Thomas Muffet

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Titelseite von Muffets Hauptwerk

Thomas Muffet (* 1553 in Shoreditch, London; † 5. Juni 1604 in Bulbridge, Wilton, Wiltshire), auch Moffett oder Moufet, war ein englischer Arzt und Naturforscher, der vor allem für seine Studien zu Insekten bekannt wurde.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Muffet war der Sohn eines Händlers für Knöpfe und anderer Utensilien für Kleidung (Haberdasher). Er ging auf die Merchant Taylor School in London. Zwischen 1569 und 1573 besuchte Muffet das Trinity College und Gonville Hall in Cambridge. Nach dem Medizinstudium bei Thomas Lorkin und John Caius erlangte er 1578 den Doktorgrad in Basel. Anschließend besuchte er Italien und Spanien. 1580 untersuchte Muffet die Anatomie der Seidenraupe in Italien. 1580 heiratete er Jane Wheeler und reiste nach Deutschland und Dänemark, wo er Severinus traf. 1582 war er wieder in Cambridge und liess sich als Arzt in Ipswich und später in London nieder. 1584 veröffentlichte er in Frankfurt das Werk „De iure et praestantia chemicorum medicamentorum dialogus apologeticus“, das auf dem Kontinent viel gelesen wurde und ihn als Anhänger von Paracelsus zeigt (es wurde im Theatrum Chemicum nachgedruckt). 1588 veröffentlichte er „Nosomantica Hippocratea“ und wurde Fellow des College of Physicians. Nach dem Tod seiner Frau 1600 heiratete er Catherine Brown, mit der er eine Tochter hatte. Er war der Arzt hoher Aristokraten und kam so an den Hof von Königin Elizabeth I. Auf Einwirken des Herzogs von Pembroke zog er nach Wiltshire und erhielt 1597 einen Parlamentssitz für Wilton, den er bis 1604 hatte.

Muffet galt als Anhänger des Paracelsus, dessen medizinische Lehre damals in medizinisch-wissenschaftlichen Kreisen umstritten war und die Muffet auf dem Kontinent kennenlernte.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Muffet verfasste das Werk „Insectorum sive Minimorum Animalium Theatrum“ in dem er nicht veröffentlichtes Material von Gesner, Wotton und Penny verwendete. Gesners unvollendetes Werk wurde von dessen Freund Penny gekauft, der es um eigene Beobachtungen und die Notizen von Wotton, die er ebenfalls erwarb, erweitert. Nach Pennys Tod erwarb Muffet das Manuskript von den Erben und ergänzte selbst Material (Beschreibungen, Zeichnungen) über Insekten, Spinnen, Würmer und Krebstiere. Es wurde jedoch erst dreißig Jahre nach dem Tod von Muffet veröffentlicht. Zu Lebzeiten bemühte sich Muffet vergeblich in Den Haag und London einen Drucker zu finden. Nach seinem Tod kam es an Muffet´s Apotheker, der es an Theodore Mayerne verkaufte, der es 1634 mit billigen Holzschnitten in Latein veröffentlichte. Eine englische Ausgabe (The Theater of Insects; or, lesser Living Creatures: as Bees, Flies, Caterpillars, to Spiders, Worms &c.)[1] erschien 1658 als dritter Band von History of four-footed beasts and serpents von Edward Topsell. Sein Buch Health´s Improvement (nach seinem Tod von Christopher Bennet 1655[2] veröffentlicht) wendet sich an Laien und befasst sich vornehmlich mit Ernährung, wobei er auch Wildvögel behandelt. Es enthält die erste gedruckte Liste von Wildvögeln aus Großbritannien und frühe Beobachtungen zur Vogelwanderung (nach Diana Simpkins[3] war er darin einer der Ersten). Außerdem verfasste er Abhandlungen über Heilkunst sowie ein Gedicht über Seidenraupen (unter dem Kürzel T. M.).

Buch I des „Theatre of Insects“ umfasst geflügelte Insekten, Käfer und Bienen; Buch II die flügellosen Insekten wie Raupen, Würmer, Spinnen und andere. Damit folgt Muffet der Klassifikation des Aristoteles, der Insekten nach Flügellosen und Geflügelten unterschieden hatte. Er behandelt Schmetterlinge und ihre Raupen getrennt und fand, dass es ebensoviele Raupen-Arten wie Schmetterlingsarten gibt. Dabei fand er, dass aus denselben Raupen neben den jeweiligen Schmetterlingen auch parasitische Wespen schlüpfen (von ihm als gewöhnliche Fliegen beschrieben). Er beschrieb Verheerungen durch Heuschrecken in Europa und deren Verwendung als Nahrung. Muffet beschrieb auch den Mechanismus der Chamäleonzunge beim Insektenfang.

Sein Manuskript über Insekten (Theatrum insectorum) hat als Titelblatt einen Stich der Autoren Wotton, Penny, Gesner, Muffet und ist im British Museum (Sloane MS 4014).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sidney Lee, Artikel Muffet in Dictionary of National Biography, wikisource
  • Natalie Zemon Davis: Metamorphosen. Das Leben der Maria Sibylla Merian. Berlin 2003, S. 22, 32, 35, 138.
  • Diana M. Simpkins: Moffett (Moufet, Muffet), Thomas, in: Charles C. Gillispie, Hg.: Dictionary of Scientific Biography. New York 1974.
  • C. E. Raven: English Naturalists from Neckham to Ray, Cambridge, 1947
  • W. H. Mullens: Thomas Muffett, Hastings and St. Leonards Natural History Society, Occasional Publication no. 5, 1911
  • M. Burr: Unpublished for Over Three Hundred Years: the Original Title-Page for the First Book on Natural History Printed in England, in: Field, 27. August 1938, S. 495
  • H. M. Fraser: Moufet’s Theatrum Insectorum, in: Gesnerus, Band 3, 1946, S. 131 (und B. Milt: Some Explanatory Notes to Mr. H. M. Fraser’s Article about Moufet’s Theatrum Insectorum, Gesnerus, Band 3, 1946, S. 132–134)

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Faksimile-Ausgabe von Willy Ley, London 1967
  2. Zweite Auflage 1746 mit Biographie von Muffet von W. Oldys
  3. Dictionary of Scientific Biography