Toulon
| Toulon | ||
|---|---|---|
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| Region | Provence-Alpes-Côte d’Azur | |
| Département | Var | |
| Arrondissement | Toulon | |
| Kanton | Hauptort von 9 Kantonen | |
| Gemeindeverband | Toulon Provence Méditerranée | |
| Koordinaten | 43° 8′ N, 5° 56′ O | |
| Höhe | 0–589 m | |
| Fläche | 42,84 km² | |
| Einwohner | 165.584 (1. Januar 2014) | |
| Bevölkerungsdichte | 3.865 Einw./km² | |
| Postleitzahl | 83000 | |
| INSEE-Code | 83137 | |
| Website | http://www.toulon.com | |
Der Militärhafen Toulon |
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Toulon [tuˈlõ] (okzitanisch: Tolon, italienisch: Tolone) ist die Hauptstadt des französischen Départements Var und liegt an der Mittelmeerküste am östlichen Ende des Golfe du Lion, rund 70 km südöstlich von Marseille. Die Hafenstadt hat 165.584 Einwohner (Stand 1. Januar 2014) und ist der Heimathafen der Französischen Marine im Mittelmeer (→ Militärhafen Toulon).
Inhaltsverzeichnis
Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Die Küstenregion um Toulon ist mindestens seit der Altsteinzeit von Menschen besiedelt, wie Funde in der Henry-Cosquer-Höhle gezeigt haben. Seit etwa dem 7. Jahrhundert v. Chr. bestanden Handelsniederlassungen an der Küste, die von griechischen Seefahrern aus Kleinasien gegründet worden waren. Ab etwa dem 4. Jahrhundert v. Chr. sind Kelten in der Gegend nachweisbar. Im 2. Jahrhundert v. Chr. besetzten römische Truppen die Küstenregion und gründeten die Hafenstadt Telo Martius, benannt möglicherweise nach einer ligurischen Göttin "Telo" oder von lat. tolus („Fuß eines Hügels“) und dem Kriegsgott Mars, aus der später Toulon hervorging. In der Antike war Telo Martius als ein Zentrum der Herstellung von Purpur bekannt. Gegen Ende des Römischen Reichs wurden die Stadt und Region christianisiert. Im frühen Mittelalter war die Stadt wiederholt Angriffen von Sarazenen und Piraten ausgesetzt. Nach der Angliederung der Provence an Frankreich im Jahr 1486 wurde Toulon allmählich zum Militärhafen ausgebaut. Insbesondere unter dem Minister Ludwigs XIV. Jean-Baptiste Colbert wurden die Befestigungsanlagen und Hafenanlagen nach Plänen von Sébastien Le Prestre de Vauban erweitert. Im Spanischen Erbfolgekrieg wurde die Stadt durch Koalitionstruppen im Jahr 1707 erfolglos belagert. Im 18. und 19. Jahrhundert war Toulon Ausgangspunkt für verschiedene französische Marineoperationen im Mittelmeer.
Während der Französischen Revolution war die Auslieferung Toulons im September 1793 durch Girondisten und Royalisten an die Briten Auslöser der Septemberbewegung in Paris. Am 19. Dezember 1793 eroberte nach sechswöchiger Blockade die Revolutionsarmee die Stadt und vertrieb die Briten aus dem Ort. (→Belagerung von Toulon (1793)) Dabei spielte Napoleon Bonaparte erstmals eine wichtige militärische Rolle. Nach der Einnahme der Stadt folgte ein blutiges Strafgericht durch die Jakobiner. Am 19. Mai 1798 brach Napoléon mit seiner Armee von Toulon aus zur Ägyptischen Expedition auf.
Toulons Nachbarort Sanary-sur-Mer war Exilort zahlreicher deutscher Schriftsteller in der Zeit des Nationalsozialismus: Heinrich und Thomas Mann, Arnold Zweig, Lion Feuchtwanger, Franz Hessel und Bertolt Brecht. Am 27. November 1942 besetzten deutsche Truppen im Rahmen des Unternehmens Lila Toulon. Um nicht in deutsche Hände zu fallen, versenkte sich daraufhin die in Toulon ankernde französische Flotte selbst (Selbstversenkung der Vichy-Flotte). Der 24. November 1943 brachte der Stadt den schwersten alliierten Bombenangriff mit rund 500 Toten.
Hitler ernannte im Januar 1944 alle wichtigen Hafenstädte im Westen – so auch Toulon – zur „Festung“ – eine vor allem symbolische Handlung. In OKW-Befehlen von Februar 1944 zur Verteidigung von Festungen wurde befohlen, „bis zum letzten Mann“ zu kämpfen und keinesfalls zu kapitulieren. Dies geschah in keiner der Hafenstädte; eine Woche nach der Einschließung kapitulierten die deutschen Truppen in Toulon.[1]
1968 wurde die Universität Toulon-Var gegründet. Die Gendarmerie Maritime richtete ihr Nationales Ausbildungszentrum (C.N.I.G.M) in Toulon ein.
1995 erreichte die rechtsextreme Partei Front National bei Kommunalwahlen in Toulon erstmals in einer französischen Großstadt die Mehrheit und stellte mit Jean-Marie Le Chevallier den Bürgermeister; dieser wurde 2001 von Hubert Falco (UMP) abgelöst.
| Jahr | Einwohner |
![]() |
|---|---|---|
| 1962 | 161.797 | |
| 1968 | 174.746 | |
| 1975 | 181.801 | |
| 1982 | 179.423 | |
| 1990 | 167.619 | |
| 1999 | 160.639 | |
| 2006 | 167.816 |
Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Beschreibung: In Blau ein durchgehendes goldenes Kreuz.
Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Die Bürgermeister seit 1900:
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Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Stadt zählen unter anderem:
- Place Puget mit der Fontaine aux Dauphins (1780)
- Place Raimu mit Oper
- Place de la Liberté
- Kathedrale Sainte-Marie de la Seds, Bischofskirche des Bistums Fréjus-Toulon
- Mont Faron (542 m) mit Zoologischem Garten
- Fort Balaguier
- Le Musée national de la Marine
- Le Marché du Cours Lafayette
- Les Anciennes Fortifications de la Rade
- Denkmal 'Heinrich Heine' im Botanischen Garten / Mourillon. Das Heine-Denkmal wurde von Louis Hasselriis 1873 im Auftrage der Kaiserin Elisabeth von Österreich-Ungarn für den Park ihres Schlosses Achilleion auf Korfu geschaffen. Nachdem Kaiser Wilhelm II. das Schloss erworben hatte, wurde das Denkmal entfernt und gelangte zuerst nach Hamburg und schließlich nach Toulon.
Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Bedeutendste Wirtschaftszweige sind der Schiffbau sowie der Handel, der über den Hafen abgewickelt wird. Auch das Militär ist ein bedeutender Arbeitgeber.
Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Neben dem Hafen, von dem aus Schiffsverbindungen u.a. nach Korsika und zu den Îles d’Hyères angeboten werden, existiert ein Fernbahnhof an der Bahnstrecke Marseille–Ventimiglia mit Verbindungen nach Marseille und Nizza. Beide Städte sind auch über die Küstenautobahnen A50 (Marseille) und A57 (Nizza) zu erreichen, die Toulon untertunneln. Der Flughafen Toulon-Hyères liegt ca. 20 km östlich von Toulon, zu erreichen über die A570 bzw. mit dem Airport-Bus von Sodetrav. Von dort aus gibt es Flüge unter anderem nach Paris-Orly und London-Stansted (Stand: Februar 2006). Der nächste größere Flughafen ist Marseille-Marignane.
Partnerstädte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Toulon unterhält Städtepartnerschaften mit Mannheim (Deutschland) sowie mit den (Kriegs-)Hafenstädten La Spezia (Italien), Norfolk (Virginia, USA) und Kronstadt (Russland). Zudem ist Toulon Mitglied des Bundes der europäischen Napoleonstädte.[3]
Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Jordan Amavi (* 1994), Fußballspieler
- Ludwig II. (Anjou) (1377–1417), König von Neapel und Graf der Provence
- Daniel de Rémy de Courcelle (1626–1698), 1665 bis 1672 Gouverneur von Neufrankreich
- Gaspard-Joseph Chaussegros de Léry (1682–1756), ab 1716 königlicher Ingenieur, Erbauer der Stadtmauern von Montréal von 1717 bis 1744
- Jean-Baptiste Eugène Abel (1863–1921), Politiker
- Hyacinthe Aube (1826–1890), Admiral und Gouverneur von Martinique
- Gilbert Bécaud (1927–2001), Chansonnier
- Bruno Bellone (* 1962), Fußballspieler
- Capucine (1928–1990), Schauspielerin
- Sandie Clair (* 1988), Bahnradsportlerin
- Lúcio Costa (1902–1998), brasilianischer Architekt und Stadtplaner französischer Herkunft
- Mireille Darc (* 1938), Schauspielerin
- Georges Darrieus (1888–1979), Ingenieur
- Anne Golon (1921–2017), Schriftstellerin
- Pierre-Alain Goualch (* 1973), Jazzmusiker
- Jacques Le Goff (1924–2014), Historiker
- Jean-Félicité-Théodore Ortolan (1808–1874), Seerechtsexperte
- Joseph-Louis-Elzéar Ortolan (1802–1873), Jurist und Schriftsteller
- Tony Petrucciani (* 1936), Jazzmusiker
- Sébastien Squillaci (* 1980), Fußballspieler
- Laurent Truguet (1752–1839), Admiral und Politiker
- Jean-Antoine Verdier (1767–1839)
- Philippe Vitel (* 1955), Arzt und Politiker
Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Maurice Arreckx:
- Vivre sa ville. La Table ronde, Paris 1982
- Toulon, ma passion, 1985
- Jean-Pierre Thiollet: Le Chevallier à découvert. Laurens, Paris 1998
Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Toulon : zwischen Militärtradition und modernem Tourismus – Frankreichs offizielle Website (deutsch)
- Offizielle Seite
- Aéroport Toulon-Hyères
- Toulon.org (französisch)
- Toulonnais.com (französisch)
Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- ↑ Peter Lieb: Konventioneller Krieg oder Weltanschauungskrieg? Kriegführung und Partisanenbekämpfung in Frankreich 1943/44. Oldenbourg Verlag, 2007, S. 484 (online bei google books)
- ↑ INSEE: Bevölkerungsentwicklung von Toulon 1962-1999
- ↑ Jumelages: Toulon et ses villes jumelées (Französisch) Mairie d'honneur de Toulon. Abgerufen am 15. Februar 2015.
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