Tieffliegermelde- und Leitdienst

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Der Tieffliegermelde- und Leitdienst (TMLD) ist eine inzwischen aufgelöste Einrichtung der Luftwaffe der Bundeswehr.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Einheiten wurden ab 1959 zur Luftraumbeobachtung (LRB) aufgestellt. Die Aufgabe der LRB wurde umschrieben mit der „Überwachung des Luftraumes vom Boden aus mit Hilfe der menschlichen Sinnesorgane zu dem Zweck, Luftfahrzeuge wahrzunehmen, zu erkennen, zu identifizieren und zu melden.“.[1]

Im Zuge einer Neustrukturierung wurde der Tieffliegermeldedienst (TMD) eingerichtet. Bei der Aufstellung rekrutierte sich das Personal aus den vormals für die LRB zuständigen Fernmelderegimentern 32 im Süden und 33 im Norden der Bundesrepublik. Primärauftrag des TMD war die Erfassung von tieffliegenden Luftfahrzeugen. Der TMD bestand aus insgesamt 8 Kompanien, die bereits im Frieden jeweils mehrere Stellungen rund um die Uhr im Dauereinsatz entlang der innerdeutschen Grenze und der Grenze zur Tschechoslowakei, sogenannte Dauereinsatzstellungen (DEST), unterhielten. Die in den DEST erfasste Teilluftlage wurden in der anfangs noch manuell betriebenen Tieffliegermeldezentrale am Kompaniestandort zusammengefasst und von dort über das jeweils zuständige Control and Reporting Centre für das NATO-Luftraumüberwachungssystem bereitgestellt.

1962 wurden die Kompanien der NATO zugewiesen. Ab 1971 erhielten die Kompanien des TMD mobile Radargeräte zur Tieffliegererfassung. Das mobile Radargerät MPDR 30/1 (auf dem LKW 5t gl von MAN montiertes Puls-Doppler-Radar), hergestellt von der Siemens AG, hatte eine Reichweite von 30 Kilometer, später gab es eine Version mit 45 Kilometer Reichweite. Das MPDR verfügte zudem über ein Freund-Feind-Erkennungssystem, mit dem Flugobjekte klassifiziert und identifiziert werden konnten. Nach Ausstattung des TMD mit automatischen Tieffliegermeldezentralen war der TMD auch in eingeschränktem Maße zur direkten Führung von Flugzeugen befähigt. Daher wurde der Name in Tieffliegermelde- und Leitdienst (TMLD) geändert.

Am 14. Dezember 1990 wurde der Tieffliegermelde- u. Leitdienst der Bundesluftwaffe infolge des Zusammenbruchs des Warschauer Paktes von seinem Auftrag entbunden, da er seine militärische Funktion verloren hatte. Das Luftüberwachungssystem hatte zum Ende des Kalten Krieges ausgedient. Die mittlerweile fast 40 Jahre alten, aber immer noch einsatzbereiten Radarstationen wurden der Türkei und Pakistan übergeben, die sie an ihren Grenzen einsetzen. Der Rest wurde verschrottet.[2]

Soldat im TMLD war auch Sigmar Gabriel, der Anfang der 1980er Jahre seinen zweijährigen Wehrdienst in der 16. Kompanie im Fernmelderegiment 33 des Tieffliegermelde- und Leitdienstes in Goslar verbrachte.[3]

Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Luftwaffe verfügte über zwei Tieffliegermeldeabteilungen mit insgesamt 2.000 Soldaten. Je eine Abteilung bestand aus drei Kompanien und deckte den Bereich einer Alliierten Taktischen Luftflotte ab. Die Aufgaben waren:

  • Radarüberwachung des Luftraums zwischen Grund und 3.000 Meter zur Ortung, Verfolgung und Identifizierung von Flugzielen
  • Erstellen der Tieffliegerluftlage für die Luftverteidigungsführung
  • Vorwarnung und Zielvoreinweisung für die Flugabwehrraketensysteme HAWK und NIKE
  • Austausch von Luftzielinformationen mit der Heeres-Flugabwehr
  • Vorwarnung des zivilen Bevölkerungsschutzes
  • Unterstützung eigener Luftfahrzeuge bei der Navigation.

Der Tieffliegermeldedienst fügte sich in das Luftverteidigungskonzept der NATO ein und schloss die Erfassungslücke in niedrigen Höhen. Durch seine hohe Beweglichkeit war er anpassungsfähiger und weniger verletzlich als eine ortsfeste Anlage.[4]

Kompanien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entlang der innerdeutschen Grenze und der zur CSSR waren im TMLD folgende Standorte verbunden:

DEST[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jede Kompanie hatte vier fest zugewiesene Friedensstellungen entlang der damaligen Ostgrenze der Bundesrepublik Deutschland, die für den Dauereinsatz eines Radargerät vorgesehen waren, daher der Name Dauereinsatzstellung (DEST). Anfangs bestand eine DEST aus einem mit Stacheldraht umzäunten Areal mit dem Radargerät, 2 bis 3 Stromerzeugungsaggregaten, Zelten als Unterkunft, Aufenthaltsraum und Küche sowie Fahrzeugen für Personal und Materialtransporte. Später wurden die Stellungen ausgebaut und erhielten feste Unterkünfte, Einstellmöglichkeiten für das Antennenfahrzeug (Tieffliegermelderadar MPDR 30/1 auf einem MAN Lkw 630 L2AE, später der MPDR 45/1), das Auswerte- und Operatorenfahrzeug (Kofferfahrzeug auf einem MAN Lkw 630 L2A) sowie die Generatoren (auf einem 1,5-t-Anhänger).

Der Friedensstandort der TMLZ (Tieffliegermelde- und Leitzentrale) war in einer Sperrzone in der Truppenunterkunft der jeweiligen Kompanie.

Das Personal in den DEST und in der Zentrale leistete Schichtdienst von jeweils 3 bzw. (über das Wochenende) 4 Tagen Dauer. Jedoch wurden nicht immer alle 4 DEST einer Kompanie gleichzeitig betrieben.

In einem Konflikt wären die DEST aufgegeben und der TMLD aus vorerkundeten Einsatzstellungen in einem Riegel zum mobilen Einsatz gekommen.

Jede Kompanie besaß 4 DEST und eine TMLZ. Die Frankenwaldkaserne in Naila hatte z. B. folgende Stellungen (In Klammern jeweils der Rufname):

Goslar hatte folgende Stellungen:

  • Goslar (Chicken Farm): Sitz der TMLZ
  • Schalke (Charlie 1)
  • Pöhlde (Charlie 2)
  • Mackenröder Spitze (bei Göttingen) (Charlie 3)
  • Hoher Meißner (Charlie 4)

Rotenburg war wie folgt aufgebaut:

  • Rotenburg an der Fulda (Gipsy Rose): Sitz der TMLZ
  • Schenklengsfeld-Hilmes / Landecker Berg (Delta 1)
  • Oberelsbach / Heidelstein (Delta 2)
  • Bad Königshofen-Eyershausen/Lahnberg (Delta 3)
  • Coburg / Brandensteinsebene, heute Bausenberger Höhe (Delta 4)

Burglengenfeld wies folgende Struktur auf:

  • Burglengenfeld (Angel Face): Sitz der TMLZ
  • Furth im Wald / Dachsriegel (Fox 1)
  • Kirchdorf im Wald / Eschenberg (Fox 2)
  • Philippsreut / Sulzberg (Fox 3)
  • Passau/Fürstenzell (Fox 4)

Faßberg baute sich auf aus:

Uetersen bestand aus:

  • Uetersen (Sugar Girl): Sitz der TMLZ
  • Krusendorf (Alpha 1)
  • Marxdorf (Alpha 2)
  • Parin (Alpha 3)
  • Niendorf (Alpha 4)[5][6]

TMLZ und CRC[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den sechs Kompaniekasernen war jeweils eine Tieffliegermelde- und Leitzentrale (TMLZ) untergebracht. In dieser liefen die von den DEST gewonnenen Daten zusammen und wurden ausgewertet. Die TMLZ war im gewissen Sinne auch eine DEST, allerdings war hier nur ein Kofferfahrzeug in einer Garage untergebracht und fungierte als Zentrale. Im Krisenfall konnten sowohl die DEST als auch die TMLZ innerhalb weniger Stunden verlegt werden.

Die Daten wurden von den TMLZ an die zugehörigen Control and Reporting Center (CRC) geleitet. In diesen verbunkerten Luftwaffenkampfführungsanlagen sind die Daten gebündelt und ausgewertet worden. CRC waren zum Beispiel in Uedem, Visselhövede, Glons (Belgien), Brekendorf, Erndtebrück und Lauda.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Traditionsverein LRB-TMLD „Auge Ohr“ (Memento des Originals vom 10. August 2010 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.tmld.de
  2. Die TMLD-Dauereinsatzstellung Pariner Berg (Memento des Originals vom 29. September 2007 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.gross-parin.de
  3. Bericht vom Treffen der "Alten Garde" 2001 (GZ vom 9. April 2001) (Memento des Originals vom 29. September 2007 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.vollbrecht-online.de
  4. NATO Integrated Air Defense System
  5. USAFE TACS NATO Ground Environment Operational Units
  6. USAFE TACS NATO Ground Environment Systems

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]