Thomas Merton

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Thomas Feverel Merton (* 31. Januar 1915 in Prades, Pyrénées-Orientales; † 10. Dezember 1968 in Bangkok) war ein amerikanischer Trappist, Schriftsteller und Mystiker.

Biographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Innere der Einsiedelei Thomas Mertons

Thomas Merton wurde, als Sohn von Ruth und Owen Merton, am 31. Januar 1915 in Prades (Ost-Pyrenäen) geboren. Die Mutter war Innendekorateurin, der Vater ein aus Neuseeland stammender Maler. Nach dem Tod der Mutter 1921 wuchs Thomas Merton an unterschiedlichen Orten auf: Bei seinen Großeltern auf Long Island (Vereinigten Staaten), sowie an britischen und französischen Internaten, was durch die unsteten Reisen des Vaters verursacht wurde.

1933 begann Merton in Cambridge zu studieren und zog später zu seinen Großeltern nach New York, wo er ab Winter 1935 an der Columbia-University Journalistik studierte. Er sympathisierte offen mit dem Kommunismus, feierte Partys, sah leidenschaftlich gerne Kinofilme und verstand sich eher als Atheist.

1937 starb Mertons Großvater, was ihn in eine tiefe, innere Krise stürzte. Über die mittelalterliche Philosophie näherte Merton sich dem christlichen Gottesbegriff und begann, obwohl Protestant, sich für den Katholizismus zu interessieren. Am 16. November 1938 wurde er durch die sub conditione gespendete Taufe in die römisch-katholische Kirche aufgenommen. Nach Kontakten zu den Franziskanern, bei denen er dann aber doch nicht ins Noviziat eintrat, unterrichtete Merton für einige Zeit Englisch an der St. Bonaventure University, bevor er sich zum Eintritt in den Trappistenkonvent nahe Louisville in Kentucky entschloss.

Ordenseintritt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 13. Dezember 1941 trat er als Postulant in die Trappistenabtei Our Lady of Gethsemani in Kentucky ein. 1942 führte Merton seinen jüngeren Bruder John Paul zur Taufe, der kurz darauf, Anfang 1943, als Soldat bei einem Luftangriff fiel.

1946 schrieb Merton im Auftrag des Abtes von Gethsemani seine Autobiografie Der Berg der Sieben Stufen, die sich schlagartig zu einem Bestseller entwickelte. Von da an fühlte er sich oft innerlich zerrissen zwischen seiner Berufung zum Ordenspriester und der zum Schriftsteller. Auch beschäftigte ihn immer wieder die Frage, ob er nicht doch bei den Kartäusern hätte eintreten sollen, was indes durch den Krieg verunmöglicht wurde. Seinerzeit gab es noch keine Kartause in Amerika. Aus späterer Korrespondenz geht hervor, dass etwa ab Mitte der 50er Jahre auch ein probeweiser Übertritt zu den italienischen Kamaldulensern in Erwägung gezogen wurde. Dies sahen seine Oberen zu diesem Zeitpunkt als problematisch an, da Merton mitten in der Ausbildungszeit des ordenseigenen Klerikernachwuchses hätte wechseln müssen.[1]

1949 wurde Merton in Gethsemani zum Diakon, einige Zeit darauf zum Priester geweiht. Weitere Veröffentlichungen folgen. Merton wurde zum international bekannten und gefragten Autor und unterhielt eine umfangreiche Korrespondenz.

1951 wurde er Präfekt für die Scholastiker, 1955 Novizenmeister. Seine Vorliebe für Zurückgezogenheit und Meditation führte ihn zur Beschäftigung mit dem Buddhismus und Zen. Ab 1956 bahnte sich eine akute gesundheitliche Krise an, physisch wie psychisch. Erst mit dem Zugeständnis des Abtes, sich zeitweise als Eremit in eine Klause zurückziehen zu dürfen, löste sich seine innere Spannung.

Ab 1963 mischte sich Merton mehr und mehr in das politische Zeitgeschehen ein: Protest gegen die atomare Aufrüstung, Einsatz für die Gleichstellung der Schwarzen, Einschreiten gegen den Vietnam-Krieg und anderes Engagement ließen ihn in der Kommunistenhetze der Vereinigten Staaten im Kalten Krieg zur verdächtigen Person werden.

Grab Thomas Mertons auf dem Friedhof der Abtei Gethsemani

Als Ernesto Cardenal, der unter Mertons Leitung zwei Jahre lang Novize war, nach Südamerika ging, unterstützte Merton auch die revolutionären Kräfte in Nicaragua. Gleichzeitig entdeckt er das kontemplative Leben neu: Nicht als Rückzug von der Welt, sondern als eigene Art der Anteilnahme und Hinwendung zu Lösungsmöglichkeiten weltlicher Probleme. 1966 zog sich Merton auf Dauer in ein Leben als Eremit zurück, schrieb aber weiterhin zahlreiche Werke, unterhielt Korrespondenzen und empfing Besuche.

1968 durfte Merton das Kloster für längere Zeit verlassen, um in Bangkok an einer Konferenz asiatischer Mönche teilzunehmen, zu der er als Gastredner eingeladen wurde. Er brach zu einer groß angelegten Asienreise auf. Seine Stationen waren Bangkok, Kalkutta, Neu-Delhi, Madras, Polonnaruwa und wieder Bangkok. In einer Reihe von Begegnungen, darunter unter anderem mehrere Gespräche mit dem Dalai Lama, erfuhr er eine starke Erweiterung seines Horizontes und zugleich eine innere Bestätigung seiner Erfahrungen und Reflexionen. Thomas Mertons Schaffen gilt als Bindeglied zwischen Buddhismus und Christentum.

Am 10. Dezember, wenige Minuten nach seinem Gastvortrag in Bangkok, starb Merton im Hotel an einem Stromschlag. Am 17. Dezember wurde er in der Abtei Gethsemani beigesetzt. Nach Thomas Merton ist der Thomas Merton Award, eine Auszeichnung des Thomas Merton Center in Pittsburgh, benannt.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • The seven storey mountain (Der Berg der sieben Stufen)
  • Seeds of contemplation (Verheißungen der Stille)
  • The sign of Jona (Das Zeichen des Jonas)
  • Bread in the wilderness (Brot in der Wüste, ein Buch über Wüstenväter)
    • Die Weisheit der Wüste. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1999, ISBN 3-596-14255-5.
  • No man is an island (Keiner ist eine Insel)
  • Silence in heaven (Schweigen im Himmel, ein Buch über das Leben der Mönche in 90 Bildtafeln und Texten aus religiösen Schriften)
  • The living bread (Der mit dir lebt)
  • Life and holiness (Heilig in Christus)
  • The secular journal (Weltliches Tagebuch 1939–1941)
  • The black revolution (Die schwarze Revolution. Um die Brüderlichkeit der Menschen)
  • What is contemplation (Vom Sinn der Kontemplation)
  • Contemplation in a world of action (In Einklang mit sich und der Welt), 1971, Neuauflage 2009.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

in der Reihenfolge des Erscheinens

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Donald Grayston, Thomas Merton and the Noonday Demon: The Camaldoli Correspondence, Cascade Books, Eugene OR, 2015, S. 107ff.