Thomas Merton

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Thomas Feverel Merton OCSO (* 31. Januar 1915 in Prades, Département Pyrénées-Orientales; † 10. Dezember 1968 in Bangkok) war ein US-amerikanischer Trappist, Schriftsteller und Mystiker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Innere der Einsiedelei Thomas Mertons

Thomas Merton wurde am 31. Januar 1915 in Prades (Ost-Pyrenäen) als Sohn des Künstlerehepaares Ruth und Owen Merton, geboren. Vor der Übersiedlung in die Pyrenäen hatten sich die Eltern in Paris kennengelernt. Mertons aus den Vereinigten Staaten stammende Mutter Ruth Calvert Jenkins († 1921) war Innendekorateurin und sein aus Christchurch (Neuseeland) stammender Vater († 1931) war Maler im Bereich der Bildenden Kunst. Der Großvater väterlicherseits hatte in Christchurch als Musiklehrer gearbeitet. Thomas Mertons Vater gehörte der anglikanischen Kirche an, und er veranlasste auch die Taufe seine Sohnes in Prades. Wegen des Ersten Weltkrieges und weil die Großeltern mütterlicherseits, die in Douglaston auf Long Island lebten, sich Sorgen machten, verlegte die Familie im Jahr 1916 ihren Wohnsitz in die Vereinigten Staaten. Dort bezog die Familie Merton ein Haus in Flushing auf Long Island, wo im November 1918 sein Bruder John Paul geboren wurde.[1][2]

Nach dem Tod der Mutter 1921 wuchs Thomas Merton an unterschiedlichen Orten auf: Bei seinen Großeltern auf Long Island sowie in britischen und französischen Internaten, was durch die unsteten Reisen des Vaters verursacht wurde. Schließlich blieben sie auch monatelang in Somerset Island (Bermuda). Am 25. August 1925 begann ihre Schiffsreise nach Frankreich. Hier ließen sie sich in Saint-Antonin-Noble-Val nieder.[3]

1931 kam Merton in die Obhut seines Paten Thomas Izod Bennett, eines Chirurgen in London. Dort war Merton im Jahr 1933 für eine kurze Zeit an der Universität Cambridge immatrikuliert. Danach zog er zu seinen Großeltern nach New York, wo er ab Winter 1935 an der Columbia University Journalistik studierte. Während seines Studiums schrieb Merton für das Literaturmagazin The Columbia Review und für die humoristische Zeitschrift Jester. Er feierte Partys, sah leidenschaftlich gerne Kinofilme und verstand sich eher als Atheist. Sein Studium beendete er 1939 als Magister in englischer Literatur mit einer Arbeit über den Dichter und Maler William Blake.[2]

1937 starb Mertons Großvater, was ihn in eine tiefe, innere Krise stürzte. Über sein Interesse an der Philosophie des Mittelalters näherte Merton sich dem Gottesbegriff und begann, obwohl Protestant, sich für den Katholizismus zu interessieren. Am 16. November 1938 wurde er nach dem vorangehendem Konvertitenunterricht an der New Yorker Pfarrei Corpus Christi durch die sub conditione gespendete Taufe in die römisch-katholische Kirche aufgenommen. Schon zu diesem Zeitpunkt begann er sich mit der Frage seiner Berufung zum Priestertum und zum Ordensleben auseinanderzusetzen. Nach Kontakten zu den Franziskanern, bei denen er dann aber doch nicht ins Noviziat eintrat, unterrichtete Merton für einige Zeit Englisch an der St. Bonaventure University und arbeitete als freiwilliger Helfer in dem von der Baronin Catherine de Hueck gegründeten Friendship Houase in Harlem mit. In dieser Zeit zog er sich mehrmals für einige Tage zur Einkehr in Trappistenabteien zurück und machte eine Wallfahrt nach Kuba, bevor er sich zum Eintritt in die Trappistenabtei Unserer Lieben Frau von Gethsemani nahe Louisville in Kentucky entschloss.

Ordenseintritt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 13. Dezember 1941 trat Thomas Merton als Postulant in die Trappistenabtei Our Lady of Gethsemani in Kentucky ein und erhielt beim Eintritt den Ordensnamen M. Louis. Im Jahr 1942, dem Jahr, in dem er die erste Profess ablegte, führte Merton in Gethsemani seinen jüngeren Bruder John Paul zur Taufe, der Anfang 1943 als Soldat im Zweiten Weltkrieg bei einem Luftangriff fiel.

In der Abtei erhielt Merton nach einiger Zeit die Erlaubnis, schreiben zu dürfen. 1946 schrieb Merton im Auftrag des Abtes von Gethsemani seine Autobiografie Der Berg der Sieben Stufen. Sein Erstlingswerk entwickelte sich zu einem Bestseller. Insgesamt brachte es Merton auf insgesamt siebzig Veröffentlichungen. Posthum wurden seine Briefe in fünf Bänden und seine Tagebücher in sieben Bänder veröffentlicht.[4]

Merton fühlte sich oft innerlich zerrissen zwischen seiner Berufung zum Ordenspriester und der zum Schriftsteller. Auch beschäftigte ihn immer wieder die Frage, ob er nicht doch bei den Kartäusern hätte eintreten sollen, was indes durch den Krieg verhindert wurde. Seinerzeit gab es noch keine Kartause in Amerika. Aus späterer Korrespondenz geht hervor, dass etwa ab Mitte der 1950er Jahre auch ein probeweiser Übertritt zu den italienischen Kamaldulensern in Erwägung gezogen wurde. Dies sahen seine Oberen zu diesem Zeitpunkt als problematisch an, da Merton mitten in der Ausbildungszeit des ordenseigenen Klerikernachwuchses hätte wechseln müssen.[5]

1949 wurde Merton in Gethsemani zum Diakon, einige Zeit darauf zum Priester geweiht. Weitere Veröffentlichungen folgen. Merton wurde zum international bekannten und gefragten Autor und unterhielt eine umfangreiche Korrespondenz.

1951 wurde er Präfekt für die Scholastiker, 1955 Novizenmeister. Seine Vorliebe für Zurückgezogenheit und Meditation führte ihn zur Beschäftigung mit dem Buddhismus und Zen. Ab 1956 bahnte sich eine akute gesundheitliche Krise an, physisch wie psychisch. Erst mit dem Zugeständnis des Abtes, sich zeitweise als Eremit in eine Klause zurückziehen zu dürfen, löste sich seine innere Spannung.

Ab 1963 mischte sich Merton mehr und mehr in das politische Zeitgeschehen ein: Protest gegen die atomare Aufrüstung, Einsatz für die Gleichstellung der Schwarzen, Einschreiten gegen den Vietnam-Krieg und anderes Engagement ließen ihn in der Kommunistenhetze der Vereinigten Staaten im Kalten Krieg zur verdächtigen Person werden.

Grab Thomas Mertons auf dem Friedhof der Abtei Gethsemani

Als Ernesto Cardenal, der unter Mertons Leitung zwei Jahre lang Novize war, nach Südamerika ging, unterstützte Merton auch die revolutionären Kräfte in Nicaragua. Gleichzeitig entdeckte er das kontemplative Leben neu: Nicht als Rückzug von der Welt, sondern als eigene Art der Anteilnahme und Hinwendung zu Lösungsmöglichkeiten weltlicher Probleme. 1966 zog sich Merton auf Dauer in ein Leben als Eremit zurück, schrieb aber weiterhin zahlreiche Werke, unterhielt Korrespondenzen und empfing Besuche.

1968 durfte Merton das Kloster für längere Zeit verlassen, um in Bangkok an einer Konferenz asiatischer Mönche teilzunehmen, zu der er als Gastredner eingeladen wurde. Er brach zu einer groß angelegten Asienreise auf. Seine Stationen waren Bangkok, Kalkutta, Neu-Delhi, Madras, Polonnaruwa und wieder Bangkok. In einer Reihe von Begegnungen, darunter unter anderem mehrere Gespräche mit dem Dalai Lama, erfuhr er eine starke Erweiterung seines Horizontes und zugleich eine innere Bestätigung seiner Erfahrungen und Reflexionen. Thomas Mertons Schaffen gilt als Bindeglied zwischen Buddhismus und Christentum.

Tod[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 10. Dezember, wenige Minuten nach seinem Gastvortrag in Bangkok, starb Merton im Hotel an einem Stromschlag. Am 17. Dezember wurde er in der Abtei Gethsemani beigesetzt. Nach Thomas Merton ist der Thomas Merton Award, eine Auszeichnung des Thomas Merton Center in Pittsburgh, benannt.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Thirty Poems. New Directions, Norfolk 1944
  • The seven storey mountain. Harcourt, Brace and Company, New York 1948
    • Deutsche Ausgabe: Der Berg der sieben Stufen. Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Hans Großrieder. Benziger, Einsiedeln 1950
  • Seeds of contemplation. Hollis & Carter, London 1949
    • Deutsche Ausgabe: Verheißungen der Stille. Räber, Luzern 1951
  • The sign of Jona.
    • Deutsche Ausgabe: Das Zeichen des Jonas. Benziger, Einsiedeln 1954
  • Bread in the wilderness. Hollis & Carter, London 1954
    • Deutsche Ausgabe: Die Weisheit der Wüste. Fischer, Frankfurt am Main 1999, ISBN 3-596-14255-5.
  • No man is an island. Harcourt, Brace and Company, New York 1955
    • Deutsche Ausgabe: Keiner ist eine Insel. Benziger, Einsiedeln 1979
  • Silence in heaven.
    • Deutsche Ausgabe: Schweigen im Himmel. Ein Buch über das Leben der Mönche. Rheinische Verlags-Anstalt, Wiesbaden 1957
  • The living bread.
    • Deutsche Ausgabe: Der mit dir lebt. Betrachtungen über die Eucharistie. Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Irene Marinoff. Benziger, Einsiedeln 1958
  • Life and holiness.
    • Deutsche Ausgabe: Heilig in Christus. Zusammen mit Eugen Kende. Herder, Freiburg im Breisgau 1964
  • The secular journal. (Weltliches Tagebuch 1939–1941)
  • The black revolution.
    • Deutsche Ausgabe: Die schwarze Revolution. Um die Brüderlichkeit der Menschen. Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Hans Schmidthüs. Herder, Freiburg im Breisgau 1965
  • What is contemplation.
    • Deutsche Ausgabe: Vom Sinn der Kontemplation. Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Alfred Kuoni. Arche, Zürich 1955
  • Contemplation in a world of action.
    • Deutsche Ausgabe: In Einklang mit sich und der Welt. Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Georg Tepe. Diogenes, Zürich 1986, ISBN 978-3-2570-1721-2.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

in der Reihenfolge des Erscheinens

  • Monica Furlong: Alles, was ein Mensch sucht. Thomas Merton, ein exemplarisches Leben. Herder, Freiburg 1982, ISBN 3-451-19627-1.
  • Anne Carr: A Search for Wisdom and Spirit. Thomas Merton’s Theology of Self. University of Notre Dame Press, Notre Dame 1988, ISBN 0-268-01727-1.
  • Johann Hoffmann-Herreros: Thomas Merton. Ein Mystiker sucht Antworten für unsere Zeit. Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1992, ISBN 3-7867-1662-5.
  • Reiner Fuchs: Gewalt und Kontemplation. Der Beitrag Thomas Mertons zur Friedensproblematik. Lang, Frankfurt am Main 1992, ISBN 3-631-44582-2.
  • John Howard Griffin: Follow the ecstacy: The hermitage years of Thomas Merton. Orbis Books, Maryknoll 1993, ISBN 0-88344-847-5.
  • Anand Nayak: Merton, Thomas. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 5, Bautz, Herzberg 1993, ISBN 3-88309-043-3, Sp. 1339–1341.
  • Patrick Hart, Jonathan Montaldo (Hrsg.): Thomas Merton – der Mönch der sieben Stufen. Ein Leben in Selbstzeugnissen. Patmos-Verlag, Düsseldorf 2000, ISBN 3-491-70328-X.
  • Iris Mandl-Schmidt: Biographie – Identität – Glaubenskultur. Zur Entwicklung religiös-spiritueller Identität am Beispiel Thomas Mertons. Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 2003, ISBN 3-7867-2455-5.
  • Wunibald Müller, Detlev Cuntz (Hrsg.): Kontemplativ leben. Erinnerungen an Thomas Merton. Vier-Türme-Verlag, Münsterschwarzach 2014, ISBN 978-3-89680-915-5.
  • Marcelo Timotheo da Costa: Thomas Merton. In: Concilium, Heft 5, Dezember 2017, S. 621–623

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Thomas Merton: Der Berg der sieben Stufen. Benziger, Einsiedeln 1950, S. 10–15.
  2. a b Marcelo Timotheo da Costa: Thomas Merton. In: Concilium, Heft 5, Dezember 2017, S. 621
  3. Thomas Merton: Der Berg der sieben Stufen. Benziger, Einsiedeln 1950, S. 35 u. 44.
  4. Marcelo Timotheo da Costa: Thomas Merton. In: Concilium, Heft 5, Dezember 2017, S. 622
  5. Donald Grayston, Thomas Merton and the Noonday Demon: The Camaldoli Correspondence. Cascade Books, Eugene OR, 2015, S. 107ff.