TSV Heusenstamm

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen des TSV Heusenstamm

Die TSV Heusenstamm, vollständiger Vereinsname: Turn- und Sportvereinigung 1873 e. V. Heusenstamm, ist ein Breitensportverein in der südhessischen Kleinstadt Heusenstamm südlich von Offenbach am Main. Der 1873 als Turnverein Heusenstamm gegründete Verein hat heute rund 2550 Mitglieder[1] und bietet in elf Abteilungen zahlreiche Aktivitäten aus dem Turn-, Mannschaftssport-, Kampfsport-, Freizeit- und Musikbereich an. 1906 bildete sich im damaligen Turnverein auch eine Fußballmannschaft, die sich 1923 im Zuge der „reinlichen Scheidung“ von Turnern und Sportlern abspaltete und als SV 06 bzw. FSV 06 in den 1920er und 1930er Jahren zu den regionalen Spitzenmannschaften zählte. Seit der Neugründung des Vereines nach dem Zweiten Weltkrieg spielt die Fußballmannschaft wieder unter dem Dach des Heusenstammer Großvereines.

Geschichte der Fußballabteilung[Bearbeiten]

Am 8. Dezember 1906 wurde in der Gaststätte „Zum Parlament“ eine Fußballabteilung im bereits seit 1873 bestehenden Turnverein gegründet, die 1910 in den Verband Süddeutscher Fußball-Vereine aufgenommen wurde. Nach dem Ersten Weltkrieg eröffneten die Fußballer an der Obertshäuser Straße einen Sportplatz, auf dem sie alsbald in die höchste Spielklasse stürmten. Von 1920 bis 1922 gehörten die Heusenstammer der Kreisliga Südmain, der damals obersten Spielklasse, an.

1923 trennte man sich im Zuge der „reinlichen Scheidung“ von den Turnern und trat nunmehr unter dem Namen SV 06 Heusenstamm an. Gegen Ende der 1920er Jahre übernahm mit Fritz Schnürle ein ehemaliger Nationalspieler das Training im Offenbacher Vorort. Er formte die Mannschaft zu einem regionalen Spitzenteam, so dass der SV 06 Heusenstamm in der Runde 1928 erstmals die Kreismeisterschaft Südmain gewann und damit an der Aufstiegsrunde zur damals höchsten Spielklasse, der Bezirksliga Main, teilnahm. Siege über Heddernheim, in Kahl und über die Frankfurter Sportfreunde reichten allerdings nur zum undankbaren dritten Platz. Im selben Jahr, am 11. Oktober 1928, schlossen sich der SV 06 und der zweite örtliche Fußballverein FSV 1919 zum FSV 06 Heusenstamm zusammen. Zwei Jahre später, 1930, wurde man erneut Kreismeister, scheiterte aber wiederum in der Aufstiegsrunde. Die seinerzeit als „Rebellenmannschaft“ bezeichnete Elf – mit Fritz, Anton, Karl und Reinhard trugen gleich vier Spieler den Familiennamen „Rebell“, einer von ihnen, Fritz Rebell, machte sich später auch als Trainer im höherklassigen Fußball einen Namen – benötigte einen weiteren Anlauf, um in die höchste Spielklasse aufzurücken. 1931 abermals Südmainkreismeister geworden, stieg der FSV 06 nach einem 2:1 im Entscheidungsspiel über Germania 94 Frankfurt in die Bezirksliga Main auf. Die Vorrunde der Spielzeit 1931/32 lief für den Aufsteiger vielversprechend, zeitweise lagen die Heusenstammer mit den lokalen Größen von Eintracht und FSV Frankfurt sowie den Offenbacher Kickers sogar auf Augenhöhe und kletterten auf Platz 4. In der Rückrunde ging es allerdings ebenso schnell wieder bergab und am Ende der Saison stieg man bereits wieder in die Zweitklassigkeit ab. Nachdem auf den politischen Machtwechsel 1933 auch eine Reform der Spielklassen erfolgte – die Gauliga Südwest war nunmehr die höchste, die Bezirksklasse die zweithöchste Stufe – zählte der FSV zwar weiterhin zu den regionalen Spitzenmannschaften, eine Rückkehr in die „Erstklassigkeit“ wollte aber nicht mehr gelingen. 1934 scheiterte man in der Aufstiegsrunde an Union Niederrad, 1941 erwies sich der SV Darmstadt 98 als zu hohe Hürde.

Nach Kriegsende und der damit verbundenen Auflösung der alten Vereine setzten die früheren Mitglieder des FSV 06 im Großverein TSV Heusenstamm die Fußballtradition in Heusenstamm fort. 1949 wurde die Bezirksklasse (ab 1951: 2. Amateurliga) und damit die vierthöchste Spielstufe erreicht. Mit dem Wechsel von Stürmer Helmut Preisendörfer und Torhüter Walter Zimmermann zum Nachbarn Kickers Offenbach – mit dem beide 1959 deutscher Vizemeister wurden – verließen jedoch schon bald darauf zwei wichtige Spieler den Verein. Es sollte nun einige Jahre dauern, bis die TSV Heusenstamm durch aufrückende Nachwuchskräfte wieder Anschluss an die regionale Spitze fand. 1957/58 setzte sich die vom ehemaligen OFC-Kapitän Kurt Schreiner trainierte Mannschaft in der Aufstiegsrunde zur 1. Amateurliga gegen SV Asbach und Hermannia Kassel durch, und etablierte sich auf Anhieb durch einen zehnten Platz im hessischen Oberhaus. Nachdem mit Helmut Preisendörfer und Karl Spehrl zwei alte Heusenstammer von den Offenbacher Kickers zurückgekehrt waren, nahm die Mannschaft einen weiteren Aufschwung, bereits 1959/60 wurde ein sechster Platz erreicht. Als im Anschluss daran auch noch Torhüter Walter Zimmermann vom Bieberer Berg an die „Alte Linde“ wechselte, wurde der TSV 1960/61 Vizemeister seiner Staffel hinter dem FC Hanau 93, ein Erfolg, den die „Preisendörfer-Elf“ im Jahr darauf wiederholen konnte, in diesem Jahr hatte der SV Darmstadt 98 die Nase vorn. Zu dieser Zeit besuchten in der damals 7500 Einwohner zählenden Gemeinde durchschnittlich 1000 Zuschauer die Heimspiele der TSV.

Mit Platz drei in der Runde 1962/63 deutete sich allerdings an, dass die Mannschaft ihren Zenit überschritten hatte. Schon 1965 stieg die TSV von der Hessenliga in die Gruppenliga ab, wo man sich nach vier weiteren Spielzeiten im Mittelfeld schließlich ebenfalls nicht mehr halten konnte. Bereits 1971 gelang allerdings die Rückkehr in die Gruppenliga, wo die TSV vorübergehend zu den Spitzenmannschaften zählte: 1973 und 1975 scheiterte man im Rennen um den Aufstieg in die Hessenliga nur knapp am FV 1906 Sprendlingen bzw. der Spvgg. 03 Neu-Isenburg. In der vierten Liga konnte sich die TSV noch bis 1982 halten, danach folgte nicht nur der sportliche Abstieg, sondern eine existenzbedrohende Krise. Als die Mannschaft 1988 in die A-Klasse abstieg, wurde vereinsintern sogar die Auflösung der Fußballabteilung erwogen. Nachdem man dem „Durchmarsch“ in die B-Klasse aber gerade noch entgangen war und nunmehr die Jugendarbeit intensivierte, wendete sich das Blatt wieder zum Besseren. 1997 stieg die TSV Heusenstamm in die Bezirksoberliga auf und hielt sich vier Jahre lang auf der obersten Bezirksebene. Zuletzt spielte die Mannschaft in den Ligen des Fußballkreises Offenbach (2011/12: Kreisliga A, Gruppe West).

Sport- und Freizeitangebot[Bearbeiten]

Der Verein unterhält insgesamt elf Abteilungen:[2]

  • Blasorchester
  • Fitness
  • Freizeit
  • Fußball
  • Handball
  • Jiu-Jitsu
  • Judo
  • Karate
  • Leichtathletik
  • Schwimmen
  • Turnen

Sportstätten[Bearbeiten]

Heimstätte der Fußballer war lange Zeit die Sportanlage „Alte Linde“, das 1934 bezogen wurde. Seit Saisonbeginn 2011/12 trägt die TSV seine Heimspiele am Kultur- und Sportzentrum Martinsee aus, das von mehreren örtlichen Vereinen und auch von einigen Abteilungen der TSV Heusenstamm genutzt wird.[3] Das Stadion Martinsee bietet Platz für rund 9000 Zuschauer.

Als vereinseigene Sporthalle steht die ursprünglich schon 1923 erbaute „TSV Maingau Halle“ an der Jahnstraße zur Verfügung, die seither mehrmals um- und ausgebaut wurde.[4] Des Weiteren werden auch die Halle der Adolf-Reichwein-Gymnasiums sowie das Kunstturnzentrum an der Martinsee-Anlage genutzt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hardy Grüne: Legendäre Fußballvereine. Hessen. Agon Sportverlag, Kassel 2005, ISBN 3-89784-244-0, S. 269f.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Angabe laut tsv-heusenstamm.de, abgerufen im August 2011
  2. Stand 2011, nach „Unsere Angebote in den Abteilungen“ (tsv-heusenstamm.de)
  3. Kultur- und Sportzentrum Martinsee (heusenstamm.de)
  4. „Neuer Name für die TSV-Halle“ (op-online.de, Artikel vom 11. Juni 2009)

Weblinks[Bearbeiten]