Tarafa Baghajati

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Tarafa Baghajati

Tarafa Baghajati (arabisch طرفة بغجاتي, DMG Ṭarafa Baġaǧātī; * 1. September 1961 in Damaskus, Syrien) ist Obmann der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen (IMÖ).

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tarafa Baghajati studierte von 1980 bis 1986 an der Polytechnischen Universität Timișoara in Rumänien und schloss als Diplombauingenieur ab. Er lebt und arbeitet als Bauingenieur seit 1986 in Wien und ist seit 1990 mit Carla Siebrasse verheiratet.

Öffentliches Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Baghajati ist Vortragsredner zu den Themenbereichen Migration, Integration und Antirassismus. Weitere Themen sind Nahost,[1][2][3][4][5][6][7] Islam und Muslime in Österreich und Europa[8][9].

Er gründete 1999 die Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen (IMÖ) zusammen mit seiner Ehefrau Carla Amina Baghajati, Omar Al-Rawi, Mouddar Khouja und Andrea Saleh, welche Funktionäre der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich sind.

Baghajati ist ehemaliges Vorstandsmitglied (2001–2007, zwischen 2004 und 2007 Vizepräsident) und Mitglied des Ehrenbeirats von ENAR (Europäisches Netzwerk gegen Rassismus).[10] Als Obmann-Stellvertreter des 2008 gegründeten Vereins WIIEB (Wiener Islamisches Institut für Erwachsenenbildung) hält er für diesen Volkshochschulkurse über den Islam.[11][12] Er ist zudem Vorstandsmitglied der Platform for Intercultural Europe – PIE sowie Weggefährte von Rüdiger und Annette Nehberg im Projekt Target im Kampf gegen die Beschneidung weiblicher Genitalien.[13] Im März 2009 besuchten Rüdiger Nehberg und Tarafa Baghajati den in Qatar lebenden islamischen Rechtsgelehrten Yusuf al-Qaradawi, der als die wichtigste zeitgenössische Autorität des sunnitischen Islam gilt. In einer ausgefertigten Fatwa des anerkannten Rechtsgelehrten wird die genitale Verstümmelung von Mädchen als „Teufelswerk“ bezeichnet und verboten, da sie gegen die Ethik des Islam gerichtet sei.[14] In einer Rede im Hamburger Völkerkundemuseum am 6. Februar 2011 wagte Baghajati die Prognose, schon im Jahr 2020 das Ende dieses Brauches feiern zu können.[15][16][17]

Baghajati ist Mitgründer der 2006 gegründeten Plattform Christen und Muslime sowie Mitgründer und Vorstandsmitglied der 2010 gegründeten Initiative EMISCO – European Muslim Initiative for Social Cohesion. Am 29. Mai 2011 wurde Baghajati in den Ausschuss der IRG (Islamische Religionsgemeinde Wien) als Kulturreferent der IRG-Wien gewählt[18]

Baghajati ist islamischer Gefängnisseelsorger und forderte 2008, die Entscheidung der Angeklagten im Terrorismusverfahren Mohamed Mahmoud, vor Gericht eine Ganzkörperverschleierung (Niqab) zu tragen, müsse respektiert werden.[19] Im Januar 2009 trat er als Sprecher der Initiative „Stoppt das Massaker in Gaza“ in Wien auf[20][21] und charakterisierte die israelische Operation Gegossenes Blei als Amoklauf, der weder durch die Hamas noch durch die Kassam-Raketen erklärt werden könne.[22] Im Juli 2009 warf er deutschen Medien im Mordfall Marwa El-Sherbini vor, sie hätten „die Nachricht zuerst systematisch unterdrückt, und jetzt wird sogar versucht, eine Art Täter-Opfer-Umkehr zu gestalten.“[23] 2010 verteidigte er in einem Zeitungskommentar den Fernsehprediger Yusuf al-Qaradawi, dieser habe nur „Kritik an der Verbreitung von kommerziellem Weihnachtskitsch in der muslimischen Gesellschaft“ geübt, von einer „Hasspredigt“ könne keine Rede sein.[24][25]

In seinem Buchbeitrag im Integration, Rassismen und Weltwirtschaftskrise[26] mit dem Titel: Neuer Diskurs um Islam in Europa und Österreich – Von einer „Ausländerdebatte“ zur „Islamdebatte“ äußerte sich Baghajati kritisch zur Übernahme des Begriffes „Islamophobie“ aus dem angelsächsischen Raum. Er spricht sich auch gegen die Verwendung des Begriffes Fremdenfeindlichkeit in Bezug auf europäische Muslime aus und schlägt folgende Definition vor: „Islamfeindlichkeit ist eine feindselige Haltung gegenüber dem Islam und Muslimen. Sie bedient sich vorhandener Vorurteile, Verallgemeinerungen und pseudowissenschaftlicher Theorien und rechtfertigt somit die Diskriminierung von Musliminnen und Muslimen. Diese Diskriminierung kann sich direkt wie indirekt, mittelbar und unmittelbar niederschlagen. Die Bandbreite reicht von einer Haltung arroganter Überlegenheit gegenüber der als kulturell minderwertig eingestuften Gruppe der Muslime und ihrer Religion, die einen Umgang auf Augenhöhe verhindert bis hin zur bewussten Verringerung der Chancengleichheit, sei es in Bildung, Arbeitswelt oder beim Zugang zu Wohnung und Gütern sowie bis zur physischen Gewaltanwendung als äußerster Form der Diskriminierung.“

Zu Apostasie und Abfall vom Glauben schrieb Baghajati 2006 in einem Gastkommentar, dass ein Todesurteil bei Religionswechsel abzulehnen sei.[27]

Tarafa Baghajati tritt in mehreren Stellungnahmen gegen IS “Daesh/Islamischer Staat” auf. Zu deren effektiver Bekämpfung sieht er als einzigen Weg eine Gesamtlösung in Syrien. In dieser politischen Lösung hätten weder Assad, noch die Terrormiliz Platz.[28][29]

In seinem Buchbeitrag Mensch-Tier-Beziehung und Tierschutz im Islam[30] im Buch Tier-Mensch-Ethik vertritt Baghajati die Meinung, dass Schächten bei Juden und Muslimen in keinem Widerspruch zum Tierschutz steht.

In seiner Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft Wien verdächtigte Tarafa Baghajati Geert Wilders der Verhetzung. Daraufhin wurde gegen Wilders Ermittlungen eingeleitet.[31]

Gemeinsam mit Susanne Heine führt Tarafa Baghajati seit 2014 den Vorsitz der 2006 gegründete "Plattform Christen und Muslime". Diese Plattform wurde unter anderem von Paul Schulmeister, Peter Pawlowsky, Carla Amina Baghajati, Omar Al-Rawi, Heinz Nußbaumer und Tarafa Baghajati gegründet und hat sich 2014 als Verein konstituiert.[32]

In der österreichischen Bundespräsidentschaftswahl unterstützte Baghajati den Kandidaten Alexander Van der Bellen.[33][34]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Februar 2016 erhielt Tarafa Baghajati das Goldene Verdienstzeichen des Landes Wien

Die Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen (IMÖ) bewarb sich 2008 unter Tarafa Baghajati erfolgreich für den Demokratiepreis der Margaretha Lupac Stiftung.[35][36]

Im Februar 2016 wurde Tarafa Baghajati das Goldenes Verdienstzeichen des Landes Wien verliehen[37]

Radio- und Fernsehbeiträge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tarafa Baghajati: Eine Hymne des Widerstands. In: derStandard.at. 31. Januar 2011. Abgerufen am 20. Juli 2011.
  2. Tararafa Baghajati: Das syrische Experiment. In: derStandard.at. 29. März 2011. Abgerufen am 20. Juli 2011.
  3. 2012 ist es in Syrien für Reformen zu spät. kurier.at. 7. April 2011. Archiviert vom Original am 10. April 2011. Abgerufen am 15. Oktober 2013.
  4. "Wien könnte Schlüsselrolle spielen". kurier.at. 9. September 2011. Archiviert vom Original am 5. Oktober 2011. Abgerufen am 15. Oktober 2013.
  5. Militäreinsatz in Syrien würde Opfer verhundertfachen. wienerzeitung.at. 23. September 2011. Abgerufen am 15. April 2015.
  6. Beten für die arabische Revolution. wienerzeitung.at. 23. Dezember 2011. Abgerufen am 31. Dezember 2011.
  7. Tarafa Baghajati: Systemwechsel in Syrien - ohne Militärintervention. In: derStandard.at. 4. Januar 2012. Abgerufen am 7. Januar 2012.
  8. Amin Elfeshawi: Slowenien: Erste Moschee nach mehr als 30-jähriger Verhandlung. m-media.or.at. 29. Dezember 2011. Abgerufen am 7. Januar 2012.
  9. Kreuz und Quer Spezial ORF: Gesichter des Islam – Frieden und Gewalt. orf.at. 3. Mai 2011. Abgerufen am 8. Januar 2012.
  10. “An Advisory Council of Eminent Persons was established during ENAR's Board meeting of 28-29 September 2007. It does not constitute a body of the organisation but aims to play a general ambassadorial role for ENAR.” About ENAR: Governance, ENAR annual report 2008 (PDF; 2,3 MB)
  11. Islam in Wien (PDF; 159 kB) Veranstaltungsreihe der Wiener VHS in Kooperation mit WIIEB, 2010
  12. NGOs in Wien Tag der Vielfalt, 3. Dezember 2009
  13. Hoffnung für die Mädchen Afrikas Welt Online 19. Dezember 2009
  14. Yusuf al-Qaradawi schreibt Fatwa – "Weibliche Genitalverstümmelung ist ein Werk des Teufels". presseportal.ch. 6. März 2009. Abgerufen am 20. Juli 2011.
  15. Internationaler Tag gegen Weibliche Genitalverstümmelung (6.2.11). presseportal.de. 6. Februar 2011. Abgerufen am 20. Juli 2011.
  16. diepresse.com
  17. Ist das Ende weiblicher Genitalverstümmelung für 2020 in Sicht? In: Islamische Zeitung. 14. Februar 2011, abgerufen am 5. Februar 2016.
  18. IRG-Wien. In: Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ). 2011, abgerufen am 5. Februar 2016.
  19. Gesichtsschleier vor Gericht Gastkommentar von Tarafa Baghajati, Die Presse 19. November 2008
  20. Deutschlandweit Proteste gegen israelische Aggression in Gaza Website der Millî Görüş 9. Januar 2009
  21. Aufruf und Erklärung der unterzeichnenden Organisationen
  22. Tarafa Baghajati: Gaza: Amoklauf mit Folgen. Wiener Zeitung. 13. Januar 2009. Abgerufen am 28. November 2013.
  23. Was muss noch passieren? Gastkommentar von Tarafa Baghajati, Die Presse, 8. Juli 2009
  24. Predigt von Qaradawi MEMRI-Übersetzung Dezember 2009
  25. Das Märchen vom Muslim, der Weihnachten stiehlt Gastbeitrag von Tarafa Baghajati, Welt Online 10. Januar 2010
  26. Siobhan Geets: Krise und Rassismus – Buchtipp. Wie die Wirtschaftskrise Einfluss auf Wertedebatten nimmt und Ausgrenzungsprozesse verschärft.. diepresse.com. 24. Mai 2011. Abgerufen am 20. Juli 2011.
  27. Auch im Islam: Kein Zwang in der Religion!
  28. Assad kann kein Partner im Kampf gegen den IS sein. In: derStandard.at. 9. September 2015, abgerufen am 5. Februar 2016 (Kommentar der Anderen).
  29. Baghajati: ISIS-Kalifat „verrückte Idee“. In: orf.at. 3. Juli 2014, abgerufen am 5. Februar 2016.
  30. Mensch-Tier-Beziehung und Tierschutz im Islam Leseprobe auf Islaminitiative.at
  31. Staatsanwalt ermittelt gegen Rechtspopulist Geert Wilders
  32. Wolfgang Brezinka: Plattform Christen und Muslime.
  33. dasbiber.at
  34. youtube.com
  35. Nationalratspräsidentin Prammer überreicht Demokratiepreis 2008 Lupac-Stiftung zeichnet Volksschule und muslimische Initiative aus. 13. November 2008, abgerufen am 5. Februar 2016.
  36. Festakt im Österreichischen Parlament
  37. religion.orf.at