Tambach (Weitramsdorf)

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Tambach
Gemeinde Weitramsdorf
Koordinaten: 50° 14′ 2″ N, 10° 52′ 5″ O
Höhe: 287 m
Einwohner: 200 (2004)[1]
Eingemeindung: 1862
Eingemeindet nach: Altenhof
Postleitzahl: 96479
Vorwahl: 09567
Ein Fachwerkhaus in Tambach
Ein Fachwerkhaus in Tambach

Tambach ist ein Ortsteil der oberfränkischen Gemeinde Weitramsdorf im Landkreis Coburg.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tambach liegt etwa neun Kilometer südwestlich von Coburg in einem Tal, durch das der gleichnamige Bach fließt, der mehrere Teichanlagen speist. Der Ort wird durch eine große Schlossanlage geprägt. Östlich des Tambachtales, am Tambacher Berg, liegt der Altort. Dieser ist im Süden durch den Wildpark, weiter nördlich durch das Naturschutzgebiet Großer Teich und Tambachau vom Bereich des Schlosses und einer nördlich davon gelegenen kleinen Wohnsiedlung getrennt.

Die Bundesstraße 303 von Schonungen nach Coburg führt durch Tambach. Die Staatsstraße 2202 nach Weitramsdorf zweigt von dieser ab.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung war 874, als Cunihilt dem Kloster Fulda ihren Besitz schenkte, zu dem unter anderem „Tanbah“ gehörte. Der Ortsname kann als Bezeichnung für Waldbach gedeutet werden.[2]

1153 erwarb das Kloster Langheim vom Kloster Michelfeld die verödete Ortschaft Burchadisdorf, die zwischen den heutigen Orten Altenhof und Tambach lag. 1156 bekam das Kloster Langheim den Zehnt über den Weiler Tambach übertragen und 1158 erwarb es das Dorf Unter-Tambach, südlich von Neundorf gelegen. Aus diesen Erwerbungen entwickelte sich durch weiteren Kauf und Tausch, Neuansiedlungen und Schenkungen im Jahr 1180 der Klosterhof Tambach, der im 13. Jahrhundert zum Klosteramt erhoben wurde.[2] Die Leitung oblag einem geistlichen Hofmeister, der der Oberaufsicht des Klosters Langheim unterstellt war.

1525 wurden die Gebäude des Klosteramtes im Verlauf des Bauernkriegs in Brand gesetzt.[3] Ende des 18. Jahrhunderts gehörte der Ort weiterhin dem Kloster Langheim.[4]

Der größte Teil Frankens wurde 1803 Jahr ein Teil Bayerns und im Zuge der Säkularisation in Bayern wurden das Kloster Langheim und damit auch das Klosteramt aufgelöst. Durch einen Tausch mit seiner niederbayrischen Grafschaft Ortenburg nahm am 20. Januar 1806 Graf Joseph Carl die ehemals kirchlichen Tambacher Lande einschließlich Tambach in Besitz, wodurch er Reichsgraf der kurzlebigen Grafschaft Ortenburg-Tambach wurde. Dabei ließ der Graf zudem eine evangelische Kirchengemeinde gründen.

Mitte der 1850er Jahre hatte die Gemeinde 174 Einwohner und 27 Häuser.[5] 1862 wurde das Gebiet der ehemaligen Grafschaft Ortenburg-Tambach dem Bezirksamt Staffelstein zugeschlagen. Außerdem kam es zum Zusammenschluss von Tambach mit dem kleineren Altenhof zur Gemeinde Altenhof.

1925 hatte das Pfarrdorf Tambach, in dem es ein Schulhaus für die evangelischen Schüler gab, 166 Einwohner und 26 Wohnhäuser.[6] Am 1. April 1931 wurde Tambach als Ortsteil der Gemeinde Altenhof aus dem Bezirksamt Staffelstein in das Bezirksamt Coburg umgegliedert.[7]

Am 1. Januar 1972 erfolgte mit der Eingemeindung von Altenhof der Wechsel von Tambach nach Weitramsdorf.[7] Im Jahr 1987 hatte der Ort 233 Einwohner und 68 Wohnhäuser mit 103 Wohnungen.[8]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Quelle
1875 164 [9]
1900 171 [10]
1925 166 [6]
1950 324 [11]
1970 282 [12]
1987 233 [8]
2004 200 [1]
Joachim-von-Ortenburg-Kirche

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schloss Tambach entstand Ende des 17. Jahrhunderts und im 18. Jahrhundert, wohl nach Plänen von Leonhard Dientzenhofer, für die Äbte des Klosters Langheim als Sommerresidenz. Es ist eine barocke, dreigeschossige Dreiflügelanlage mit einer integrierten Schlosskirche. 1970 wurde im englischen Landschaftsgarten, östlich der Schlossanlage, der Wildpark eröffnet. 1983 folgte westlich des Schlosses der Golfplatz.

Die evangelisch-lutherische Joachim-von-Ortenburg-Kirche wurde 1963 errichtet, nachdem 1953[3] Graf Alram zum katholischen Glauben zurückgekehrt war und die Schlosskirche wieder ein katholisches Gotteshaus wurde. Der Kirchenname erinnert an Graf Joachim, der 1563 in Ortenburg die Reformation eingeführt hatte. Das als fränkische Dorfkirche gestaltete Gotteshaus schmückt im Altarraum ein Glasmosaik des Nürnberger Künstlers Kurt Kolbe.[13]

Liste der Baudenkmäler in Tambach

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich Hausmann: Tambach und die Grafen zu Ortenburg. In: Weitramsdorf – Vergangenheit und Gegenwart. 1177–1977. Aus der Geschichte eines Dorfes. Weitramsdorf 1977, 276–288.
  • Alram Graf zu Ortenburg: Wildpark Schloß Tambach. In: Weitramsdorf – Vergangenheit und Gegenwart. 1177–1977. Aus der Geschichte eines Dorfes. Weitramsdorf 1977, 338f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Tambach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Müllers Großes Deutsches Ortsbuch 2007. Verlag de Gruyter, ISBN 978-3-00-042206-5.
  2. a b Friedrich Hausmann: Tambach und die Grafen zu Ortenburg. In Weitramsdorf Vergangenheit und Gegenwart 1177–1977. S. 276
  3. a b Heinz Pellender: TAMBACH vom Langheimer Klosteramt zur Ortenburg´schen Grafschaft. Heft 3 der Schriftenreihe der historischen Gesellschaft Coburg e.V., Coburg 1985
  4. Johann Kaspar Bundschuh: Tambach. In: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken. Band 5: S–U. Verlag der Stettinischen Buchhandlung, Ulm 1802, DNB 790364328, OCLC 833753112, Sp. 500 (Digitalisat).
  5. Pleikard Joseph Stumpf: Tambach. In: Bayern: ein geographisch-statistisch-historisches Handbuch des Königreiches; für das bayerische Volk. Zweiter Theil. München 1853, S. 638 (Digitalisat).
  6. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, Abschnitt II, Sp. 1157. (Digitalisat).
  7. a b Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 441.
  8. a b Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, DNB 94240937X, S. 301. (Digitalisat).
  9. Kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. Adolf Ackermann, München 1877, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen von 1871, Viehzahlen von 1873), Sp. 1121., urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  10. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 1121. (Digitalisat).
  11. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, DNB 453660975, Abschnitt II, Sp. 899. (Digitalisat).
  12. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, DNB 740801384, S. 153. (Digitalisat).
  13. Lothar Hofmann: Denkmale Region Coburg – Neustadt – Sonneberg: Orte der Einkehr und des Gebets. Historische Sakralbauten. Ein Führer durch die Kirchen der Landkreise Coburg und Sonneberg. Verlag Gerätemuseum des Coburger Landes, Ahorn 2007, ISBN 3-930531-04-6, S. 103