONIC CHINESE CHARACTER. Comparative Literature Studies, Band 43, Nr. 3, Classics and Contemporary Literature/Culture/Theory (2006), S. 355–374 (JSTOR 25659535)
  • Die Reise in den Westen, übersetzt und kommentiert von Eva Lüdi Kong, Reclam Verlag Ditzingen 2016, ISBN 978-3-15-010879-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sun Wukong – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: x – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Reise in den Westen, übersetzt und kommentiert von Eva Lüdi Kong, Reclam Verlag Ditzingen 2016, S. 1289–1291.
  2. Journey to the West - Character Profiles (Sun Wu Kong). Abgerufen am 9. Juni 2018.