Verdienter Arzt des Volkes

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Medaille und Interimsspange; verliehen am 11. Dezember 1978 an die Kinderärztin Helga Matheoschat
Rückseite der 1978er Medaille; einmalig mit DDR-Wappen und schwarz-rot-gold stoffbezogener Spange; die Jahrgänge zuvor mit Lorbeer statt Wappen, die folgenden Jahre mit blauem Stoffbezug

Der Ehrentitel Verdienter Arzt des Volkes war die höchste staatliche Auszeichnung der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) für Mediziner.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ehrentitel Verdienter Arzt des Volkes wurde in Form einer Medaille und Urkunde in einer Stufe am 31. März 1949 gestiftet. Der Hintergrund der Schaffung dieses Ehrentitels lag in der ansteigenden Tendenz der Ärzte zur Übersiedlung in die Westzonen. Um diese Berufsgruppe längerfristig in der DDR zu halten, war von der Deutschen Wirtschaftskommission neben verschiedenen Privilegien dieser Ehrentitel angeregt worden.

Verleihungsbedingungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Verleihung erfolgte für bedeutende sowie hervorragende Leistungen in der wissenschaftlichen medizinischen Forschung, in der praktischen ärztlichen Tätigkeit, bei der Organisation des Gesundheitsschutzes, in der Lehrtätigkeit an Hochschulen sowie medizinischen Fachschulen und ferner bei der Fortbildung des medizinischen Kaders der DDR. Die Verleihung konnte auch an Personen erfolgen, die sich um die hygienische Aufklärung der Bevölkerung herausragende Verdienste erworben hatten. Des Weiteren konnte der Ehrentitel verliehen werden für vorbildliche Einsatzbereitschaft im Dienste für das Leben und die Gesundheit der Bürger der DDR und die Vertiefung der vertrauensvollen Beziehungen zu den Patienten. Neben Ärzten konnten auch Zahnärzte mit dem Titel geehrt werden. Eine Verleihung war weiterhin auch an Personen möglich, die durch Förderung der internationalen Zusammenarbeit, insbesondere mit der Sowjetunion, auf dem Gebiet des Gesundheits- und Sozialwesens verdienstvolle Tätigkeit vorweisen konnten.

Der Ehrentitel konnte einer Person nur einmal verliehen werden. Die Höchstverleihungszahl war überdies auf 30 Ehrentitel jährlich begrenzt. Zum Ehrentitel gehörten eine Medaille, eine Ehrenurkunde sowie eine Geldprämie bis zu 8000 Mark. Die Verleihungen fanden jährlich in der Regel am 11. Dezember, dem Geburtstag Robert Kochs und Tag des Gesundheitswesens der DDR, statt. Die Verleihungen erfolgten in einem Festakt durch den Minister für Gesundheitswesen.

Aussehen und Trageweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die zunächst bronzene Medaille mit geriffelten Rand und einem Durchmesser von 30,5 mm zeigt auf ihrem Avers das rechtsblickende Kopfporträt Robert Kochs mit aufgesetzter Brille. Der Revers zeigte dagegen unter drei Lorbeerblättern die zweizeilige Inschrift: VERDIENTER ARZT / DES VOLKES. Darunter befand sich die Jahreszahl der Verleihung. Getragen wurde die Medaille bis 1977 an der rechten, ab 1978 an der linken oberen Brustseite zunächst an einer schwarz-rot-goldenen Schleife, ab 1955 dann an einer 28,5 × 15,5 mm großen rechteckigen stoffbezogenen Ordenspange, die von links nach rechts schwarz-rot-gold zu gleichen Teilen bestand. In dieses Band war zusätzlich ein waagerechter 3,5 mm breiter silberner Mittelbalken eingewebt.

Ab 1958 bestand die Medaille aus Silber und zeigte auf dem Avers das Kopfporträt Kochs ohne Brille. Ab 1973 war sie dann nur noch versilbert. Der Revers zeigte mittig drei aufrechtstehende zusammengebundene Lorbeerblätter, die von der Umschrift VERDIENTER ARZT (oben) DES VOLKES (unten) umschlossen waren. 1978 wurden die Lorbeerblätter durch das mittig dargestellte Staatswappen der DDR ersetzt. Die Umschrift blieb dagegen gleich.

Von 1958 bis 1978 wurde die Medaille an einer 25 × 14 mm großen schwarz-rot-golden stoffbezogenen Spange getragen. Die Interimsspange zeigte zusätzlich eine 10 mm durchmessende Miniatur des Avers der Medaille. Nach 1978 wurde das Band der Medaille erneut geändert. Die Medaille wurde an einem blauen Band mit weißem Saum getragen, dessen Interimsspange weiterhin die Miniatur des Avers der Medaille zeigte.[1][2]

Aus den Änderungen der Medaillen ergab sich, dass die 1978er Medaillen speziell beziehungsweise einzigartig gestaltet waren. Einerseits waren es die ersten, welche auf dem Revers statt des Lorbeers das DDR-Staatswappen zeigten, andererseits die letzten, welche an einer schwarz-rot-golden stoffbezogenen Spange getragen wurden.

Preisträger (unvollständig)[3][Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1949: Jussuf Ibrahim, Theodor Brugsch, Heinrich Klose, Willibald Pschyrembel, Helga Mucke-Wittbrodt
1950: Rudolf Elle, Fritz Gietzelt, Gyula Grosz, Helmut Kraatz, Johannes Kupke, Maxim Zetkin, Ekkehard Schütze, Paul Sieberth, Karl Velhagen, Hans Zorn
1951: Rudolf Baumann, Gerhardt Katsch, Egbert Schwarz, Karl Linser, Johannes Kathe, Bernhard Zorn, Wolfgang Rosenthal
1952: Hermann Henneberg, Heinz Funke
1953: Leopold Frosch
1954: Alfred Beyer, Hans Rudolf Gestewitz, Walter Friedeberger, Max Otten
1955: Hans Gummel
1956: Hugo Gasteiger, August Sundermann, Herbert Uebermuth
1957: Werner Pfeifer
1958: Josef Münch, Gerhard Mohnike
1959: Kurt August Koelsch, Theodor Matthes, Anton Johannes Waldeyer, Hans Bernhard Sprung
1960: Josef-Peter Emmrich, Siegfried Israel, Albert Dietze
1961: Peter Friedrich Matzen, Karl-Heinz Mehlan
1962: Friedrich Jung
1963: Georg Ernst
1964: Erwin Marcusson, Rudolf Neubert, Georg Wildführ, Rudolf Zuckermann
1965: Jenny Cohen, Harald Dutz, Hermann Schmitz
1966: Werner Scheler
1968: Georg Wolfgang Höfs, Günter Bast
1969: Moritz Mebel, Helmut Patzer, Ingeborg Rapoport
1970: Hildegard Marcusson, Wilfried Möbius
1971: Karl Seidel
1972: Waltraud Braun
1973: Konstantin Spies, Dieter Kabisch
1974: Hubertus Brieger, Roselotte Brückner
1975: Christoph Brückner, Klaus Niedner, Rudolf Sachsenweger
1978: Walter Künzel, Kurt Tittel, Helga Matheoschat
1981: Joachim Weiskopf
1983: Burkhard Schneeweiß[4]
nach 1978: Horst Bibergeil

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen (Hrsg.): DDR-Handbuch, Auszeichnungen, Verlag Wissenschaft und Politik, 1985, S. 26 und 29, ISBN 3804686427.
  • Andreas Herbst, Winfried Ranke, Jürgen R. Winkler: So funktionierte die DDR, Lexikon der Organisationen und Institutionen; Gesundheitswesen, Rowohlt Taschenbuch, 1994, ISBN 3499163489.

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Günter Tautz: Orden und Medaillen, Staatliche Auszeichnungen der DDR, Taschenlexikon, 2. Auflage, VEB Bibliographisches Institut, Leipzig 1983, S. 139.
  2. Frank Bartel, Jürgen Karpinski: Auszeichnungen der Deutschen Demokratischen Republik, Militärverlag der DDR, Berlin 1979, S. 118.
  3. Verleihungsliste zum Ehrentitel „Verdienter Arzt des Volkes“ der DDR von 1949 bis 1978. In: deutsche-gesellschaft-fuer-ordenskunde.de. Juni 2013, abgerufen am 27. Februar 2021.
  4. Selbstlosen Dienst bei der Betreuung der Patienten gewürdigt, Neue Zeit, 12. Dezember 1983, S. 1