Theodor von Möller

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Theodor Adolf Möller (seit 1905 von Möller; * 10. August 1840 auf Gut Kupferhammer bei Brackwede; † 6. Dezember 1925 ebenda) war ein deutscher Unternehmer, Politiker und preußischer Handelsminister.

Theodor Adolf von Möller (im Jahr 1901)

Familie und Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Theodor Möller war Sohn des Unternehmers und Abgeordneten Friedrich Möller (1805–1878); seine Mutter war Henriette Friederike Möller (1808–1848).[1] Er machte eine Kaufmannslehre bei seinem Onkel Carl Woermann in Hamburg und verbrachte anschließend mehrere Jahre in England.

Im Jahr 1872 heiratete er Eleonore Tiemann (1853–1935) und wurde Vater von neun Kindern. Seine Tochter Magdalena (1883–1919) heiratete 1907 in Berlin den evangelischen Theologen Hans von Soden. Aus dieser Ehe gingen drei Enkelsöhne von Möllers hervor, unter ihnen der Altorientalist Wolfram von Soden. Nach dem frühen Tod Magdalenas wurde seine Tochter Hedwig (1877–1963) Hans von Sodens zweite Ehefrau.[2]

Unternehmerisches Handeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zusammen mit seinem Bruder Dr. phil. Karl Möller gründete Theodor Möller 1863 die Firma K. & Th. Möller GmbH. Diese war eine Maschinenfabrik, Kesselschmiede und Eisengießerei. Das Unternehmen war bis zum Ersten Weltkrieg führend unter anderem im Bau von Luftfiltern und von Wasserturbinen. Nach dem Tod des Vaters übernahmen die Brüder auch die elterliche Lederfabrik, modernisierten diese und weiteten die Produktionsbereiche aus. Theodor Möller war ein Pionier bei der Kohledestillation und der technischen Nutzung von Aktivkohle. 1881 gründete er die Aktiengesellschaft für Kohledestillation und war bis 1901 und zwischen 1909 und 1925 Aufsichtsratsvorsitzender. Nach seiner Tätigkeit als Minister setzte er sich stark für koloniale Beteiligungen der Familienunternehmen ein. Außerdem beteiligte sich Möller an der Gründung der ersten Flugzeugfabriken. 1908 wurde er Mitglied des Aufsichtsrates der Commerzbank.[3]

Interessenvertreter der Industrie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Daneben war er aber auch einer der führenden Wirtschaftfunktionäre der rheinisch-westfälischen Industrie. So war er unter anderem aktiv im Langnam-Verein. Seit 1874 saß er im Ausschuss und war zwischen 1882 und 1901 Vorsitzender. Seit 1876 war er auch Mitglied im Centralverband deutscher Industrieller. Zwischen 1895 und 1901 gehörte er dem Ausschuss des CDI an. Außerdem war Möller seit 1878 Mitglied der Handelskammer Bielefeld und zwischen 1880 und 1891 deren stellvertretender Vorsitzender.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen 1898 und 1901 war Möller für die Nationalliberale Partei Mitglied des Reichstages. Außerdem war er von 1894 bis 1901 Mitglied im Preußischen Abgeordnetenhaus, aus dem er am 8. Mai 1901 wegen einer Beförderung ausscheiden musste.[4] Zwischen 1890 und 1895 war Möller zudem Mitglied im preußischen Staatsrat.

Zwischen Mai 1901 und Oktober 1905 amtierte Möller als preußischer Handelsminister und übergab die Führung der Familienunternehmen an seinen Sohn. In seiner Ministerzeit machte sich Möller für eine Verstaatlichung des Bergwerks Hibernia stark, was auf scharfe Kritik von Seiten der rheinisch-westfälischen Unternehmer stieß. Nach dem Ausscheiden aus diesem Amt wurde er geadelt.

Möller war während der sogenannten „Hottentottenwahlen von 1907“ als Kolonialbefürworter direkter Konkurrent von Carl Severing, der dieser Politik kritisch gegenüberstand. Nach einem turbulenten Wahlkampf lag im ersten Wahlgang Möller noch knapp vorn, verlor den Wahlkreis Bielefeld-Wiedenbrück in der Stichwahl aber an Severing.[5]

Seit 1914 war Möller Mitglied des preußischen Herrenhauses. Nach Möller wurde die Zeche Möller benannt.

Sozialpolitisches Handeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Brüder Möller haben eine breite inner- und außerbetriebliche Sozialpolitik betrieben. So gründeten sie 1872 den Spar- und Vorschussverein Kupferhammer, ein Jahr später folgte eine Krankenkasse und 1885 eine Konsumanstalt. Hinzu kamen Unterstützungs- und Erinnerungsfonds. Die beiden Brüder Möller gründeten 1879 zum Andenken an ihren Vater die noch heute bestehende Möller-Stiftung zur Pflege von Alten und Kranken. Diese errichtete 1901 das Kreiskrankenhaus Möllerstift.[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dirk Hainbuch, Florian Tennstedt (Bearb.): Biographisches Lexikon zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik 1871 bis 1945. Band 1: Sozialpolitiker im Deutschen Kaiserreich 1871 bis 1918. Kassel University Press, Kassel 2010, ISBN 978-3-86219-038-6, S. 110. (online, PDF; 2,2 MB)
  • Stefan Hartmann: Theodor von Möller. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 17, Duncker & Humblot, Berlin 1994, ISBN 3-428-00198-2, S. 634–636 (Digitalisat).
  • Heidrun Walther geb. von Möller: Theodor von Möller (1840–1925). In: Rheinisch-Westfälische Wirtschaftsbiographien. Band 9, Münster 1967, S. 57–79.
  • Fr. Möller’sche Werke GmbH. In: 800 Jahre Brackwede. Brackwede 1951, S. 243–245.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Seite des Bielefelder Stadtarchivs zu Theodor von Möller, bielefeld.de, abgerufen am 13. Dezember 2016.
  2. Digitale Bibliothek - Münchener Digitalisierungszentrum. In: daten.digitale-sammlungen.de. 2030-98-74, abgerufen am 13. Dezember 2016.
  3. Detlef Krause: Die Commerz- und Disconto-Bank 1870–1920/23. Bankgeschichte als Systemgeschichte. Franz Steiner Verlag, 2004, ISBN 3-515-08486-X, S. 264. (Digitalisat)
  4. Bernhard Mann u. a. (Bearb.): Biographisches Handbuch für das Preußische Abgeordnetenhaus. 1867–1918. (= Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Band 3). Droste Verlag, Düsseldorf 1988, S. 274; zu den Wahlergebnissen siehe Thomas Kühne: Handbuch der Wahlen zum Preußischen Abgeordnetenhaus 1867–1918. Wahlergebnisse, Wahlbündnisse und Wahlkandidaten. (= Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Band 6). Droste Verlag, Düsseldorf 1994, S. 733–739
  5. Bericht über den Wahlverlauf
  6. Gründungssatzung