Deutsche Hochschule für Körperkultur

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Sportvereinigung DHfK standard.svg

Die Deutsche Hochschule für Körperkultur (DHfK) war eine deutsche Sporthochschule in Leipzig. Sie wurde 1950 gegründet und 1990 aufgelöst, nachdem ihre Beteiligung am staatlich betriebenen Zwangsdopingsystem der DDR bekannt geworden war.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die DHfK zum 15-jährigen Jubiläum am 22. Oktober 1965
Der Haupteingang zur ehemaligen DHfK, 2007
DHfK-Schwimmhalle auf einer Olympiabriefmarke der DDR von 1976

Sie entstand aus dem 1925 gegründeten Institut für Leibesübungen, welches die erste Einrichtung dieser Art in Deutschland war und mit Hermann Altrock auch die erste sportwissenschaftliche Professur besetzte.[1] Die DHfK nahm am 22. Oktober 1950 den Ausbildungsbetrieb auf. Da nur auf politisch dem System zugehörige Lehrkräfte zurückgegriffen werden durfte, wurden zu Beginn auch engagierte Wissenschaftler anderer Fächer angestellt, die ihre jeweilige Profession auf den Sport anwandten. Hierdurch entstand eine große methodisch in den Mutterwissenschaften fundierte fachliche Breite.[2] Die Hochschule wurde durch den Beschluss der Sächsischen Staatsregierung vom 11. Dezember 1990 geschlossen, die Infrastruktur und ein geringer Teil des Personals wurde von der am 8. Dezember 1993 neu gegründeten Sportwissenschaftlichen Fakultät an der Universität Leipzig übernommen.

Die Einrichtungen der DHfK befanden sich auf einem ca. 200.000 m² großen Areal, das unmittelbar südlich an das Sportforum Leipzig angrenzt. Die Gebäude wurden in den Jahren 1952 bis 1957 nach Entwürfen der Architekten Hanns Hopp und Kunz Nierade errichtet. In einem zweiten Bauabschnitt wurde 1964 das Gebäude des Sportmedizinischen Instituts fertiggestellt. Neben dem Standort in Leipzig hatte die DHfK mehrere Außenstellen, so in Rostock, Karl-Marx-Stadt, Magdeburg, Dresden, Berlin und Erfurt, die an Leistungssportzentren darüber hinaus noch Konsultationsstützpunkte unterhielten (zum Beispiel in Neubrandenburg, Frankfurt (Oder), Jena und Oberhof). 1989 hatte die DHfK etwa 1050 Mitarbeiter. Der letzte Rektor war ab 1987 Gerhard Lehmann.

An der DHfK wurden Diplomsportlehrer und Lehrer für Körpererziehung für den Einsatz im Schul-, Breiten- und Leistungssport ausgebildet. Bis 1963 hatte die DHfK eine eigene Arbeiter-und-Bauern-Fakultät, die in einem dreijährigen Studium zum Abitur führte. Insgesamt erwarben dort rund 1800 Absolventen die Hochschulreife für die Diplomsportlehrerausbildung, aber auch für ein Studium an anderen Universitäten und Hochschulen. Durch die enge Verknüpfung von Lehre und Forschung und von Theorie und Praxis erlangte die DHfK Leipzig auch international hohe Anerkennung. Die Hochschule gab eine eigene Fachzeitschrift heraus.[3] Etwa 16.000 Studenten, darunter etwa 3700 Ausländer aus mehr als 100 Ländern, erwarben hier ihr Diplom, davon etwa 4000 Studenten im Fernstudium. Für Verdienste um Entwicklung und Ansehen dieser Sporthochschule wurde das Traditionsabzeichen der DHfK in Bronze, Silber oder Gold verliehen.

Die Abkürzung „DHfK“ tragen außerdem noch die Wasserwacht (OV Wasserwacht DHfK), die Hochschulsportgemeinschaft HSG DHfK sowie der DHfK-Fasching im Namen.

Dopingforschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die DHfK war in der DDR die Zentrale und Hochburg des staatlich betriebenen Zwangsdopingsystems.[4][5] Die Forschungen auf diesem Gebiet wurden von etwa 20 Mitarbeitern des endokrinologischen Labors des bis 1989 geheimen Forschungsinstituts für Körperkultur und Sport mit insgesamt 600 Mitarbeitern durchgeführt.[6] Von 1968 bis 1972 wurden im Rahmen einer Pilotstudie mit Leistungssportlern des SC DHfK erste Versuche zur Wirkung von Anabolika unternommen. Die Einordnung der DHfK als Hochburg der Anabolika führte auch zur Schließung der Hochschule.[7]

Sportliche Erfolge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ehemals an die DHfK angeschlossene Sportclub SC DHfK Leipzig war und ist weltweit der erfolgreichste Club der Sportgeschichte. Vor allem in den Disziplinen Leichtathletik, Schwimmen, Rudern, Kanurennsport, Handball und Radsport bestimmten Sportler dieses Clubs die Weltspitze. Sie gewannen bis zur Wende 93 olympische Medaillen und 136 WM-Titel.[8]

Dozenten und hervorgegangene Trainer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausländische Absolventen:

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerhard Lehmann et al. (Hrsg.): Deutsche Hochschule für Körperkultur 1950–1990. Entwicklung, Funktion, Arbeitsweise. Meyer & Meyer, Aachen u. a. 2007, ISBN 978-3-89899-286-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. sportmuseum-leipzig (Memento vom 7. März 2013 im Internet Archive)
  2. Arnd Krüger, Paul Kunath: Die Entwicklung der Sportwissenschaft in der SBZ und der DDR, in: W. BUSS & C. BECKER u. a. (Hrsg.): Der Sport in der SBZ und der frühen DDR. Genese – Strukturen – Bedingungen. Schorndorf: Hofmann 2001, 351 – 366.
  3. Wissenschaftliche Zeitschrift der Deutschen Hochschule für Körperkultur. WZ. 1, 1958 – 31, 1990, ISSN 0457-3919.
  4. Leipziger Marx-Relief: Charly ist zurück an der Uni, Der Spiegel, 18. August 2008
  5. Brigitte Berendonk: Doping. Von der Forschung zum Betrug. rororo, Reinbek 1992, ISBN 3-499-18677-2, S. 113
  6. Vgl. Uwe Müller/Grit Hartmann: Vorwärts und vergessen! Kader, Spitzel und Komplizen - Das gefährliche Erbe der SED-Diktatur, Berlin 2009, S. 212.
  7. Kaderschmiede Die Deutsche Hochschule für Körperkultur in Leipzig:Doping und das Ende, MDR
  8. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH: Sportstadt Leipzig: Sturz vom Olymp. 4. August 2013. Abgerufen am 14. Februar 2016.

Koordinaten: 51° 20′ 24″ N, 12° 21′ 6″ O