Suxamethonium

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Strukturformel
Suxamethonium
Allgemeines
Freiname Suxamethonium
Andere Namen
  • Succinylcholin
  • 2,2′-[(1,4-Dioxobutan-1,4-diyl)bis(oxy)]bis(N,N,N-trimethylethanaminium)
Summenformel C14H30N2O4
Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer
  • 306-40-1
  • 6101-15-1 (Dichlorid)
PubChem 5314
DrugBank DB00202
Wikidata Q424378
Arzneistoffangaben
ATC-Code

M03AB01

Wirkstoffklasse

Muskelrelaxans

Eigenschaften
Molare Masse 290,40 g·mol−1
Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [1]
keine Einstufung verfügbar
H- und P-Sätze H: siehe oben
P: siehe oben
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Suxamethonium oder Succinylcholin (auch bekannt als Succinylbischolin oder Succinyldicholin) ist das einzige in der Humanmedizin verwendete depolarisierende Muskelrelaxans. Es wird angewendet, um eine vorübergehende Muskellähmung (auch der Atemmuskulatur) herbeizuführen und dadurch eine Beatmung zu ermöglichen.

Wirkmechanismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Substanz wirkt als Agonist an den Acetylcholinrezeptoren der motorischen Endplatte. Durch eine Dauerdepolarisation (Übererregung) kommt es schließlich zur Muskellähmung (Depolarisationsblock).

Der maximale Wirkungseintritt von Succinylcholin ist schnell (etwa 1 Minute) und die Wirkungsdauer kurz (3–10 Minuten). Die intravenös, in einer Dosierung von 1–1,5 mg/kg Körpergewicht, zu verabreichende Substanz gilt in der klinischen Anästhesie als Muskelrelaxans der Wahl zur Narkoseeinleitung bei nicht-nüchternen Patienten (Rapid Sequence Induction), die ein erhöhtes Risiko für eine Aspiration haben.

Eliminiert wird die Substanz in Leber und im Plasma über die Pseudocholinesterase.

Nebenwirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch den Wirkmechanismus der Substanz werden vor Einsetzen der Lähmung kurzzeitig Muskelzuckungen (Faszikulationen) individuell unterschiedlicher Stärke ausgelöst. Ein durch die Faszikulationen ausgelöster Untergang von Muskelzellen kann zum kritischen Anstieg des Serum-Kalium-Wertes und entsprechenden Komplikationen (Herzrhythmusstörungen, Bradykardien, Herz-Kreislauf-Stillstand) führen. Bei Patienten mit Erkrankungen, bei denen eine Störung der Stabilität der Zellmembranen besteht (etwa Verbrennungskrankheit, Polytrauma) sollte die Substanz daher nicht verwendet werden. Bei Patienten, die über eine längere Zeit immobil waren (beispielsweise durch Bettlägerigkeit) kann es durch eine erhöhte Empfindlichkeit der Acetylcholinrezeptoren ebenfalls zu den genannten Komplikationen kommen.

  • Succinylcholin kann in seltenen Fällen Auslöser einer lebensbedrohenden Stoffwechselerkrankung (maligne Hyperthermie) sein und darf daher bei Patienten mit bestehender Disposition durch entsprechende Vorerkrankungen (etwa Muskeldystrophie) nicht eingesetzt werden.
  • Weiterhin kann durch die Faszikulationen der Augeninnendruck ansteigen; es sollte also auch bei Augapfelverletzungen keine Verwendung finden.
  • Bei einem Teil der mit Succinylcholin behandelten Patienten können nach der Operation Muskelschmerzen (sog. Myalgien) auftreten, die in ihrem Erscheinungsbild einem Muskelkater ähnlich sind. Diese Beschwerden können bis zu einer Woche andauern.

In seltenen Fällen (bei Verminderung der Wirkung des Enzyms Pseudocholinesterase) kann die Wirkung stark verlängert sein, so dass hier eine längere Nachbeatmung notwendig sein kann.

Succinylcholin, das einen Atemstillstand auslöst, wird in den USA auch bei der letalen Injektion für zum Tode Verurteilte eingesetzt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • J-U Schreiber, T. Fuchs Buder: Neuromuskuläre Blockade, in: Bardenheuer, Forst, Rossaint, Spahn (Hrsg.): Weiterbildung für Anästhesisten 2006, Springer, Heidelberg, ISBN 978-3-540-47962-8
  • Philip L. Liu: Grundlagen der Anästhesiologie, Urban und Fischer, Stuttgart 2001, ISBN 3-437-11625-8
  • Norbert Roewer, Holger Thiel: Anästhesie compact, Thieme, Stuttgart, ISBN 3-13-116581-2
  • Martin Lindig: Schmerz, Sedierung und Narkose. In: Jörg Braun, Roland Preuss (Hrsg.): Klinikleitfaden Intensivmedizin. 9. Auflage. Elsevier, München 2016, ISBN 978-3-437-23763-8, S. 581–618, hier: S. 613–616.

Handelsnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monopräparate

Lysthenon (D, A, CH), Midarine (CH), Pantolax (D), Succinolin (CH)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Diese Substanz wurde in Bezug auf ihre Gefährlichkeit entweder noch nicht eingestuft oder eine verlässliche und zitierfähige Quelle hierzu wurde noch nicht gefunden.
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