Teichert-Werke

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Haushaltsporzellan mit Zwiebelmuster von Teichert

Die Teichert-Werke waren Hersteller von Porzellan- und Steingutwaren in Meißen. Eine der Vorgängerfirmen war die Meißner Ofen- und Porzellanfabrik (vorm. C. Teichert), die ab 1879 neben anderen keramischen Produkten auch Porzellane in Handmalerei mit dem unterglasurblauen Zwiebelmuster-Dekor herstellte. Teichert-Porzellan war auch als Bürgerlich Meißen bekannt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Carl Teichert, portrait bust in earthenware, 1882, Meissen city museum

Carl Teichert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aktie über 1000 Mark der Meißner Ofen- und Porzellanfabrik (vorm. C. Teichert) vom März 1922

Der Bossierer der Königlich-Sächsischen Porzellan-Manufaktur Meissen, Gottfried Heinrich Melzer, entwickelte 1840 ein neues Verfahren für die Herstellung von Ofenkacheln, das am 13. April 1855 patentiert wurde. Der selbstständige Töpfermeister Johann Friedrich Carl Teichert interessierte sich für das Verfahren und übernahm 1857 die Herstellung der Melzischen Ofenkacheln. Da im Jahr 1863 der Platz in seiner Werkstatt am Hahnemannplatz nicht mehr ausreichte, ließ Teichert für seine Firma Carl Teichert Meißen neue Fabrikhallen am Meißner Neumarkt errichten.

Carl Teichert starb während des Deutsch-Französischen Kriegs bei einem Besuch der deutschen Truppen bei Paris am 6. Februar 1871 im Alter von 41 Jahren. Im August 1872 wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Im Jahr 1879 wurde die Herstellung von Porzellan begonnen, die bis dahin das Monopol der Königlichen Porzellanmanufaktur war. Gleichzeitig wurde das Unternehmen in Meißner Ofen- und Porzellanfabrik (vorm. C. Teichert) umbenannt. Die Waren wurden ab diesem Zeitpunkt mit (M.0.&P.F. vorm. C.T.M.) gestempelt. 1885 arbeiteten 460 Menschen für die Fabrik. 1886 wurde ein um 1870 als Siderolithfabrik gegründeter Porzellanhersteller in Eichwald übernommen, wo seitdem ebenfalls Geschirr mit Zwiebelmuster produziert wird. Diese Fabrik wurde in den 1890er Jahren aber an den Unternehmer Bernhard Bloch verkauft, der dann Gustav Klimt für neue Designs engagierte. 1891 wurde zusätzlich die Herstellung von Wandplatten begonnen. 1896 wurde beschlossen, für die Plattenproduktion weitere Gebäude zu errichten. Infolge von Verzögerungen, unter anderem durch einen Großbrand, konnte die volle Produktion erst 1919 aufgenommen werde.

Um 1925 erwarb die Meißner Ofen- und Porzellanfabrik (vorm. C. Teichert) Anteile an der Ernst Teichert GmbH und der Meißner Wandplattenwerke Saxonia GmbH.

1930 wurde die Porzellanherstellung eingestellt und im April 1930 die Produktionslizenz wie auch die Originalmodelle für das blaue Zwiebelmuster an die Porzellanfabrik Lorenz Hutschenreuther in Selb abgegeben.

Ernst Teichert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fliesen aus der Sächsischen Ofen- und Chamottewaaren-Fabrik

Carls Bruder Johann Friedrich Ernst Teichert arbeitete bis 1868 bei Carl Teichert Meißen als Werkführer. Er machte sich 1869 mit der Inbetriebnahme seiner Kachelofenfabrik im Meißner Stadtteil Cölln selbstständig, die er 1872 in die Aktiengesellschaft Sächsische Ofen- und Chamottewaaren-Fabrik vorm. E. Teichert überführte. Diese stempelte von da an mit (S.0.F. vorm. E.T.M.). 1905 wurde die Wandplattenabteilung des Unternehmens durch Übernahme der Markowsky’schen Ofenfabrik ausgebaut.

1884 gründete Ernst Teichert in Cölln zusätzlich eine Porzellanfabrik, starb jedoch bereits im Oktober 1886. Sein Sohn Christian Teichert übernahm das Unternehmen und stellte es sofort auf die Produktion von Ofenkacheln um. Im Juli 1901 wurde es in eine Gesellschaft mit beschränkter Haltung umgewandelt, die Ernst Teichert GmbH. Diese stellte farbigglasierte Steingut-Wandfliesen, Kachelöfen, Baukeramik und Gebrauchsgeschirr her. 1913 wurden 700 Menschen beschäftigt.

Teichert-Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um 1930 wurden die Meißner Ofen- und Porzellanfabrik vorm. Carl Teichert Meißen, die Ernst Teichert GmbH und die Meißner Wandplattenwerke Saxonia GmbH unter der Firma Teichert-Werke Meißen zusammengeschlossen, die künftig hauptsächlich farbig glasierte Ofenkacheln herstellten.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Freundeskreis Kunstgewerbemuseum e. V. Schloss Pillnitz (Hrsg.): Teichert-Werke. Keramik & Porzellan. 1863–1945. Verlag Dresdensia, Dresden 2003, ISBN 3-00-012430-6.
  • Günter Naumann: Geschichte der Meißner Ofen- und Wandplattenindustrie („Teichert-Werke“). In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Meißen. Neue Folge, I. Band, 1. Heft, Meißen 2000. (herausgegeben vom Verein für Geschichte der Stadt Meißen e. V., ISSN 1615-1801)
  • Lutz Miedtank: Zwiebelmuster. Edition Leipzig, Leipzig 1991, ISBN 3-361-00350-4. (in 3. Auflage 2001)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]