Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ

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Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ
Kategorie: Forschungsinstitut
Mitgliedschaft: Helmholtz-Gemeinschaft
Standort der Einrichtung: Leipzig, Halle (Saale), Magdeburg
Außenstellen: Bad Lauchstädt, Falkenberg
Art der Forschung: Umweltforschung
Fächer: Ökologie, Biologie, Physik, Mikrobiologie, Chemie, Ökotoxikologie, Gesundheit, Biotechnologie, Hydrologie, Hydrogeologie, Informatik, Ökonomie, Sozialwissenschaft, Rechtswissenschaft
Grundfinanzierung: Bund (90 %), Land Sachsen-Anhalt (5 %), Land Sachsen (5 %)
Leitung: Georg Teutsch (wissenschaftlich), Heike Graßmann (administrativ)
Mitarbeiter: ca. 1.100 (Stand: 2015)
Homepage: www.UFZ.de
UFZ-Standort in Leipzig
Gespräch von Holger Klein mit der Leiterin der Presseabteilung Doris Böhme über die Forschung am UFZ.[1]

Das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ (bis 28. November 2006: UFZ–Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle GmbH) beschäftigt sich mit der Grundlagenforschung und angewandten Forschung in den Bereichen „Erde und Umwelt“, „Gesundheit“ und „Energie“ der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.

Das UFZ wurde am 12. Dezember 1991 gegründet. Seinen Forschungsbetrieb hat es am 2. Januar 1992 aufgenommen.

Hauptstandorte sind Leipzig, Halle und Magdeburg. Dazu kommen noch Standorte in Bitterfeld, Bad Lauchstädt und Altmärkische Wische, Ortsteil Falkenberg. Am UFZ arbeiten rund 1100 Mitarbeiter.

Ausrichtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als internationales Kompetenzzentrum für Umweltwissenschaften untersucht das UFZ Wechselwirkungen zwischen Mensch und Natur unter dem Einfluss des globalen Wandels. Die Forschungsarbeiten der Wissenschaftler konzentrieren sich auf die terrestrische Umwelt – auf dicht besiedelte städtische und industrielle Ballungsräume, auf Agrarlandschaften sowie naturnahe Landschaften. Sie befassen sich mit Fragen künftiger Landnutzung, der Erhaltung von biologischer Vielfalt und von Ökosystemdienstleistungen, dem nachhaltigen Management von Boden- und Wasserressourcen und der Wirkung von Chemikalien auf Mensch und Umwelt – von der Ebene einzelner Zellen und Organismen bis auf die regionale Skala.

Ein Charakteristikum der UFZ-Arbeit ist integrierte Umweltforschung, die disziplinäre Grenzen zwischen Natur- und Sozialwissenschaften zu überwinden versucht (Interdisziplinarität) und Entscheidungsträger aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft einbezieht (Transdisziplinarität). Große wissenschaftliche Infrastrukturen wie Klima- und Landnutzungsexperimente, Plattformen und Technologien für Umweltmonitoring, Modellierung und Visualisierung von der Zell- bis zur Landschaftsskala werden im Rahmen nationaler und internationaler Kooperationen und Netzwerke genutzt.

Das Ziel der UFZ-Forschung ist es, Wege zur Vereinbarkeit der gesellschaftlichen Entwicklung mit einer gesunden Umwelt aufzuzeigen.

Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entnahme einer Wasserprobe
Einfluss von Chemikalien auf die Umwelt
Straßenszene in Santiago de Chile
Wald-Klima-Observatorium im Harz
Visualisierungszentrum am UFZ in Leipzig

Die Forschung am UFZ konzentriert sich auf drei Kernthemen, die durch drei Querschnittsthemen untersetzt sind. Die Kernthemen entsprechen drei der fünf Forschungsschwerpunkte (Topics) der Helmholtz-Gemeinschaft, an denen das UFZ beteiligt ist. Diese drei Schwerpunkte werden am UFZ koordiniert. Des Weiteren ist das UFZ an den Forschungsschwerpunkten Nachhaltige Pflanzenproduktion (koordiniert am Helmholtz-Zentrum München) sowie Terrestrische Systeme: Von der Beobachtung zur Vorhersage (koordiniert gemeinsam mit dem Forschungszentrum Jülich). Innerhalb der Forschungsschwerpunkte ist die Arbeit in sogenannten Integrierten Projekten (IPs) organisiert. Die Forschungsschwerpunkte des UFZ werden von international renommierten Gutachtern in fünfjährigen Abständen auf wissenschaftliche Exzellenz und strategische Relevanz im Rahmen der Programmorientierten Förderung (POF) der Helmholtz-Gemeinschaft evaluiert.

Die Kernthemen der UFZ-Forschung sind:

  • Landnutzung / Biodiversität / Ökosystemleistungen / Erneuerbare Energien
  • Nachhaltiges Management von Wasserressourcen
  • Chemikalien in der Umwelt / Gesundheit

Die Querschnittskompetenzen sind:

  • Sozialwissenschaftliche Forschung
  • Monitoring / Observatorien (u. a. TERENO, GCEF, MOSAIC)
  • Modellierung / Visualisierung

Kernthema Landnutzung / Biodiversität / Ökosystemleistungen / Erneuerbare Energien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In dem Kernthema erforschen Natur- und Sozialwissenschaftler am UFZ, welchen Einfluss und Folgen Klimawandel, Landnutzungsänderungen, biologische Invasionen oder Schadstoffe auf Artengemeinschaften und Ökosysteme haben. Die Arbeit zu diesem Kernthema ist in den IPs Neue Ökosysteme, Landnutzungskonflikte, Urbane Transformationen sowie Raumwirksamkeit der Energiewende organisiert.

Kernthema Nachhaltiges Management von Wasserressourcen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wissenschaftler am UFZ untersuchen unter anderem Wasser- und Stoffströme in Flusseinzugsgebieten. Sie betrachten Prozesse in aquatischen Ökosystemen in ihrer Gesamtheit – von der Hydrologie bis zur Ökologie, von einzelnen Gewässerorganismen bis zu Lebensgemeinschaften, von einzelnen Chemikalien bis zu Schadstoffmischungen. Sie wollen verstehen und quantifizieren, wann, wo und wie Stoffe mobilisiert, transportiert und umgesetzt werden und welche Folgen das für Gewässer, Gewässerorganismen und ihre Funktionen hat. Das Kernthema umfasst die IPs Einzugsgebiete, Aquatische Ökosysteme und Wasserknappheit.

Kernthema Chemikalien in der Umwelt / Gesundheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wissenschaftler am UFZ erarbeiten systematische Ansätze zum Umweltverhalten von Chemikalien und verknüpfen Wissen um die Struktur von Chemikalien mit deren Reaktivität und Abbaubarkeit in der Umwelt. Sie wollen Schlüsselfaktoren identifizieren, die ein Ökosystem gegenüber Chemikalien robust machen und die dabei helfen, Schadstoffe effektiv abzubauen. Beispielsweise wollen sie mithilfe von Laborexperimenten und Simulationsmodellen verstehen, wie die Ökosystemfunktion „biologischer Abbau“ funktioniert. Beteiligte IPs sind Umweltverhalten von Chemikalien und Exposom.

Querschnittsthema Sozialwissenschaftliche Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein besonderes Merkmal des Forschungsprofils des UFZ ist die Integration von Ökonomen, Juristen, Soziologen und Politikwissenschaftler in die Forschungsschwerpunkte biologische Vielfalt, Landnutzung, Energie der Zukunft, Wasserressourcen, Boden sowie Chemikalien in der Umwelt.

Querschnittsthema Monitoring / Observatorien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das langfristige Monitoring von Auswirkungen des Klima- und Landnutzungswandels auf terrestrische Ökosysteme und Ökosystemleistungen auf unterschiedlichen Skalen ist ein bedeutendes Thema am UFZ. Dazu werden sowohl Methoden als auch Mess- und Sensorgeräte entwickelt. Beispiele entsprechender Einrichtungen sind das Helmholtz-Projekt TERENO (Terrestrial Environmental Observatories), an dem sechs Helmholtz-Zentren beteiligt sind, sowie das Klimaexploratorium GCEF (Global Change Experimental Facility) in Bad Lauchstädt, ein langfristiger Großversuch zum Klima- und Landnutzungswandel.

Querschnittsthema Modellierung / Visualisierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am UFZ entwickeln Forscher unter anderem numerische Methoden und wissenschaftliche Software, um aus Daten zu Umweltprozessen Simulationen und Visualisierungen im 3D-Visualisierungszentrum des Zentrums (VIsLab) zu erstellen.

Die Forschungsstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Strukturell ist die Forschung am UFZ in 38 Departments organisiert.

Die Forschungsstruktur des UFZ

Die große Zahl der Departments verdeutlicht die fachliche Breite und Vielfalt am UFZ. Organisatorisch gebündelt sind die Departments in sieben Fachbereichen:

  1. Umweltmodellierung und Monitoring
  2. Wasser- und Bodenforschung
  3. Terrestrische Ökologie
  4. Umwelttechnologie
  5. Ökotoxikologie
  6. Gesundheitsforschung
  7. Sozialwissenschaften

Fachbereiche und ihre Departments[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fachbereich: Terrestrische Ökosysteme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Fachbereich Terrestrische Ökosysteme gehören die Departments Naturschutzforschung, Biozönoseforschung, Ökosystemleistungen, Physiologische Diversität und Bodenökologie.

Im Fachbereich arbeiten über 150 Personen überwiegend an Fragestellungen aus dem Kernthema Landnutzung, biologische Vielfalt, Ökosystemleistungen und Erneuerbare Energien. Sprecher des Fachbereichs ist Stefan Klotz. Das Department Ökosystemleistungen / Ecosystem Services ist eine Kooperation mit dem iDiv, Departmentleiterin ist Aletta Bonn.

Fachbereich: Wasser- und Bodenforschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Fachbereich Wasser- und Bodenforschung gehören die Departments Seenforschung, Fließgewässerökologie, Aquatische Ökosystemanalyse, Bodenphysik, Hydrogeologie und Catchment Hydrology. Mehr als 150 Personen arbeiten überwiegend an Fragestellungen aus dem Kernthema Nachhaltiges Management von Wasserressourcen. Sprecher des Fachbereichs ist Dietrich Borchardt.

Fachbereich: Umweltsystemmodellierung und Monitoring[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Fachbereich Umweltsystemmodellierung und Monitoring gehören die Departments Landschaftsökologie, Hydrosystemmodellierung, Umweltinformatik, Ökologische Systemanalyse sowie Monitoring- und Erkundungstechnologien.

Der Fachbereich soll dazu beitragen, zuverlässigere Aussagen für regionale hydrologische und ökologische Systeme zu gewinnen. Dazu werden mehrskalige hydrologische und ökologische Modelle sowie mehrskalige Mess- und Monitoringstrategien entwickelt und terrestrische Langzeitobservatorien wie TERENO aufgebaut und betrieben. Der Fachbereich bearbeitet Fragestellungen aus allen drei Kernthemen. Sprecherin des Fachbereichs ist Sabine Attinger.

Fachbereich: Umwelttechnologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Fachbereich Umwelttechnologie gehören die Departments Umweltmikrobiologie, Isotopenbiogeochemie, Technische Umweltchemie, Grundwassersanierung, Umweltbiotechnologie, Bioenergie das Umwelt- und Biotechnologische Zentrum (UBZ) sowie Solare Materialien. Der Fachbereich bearbeitet Fragestellungen insbesondere aus den Kernthemen Nachhaltiges Management von Wasserressourcen sowie Chemikalien in der Umwelt. Sprecher des Fachbereichs ist Hauke Harms.

Fachbereich: Ökotoxikologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Fachbereich Ökotoxikologie gehören die Departments Analytik, Wirkungsorientierte Analytik, Ökologische Chemie, Bioanalytische Ökotoxikologie, System-Ökotoxikologie, Zelltoxikologieund Analytische Umweltchemie. Der Fachbereich bearbeitet überwiegend Fragestellungen aus dem Kernthema Chemikalien in der Umwelt. Sprecher des Fachbereichs ist Gerrit Schüürmann.

Fachbereich: Gesundheitsforschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Fachbereich Gesundheitsforschung gehören die Departments Umweltimmunologie, Metabolomics und Proteomics, die überwiegend Fragestellungen aus dem Kernthema Chemikalien in der Umwelt bearbeiten. Sprecherin des Fachbereichs ist Irina Lehmann.

Fachbereich: Sozialwissenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Fachbereich Sozialwissenschaften gehören die Departments Ökonomie, Stadt- und Umweltsoziologie, Umwelt- und Planungsrecht sowie Umweltpolitik. Sprecher des Fachbereichs ist Bernd Hansjürgens.

Der Fachbereich bündelt die Erforschung von Beziehungen und Zusammenhängen zwischen menschlichen/gesellschaftlichen Systemen und natürlichen Systemen. Das Ziel ist es dabei, die Bedingungen und Umsetzungsmöglichkeiten eines umwelt- und sozialverträglichen Lebens und Wirtschaftens zu untersuchen.

Im Fachbereich arbeiten ca. 100 Mitarbeitern (2013). Da der Fachbereich Querschnittscharakter hat und Fragestellungen aller Kernthemen bearbeitet, gibt es neben den vier Departments des Weiteren sieben Arbeitsgruppen, die sich aus unterschiedlichen Experten der Departments zusammensetzen: Governance und Institutionen, Naturschutz und Biodiversität, Sozialwissenschaftliche Wasserforschung, Stadt- und Regionalforschung, Klimawandel, Energie und Geomatik.

Kooperationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das UFZ kooperiert sowohl mit deutschen Behörden, als auch mit Universitäten und Institutionen weltweit. Einige Projekte werden mit den Bundesamt für Naturschutz und dem Land Sachsen und Sachsen-Anhalt durchgeführt.

Zusammen mit den Universitäten Halle, Jena und Leipzig sowie mehreren anderen Forschungsinstituten betreibt das UFZ seit 2012 das Deutsche Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv).

Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das UFZ wird zu 90 % von der Bundesrepublik Deutschland und zu jeweils 5 % von den Bundesländern Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.

Mitarbeiter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am UFZ arbeiten rund 1.050 Personen (Stand 2016).

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das UFZ gibt eine Reihe von Broschüren, Thesenpapieren und weiteren Publikationen heraus. Jährlich erscheint ein Jahresbericht über die Arbeit des Zentrums. Eine Übersicht der Publikationen ist auf der Internetseite des UFZ zu finden.[2]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Resonator-Podcast der Helmholtz-Gemeinschaft: Das UFZ in Leipzig (Folge 7, 17. Juni 2013)
  2. Informationen und Publikationen, UFZ

Koordinaten: 51° 21′ 8″ N, 12° 25′ 44″ O