Third/Sister Lovers

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Third/Sister Lovers
Studioalbum von Big Star
Veröffentlichung 1978
Aufnahme 1974
Label PVC Records
Rykodisc (Re-Release)
Omnivore Recordings (Re-Release)
Format LP, CD, MC
Genre Power Pop
Anzahl der Titel 14
Laufzeit 41:18

Besetzung

Produktion Jim Dickinson
Studio Ardent Studios, Memphis
Chronologie
Radio City
(1974)
Third/Sister Lovers In Space
(2005)

Third/Sister Lovers ist das dritte Studioalbum der US-amerikanischen Rockband Big Star. Auch wenn es sich im Grunde genommen um ein Solo-Album von Singer-Songwriter Alex Chilton handelt, gilt es als reguläres Album der Gruppe, die zum Zeitpunkt der Aufnahmen jedoch nur noch aus Chilton und Schlagzeuger Jody Stephens bestand. Bereits 1975 fertiggestellt und testweise auf Vinyl gepresst, erschien das Album jedoch erst 1978 unter dem Titel 3rd bzw. Third auf dem Label PVC Records. 1985 wurde es unter dem Titel Sister Lovers neu aufgelegt. Nach der Neuveröffentlichung 1992 durch Rykodisc als Third/Sister Lovers ist das Album inzwischen unter dem zusammengesetzten Titel bekannt. Es wird auch als das „legendäre dritte Album“ von Big Star bezeichnet.[1][2] Musikalisch kann es dem Power Pop zugeordnet werden und wurde von Jim Dickinson in den Ardent Studios in Memphis produziert. Das Magazin Rolling Stone führt das Album auf Platz 456 seiner Liste der besten 500 Alben aller Zeiten.[3]

Entstehungsgeschichte und Musikstil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Big Star war 1971 von den beiden Sängern und Songwritern Alex Chilton (vorher bei den Box Tops) und Chris Bell gegründet worden. Gemeinsam mit dem Schlagzeuger Jody Stephens und dem Bassisten Andy Hummel spielte die Band einen melodiösen Gitarren-Pop im Stil der Byrds und britischer Bands wie den Beatles oder The Who. Stilistisch standen sie damit im Gegensatz zum damals wesentlich erfolgreicheren Progressive Rock. Dies führte dazu, dass die Band, die als eine Art Supergroup gehandelt worden war, mit ihren ersten beiden Alben wesentlich weniger erfolgreich war als erhofft.

Chris Bell verließ bereits 1972 wegen interner Streitigkeiten während der Aufnahmen für das zweite Album Radio City die Band. Auch Andy Hummel war frühzeitig ausgestiegen. Der vorübergehende Verkauf der Ardent Studios durch deren Gründer John Fry, der die Band maßgeblich unterstützt hatte, und Schwierigkeiten mit dessen Plattenfirma Stax Records, die keine Erfahrungen mit weißer Popmusik hatte, kamen hinzu. Das „blue-eyed soul wunderkind“[4] Chilton hatte nun die Leitung der Band, die im Grunde nur noch aus ihm und Jody Stephens bestand, inne. Er war auch Komponist aller Titel mit Ausnahme von Lou Reeds Femme Fatale. Die Schachteln mit den Originalbändern des Studios sind mit dem Titel Jody & Al Project beschriftet und in den Aufzeichnungen von Ardents Toningenieur Larry Nix ist nur die Rede von Chilton.[5] Chilton litt zu dieser Zeit unter schweren Alkohol- und Drogenproblemen. Dies prägte die Aufnahmen und die Stimmung des Albums maßgeblich. Die Aufnahmen fanden in der zweiten Jahreshälfte 1974 statt, das Mastering erfolgte im Februar 1975. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Big Star bereits aufgelöst. Die Plattenfirma Stax Records veröffentlichte das letzte Album allerdings „… wegen mangelnder Erfolgsaussichten …“[2] zunächst nicht. Erst 1978 erschien das Album beim Indie-Label PVC Records unter dem Titel 3rd bzw. Third. Bruno Jaschke schrieb, das Album „wirkt wie von einem gemacht, der mit dem Rücken zur Wand steht, sich aber schon gar nicht mehr besonders darum schert. […] In den Inhalten wuchert eine Depression, die musikalisch fast plastische Bilder findet wie in ‚Holocaust‘, wo sich Kraftlosigkeit, Zeitlupentempo und eine jenseitig klingende dissonante Gitarre zu morbider Grabesruhe kombinieren.“ [2]

Aufgrund seiner komplizierten Entstehungsgeschichte wurde Third/Sister Lovers mehrfach mit dem unvollendeten Album Smile der Beach Boys verglichen.[6][7]

Später Erfolg des Albums[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quelle Bewertung
Allmusic [8]
Rolling Stone [9]

Auch vier Jahre nach den Aufnahmen und der ersten Veröffentlichung war das Album „seiner Zeit noch immer weit voraus“.[2] Es „…ist eine ebenso zerbrechliche wie dynamische und verstörende Musik, die Chilton […] als freundlichen Zyniker und bleichen Apokalyptiker präsentierte.“[1] Mitte der 1980er Jahre machten Bands wie R.E.M., The Bangles, Violent Femmes und die Replacements, die erklärte Fans von Big Star waren, deren Namen wieder populär. So kam es 1992 unter dem Titel Sister Lovers bei Rykodisc unter der Regie von Jim Dickinson und der Verwendung zusätzlicher Titel aus den Aufnahmesessions zu einer ersten Wiederveröffentlichung des Albums, die für sich in Anspruch nimmt, den ursprünglichen Absichten am ehesten zu entsprechen. Ein Comeback Alex Chiltons, der 2010 in New Orleans starb, wurde so eingeleitet. Auf der 4-CD-Box Keep An Eye On The Sky aus dem Jahr 2009 (bei Rhino Records erschienen) sind sämtliche Studio- und Demoaufnahmen der Band und damit auch des Albums Third/Sister Lovers dokumentiert. 2016 veröffentlichte das Label Omnivore Recordings die Restauration der Aufnahmesessions des dritten Albums auf drei CDs als Complete Third.

Der New Musical Express wählte Third/Sister Lovers auf Platz 451 der 500 besten Alben aller Zeiten und auf Platz 39 der 100 besten Alben der 1970er.[10][11] Die Zeitschrift Mojo setzte das Album 1995 auf Platz 40 der 100 besten Alben.[12] Pitchfork Media führt Third/Sister Lovers auf Platz 66 der 100 besten Alben der 1970er.[13]

Die erstmals 2011 veröffentlichte Testpressung war 2012 für den Independent Music Award in der Kategorie Best Reissue nominiert.

Titelliste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis auf die gekennzeichneten Ausnahmen stammen alle Songs aus der Feder von Alex Chilton.

Testpressung 1975[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Testpressung wurde 2011 als Third (Test Pressing Edition) veröffentlicht.

Seite 1

  1. Stroke It Noel – 2:06
  2. Downs – 2:44
  3. Femme Fatale (Lou Reed) – 3:29
  4. Thank You Friends – 3:06
  5. Holocaust – 3:48
  6. Jesus Christ – 2:20
  7. Blue Moon – 2:06

Seite 2

  1. Kizza Me – 2:43
  2. Sometimes (For You) – 2:44
  3. O, Dana – 2:35
  4. Nightime – 2:52
  5. Whole Lotta Shakin’ Goin’ On (David Curly Williams) – 3:23
  6. Kanga Roo – 3:46
  7. Take Care – 2:48

Erstveröffentlichung 1978[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seite 1

  1. Stroke It Noel – 2:06
  2. For You – 2:44
  3. Kizza Me – 2:43
  4. You Can’t Have Me – 3:18
  5. Nightime – 2:52
  6. Blue Moon – 2:06
  7. Take Care – 2:48

Seite 2

  1. Jesus Christ – 2:20
  2. Femme Fatale (Lou Reed) – 3:29
  3. O, Dana – 2:35
  4. Big Black Car – 3:37
  5. Holocaust – 3:48
  6. Kanga Roo – 3:46
  7. Thank You Friends – 3:06

Third/Sister Lovers (1992)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kizza Me – 2:44
  2. Thank You Friends – 3:05
  3. Big Black Car – 3:35
  4. Jesus Christ – 2:37
  5. Femme Fatale (Lou Reed) – 3:28
  6. O, Dana – 2:34
  7. Holocaust – 3:47
  8. Kangaroo – 3:46
  9. Stroke It Noel – 2:04
  10. For You – 2:41 (Jody Stephens)
  11. You Can't Have Me – 3:11
  12. Nightime – 2:53
  13. Blue Moon – 2:06
  14. Take Care – 2:46
  15. Nature Boy (Eden Ahbez) – 2:30
  16. Till the End of the Day (Ray Davies) – 2:13
  17. Dream Lover – 3:31
  18. Downs (Chilton, Lesa Alderidge) – 1:43
  19. Whole Lotta Shakin’ Goin On (David Curly Williams) – 3:20

Nachträglich veröffentlichte Titel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Manana – 0:46
  2. Dream Lover – 3:33
  3. Downs – 1:51
  4. Whole Lotta Shakin’ Goin’ On (David Curly Williams) – 3:23
  5. Lovely Day – 2:07
  6. Till the End of the Day (Ray Davies) – 2:13

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b medienagentur-hh.de (aufgerufen am 11. Oktober 2011; PDF; 184 kB)
  2. a b c d Bruno Jaschke auf suite101.de (aufgerufen am 11. Oktober 2011)
  3. 500 Greatest Albums of all Time (aufgerufen am 11. Oktober 2011)
  4. Music Fo´ Grown Fo´ks (aufgerufen am 11. Oktober 2011)
  5. Booklet zur 4-CD-Box KEEP AN EYE ON THE SKY
  6. Big Star's Complete Third by Andrew Hultkrans auf bombmagazine.org, abgerufen am 11. August 2017
  7. The Chaotic Beauty of Big Star’s ‘Third’ auf medium.com, abgerufen am 11. August 2017
  8. Review von Jason Ankeny auf AllMusic.com (abgerufen am 11. August 2017)
  9. Review von Parke Puterbaugh auf RollingStone.com (abgerufen am 11. August 2017)
  10. The 500 Greatest Albums Of All Time: 500-401 auf nme.com, abgerufen am 11. August 2017
  11. The NME Greatest Albums of The 70's auf rateyourmusic.com, abgerufen am 12. August 2017
  12. MOJO: THE 100 GREATEST ALBUMS EVER MADE auf rocklistmusic.co.uk, abgerufen am 11. August 2017
  13. Top 100 Albums of the 1970s auf pitchfork.com, abgerufen am 12. August 2018