Thalau (Ebersburg)

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Thalau
Gemeinde Ebersburg
Koordinaten: 50° 26′ 21″ N, 9° 46′ 27″ O
Höhe: 380 (360–520) m ü. NHN
Fläche: 10,73 km²[1]
Einwohner: 1225 (31. Dez. 2013)[2]
Bevölkerungsdichte: 114 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 36157
Vorwahl: 06656
Bild von Thalau

Thalau ist ein Ortsteil von Ebersburg im Landkreis Fulda in Osthessen, Deutschland.

Zu Thalau gehören die Ortslagen Altenhof, Hühnerkropf, Frauenholz, Unter-/Mittel-/Oberstellberg.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thalau mit seinen Ortsteilen Altenhof, Frauenholz und Stellberg liegt am Fuße der Hohen Kammer mit dem Schluppwald. Eingebettet ist der Ort in eine sanfte Mulde zwischen dem Fuldatal und dem Döllautal. Er ist umgeben von kleineren Bergkuppen, die einen Blick auf die Berge der Rhön bieten.

Darüber hinaus sind die Wälder und Wiesen rings um Thalau reich an Naturschönheiten. Als Besonderheit in der Pflanzenwelt wachsen im Frühjahr an versteckten Standorten der Seidelbast und im Sommer seltene Knabenkräuter. Während die Felder und Wiesen der „Talaue“ auf einer nährstoffreichen Lößlehmdecke liegen, zeichnen sich die artenreichen Mischwälder, die sich auf dem Buntsandstein gebildet haben, im Spätsommer durch einen großen Pilz- und Beerenreichtum aus.

Klimatisch ist Thalau durch seine Lage zwischen zwei Tälern begünstigt. Mit einer mittleren Jahrestemperatur von 8 Grad Celsius liegt Thalau, ähnlich dem Fuldaer Becken, in einer der mildesten Klimazonen Osthessens. Seit 1975 ist das Dorf „staatlich anerkannter Erholungsort“.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thalau wurde am 13. Juni 1273 erstmals urkundlich erwähnt. Für diese Ersterwähnung liegt eine Originalurkunde vor, die unter den Urkunden des Klosters Blankenau im Hessischen Staatsarchiv in Marburg aufbewahrt wird.

Nach ihrem Wortlaut verzichtet Giso von Steinau mit Einwilligung seiner Frau und Erben auf jedes Klagerecht an den vormals von Albert von Erthal besessenen Gütern in Treisbach zugunsten des Klosters Blankenau. Unter den Urkundenzeugen wird Cunradus de Talowe genannt. Der Familienname Talowe weist aus den früher „Talowe“ geschriebenen Ort hin, in dem es damals ein Ministerialen-Geschlecht gegeben haben muss, das als Vertreter seines Dorfes bei den Fuldaer Äbten den Reiterdienst auf deren Hof- und Heerfahrten versah.

Viele Jahrzehnte herrschten die Herren von Ebersberg in Thalau, wo sie große Ländereien besaßen. Später gehörte Thalau bis 1802 zum Fuldischen Amt Weyhers, dann bis zum Jahre 1866 nach Bayern.

1577 gab es in Thalau 25 Haushaltungen. Im Jahre 1633 bei der Besitzergreifung Fuldas durch den hessischen Landgrafen Wilhelm V. zählte das Dorf 49 Haushaltungen. Heute zählt die Bevölkerung Thalaus etwa 1.100 Einwohner.

Am 31. Dezember 1971 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Thalau in die neue Gemeinde Ebersburg eingegliedert.[3]

Zur Ortslage Altenhof gehört der Weiler Sybillenhof. Der Hof war einst im Besitz der Fuldaer Propstei Michaelsberg und ging durch Erbkauf 1789 in Privatbesitz über. Gleichzeitig wurde auf Bitten des neuen Besitzers Johann Leipold zu Altenhof, diesem gestattet, eine „Wirtschaft“ in seiner Behausung einzurichten. Nachfahre Kaspar Leibold verkaufte 1853 seine „Gastwirthschafts-Gerechtigkeit“ an den einheimischen Bauern Anton Storch für 500 Gulden. Fünf Jahre später erhielt Storch die Erlaubnis zum Brennen von Branntwein. In der folgenden Zeit entwickelte sich der Gasthof mit „Bierbrauerei, Schnapsbrennerei und Kegelbahn“ gut und war trotz seiner abgelegenen Lage bald weithin bekannt und gern besucht.[4]

In Thalau bestehen 17 Vereine. Die letzte große gemeinsame Aktivität war die 725-Jahr-Feier. Pflege und Erhalt der Natur, Pflege des Gesangs, musische Bildung, kulturelle Betätigung, körperliche Ertüchtigung sind Schwerpunkte, die sich die Vereine zu ihren Hauptaufgaben gemacht haben. Besondere Erwähnung verdienen hierbei ausgeschilderte Rundwanderwege mit einer Gesamtlänge von 160 Kilometern, die der Verkehrsverein angelegt hat und unterhält, und die Sportanlage des Fußballsportvereins, zu der auch Tennisplätze gehören.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche in Thalau

Zwei der ältesten Kunstwerke befinden sich in der Kirche in Thalau. Es sind ein Spätgotisches Vesperbild der Schmerzensmutter Maria aus dem 15. Jahrhundert und eine barocke Holzfigur des „Jesus auf der Wies'“ aus dem 16. Jahrhundert, welche eine Nachbildung des Gnadenbildes in der bekannten Wallfahrtskirche Wies bei Oberammergau ist.

Die wertvollsten Thalauer Kunstwerke sind vier barocke Holzplastiken, die ursprünglich in der berühmten Würzburger Marienkapelle standen und in der Zeit als Thalau noch zum Königreich Bayern gehörte, in das Rhöndorf kamen, um die in den Jahren 1858 bis 1860 erbaute Kirche zu schmücken. Es sind farbige Holzfiguren des heiligen Johannes, des Johannes des Täufer, sowie des heiligen Bonifatius und des heiligen Kilian. Der Heilige Bonifatius hat eine eigene Geschichte, denn die Barockplastik war in ihrer Würzburger Zeit ursprünglich ein Heiliger Nikolaus, dem Patron der Mainschiffer. In der Rhön nahm man ihm kurzerhand die drei „Kugeln“ vom Evangelienbuch und steckte einen Dolch hinein, fertig war ein prächtiger „Bonifatius“.[5]

In der Gegend stehen mehrere Bildstöcke, der älteste stammt aus dem Jahre 1712.

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Carneval Club Thalau veranstaltet jedes Jahr mehrere Feste darunter zwei Fremdensitzungen und den Rosenmontagsumzug.

Das Café am Dales bietet ab und an kulturelle Veranstaltungen wie Konzertabende, Lesungen oder die im Sommer oft geöffnete Rhöner Spinnstube, in der Rhöner Brauchtum gepflegt und erhalten wird.

Der Rhönklub-Zweigverein Thalau veranstaltet seit 1973 an jedem 2. Sonntag im Oktober eine Totengedenkfeier in der Wallfahrtskirche Maria-Ehrenberg.

Am ersten Wochenende im September lädt der Musikverein Rhönklang zu seinem Oktoberfest ein.

Alljährlich findet am Sonntag nach Allerheiligen die Kirmes statt. Die Kirmes wird durch den Burschenverein 1986 Thalau veranstaltet und durchgeführt. Dieser Verein besteht aus über 90 ausschließlich männlichen Bewohnern des Ortes Thalau.

Große Besucherzahlen aus der Region erfahren auch die „Erdäpfeltage“ und das Schlachtfest, das, neben sportlichen Attraktionen, mit allerlei markanten Köstlichkeiten aus der Gegend aufwartet.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Fußballsportverein 1950 Thalau veranstaltet jedes Jahr an den Pfingsttagen sein Sportfest.

Feuerwehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der älteste Verein ist die 1878 gegründete Freiwillige Feuerwehr Thalau e.V. Die Feuerwehr Thalau besteht aus dem Verein, der sich der Brauchtumspflege und dem Gemeinwohl verschrieben hat, und der Einsatzabteilung, die als öffentliche Einrichtung nicht dem Verein unterstellt ist, sondern dem vom Gemeindevorstand beauftragten Gemeindebrandinspektor. Rund um die Uhr versehen 40 Feuerwehrangehörige ihren Dienst ehrenamtlich und ohne Bezahlung.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Wahl (* 6. Juni 1869 in Thalau; † 18. April 1961 in Trier), Ingenieur

Personen, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „Thalau, Landkreis Fulda“. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 7. September 2015). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
    „Stellberg, Landkreis Fulda“. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 7. September 2015). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
    „Altenhof, Landkreis Fulda“. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 7. September 2015). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Bevölkerungsstatistik des Landkreises Fulda, abgerufen im September 2015.
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 394.
  4. Michael Mott: Die drei "Grazien" vom Sybillenhof / Wertvolles Stück der Kultur-, Volkskunst - und Familiengeschichte ("Feierabendziegel"), in: "Buchenblätter" Fuldaer Zeitung, 68. Jahrg., Nr. 8, 23. März 1995, S. 31,32; Nr. 10, 25. April 1995, S. 39,40.
  5. Michael Mott: Der "falsche" Bonifatius in der Dorfkirche von Thalau / eine kleine Geschichte über das Schicksal einer barocken Holzplastik / nach Ausmusterung in Würzburg andere Identität erhalten / Dolch kurzerhand durch Evangelienbuch gesteckt; in: Jahrbuch des Landkreises Fulda, 23. Jahrg. 1996, S. 309 bis 312; ISSN 0943-2922.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]