Utqiaġvik

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Utqiaġvik
Utqiaġvik in der kurzen eisfreien Zeit (2014)
Utqiaġvik in der kurzen eisfreien Zeit (2014)
Lage in Alaska
Utqiaġvik (Alaska)
Utqiaġvik (71° 17′ 38″ N, 156° 45′ 45″W)
Utqiaġvik
Basisdaten
Gründung: 8. Juni 1959
Staat: Vereinigte Staaten
Bundesstaat: Alaska
Borough: North Slope Borough
Koordinaten: 71° 18′ N, 156° 46′ WKoordinaten: 71° 18′ N, 156° 46′ W
Zeitzone: Alaska (UTC−9/−8)
Einwohner: 4.416 (Stand: 2020)
Bevölkerungsdichte: 93 Einwohner je km2
Fläche: 55,2 km2 (ca. 21 mi²)
davon 47,6 km2 (ca. 18 mi²) Land
Höhe: 3 m
Vorwahl: +1 907
FIPS: 02-05200
GNIS-ID: 1398635
Website: www.utqiagvik.us
Welcome to Barrow, Alaska.jpg

Utqiaġvik (bis 2016: Barrow) ist eine Stadt im North Slope Borough im Bundesstaat Alaska in den Vereinigten Staaten. Sie ist Verwaltungssitz (Borough Seat) des North Slope Boroughs, die nördlichste Stadt der USA und eine der nördlichsten der Welt. Sie liegt noch etwas nördlicher als das europäische Nordkap. Die Bevölkerungszahl betrug bei der Volkszählung 2010 4212 Einwohner.

Im Oktober 2016 wurde in einem Bürgerreferendum beschlossen, die Stadt von Barrow in Utqiaġvik umzubenennen.[1] Dies ist der althergebrachte Name des Ortes auf Inupiaq, der Sprache der hier seit Jahrtausenden ansässigen Iñupiat, und bedeutet so viel wie „Ort, an dem Eulen gejagt werden“. Der bisherige Name der Stadt ist vom Kap Point Barrow abgeleitet, dem 15 km entfernten nördlichsten Punkt der Vereinigten Staaten, das seinerseits 1825 nach Sir John Barrow benannt wurde.

Der Flughafen Wiley Post-Will Rogers Memorial Airport verbindet die Stadt mit dem Rest des Landes. Straßenverbindungen in andere Orte gibt es nicht.

Da die Stadt westlich von Point Barrow liegt, liegt sie noch an der Tschuktschensee. Point Barrow ist der Grenzpunkt zu der sich im Osten anschließenden Beaufortsee.

Aufgrund der nördlichen Lage gibt es in Utqiaġvik im Winter vom 20. November bis 22. Januar keinen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang. Während dieser 66 Tage der Polarnacht ist am Himmel nur eine Dämmerung zu sehen.[2]

Demographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Utqiaġvik zählt 4416 Einwohner, die sich zusammensetzen aus: 60,6 % Eskimo und Indianer, 11,6 % gemischtrassig, 11,1 % Asiaten, 10,4 % Weiße, 3,8 % Hawaiier und andere Polynesier sowie 2,2 % Schwarze. Das mittlere Jahreseinkommen beträgt bei Männern 57.964 US-Dollar und bei Frauen 62.917 US-Dollar.[3]

Klimatabelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Satellitenbildvergleich von Juli 2006 und Juli 2007
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Barrow
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) −22,2 −24,8 −22,6 −14,2 −4,3 2,8 6,8 5,6 0,8 −6,6 −14,8 −21,3 Ø −9,5
Min. Temperatur (°C) −29,6 −31,4 −29,9 −22,3 −10,0 −1,7 0,6 0,6 −2,7 −12,0 −21,3 −27,8 Ø −15,5
Niederschlag (mm) 4 4 5 5 4 7 25 23 14 11 6 5 Σ 113
Regentage (d) 1 1 1 1 1 2 5 6 5 4 2 1 Σ 30
Luftfeuchtigkeit (%) 68 67 67 74 86 89 89 91 90 85 77 70 Ø 79,5
T
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p
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u
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−22,2
−29,6
−24,8
−31,4
−22,6
−29,9
−14,2
−22,3
−4,3
−10,0
2,8
−1,7
6,8
0,6
5,6
0,6
0,8
−2,7
−6,6
−12,0
−14,8
−21,3
−21,3
−27,8
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
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  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez

Archäologische Fundstätte Utqiaġvik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hinweisschild auf die archäologische Fundstätte

Utqiaġvik war ein Winterlager von Iñupiat, die im Sommer im weiteren Umkreis jagten und fischten. In der heutigen archäologischen Fundstätte aus 60 historischen und prähistorischen Häusern wurden im Juli 1982 die Überreste von fünf Menschen gefunden, die durch eine plötzlich hereinbrechende Eiswoge (Inupiaq: ivu) in ihrem Haus gefangen und unter dem Gewicht des Eises sofort getötet worden waren. Das Ereignis konnte mittels Radiokarbonmethode auf das Jahr 1510 ± 70 Jahre datiert werden. Die Leichen einer 20-jährigen Frau, eines 13-jährigen Knaben und eines achtjährigen Mädchens waren skelettiert. Dagegen waren eine Frau in den mittleren 20ern und eine etwa 40-jährige Frau mumifiziert. Wahrscheinlich hatten sie tiefer als die anderen gelegen und waren im eindringenden Schmelzwasser gefroren. Die Obduktion der Mumien ergab, dass beide an Anthrakose litten, die ältere auch Arteriosklerose und Trichinellose. Zudem hatte sie einige Monate vor ihrem Tod ein Kind geboren, das allerdings nicht gefunden wurde.[4] Die leeren Mägen und gedehnten Blasen lassen vermuten, dass die Familie nachts vom Unglück überrascht wurde. Bei den Leichen wurden auch Artefakte wie Schneebrillen, Eispickel, Harpunen und Kochgeschirr gefunden.[5]

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Nalukataq Blanket Toss“

Jedes Frühjahr findet in Utqiaġvik in der dritten Juniwoche das Walfangfest Nalukataq statt, wenn die Temperaturen beginnen über dem Gefrierpunkt zu liegen. Dabei wird traditionell das Walfleisch an die Iñupiat-Bevölkerung verteilt, werden Geschichten erzählt und Lieder gesungen. Zum Abschluss wird der Blanket Toss veranstaltet, bei dem mit einem gespannten Robbenfell Personen in die Luft geworfen werden. Traditionell sind die Kapitäne der Walfangschiffe und ihre Frauen zuerst an der Reihe, dabei werfen sie während des Schleuderns Süßigkeiten in die Menge.[6]

Populärkultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Städtepartnerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Utqiagvik, Alaska – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Barrow voters support name change to 'Utqiagvik'. Meldung der Alaska Dispatch News, 14. Oktober 2016.
  2. Utqiagvik sees last sunset of 2020 alaskanewssource.com, 19. November 2020, abgerufen am 1. Januar 2021 (englisch)
  3. Utquiavik city data.census.gov, abgerufen am 29. Dezember 2020 (englisch)
  4. Aidan Cockburn, Eve Cockburn, Theodore A. Reyman: Mummies, Disease and Ancient Cultures. Cambridge University Press, 1998, ISBN 0-521-58060-9, S. 143 f. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  5. Paul G. Bahn: Gräber, Mumien und Gelehrte. Auf Spurensuche mit Archäologen. Orbis Verlag, 2002, ISBN 3-572-01362-3, S. 174–177.
  6. Carlos E. Cortés: Multicultural America: A Multimedia Encyclopedia, SAGE Publications, 2013, ISBN 9781452276267 S. 811 (englisch)
  7. Tom Rose: Freeing the Whales: How the Media Created the World's Greatest Non-Event. Carol Publishing Corporation, 1989, ISBN 978-1-55972-011-3.