Türschließer

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Alter Türschließer

Ein Türschließer bewirkt das selbsttätige Schließen einer Tür. Einfache Bauformen beruhen allein auf der Schwerkraft oder auf Federkraft. Moderne Türschließer übernehmen zugleich auch die Funktion eines Türdämpfers.

Zum Schutz von Flucht- und Rettungswegen vor eindringendem Rauch werden häufig dicht- und selbstschließende Türen und für diesen Einsatzzweck zugelassene Türschliesser gefordert. Falls die Tür im Regelfall offenstehen soll, muss ein Brandmeldesystem dafür sorgen, dass sie im Brandfall selbsttätig schließt.

Federbetriebene Türschliesser werden in der Regel extern auf dem Türblatt oder der Türzarge montiert, können aber auch unsichtbar in Aussparungen integriert werden.

Mit automatischen Schließanlagen bzw. Schließsystemen können Türen und Tore auch mit Fern- oder Zentralsteuerung automatisiert geöffnet und geschlossen werden. Diese Begriffe sind mißverständlich, da sie auch für gleichschließende Türschlösser verwendet werden, die das Öffnen von mehreren Türen mit dem gleichen Schlüssel ermöglichen.

Meist ist erwünscht, dass der Türschliesser nicht nur das Türblatt an die Zarge heranführt, sondern auch genügend Kraft entwickelt, um die Falle ins Schließblech des Türschlosses einklinken zu lassen. Besonders Türschliesser an Aussentüren sowie Innentüren, die regelmäßig Windzug ausgesetzt sind, müssen hierfür ein beträchtliches Drehmoment aufbringen. Da aufgrund von Wind und Federkraft schnell schließende Türblätter eine Verletzungsgefahr darstellen, werden diese Türschließer in der Regel mit einem Mechanismus zur Dämpfung der Bewegung ausgestattet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im August 1887 gründete der Kölner Otto Boedecker eine Spezialfirma für Türschließer, die als Sonntag & Boedecker firmierte; sein Partner war der Berliner Hugo Sonntag. Die in Köln ansässige Firma verwertete weltweit die Idee eines Türschließers, einer Erfindung der beiden Firmengründer.[1] Erste und klassische Marke war der „Imperator“, der noch heute an Türen in alten Gebäuden angebracht ist und von der weiterhin an der Gründungsadresse residierenden Firma repariert wird.[2]

Anwendungsbereich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Türschließsysteme sind besonders in Mehrfamilienhäusern und Gebäuden mit Publikumsverkehr zu finden. Indem sie Hauseingangstüren nach jeder Öffnung automatisch verschließen, verhindern sie das Eintreten von unbefugten Personen. Offenstehende, ungesicherte Türen können zudem durch heftigen Wind so stark beschleunigt werden, dass Personen gefährdet werden und beim Auftreffen auf Hauswand oder Zarge Schäden entstehen.

An Fluren und Treppenhäusern von größeren Gebäuden werden sie eingesetzt, um ein eventuelles Feuer auf einen bestimmten Brandabschnitt zu begrenzen und die Verrauchung der Fluchtwege zu vermeiden.

Bauarten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die einfachsten und robustesten Bauformen bewirken ein Anheben des Türblatts beim Öffnen, so dass es anschließend durch die Schwerkraft wieder in die Ausgangslage zurück bewegt wird. Erreicht wird die Aufwärtsbewegung des Türblatts durch schräge Laufflächen der Gelenke der Türbänder oder durch die Montage von je einem Führungspunkt auf Türblatt und Türzarge, zwischen welchen sich ein schrägstehender Stab befindet, der sich beim Öffnen der Tür aufrichtet und das Türblatt aus den Angeln hebt.

Bei Gartentoren und Tiergattern ist es auch üblich, die Drehachse des unteren Türbands vom Türblatt weg nach außen zu verlagern. Hierdurch bewegt sich das Tor beim Öffnen schräg nach oben und fällt zurück, wenn es losgelassen wird.

Bei leichten Türblättern ist die Wirkung der Schwerkraft im Verhältnis zur Fläche des Türblatts so gering, dass die Schließbewegung bereits durch geringe Luftbewegungen gehemmt wird.

Die Schließkraft der schwerkraftbetriebenen Systeme entspricht einfachen, durch Federkraft betätigten Türschließern. Mit beiden Systemen kann meist nicht erreicht werden, dass die Tür zuverlässig ins Schloss fällt.

Gedämpfte Türschließer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei gedämpften Türschließern wird die zum Schließen der Tür erforderliche Energie beim Öffnen in einer Feder gespeichert und bei der nachfolgenden Schließbewegung hydraulisch gedämpft wieder abgegeben. Die Schließkraft läßt sich in der Regel über die Kompression der Feder und die Schließgeschwindigkeit über Ventile stufenlos einstellen.

Bei beidseitig freischwingenden Türblättern, die über keinen Anschlag an der Zarge verfügen, wird der aperiodische Grenzfall angestrebt, um das Türblatt in kürzester Zeit ohne Überschwinger zu schließen.

Gedämpfte Türschließer werden entweder am Rand des Türblatts oder an der Zarge montiert und über einen oder zwei Arme mit dem jeweils anderen Part verbunden. Die Kopplung über zwei Arme nennt sich auch Scherengestänge.

Wird nur ein Arm verwendet, so gleitet dieser entweder über eine Rolle oder ein Gleitstück oder Rolle bzw. Gleitstück befinden sich am Ende des Arms und werden in einer Gleitschiene geführt. Gleitschienentürschließer werden mit Nockentechnik (CAM) und Zahntriebtechnik angeboten.

Sonderbauarten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Türschliesser an zweiflügeligen Türen werden oft mit einem Gestänge zur Schließfolgeregelung ausgestattet. Dies bewirkt, dass der Stehflügel zuerst schließt, so dass Stulp und Falze beider Flügel sich ineinanderfügen können.

Große und repräsentative sowie Ganzglastüren werden oft mit einem Bodentürschließer ausgestattet, der unsichtbar in einer Aussparung von Fußboden und Bodenplatte montiert wird.

Anforderungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die DIN 18040 für barrierefreies Bauen definiert für Türen, die (zwingend) mit Türschließern ausgestattet werden müssen, ein maximales Öffnungsmoment von 47 Nm.

Die DIN Spec 1104 ist eine technische Spezifikation, die ein um 40 % reduziertes Öffnungsmoment bei einem Türöffnungswinkel zwischen 2 ° und 60 ° empfiehlt. Dies soll Kindern, älteren Personen und Behinderten in öffentlichen und privaten Gebäuden das Öffnen der Tür erleichtern und den Begehkomfort erhöhen.

Wenn Türen offengehalten werden sollen, die aufgrund baurechtlicher Anforderungen selbstschließend auszuführen sind, können die Türflügel durch elektrische Feststellanlagen (elektro)magnetisch arretiert werden. Alternativ werden Freilauftürschließer mit „Freeswing“-Funktion eingesetzt. Nach einmaligem Öffnen gegen die Federkraft, geben diese das Türblatt frei und erlauben eine Begehung der Tür ohne zusätzlichen Kraftaufwand. Hier wird der Türschließer selber im vorgespannten Zustand arretiert. Im Brandfall wird die Vorspannung gelöst und sorgt für das selbsttätige Schließen der Tür. Mechanismen zur Offenhaltung von Brandschutztüren werden insbesondere in Krankenhäusern, Seniorenheimen und Kindergärten eingesetzt, um die Nutzung der Gebäude zu erleichtern.

Türen mit Anforderungen an Feuer- oder Rauchschutz müssen generell mit zugelassenen Türschließsystemen ausgestattet werden. Bei zweiflügeligen Türen ist eine Schließfolgeregelung vorgeschrieben, um einen dichten Verschluss von Standflügel und Gangflügel sicherzustellen. Hydraulische Türschließer für Brandschutztüren müssen den Anforderungen der Norm DIN EN 1154 genügen, Türschließer mit elektrischer Feststellung zusätzlich denen der Norm DIN EN 1155 sowie Türschließer mit Schließfolgeregelungen zusätzlich der DIN EN 1158.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. WDR.de vom 2. Januar 2013, Geniale Erfindung aus dem belgischen Viertel – der „Imperator“ schließt jede Haustür
  2. Webseite der Firma Sonntag & Boedecker

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Türschließer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien