Thaddäus Zajaczkowski

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Thaddäus Zajaczkowski

Thaddäus Zajaczkowski (* 10. November 1939 in Cząstków, Polen) ist ein polnisch-deutscher Chirurg, Urologe und Medizinhistoriker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Sohn von Hieronymus Zajaczkowski (1911–1990) und seiner Frau Genoveva geb. Topolska (* 1921) besuchte Zajaczkowski ab 1945 die Grundschule in Cząstków, ab 1953 das Lyzeum in Modlin (Nowy Dwór Mazowiecki). 1957 erhielt er die Matura.

Stettin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1958 bis 1964 studierte er Medizin an der Pommerschen Medizinischen Universität Stettin. Nach dem Staatsexamen am 26. Juli 1964 war vom 1. Oktober 1964 bis zum 31. Mai 1966 Medizinalassistent in Abteilungen für Pädiatrie, Innere Medizin, Chirurgie, Gynäkologie und Geburtshilfe von Städtischen Krankenhäusern Stettins. Als Arzt approbiert, war er anschließend zwei Jahre Stabsarzt der Polnischen Landstreitkräfte in Stettin. In jener Zeit begann er als Volontär die chirurgische Facharztausbildung bei Jan Kortas in der I. Chirurgischen Klinik der Pommerschen Medizinischen Akademie. Am 1. Juni 1968 wechselte er zu Rafał Heftmann in der II. Chirurgie. Seit dem 8. Oktober 1969 Facharzt für Allgemeinchirurgie, durchlief er noch die vierjährige Urologenausbildung bei Alfons Wojewski. Am 22. November 1972 promovierte er in Stettin zum Dr. med.[1] Er war Gastarzt in Rostock (1969), Warschau (1971, 1972, 1975), Krakau (1973), Kattowitz (1974) und Lund (1974). Im Sommer 1973 fuhr er drei Monate als Schiffsarzt auf M/S Gryf Pomorski, dem Mutterschiff der polnischen Hochseefischerei. Nachdem er am 31. Oktober 1973 in Warschau die Facharztprüfung für Urologie bestanden hatte, war er ab 1. Januar 1974 Oberarzt der Urologischen Klinik der Pommerschen Akademie.

Ruhrgebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 12. September 1975 übersiedelte er mit seiner Familie nach Westdeutschland. Er fand zwar im Katholischen Klinikum Duisburg sogleich eine Anstellung, musste sich aber in der großen Chirurgischen Abteilung des St.-Barbara-Hospitals in Hamborn als Assistenzarzt wieder „hinten anstellen“. Nach einem halben Jahr konnte er – noch als Assistenzarzt – zum 1. April 1976 in die Urologie des Marienhospitals Altenessen wechseln. Im August 1976 wurde sein polnischer Doktortitel vom Land Nordrhein-Westfalen anerkannt und im November 1976 die Einbürgerung als Deutscher zuerkannt. 1977 erhielt er die deutsche Approbation als Arzt und die Anerkennung als Urologe.

Nachdem er 1977 in Barmen hospitiert hatte, wurde er 1978 Oberarzt am Marienhospital. 1984 besuchte er die Urologen Pablo Morales in New York City und Victor Politano in Miami. Bei der Ärztekammer Nordrhein qualifizierte er sich 1996 in Spezieller Urologischer Chirurgie. Für das Akademische Lehrkrankenhaus unterrichtete er jahrelang Medizinstudenten der Universität Duisburg-Essen. Nach der Pensionierung seines Chefs Winfried Straube blieb er noch drei Jahre in der Urologie und Neurourologie. Nach 28 Jahren in Altenessen wurde er zum 1. Januar 2006 pensioniert. Mit seiner Frau lebte er in Mülheim an der Ruhr. 2016 zogen beide nach Essen.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zajaczkowski ist seit 1966 mit der Ärztin Elisabeth Maria Wojewski verheiratet. Der Ehe entstammen die Söhne Andreas Paul (1967) und Anton Michael (1969). Auf seinen Schwiegervater und Lehrer schrieb er den Nachruf.[2]

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zajaczkowski befasst sich mit der Geschichte der (endoskopischen) Urologie, die in früher deutschen Kliniken Polens vorangetrieben wurde, und hat die Bedeutung „vergessener“ Chirurgen wie Franz von Paula Gruithuisen, Johann von Mikulicz, Ludwik Rydygier, Arthur Barth und Heinrich Klose in Erinnerung gebracht. Seine Publikationsliste umfasst 150 urologische und medizingeschichtliche Arbeiten. Für die polnische Przegląd Urologiczny (Urologievorschau) ist er Beirat (2008) und Rubrikherausgeber für Geschichte der Urologie (2011).

Medizinhistorische Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • mit Elisabeth Wojewski-Zajaczkowski: Entwicklung des Städtischen Krankenhauses in Stettin. Anfänge der Urologie in Stettin, 1. Teil. Der Urologe 44 (2005), S. 73–80; 2. Teil 45 (2006), S. 1006–1016.
  • Joseph Dietl (1804–1878). Reformer der Medizin und sein Beitrag für die Urologie. Der Urologe 45 (2006), S. 85–94.
  • Johann Anton von Mikulicz-Radecki (1850–1905) – a pioneer of gastroscopy and modern surgery: his credit to urology. World Journal of Urology 26 (2008), S. 75–86.
  • Felix Hagen – West Pomerania’s pioneer urologist. European Urology Today 32 (2008).
  • Ludwik von Rydygier (1850–1920) – pioneer of gastric surgery and his contribution to urology. Central European Journal of Urology 62 (2009), S. 233–236.
  • mit Andreas Paul Zamann: Johannes Anton Freiherr von Mikulicz-Radecki (1850–1905). Sein Beitrag zur Urologieentwicklung. Der Urologe 49 (2010), S. 280–285.
  • mit Andreas Paul Zamann: Julius Bruck (1840–1902) and his influence on the endoscopy of today. World Journal of Urology 22 (2004), S. 293–303, doi:10.1007:s00345-003-0387-3
  • mit F. H. Moll, M. Krischel, P. Rathert: „Meine erste Begegnung mit der deutschen Urologie (1937)“. Stefan Wesolowski (1908–2009) – Eine Quelle im Archiv der Deutschen Gesellschaft für Urologie vom ältesten korrespondierenden Mitglied und Förderer polnisch-deutschen Beziehungen. Der Urologe 49 (2010), S. 1287–1293.
  • The beginnings of antituberculosis service in Stettin. Hermann Braeuning – the first director of the Tuberculosis Hospital in Stettin-Hohenkrug (Szczecin-Zdunowo). Annales Academiae Medicae Stetinensis, 2011.
  • Franz von Paula Gruithuisen – Vorreiter der Lithotripsie. Endo-Press, Tuttlingen 2011, ISBN 978-3-89756-340-7. GoogleBooks.
  • The Tuberculosis Hospital in Hohenkrug, Stettin, Department of Genitourinary Tuberculosis. Annales Academiae Medicae Stetinensis 58 (2012), S. 66–76.
  • mit Rüdiger Döhler, Anton M. Zamann: Ludwig von Riediger (Ludwik Rydygier) – ein großer, in Deutschland vergessener Chirurg. Der Chirurg, 84 (2013), S. 602–606. Abstract
  • mit Rüdiger Döhler: Geist und Handwerk – der Chirurg Heinrich Klose. Der Chirurg 87 (2016), S. 614–618. Abstract
  • mit Rüdiger Döhler und Jörg Wiesner: Großer Mann der zweiten Reihe – der Danziger Chirurg Arthur Barth. Chirurgische Allgemeine 18. Jg., 9. Heft (2017), S. 436–439.

Vorträge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ehrenmitglied der Polnischen Gesellschaft für Urologie (2010)[3]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zur Ätiologie und Behandlung der Nierenausgußsteine. Dissertation
  2. Obituary. Prof. Dr hab. med. Alfons Wojewski. Urol. Pol. 46 (1993), S. 101–105
  3. DÄB (PDF; 163 kB) aerzteblatt.de