U 455

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U 455
(vorheriges/nächstesalle U-Boote)
Wappen Forst (Lausitz).svg
Stadtwappen von Forst, Patenstadt des Bootes
Typ: VII C
Feldpostnummer: 03 850
Werft: Deutsche Werke, Kiel
Bauauftrag: 16. Januar 1940
Baunummer: 286
Kiellegung: 3. September 1940
Stapellauf: 21. Juni 1941
Indienststellung: 21. August 1941
Kommandanten:
  • KLt Hans-Henrich Gießler
    21. August 1941 – 22. November 1942
  • KLt Hans-Martin Scheibe
    22. November 1942 – 6. April 1944
Einsätze: 10 Unternehmungen
Versenkungen:

2 Schiffe durch Torpedo und 1 Schiff mit Minen versenkt, insgs. 14.285 BRT

Verbleib: Anfang April 1944 bei der Rückfahrt zum Stützpunkt La Spezia verschollen, 2008 im Ligurischen Meer wiederentdeckt

U 455 war ein deutsches U-Boot vom Typ VII C. Wegen seiner Verwendungsfähigkeit wurde diese U-Bootklasse auch „Atlantikboot“ genannt. U 455 wurde von der Kriegsmarine im U-Boot-Krieg des Zweiten Weltkriegs im Nord-, und Mittelatlantik, an der nordamerikanischen Ostküste und im Mittelmeer eingesetzt.

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als erste deutsche Werft fertigten die Deutschen Werke in Kiel nach dem Ersten Weltkrieg wieder U-Boote für die Reichsmarine. Erste Gespräche fanden im Jahr 1932 statt, zwei Jahre später erging, unter Umgehung der entsprechenden Bestimmungen des Versailler Vertrags ein Auftrag zum Bau kleiner U-Boote, die ab 1935 in getarnten Montagehallen unter Geheimhaltung gefertigt wurden.[1] Ansonsten waren die Kapazitäten der Werft aber mit dem Bau von Großkampfschiffen ausgelastet. Sofort nach Kriegsbeginn wurde die Werft schließlich wieder in das U-Bootbauprogramm der Kriegsmarine miteinbezogen und war für den jährlichen Ausstoß von zwölf Booten des Typs VII C vorgesehen.

Das Flottillenzeichen trug U 455 am Turm

Ein Boot dieses Typs war 67,1 m lang und 6,2 m breit. Die Höchstgeschwindigkeit bei dieselgetriebener Überwasserfahrt betrug 17 kn. Zwei Elektromotoren mit je 375 PS Leistung ermöglichten unter Wasser eine Fahrt von 7,6 kn. Am Turm führte U 455, solange es der 7. U-Flottille angehörte, deren Flottillenzeichen, den „Stier von Scapa Flow“ (siehe links). Das Stadtwappen von Forst in der Lausitz, der Patenstadt des Bootes, trug die Besatzung als Mützenabzeichen.[2]

Einsatz und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf neun Unternehmungen patrouillierte U 455 bis zum Frühjahr 1944 im Atlantik. Das Boot absolvierte dabei unter anderem zwei Minenunternehmungen und holte einen Teil der Besatzung von U 167, das vor Gran Canaria selbstversenkt worden war, von der spanischen Küste ab. Am 22. Januar 1944 passierte das Boot bei einem sogenannten 'Gibraltardurchbruch' die durch britische Seestreitkräfte gut bewachte Straße von Gibraltar.

Sommer 42 im Westatlantik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einlaufen in St Nazaire

Am 16. April 1942 lief U 455 zu seiner dritten Unternehmung aus, der, gemessen an den dabei erfolgten Versenkungen, erfolgreichsten des Bootes. Als Operationsgebiet war der westliche Atlantik, insbesondere die Ostküste der USA vorgesehen. Kapitänleutnant Hans-Heinrich Gießler griff am Morgen des 3. Mai einen britischen Tanker an, der nach einem Treffer und zwei Fehlschüssen um 7.42 Uhr nach einem Fangschuss sank.

  • 3. Mai 1942 britisches Tankschiff British Workman (Lage) mit 6.994 BRT durch Torpedo versenkt

Zwei Wochen später, in der Nacht zum 18. Mai, schoss Kommandant Gießler mehrere gleichzeitig ausgestoßene Torpedos, einen sogenannten „4er Fächer“, auf ein großes unidentifiziertes Schiff von über 12.000 BRT ab, das er als Passagierdampfer erkannt zu haben glaubte. Es wurde zwar gegen 04:00 Uhr eine Detonation festgestellt, aber keine weiteren Erkenntnisse gewonnen. Anfang April torpedierte U 455 ein weiteres Schiff.

  • 11. Juni 1942 britisches Tankschiff Geo H. Jones (Lage) mit 6.914 BRT durch Torpedo versenkt.

Am 16. Juni 1942 lief U 455 wieder in Saint-Nazaire, dem Flottenstützpunkt der 7. U-Flottille, ein.

Angriff beim Tanken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 4. Oktober 1943 wurde U 455 nördlich der Azoren nach der Verproviantierung und Treibstoffübergabe durch das Versorgungsboot U 460, einer sogenannten „Milchkuh“, von Flugzeugen des Geleiträgers USS Card angegriffen, konnte aber entkommen.[3]

Versenkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 22. Februar 1944 lief U 455 vom südfranzösischen Marinehafen Toulon zu seiner letzten Unternehmung aus. Am 2. April meldete Kommandant Scheibe dem Flottillenstützpunkt seine Absicht, die Unternehmung zu beenden und La Spezia anzulaufen. Dies war die letzte Meldung von U 455. Als Grund für den Verlust wurden technische Mängel oder menschliches Versagen angenommen.[4] Eine neuere Annahme ist, dass U 455 beim Einlaufen in La Spezia in ein deutsches Minenfeld lief und am 6. April durch Minentreffer sank.[5][6] Im Jahr 2008 wurde das Wrack im Golf von Genua gefunden, der deutsch-französische Fernsehsender arte strahlte 2015 eine Dokumentation über das U-Boot aus.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rainer Busch, Hans-Joachim Röll: Der U-Boot-Krieg 1939–1945. Band 2: Der U-Boot-Bau auf deutschen Werften. E. S. Mittler und Sohn, Hamburg u. a. 1997, ISBN 3-8132-0512-6.
  • Rainer Busch, Hans-Joachim Röll: Der U-Boot-Krieg 1939–1945. Band 3: Deutsche U-Boot-Erfolge von September 1939 bis Mai 1945. E. S. Mittler und Sohn, Hamburg u. a. 2001, ISBN 3-8132-0513-4.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Das Deutsch-britische Flottenabkommen lockerte im Jahr 1935 die Begrenzungen, in diesem Jahr gingen offiziell 75 U-Boote in Auftrag.
  2. Georg Högel: Embleme, Wappen, Malings deutscher U-Boote 1939–1945. 5. Auflage. Koehlers Verlagsgesellschaft mbH, Hamburg 2009, ISBN 978-3-7822-1002-7, S. 109.
  3. Bei diesem Zwischenfall wurden U 422 und das Versorgungsboot U 460 versenkt.
  4. Rainer Busch, Hans-Joachim Röll: Der U-Boot-Krieg 1939–1945. Band 4: Deutsche U-Boot-Verluste von September 1939 bis Mai 1945. E. S. Mittler und Sohn, Hamburg u. a. 1999, ISBN 3-8132-0514-2, S. 214.
  5. Georg Högel: Embleme, Wappen, Malings Deutscher U-Boote 1939–1945. 5. Auflage. Koehlers Verlagsgesellschaft mbH, Hamburg 2009, ISBN 978-3-7822-1002-7, S. 109.
  6. Paul Kemp: Die deutschen und österreichischen U-Boot-Verluste in beiden Weltkriegen. Urbes Verlag, Gräfelfing vor München 1998, ISBN 3-924896-43-7, S. 189.
  7. Stéphane Bégoin (Regisseur): U455 – auf den Spuren eines U-Boots. (Nicht mehr online verfügbar.) arte, archiviert vom Original am 28. August 2015; abgerufen am 28. August 2015.