Ulf Lundell

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Ulf Lundell (2005)

Ulf Gerhard Lundell (Aussprache: [ˌɵlːf lɵnˈdɛlː], * 20. November 1949 in Stockholm) ist ein schwedischer Schriftsteller, Rocksänger, Songschreiber, Maler und Poet.

Lundell gehört seit seinem Debütalbum Vargmåne von 1975 zu den beliebtesten Musikern Schwedens und seit dem Debütroman Jack (1976) zugleich zu den erfolgreichsten schwedischsprachigen Schriftstellern seiner Generation. Bis heute veröffentlichte er 18 Romane, von denen einige auch in andere Sprachen übersetzt wurden (allerdings nicht ins Deutsche), sowie vier Gedichtbände. Noch produktiver ist er als Musiker mit bis heute 31 Studio- und 5 Livealben. Bislang hat Lundell mindestens 1,6 Millionen Bücher und 2,5 Millionen Platten verkauft. Seine Rockballade Öppna landskap, die die Schönheit der schwedischen Landschaft im Sommer beschreibt, wird von vielen Schweden als inoffizielle Nationalhymne bezeichnet. Einen Höhepunkt seiner Karriere erreichte er in den 1980er Jahren, wo er auch dreimal (1982, 1983 und 1985 sowie nochmals 2007) als sommarvärd („Sommerwirt“) in die beliebte Sommersendung in Sveriges Radio eingeladen wurde. Aber auch zwischen 1996 und 2013 erreichten zehn seiner Alben und eine Single (S:t Monica) die Nr. 1 in den schwedischen Charts.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lundell stammt aus einer Arbeiterfamilie und wuchs erst im Stockholmer Stadtteil Södermalm und ab 1958 im Vorort Saltsjö-Boo auf. Mit zehn Jahren erhielt er seine erste Gitarre. Nachdem er 1967 die Schule ohne Abschluss verlassen hatte, arbeitete er in verschiedenen Berufen und schrieb daneben Songs und Gedichte, die er, fast immer ohne Erfolg, Plattenfirmen und Verlagen anbot. 1970 und 1972 wurden Texte Lundells von Ulf Neidemar und Pugh Rogefeldt auf Platten herausgebracht; 1972 erschien ein erster Gedichtband im Selbstverlag, während einzelne Gedichte in Anthologien gedruckt wurden.[1] Auch mit seinen Auftritten als Musikern und mit Demotapes hatte Lundell jahrelang keinen Erfolg, bis EMI 1975 das Debütalbum Vargmåne bei Harvest Records herausbrachte. Die LP, die unter anderem eine Coverversion von John Mayalls Walking on Sunset (Jag går på promenaden) und die späteren Erfolge Stockholms City und Sextisju Sextisju enthielt, wurde aber erst im folgenden Jahr ein Bestseller, nachdem Lundells Debütroman Jack ihm in ganz Skandinavien einen Durchbruch bescherte. Das autobiografisch gefärbte Buch traf das Lebensgefühl seiner Generation und ist der bis heute erfolgreichste Erstlingsroman in der schwedischen Verlagsgeschichte mit einer Gesamtauflage von bisher 350.000 Stück. 1977 wurde es von Jan Halldoff verfilmt.

Zwischen 1977 und 1989 veröffentlichte Lundell in fast jedem Jahr ein Studioalbum und/oder einen Roman. Auch der zweite Roman Sömnen von 1977 über einen erfolglosen Rockmusiker wurde ein Erfolg, ebenso wie die Verfilmung von 1984 durch Lennart Svensson. Das vierte Album Nådens År, auf dem er mit Agnetha Fältskog das Lied Snön faller och vi med den sang, erschien 1978 und wurde als Goldene Schallplatte ausgezeichnet. In diesem Jahr heiratete er Barbro Zackrisson, mit der er drei Kinder hatte, darunter die Journalistin Sanna Lundell, und zog nach Åre in Nordschweden. 1982 erschien das Album Kär Och Galen, das mit vierfacher Platin-Auszeichnung sein größter Erfolg wurde. Hier ist das (später auch in Coverversionen erfolgreiche) Lied Öppna landskap enthalten.

Die folgenden Jahre waren durch die Scheidung von der ersten Frau und durch Alkoholprobleme gekennzeichnet. Die düstere Stimmung spiegelt sich in dem Doppelalbum Den vassa eggen von 1985, dem dritten Nr.-1-Album seiner Karriere. Nach einer missglückten Tournee machte Lundell 1987 eine Entziehungskur und wandte sich dem christlichen Glauben zu. Er ließ sich 1988 in der zur Evangeliska Frikyrkan gehörenden Ebeneserkyrkan taufen und zeigte seine neue Glaubenshaltung auf dem 1988 erschienenen Album Evangeline und in der 1989 veröffentlichten Autobiographie En varg söker sin flock. Die 1989 eingegangene Ehe mit Fredrika Stjärne hielt aber nur bis 1991. Seit 1989 wirkt Lundell auch als Maler; in Simrishamn betreibt er eine eigene Galerie namens Rockhead Art.

Ulf Lundell (2012)

Mit dem allein produzierten Album Måne över Haväng von 1992, das in den Charts die Nr. 2 erreichte, begann eine vor allem als Musiker wieder sehr produktive Periode. 1994 gründete Lundell "Rockhead Studios AB", seine eigene Produktionsfirma. Die Texte aus dieser Zeit sind stark sozialkritisch ausgerichtet, die Lieder zunehmend unmelodisch, mit Ausnahme des Doppelalbums På andra sidan drömmarna, in dem er mit dem Tschechischen Nationalen Symphonieorchester zusammenarbeitete und das sich 22 Wochen in den Charts hielt, nachdem es auf Nr. 1 eingestiegen war. Mit Friheten veröffentlichte er 1999 nach siebenjähriger Pause wieder einen Roman. Das Album I Ett Vinterland im Jahr 2000, sein am zweitbesten verkauftes Album, markiert eine Rückkehr zum melodischen Rock der frühen 1990er Jahre. Auch die Folgealben wurden in Schweden Nr.-1-Erfolge. Zwischen 2014 und 2017 war Lundell mit Sofia Möller verheiratet. Mehrfach kündigte er an, keine Tourneen mehr machen zu wollen; die letzte fand 2018 statt. Noch 2019 veröffentlichte er einen Roman und ein Album.

Musikalische und literarische Charakterisierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lundell hat mehrfach erklärt, dass Bob Dylan, Bruce Springsteen und der niederländisch-schwedische Liedermacher Cornelis Vreeswijk seine größten musikalischen Vorbilder seien. Später orientierte er sich auch an Neil Young und Crazy Horse. Literarische Einflüsse stammen unter anderem von Allen Ginsberg und Ernest Hemingway.

Der Roman Jack hat als deutliches Vorbild Jack Kerouacs Unterwegs und handelt vor allem von der Rebellion des Protagonisten Jack Råstedt gegen das beschränkte Leben des Durchschnittsschweden in den Nachwehen des politischen Aufruhrs Ende der 1960er Jahre sowie von der schwierigen Selbstfindung des Helden.

Seine in munter sprudelnder Prosa geschriebenen Bücher kreisen oft um die Themen Freiheit und Unangepasstheit und eine als kommerzialisiert und verdummt empfundene Gesellschaft. Eines von Lundells wiederkehrenden Themen ist darüber hinaus der Verlust des und die Suche nach einem Vater, ein anderes das zwischengeschlechtliche Verhältnis und die Liebe zum Weiblichen, aber auch die Angst, allzu sehr von Frauen abhängig und erstickt zu werden. Ebenso handeln seine Bücher oft von übermäßigem Alkoholkonsum, Musik und Literatur. Im Mittelpunkt steht bei alledem zumeist eine Künstlerfigur – sei es ein Schriftsteller, ein Musiker, ein Maler oder ein Filmemacher – und dessen Konflikt mit dem Leben und der Gesellschaft.

Bei einer Ende 1997 durchgeführten Umfrage von schwedischen Bibliotheken zu den besten schwedischen Büchern des letzten Jahrhunderts landeten gleich vier Werke von Lundell unter den Top 100: 16. Jack, 48. Saknaden, 78. Vinter i paradiset, 92. Kyssen.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Romane
  • 1976: Jack
  • 1977: Sömnen
  • 1979: Vinter i paradiset
  • 1981: Kyssen
  • 1983: Hjärtats ljus
  • 1987: Tårpilen
  • 1992: Saknaden
  • 1999: Friheten
  • 2003: Frukost på en främmande planet
  • 2004: Mer än hennes mun
  • 2005: Värmen
  • 2008: Vädermannen
  • 2011: Allt är i rörelse
  • 2014: Visenterna
  • 2018: Vardagar
  • 2019: Vardagar 2
  • 2019: Vardagar 3
Autobiografie
  • 1989: En varg söker sin flock
Lyrische Prosa
  • 2010: En öppen vinter
Gedichtbände
  • 1972: Modus Vivendi, Molngrabb! (Neuausgabe 2006)
  • 1979: Fruset guld
  • 1981: Det är långt mellan lycka och leda
  • 1984: Tid för kärlek
Theater
  • 2009: 6 pjäser

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Studioalben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Titel Höchstplatzierung, Gesamtwochen, AuszeichnungChartsChartplatzierungen[2]
(Jahr, Titel, Plat­zie­rungen, Wo­chen, Aus­zeich­nungen, Anmer­kungen)
Anmerkungen
SE SE
1975 Vargmåne SE38
(7 Wo.)SE
1976 Törst SE12
(9 Wo.)SE
1978 Nådens år SE4
(10 Wo.)SE
1979 Ripp rapp SE3
(12 Wo.)SE
1980 Längre inåt landet SE2
(8 Wo.)SE
1982 Kär och galen SE1
(14 Wo.)SE
1984 Sweethearts SE1
(6 Wo.)SE
12 sånger SE12
(4 Wo.)SE
1985 Den vassa eggen SE1
(9 Wo.)SE
1987 Det goda livet SE5
(5 Wo.)SE
1988 Evangeline SE5
(8 Wo.)SE
1989 Utanför murarna SE7
(5 Wo.)SE
1993 Måne över Haväng SE2
(10 Wo.)SE
1994 Xavante SE2
(12 Wo.)SE
1996 På andra sidan drömmarna SE1
(22 Wo.)SE
1997 Män utan kvinnor SE4
(8 Wo.)SE
1998 Slugger SE1
(6 Wo.)SE
1999 Fanzine SE6
(6 Wo.)SE
2000 I ett vinterland SE1
(22 Wo.)SE
2002 Club Zebra SE1
(12 Wo.)SE
2003 En eld ikväll SE1
(8 Wo.)SE
2004 Ok Baby Ok SE1
(12 Wo.)SE
2005 Högtryck SE1
(15 Wo.)SE
Lazarus SE2
(7 Wo.)SE
2008 Omaha SE1
(17 Wo.)SE
2012 Rent förbannat SE1
(20 Wo.)SE
2013 Trunk SE1
(9 Wo.)SE
2018 Skisser SE2
(3 Wo.)SE
2019 Tranorna kommer SE3
(5 Wo.)SE
Omaha: ruff SE18
(1 Wo.)SE
Nicht abgemischte Fassung des gleichnamigen Albums von 2008

Weitere Studioalben

  • 2010: En öppen vinter

Livealben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Titel Höchstplatzierung, Gesamtwochen, AuszeichnungChartsChartplatzierungen[2]
(Jahr, Titel, Plat­zie­rungen, Wo­chen, Aus­zeich­nungen, Anmer­kungen)
Anmerkungen
SE SE
1977 Natten hade varit mild och öm SE10
(9 Wo.)SE
1993 Maria kom tillbaka SE3
(7 Wo.)SE
1996 Bosnia SE4
(10 Wo.)SE
2011 Roskilde Orange Stage 1999 SE4
(5 Wo.)SE
Unplugged Solo SE3
(9 Wo.)SE

Kompilationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Titel Höchstplatzierung, Gesamtwochen, AuszeichnungChartsChartplatzierungen[2]
(Jahr, Titel, Plat­zie­rungen, Wo­chen, Aus­zeich­nungen, Anmer­kungen)
Anmerkungen
SE SE
1991 Livslinjen 1975–91 SE22
(5 Wo.)SE
1992 Preskriberade romanser 1978–1988 SE4
(8 Wo.)SE
1995 Öppna landskap 75–95 SE3
(52 Wo.)SE
Slutna rum 75–95 SE13
(11 Wo.)SE
2006 När jag kysser havet – Det bästa 1: 75–84 SE16
(18 Wo.)SE
Danielas hus – Det bästa 2: 84–94 SE23
(6 Wo.)SE
Venus & Jupiter – Det bästa 3: 95–05 SE20
(6 Wo.)SE
2007 Under vulkanen, 1972–2007 SE18
(1 Wo.)SE
2012 Original Album Series SE44
(1 Wo.)SE
2015 40! SE3
(6 Wo.)SE
2019 Hemåt genom rift valley 1975-2015 SE12
(2 Wo.)SE

Weitere Kompilationen

  • 1981: Innan jag anfölls av indianerna
  • 1995: Rebeller
  • 1999: Når jeg kysser havet

Singles[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Titel
Album
Höchstplatzierung, Gesamtwochen, AuszeichnungChartsChartplatzierungen[2]
(Jahr, Titel, Album, Plat­zie­rungen, Wo­chen, Aus­zeich­nungen, Anmer­kungen)
Anmerkungen
SE SE
1979 (Oh la la) Jag vill ha dig
Ripp rapp
SE15
(2 Wo.)SE
1982 Snart kommer änglarna att landa
Preskriberade romanser 1978-1981
SE10
(5 Wo.)SE
1987 För din skull
SE5
(3 Wo.)SE
1989 Skjut mej med din lyckopil
Utanför murarna
SE17
(1 Wo.)SE
1991 Pojkarna längst fram
SE15
(4 Wo.)SE
1993 Måne över haväng
Måne över haväng
SE21
(2 Wo.)SE
1995 Lejon på Gotland
SE30
(7 Wo.)SE
Jag hade en älskling en gång
SE29
(6 Wo.)SE
1996 Folket bygger landet
På andra sidan drömmarna
SE10
(12 Wo.)SE
Upp!
På andra sidan drömmarna
SE10
(7 Wo.)SE
1997 Av himlen sänd
SE6
(5 Wo.)SE
1998 Ärrad och bränd
Slugger
SE7
(3 Wo.)SE
Vartän du reser
Slugger
SE34
(2 Wo.)SE
2000 Om sommaren
SE3
(8 Wo.)SE
2001 Tillsammans vi två
SE3
(15 Wo.)SE
2002 S:t Monica
Club Zebra
SE1
(10 Wo.)SE
Gå ut och var glad
Club Zebra
SE3
(7 Wo.)SE
Fyra hjul som rullar
Club Zebra
SE38
(6 Wo.)SE
2005 Vitt regn
Högtryck
SE2
(9 Wo.)SE
Människa med människa
Högtryck
SE17
(9 Wo.)SE
2008 Hitza hitz
Omaha
SE17
(4 Wo.)SE
2009 Lilla kärleken / Hemåt igen
Omaha
SE20
(3 Wo.)SE

Videoalben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2006: Live på Tyrol
  • 2009: Club Zebra

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jens Peterson: Full fart genom evigheten. En bok om Ulf Lundell. Wahlström & Widstrand 1983.
  • Måns Ivarsson: Vill du ha din frihet så får du ta den. Ordupplaget 2007 (Biografie über Ulf Lundell).
  • Håkan Lahger: Den vassa eggen - Ulf Lundells kreativa kaos. Norstedts 2008.
  • Christer Olsson: 30 år med Ulf Lundell. Intervjuer och artiklar 1977-2007. Anderson Pocket 2009.
  • Andreas Ekström: Jag kräver att ni läser vaket och långsamt. Atlas, 2009 (Interviews mit Ulf Lundell)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Ulf Lundell – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Leif Wilehag: Från ett hoppfullt sjuttiotal auf der Website Alba.nu, abgerufen am 22. Mai 2020.
  2. a b c d Chartquellen: SE