Uwe Herms

Uwe Herms (* 9. September 1937 in Salzwedel, Altmark; † 7. Februar 2023 in Garding, Nordfriesland[1]) war ein deutscher Schriftsteller, Publizist und Medienmacher.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Uwe Herms wuchs ab 1945 in Hamburg auf und legte dort 1957 die Reifeprüfung ab. Nach dem Volontariat in einem wissenschaftlichen Verlag studierte er ab 1959[2] die Fächer Literaturwissenschaft, Linguistik, Philosophie, Geschichte und Kunstgeschichte an den Universitäten Heidelberg, Hamburg und an der Northwestern University in Evanston (Illinois). 1963 erhielt Uwe Herms an der Northwestern University den Titel Master of Arts.[3] Im Jahr 1965 gab Herms im Christian Wegner Verlag eine Anthologie junger Prosaautoren heraus. Seitdem war er mit Walter E. Richartz freundschaftlich verbunden.[2] Ab 1966 schrieb er für verschiedene überregionale Zeitungen und Zeitschriften, unter anderem für Konkret, Welt der Literatur, Die Zeit, Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Allgemeine, Flensburger Tageblatt.[4] Im Jahr 1970 war Herms beim Norddeutschen Rundfunks (NDR) mit der Übernahme der amerikanischen Sendung Sesamstraße beschäftigt, einer Fernsehserie für Kinder im Vorschulalter. Von Oktober 1970 bis April 1971 setzte sich Herms – gemeinsam mit Thomas Ayck, Siegfried Lenz und dem Fernsehjournalisten Uwe Zimmermann – im schleswig-holsteinischen Wahlkampf für den sozialdemokratischen Kandidaten Jochen Steffen ein.
Von 1971 bis 1972 war Herms ein Poet in Residence an der Universität Warwick (Coventry).[2] In den folgenden zehn Jahren arbeitete und lehrte Herms wiederholt –, teils als Poet in Residence teils als Gastdozent –, an Hochschulen in Großbritannien, USA und China. Von 1972 bis 1977 war er als Redakteur beim Fernsehprogramm des NDR tätig.[3]
Nach einer Initiative von Natias Neutert beteiligten sich Uwe Herms, Jan Hans, Ralf Thenior und Uwe Wandrey an der Organisation und Durchführung des 1. Bundesdeutschen Lyrikfestivals, das vom 24. bis zum 26. Juni 1977 in Hamburg im Winterhuder Fährhaus stattfand. Die Veranstaltung wurde 1978 in einer Anthologie unter dem Titel Lyrik-Katalog Bundesrepublik dokumentiert.

Von 1978 bis 1979 arbeitete Herms als Poet in Residence an der Universität Texas in Austin sowie als Dozent an einer Sommerschule in Taos (New Mexico). Als Honorary Fellow war er ein Teilnehmer im International Writing Program (IWP)[5] der Universität Iowa.[2] Es folgte ein Aufenthalt von 1979 bis 1980 als Stipendiat in der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo. Auf Einladung des Goethe-Instituts lehrte Herms im Semester 1980/81 an der Peking-Universität.[2]
Im Jahr 1983 las Uwe Herms im Wettbewerb zum Ingeborg-Bachmann-Preis die Erzählung Die Papageien von New York und erhielt dafür den Preis der Industriellenvereinigung. Danach drehte er in den Jahren von 1985 bis 1997 für das öffentlich-rechtliche Fernsehen Porträts über Konrad Zuse, Manfred von Ardenne, Walter Bruch und Siegfried Lenz.[2]
Uwe Herms lebte zuletzt als freier Schriftsteller in der Gemeinde Poppenbüll im Amt Eiderstedt (Kreis Nordfriesland). Vor Ort arbeitete er engagiert in lokalen Vereinen und Initiativen mit.
Uwe Herms war dreimal verheiratet. Aus seiner ersten Ehe mit Elke Herms stammt der Sohn Julian Herms (* 1970).[6]
Position
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In seinem schriftstellerischen Schaffen bezog sich Herms ausdrücklich auf den Schriftsteller und Philosophen Henry David Thoreau, der von 1845 bis 1847 in selbstgewählter Einsamkeit in einer Blockhütte lebte. In dieser Zeit entstand Thoreaus Werk Walden; or, Life in the Woods. Dieses Werk und Thoreaus Streitschrift Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat beeindruckten Herms in seinem Handeln und Schreiben nachhaltig.[7] Seine Position definierte Herms in dieser Weise:
„Schriftsteller zu sein, ist für mich die genaueste Lebensform, egal wie „erfolgreich“ ich damit bin. Das klingt romantisch, ist aber das Ergebnis scharfer Selbstbetrachtung als Mitbürger einer überbordenden Wirtschaftsgesellschaft, in der ich meinen Platz als Andersdenkender und Andersfühlender zu behaupten suche.“[7]
Rezeption
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Uwe Herms gilt als „Meister der Kurzgeschichte, der Novelle und der Lyrik“.[8] Er war in der Literatur- und Kunstszene anerkannt und eng vernetzt. Zu den Ehrungen zu seinem 75. Geburtstag gehört ein Sonderdruck von Die Horen, für den Martin Hielscher eine ausführliche Würdigung verfasste. Außerdem erschien ein dem Autor gewidmetes Themenheft von Littera Borealis. Die dort abgedruckten Beiträge stammten unter anderem von Johann P. Tammen, Siegfried Lenz und Udo Steinke. Die beiden letzten Texte des Heftes schrieben Jörn Kohlus aus Herms´ ausgedehntem Eiderstedter Freundeskreis und der Freund und Grafiker Hans-Ruprecht Leiß.
Im Jahr 2025 erschien als Abschluss der Reihe Nordfriesland im Roman eine an der zweiten Auflage orientierte Neuausgabe von Das Haus auf Eiderstedt. Die Neuausgabe enthält neben dem Haupttext die kurze Erzählung Watt und Mond und Jadehase, ein umfangreichen Literatur- und Werkverzeichnis und vor allem einen achtzig-seitigen Essay über Leben, Werk und Wirken, verfasst durch die Herausgeber Arno Bammé und Thomas Steensen. Sie beschreiben der Autor als „multimedialen Netzwerker, Weltenbummler und Weltbürger“.[9]
Mitgliedschaften
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Auszeichnungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1968: Förderpreis des Norddeutschen Schriftstellerverbandes
- 1969: Förderpreis zum Niedersächsischen Kunstpreis
- 1979: Stipendium der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo
- 1983: Preis der Kärntner Industrie beim Ingeborg-Bachmann-Preis
- 1995 und 1998: Aufenthaltsstipendien im Künstlerhaus Edenkoben
- 1996: Stipendiat des Künstlerhofs Schreyahn
- 2001–2002: Stipendium des Internationalen Künstlerhauses Villa Concordia in Bamberg
Veröffentlichungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Monografien und Erzählungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Zu Lande, zu Wasser. (= Patio's Lyrische Augenöffner Nr. 1). Patio's Verlag, Frankfurt am Main 1969.[3]
- Brokdorfer Kriegsfibel. Eigenverlag, Hamburg 1977.
- Familiengedichte. Svato, Hamburg 1977.
- Der Mann mit den verhodeten Hirnlappen. The man with the testiculated brainlobes. Deutsch und Englisch. Svato, Hamburg 1977.
- Franz und Paula leben noch. Mit Fotografien von Elke Herms. Claassen, Düsseldorf 1978.[3]
- Das Haus in Eiderstedt. Erzählung. Bertelsmann, München 1985, ISBN 978-3-57003142-1.
- Yoga-Schule. Das Übungsbuch zur Fernsehserie. Gemeinsam mit Claudia Mahler. Rasch und Röhring, Hamburg 1993.
- Im Land zwischen den Meeren. Reisen in das unbekannte Schleswig-Holstein. Rasch und Röhring, Hamburg 1996.
- Wundertüte eines halben Tages. Erzählungen. Rasch und Röhring, Hamburg 1997.
- Schrauben, aha. Verlag Fränkischer Tag, Bamberg 2001, ISBN 3-928648-70-5.
- Wal und Wettermacher. Erzählung. 2002.
- Watt und Mond und Jadehase. Quetsche, Witzwort 2014.
- Das Haus auf Eiderstedt / Watt und Mond und Jadehase. Herausgegeben von Arno Bammé und Thomas Steensen, Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, Husum 2025.
Herausgeberschaften
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Drucksachen. Junge deutsche Autoren. Wegner, Hamburg 1965.
- Schnittpunkte. Zeitschrift für Prosa, Lyrik, Essay, Kunst ...heute. Gemeinsam mit Peter-Hannes Lehmann, Hans Meierott und Kurt Meierott. Heft 2, April 1966 (2. Jahrgang). Ulrich Ramseger, Hamburg 1966.
- Erste Auflage: Mit gemischten Gefühlen. Gedichte, Biographien, Statements. Gemeinsam mit Jan Hans und Ralf Thenior. Goldmann, München 1978, ISBN 3-442-07017-1.
- Zweite Auflage: Lyrik-Katalog Bundesrepublik. Gedichte, Biographien, Statements. Gemeinsam mit Jan Hans und Ralf Thenior. Goldmann, München 1979, ISBN 3-442-07017-1.
- Lieber Axel Eggebrecht! Freunde und Kollegen zum 90. Geburtstag von Axel Eggebrecht. Gemeinsam mit Joachim Fuhrmann. Neue Presse, Hamburg 1989.
Übersetzungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- George MacDonald: Lilith. Aus dem Englischen übersetzt. Klett-Cotta, Stuttgart 1977, ISBN 978-3-12-906040-7.
Aufsätze
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- „IT’S PHOENIX, DEAR!“ Übersetzungen aus „Finnegans Wake“. In: Jörg Drews (Hrsg.): James Joyce betreffend. Materialien zur Vermessung seines Universums. protokolle, Zeitschrift für Literatur und Kunst, Band 1 / Jahrgang 1985, Verlag Jugend und Volk, Wien / München 1985, ISBN 3-224-16080-2, S. 121–135.
- Mit dem Mut zur Aufhellung. Über Hazel Rosenstrauch. In: die horen. Bd. 48, H. 3, 2003, S. 178 f.
- Poesiealbum neu. Ausgaben 1/2007 und 2/2008.
Fernsehporträts
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Konrad Zuse. Konstrukteur des ersten Computers. Zusammen mit Gerhard Vogel. NDR 1985.[2]
- Manfred von Ardenne. Ein Leben für die Wissenschaft. Zusammen mit Rainer Aust. NDR 1987.[2]
- Walter Bruch. Ein Pionier des Fernsehzeitalters. Zusammen mit Gerhard Vogel. NDR 1990.[2]
- Siegfried Lenz. Zusammen mit Friedrich Wilhelm Timpe. ARTE/NDR 1997.[2]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Chronologisch geordnet:
- Martin Hielscher: „Die Botenstoffe der Erinnerung.“ Der Schriftsteller Uwe Herms. Sonderdruck. die horen, Ausgabe 161/1991.
- Johann P. Tammen: Uwe Herms. Ein „Zeugnis“ zum Siebzigsten. In: Johann P. Tammen (Hrsg.): die horen. Band 3/2007, Ausgabe 227, ISBN 978-3-86509-637-1, S. 308–323.
- Fred Oberhauser, Axel Kahrs (Hrsg.): Literarischer Führer Deutschland. Grundlegend neu gestaltet und aktualisiert. Insel, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-458-17415-8.
- Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein (Hrsg.): Uwe Herms. In: Littera Borealis. Edition zur zeitgenössischen Literatur im Norden. Heft 12, Kiel 2013.
- Dirk-Uwe Becker: Uwe Herms. In: Kulturmagazin „Reibeisen“. Nr. 40. Europa-Literaturkreis, Kapfenberg / Steiermark 2013.
- Thomas Steensen: Nordfriesland. Menschen von A–Z. Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, Husum 2020, ISBN 978-3-96717-027-6, S. 172f.
- Arno Bammé, Thomas Steensen: Leben, Werk und Wirkung des Uwe Herms. In: Das Haus auf Eiderstedt / Watt und Mond und Jadehase. Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, Husum 2025.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Susanne Böhm: Schriftsteller aus Garding: Nachruf auf Uwe Herms | SHZ. 10. Februar 2023, abgerufen am 14. Februar 2023.
- 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Biografische Daten in: Johann P. Tammen (Hrsg.): die horen. Band 3 / 2007, Ausgabe 227, S. 336–338.
- 1 2 3 4 Jan Hans, Uwe Herms, Ralf Thenior (Herausgeber): Lyrik-Katalog Bundesrepublik. Gedichte, Biographien, Statements. 2. Auflage. Goldmann, München 1979, ISBN 3-442-07017-1, S. 548.
- ↑ Das Haus auf Eiderstedt, Ausgabe 2025, S. 127.
- ↑ The International Writing Program. Abgerufen am 11. Juli 2026.
- ↑ Elke Herms-Bohnhoff: Hotel Mama. Kreuz Verlag, Zürich 1992, Widmung S. 7 (nicht paginiert).
- 1 2 Werner Hajek: Eine leise Stimme von Gewicht. In: Kreis Nordfriesland (Hrsg.): Kulturjournal Sommer/Herbst 2012. Husum 2012, S. 16–19.
- ↑ Haus auf Eiderstedt, Ausgabe 2025, Seite 174.
- ↑ Das Haus auf Eiderstedt, Ausgabe 2025, Seite 122.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Herms, Uwe |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Schriftsteller |
| GEBURTSDATUM | 9. September 1937 |
| GEBURTSORT | Salzwedel |
| STERBEDATUM | 7. Februar 2023 |
| STERBEORT | Garding, Nordfriesland |
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