Verdienter Arzt des Volkes

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Medaille; verliehen am 11. Dezember 1978 an die Kinderärztin Helga Matheoschat
Rückseite der 1978er Medaille; einmalig mit DDR-Wappen und schwarz-rot-gold stoffbezogener Spange; die Jahrgänge zuvor mit Lorbeer statt Wappen, die folgenden Jahre mit blauem Stoffbezug

Der Ehrentitel Verdienter Arzt des Volkes war die höchste staatliche Auszeichnung der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) für Mediziner. Er wurde in Form einer Medaille und Urkunde in einer Stufe am 31. März 1949 gestiftet wurde. Hintergrund der Schaffung dieses Ehrentitels lag in der ansteigenden Tendenz der Ärzte zur Übersiedlung in die Westzonen. Um diese Berufsgruppe längerfristig in der DDR zu halten, wurde von der DWK neben verschiedenen Privilegien dieser Ehrentitel angeregt.

Verleihungsbedingungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Verleihung erfolgte für bedeutende sowie hervorragende Leistungen in der wissenschaftlichen Forschung, in der praktischen ärztlichen Tätigkeit, bei der Organisation des Gesundheitsschutzes, in der Lehrtätigkeit an Hochschulen sowie medizinischen Fachschulen und ferner bei der Fortbildung des medizinischen Kaders der DDR. Die Verleihung konnte auch Personen erfolgen, die sich um die hygienische Aufklärung der Bevölkerung hervorragende Verdienste erworben hatten. Des Weiteren konnte der Ehrentitel verliehen werden für vorbildliche Einsatzbereitschaft im Dienste für das Leben und die Gesundheit der Bürger der DDR und die Vertiefung der vertrauensvollen Beziehungen zu den Patienten. Neben Allgemeinärzten, Chirurgen und dergleichen konnten auch Zahnärzte mit dem Titel geehrt werden. Eine Verleihung war weiterhin auch an Personen möglich, die durch Förderung der internationalen Zusammenarbeit, insbesondere hier mit der Sowjetunion, auf dem Gebiet des Gesundheits- und Sozialwesens verdienstvolle Tätigkeit vorweisen konnten.

Der Ehrentitel selbst konnte nur einmal an ein und dieselbe Person verliehen werden. Die Höchstverleihungszahl war überdies auf 30 Ehrentitel jährlich begrenzt. Zum Ehrentitel gehörten eine Medaille, eine Ehrenurkunde sowie eine Geldprämie bis zu 8000 Mark. Die Verleihungen fanden alljährlich am 11. Dezember, dem Geburtstag Robert Kochs und Tag des Gesundheitswesens der DDR, statt. Die Verleihungen erfolgten in der Regel in einem Festakt durch den Minister für Gesundheitswesen.

Aussehen und Trageweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die zunächst bronzene Medaille mit geriffelten Rand und einem Durchmesser von 30,5 mm zeigt auf ihrem Avers das rechtblickende Kopfporträt Robert Kochs mit aufgesetzter Brille. Das Revers zeigte dagegen unter drei Lorbeerblättern die zweizeilige Inschrift: VERDIENTER ARZT / DES VOLKES. Darunter befand sich die Jahreszahl der Verleihung. Getragen wurde die Medaille bis 1977 an der rechten ab 1978 an der linken oberen Brustseite zunächst an einer schwarz-rot-goldenen Schleife. Ab 1955 dann an einer 28,5 × 15,5 mm großen rechteckigen stoffbezogenen Ordenspange, die von links nach rechts schwarz-rot-gold zu gleichen Teilen bestand. In diese Band war zusätzlich ein waagerechter 3,5 mm breiter silberner Mittelbalken eingewebt.

1958 bestand die Medaille dann aus Silber und zeigte auf dem Avers des Kopfportraits Koch ohne Brille. Ab 1973 war sie dann nur noch versilbert. Das Revers zeigte mittig drei aufrechtstehende zusammengebundene Lorbeerblätter, die von der Umschrift VERDIENTER ARZT (oben) DES VOLKES (unten) umschlossen waren. 1978 wurden die Lorbeerblätter durch das mittig dargestellte Staatswappen der DDR ersetzt. Die Umschrift blieb dagegen gleich.

Von 1958 bis 1978 wurde die Medaille an einer 25 × 14 mm großen schwarz-rot-golden stoffbezogenen Spange getragen. Die Interimsspange zeigte zusätzlich eine 10 mm durchmessende Miniatur des Avers der Medaille. Nach 1978 wurde das Band der Medaille erneut geändert. Die Medaille wurde an einem blauen Band mit weißem Saum getragen, dessen Interimsspange weiterhin die Miniatur des Avers der Medaille zeigte.[1][2]

Aus den Änderungen der Medaillen ergab sich, dass die 1978er Medaillen speziell gestaltet waren. Einerseits waren es die ersten, welche statt des Lorbeer das DDR-Staatswappen zeigten, andererseits die letzten, welche an einer schwarz-rot-golden stoffbezogenen Spange getragen wurden.

Preisträger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1949: Jussuf Ibrahim, Theodor Brugsch, Heinrich Klose, Willibald Pschyrembel[3][4]
1950: Rudolf Elle, Fritz Gietzelt, Gyula Grosz, Helmut Kraatz, Johannes Kupke, Maxim Zetkin, Ekkehard Schütze, Paul Sieberth, Karl Velhagen, Hans Zorn[5][6]
1951: Rudolf Baumann, Gerhardt Katsch, Egbert Schwarz, Karl Linser, Johannes Kathe, Bernhard Zorn, Wolfgang Rosenthal[7][8]
1952: Hermann Henneberg, Heinz Funke[9]
1954: Alfred Beyer, Hans Rudolf Gestewitz, Walter Friedeberger
1955: Hans Gummel
1956: Hugo Gasteiger, August Sundermann, Herbert Uebermuth
1957: Werner Pfeifer[10]
1958: Josef Münch[11], Gerhard Mohnike
1959: Kurt August Koelsch,[12] Theodor Matthes, Anton Johannes Waldeyer
1960: Josef-Peter Emmrich, Siegfried Israel
1961: Peter Friedrich Matzen, Karl-Heinz Mehlan
1962: Friedrich Jung
1963: Georg Ernst
1964: Erwin Marcusson, Rudolf Neubert, Georg Wildführ, Rudolf Zuckermann, Albert Dietze
1965: Jenny Cohen[13], Harald Dutz, Hermann Schmitz[14]
1966: Werner Scheler
1968: Georg Wolfgang Höfs, Günter Bast
1969: Moritz Mebel, Helmut Patzer, Ingeborg Rapoport
1970: Wilfried Möbius
1971: Karl Seidel
1972: Waltraud Braun
1974: Hubertus Brieger
1975: Christoph Brückner, Klaus Niedner, Rudolf Sachsenweger
1978: Walter Künzel[15], Kurt Tittel, Helga Matheoschat
1981: Joachim Weiskopf
1983: Burkhard Schneeweiß[16]

Ohne Jahresangabe: Horst Bibergeil, Roselotte Brückner, Dieter Kabisch, Helga Mucke-Wittbrodt, Max Otten, Hans Bernhard Sprung, Johannes Weber.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen (Hrsg.): DDR-Handbuch, Auszeichnungen, Verlag Wissenschaft und Politik, 1985, S. 26 und 29, ISBN 3804686427.
  • Andreas Herbst, Winfried Ranke, Jürgen R. Winkler: So funktionierte die DDR, Lexikon der Organisationen und Institutionen; Gesundheitswesen, Rowohlt Taschenbuch, 1994, ISBN 3499163489.

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Günter Tautz: Orden und Medaillen, Staatliche Auszeichnungen der DDR, Taschenlexikon, 2. Auflage, VEB Bibliographisches Institut, Leipzig 1983, S. 139.
  2. Frank Bartel, Jürgen Karpinski: Auszeichnungen der Deutschen Demokratischen Republik, Militärverlag der DDR, Berlin 1979, S. 118.
  3. Das Deutsche Gesundheitswesen.1950;5:227.
  4. Berliner Zeitung, 29. Januar 1950, S. 3
  5. Das Deutsche Gesundheitswesen.1950:5:1375
  6. Neues Deutschland, 6. Oktober 1950, S. 5
  7. Deutsche Stomatologie. 1951;2:25
  8. Neues Deutschland, 12. Dezember 1951, S. 3
  9. Karl-Heinz Schubert: Braunbuch DDR.
  10. Nachlass Werner Pfeifer
  11. Deutsche Stomatologie. 1959;9:78.
  12. Biografie. Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, abgerufen am 29. September 2012.
  13. Deutsche Stomatologie. 1966;16:72
  14. deutsche-gesellschaft-fuer-ordenskunde.de
  15. Neues Deutschland, 9./10. Dezember 1978, S. 5.
  16. Selbstlosen Dienst bei der Betreuung der Patienten gewürdigt, Neue Zeit, 12. Dezember 1983, S. 1