Theodor Pinn

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Theodor Pinn (* 11. Oktober 1898 in Flensburg; † 23. Dezember 1989 in Glücksburg) war ein deutscher evangelisch-lutherischer Pastor, Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus und Mitglied der Bekennenden Kirche.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Theodor Pinn wuchs in Kiel auf und nahm nach der Notreifeprüfung 1916 als Soldat am Ersten Weltkrieg teil. Nach 1918 begann er das Studium der evangelische Theologie in Kiel und Marburg, das er 1923 abschloss. Er wurde 1925 ordiniert und war anschließend Provinzialvikar und Pastor in Sandesneben.

1931 wurde er Pastor an der St.-Georg-und-Mauritius-Kirche in Flemhude. Dort wandte er sich dabei besonders gegen den im Kreis sehr aktiven Tannenbergbund.[1] Ab Mitte 1933 sprach er sich gegen die Gleichschaltung der Kirche im nationalsozialistischen Staats in die Kirche und gegen die Verfälschung der christlichen Lehre durch die Glaubensgemeinschaft Deutsche Christen aus. Im Oktober 1933 wurde er Mitglied der Not- und Arbeitsgemeinschaft schleswig-holsteinischer Pastoren (NAG) und schloss sich dem Pfarrernotbund an.[2] Pinn war während der Zeit des Nationalsozialismus überzeugtes Mitglied der Bekennenden Kirche. Mit seiner aufrechten Haltung wurde er 1935 inhaftiert und 1937 von dem Gauleiter Lohse aus Schleswig-Holstein ausgewiesen.[3] Von der Kirche zwangsweise in den Ruhestand versetzt, wurde Pinn kurzzeitig erneut inhaftiert, bevor er 1940 als Sanitäter zum Militärdienst eingezogen wurde.

Nach der Befreiung 1945 kehrte Pinn nach Kiel zurück und klagte erfolgreich auf Rückgabe seiner Gemeinde. Von 1946 bis 1948 war er wieder die Gemeinde in Flemhude.[4] Von 1952 bis zu seiner Pensionierung 1964 wirkte Pinn schließlich als Pastor in Kiel-Kroog bzw. Kiel-Elmschenhagen an der Stephanuskirche, deren Bau er maßgeblich beeinflusste.[5] Pinn war des Weiteren Mitinitiator und „geistlicher Vater“ der Waldkapelle „Zum ewigen Troste“ in Neuwühren, die 1953 geweiht wurde und der er nach seiner Pensionierung weiterhin verbunden blieb.[6]

Er ist nicht zuletzt ein bedeutender Zeitzeuge des 20. Jahrhunderts, dessen Aufzeichnungen und Erinnerungen wertvolle Quellen darstellen und die entsprechend publiziert bzw. ausgewertet wurden. So wurden Auszüge seines Kriegstagebuches veröffentlicht, das er als Schüler 1914 begonnen hatte, seine Erinnerungen an die Zeit des Nationalsozialismus erschienen mehrfach als Aufsatz und als eigenständige Schrift.

Pinn galt als „ein kantiger Mann, der zu seinen Überzeugungen stand und dafür auch schwerste persönliche Nachteile in Kauf nahm.“[4] Auch nach seiner Pensionierung wandte er sich energisch gegen – aus seiner Sicht – Fehlentwicklungen in der Kirche. So stürmte er z. B. Anfang der 70er Jahre die Kanzel bei Politischen Nachtgebeten, die er scharf verurteilte. Theodor Pinn war dreimal verheiratet, aus der ersten Ehe hatte er vier Söhne.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • (als Herausgeber:) Schilleratsen. Ein Heimatbüchlein für die Sandesnebener Kirchengemeinde. Lauenburger Heimatverlag, Ratzeburg 1932 OCLC 249031502.
  • Sieben Verhaftungen. Erinnerungen eines ev.-luth. Pastors an die Nazi-Zeit in Schleswig-Holstein. Hansen, Preetz 1983 OCLC 72100044.
  • Sieben Verhaftungen. In: Wolfgang Prehn u. a. (Hrsg.): Zeit den schmalen Weg zu gehen. Zeugen berichten vom Kirchenkampf in Schleswig-Holstein, Lutherische Verlags-Gesellschaft, Kiel 1985, S. 79–90 ISBN 3-87503-027-3.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerlind Lind: Theodor Friedrich Nicolai Pinn. Ein Flemhuder Pastor im Kirchenkamp der NS-Zeit. In: Flemhuder Hefte. Nr. 13/14, 2003, ZDB-ID 2291724-X, S. 32–79.
  • Martin Rackwitz: Zwischen "Hurrapatriotismus" und schulfrei. Ein Kieler Oberschüler berichtet von der Mobilmachung im August 1914. In: Demokratische Geschichte (= Veröffentlichung des Beirats für Geschichte). Band 25. Schleswig-Holsteinischer Geschichtsverlag, 2014, ISBN 978-3-933862-48-8, ISSN 0932-1632, S. 147–176 (beirat-fuer-geschichte.de [PDF; 1,3 MB; abgerufen am 14. Oktober 2017]).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „Ein feste Burg ist unser Gott“ – zur Erinnerung an Pastor Theodor Pinn. In: Nachricht aus der Kirchengemeinde Flemhude Ausgabe 173 September Oktober November 2013, S. 16–18; S. 17 (pdf, abgerufen am 23. Oktober 2017)
  2. „Ein feste Burg ist unser Gott“ – zur Erinnerung an Pastor Theodor Pinn. In: Nachricht aus der Kirchengemeinde Flemhude Ausgabe 173 September Oktober November 2013, S. 16–18; S. 18 (pdf, abgerufen am 23. Oktober 2017)
  3. Felicitas Glade: Ernst Bamberger – Wilhelm Hamkens. Eine Freundschaft in Mittelholstein unter dem NS-Regime. Kreisverein Rendsburg für Heimatkunde und Geschichte, Rendsburg 2000, S. 125 (Rendsburger Jahrbuch. Beihefte Bd. 1) ISBN 3-89811-835-5.
  4. a b c Martin Rackwitz: Zwischen "Hurrapatriotismus" und schulfrei. Ein Kieler Oberschüler berichtet von der Mobilmachung im August 1914. In: Demokratische Geschichte 25 (2014), S. 176 (beirat-fuer-geschichte.de [PDF; 1,3 MB; abgerufen am 14. Oktober 2017]).
  5. Die Entstehungsgeschichte der Stephanuskirche. kroog-unsere-heimat.de, abgerufen am 11. Oktober 2017.
  6. Vom Spritzenhaus zur Waldkapelle. waldkapelle-neuwuehren.de, abgerufen am 14. Oktober 2017.