Vergewaltigung von Jungen und Männern

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Eine beträchtliche Anzahl der Opfer von Vergewaltigungen oder sexueller Nötigung sind männlich. Eine in England durchgeführte Studie kam zum Ergebnis, dass 3 % der befragten Männer nicht einvernehmlichen Sex als Erwachsene, 5 % nicht einvernehmlichen Sex als Jugendliche (unter 16 Jahre) und 8 % nicht einvernehmlichen Sex als Kinder (unter 14 Jahre) erlebt haben. Die Vergewaltigung männlicher Personen unterliegt immer noch weitgehend einem Tabu in der Gesellschaft, sowohl bei heterosexuellen wie auch bei homosexuellen Männern.[1]

Die meisten männlichen Vergewaltigungsopfer wollen und können häufig nicht wahrhaben, dass sie vergewaltigt worden sind, und versuchen, die Tat zu verdrängen. So kommt es dazu, dass männliche Vergewaltigungsopfer bei einer Untersuchung sehr vage Aussagen zu den ihnen zugefügten Verletzungen machen, wenn sie medizinische oder psychiatrische Dienste aufsuchen.[2] Es stellt für heterosexuelle wie auch für homosexuelle Männer große Schwierigkeiten dar, die Erlebnisse anderen Menschen mitzuteilen, da sie fürchten, von der Gesellschaft und ihrem sozialen Umfeld nicht ernst genommen zu werden, und sie Angst vor sozialer Stigmatisierung und Ablehnung haben.[3]

Forschung und Statistiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Forschungen zu Vergewaltigungen von männlichen Personen wurden erst in den späten 1970er Jahren durchgeführt und konzentrierten sich hauptsächlich auf männliche Kinder. Studien über sexuelle Übergriffe in Gefängnissen, die einen speziellen Fokus auf die Folgen männlicher Vergewaltigung legen, sind erst seit den frühen 1980er Jahren verfügbar. In den letzten Jahren erschienen jedoch keine weiteren Studien mehr zu dieser Art von Vergewaltigungen. Das meiste Informationsmaterial über Vergewaltigungen und sexuelle Nötigung befasst sich nur mit weiblichen Opfern und ignoriert Männer.

Vorurteile gegenüber vergewaltigten Jungen und Männern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Männer können nicht vergewaltigt werden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Viele Menschen nehmen durch das vorherrschende gesellschaftliche Männlichkeitsbild an, dass Männer, auch jüngere Männer, nicht vergewaltigt werden können, nicht einmal, dass sie überhaupt in irgendeiner Form in ihrer sexuellen Selbstbestimmung verletzt werden können, und wenn ihnen jemand zu nahe kommt, dann seien sie auch in der Lage, sich zu wehren. Junge Männer sind jedoch häufig schwächer und verletzlich gegenüber einem meist stärkeren, größeren und erfahreneren Täter. Die Täter können das Opfer, um es zu missbrauchen, bedrohen oder mit Geld bestechen. Es kann auch manipuliert werden oder unter dem Einfluss von Drogen oder Alkohol stehen.

Im Jahr 1975 schrieb Märta Tikkanen, in Finnland lebende Literaturwissenschaftlerin und Journalistin einen fiktionalen Roman mit dem Titel Wie vergewaltige ich einen Mann? Es zeigt, dass es im Kern mit der Vergewaltigung meist nicht um Sexualität, sondern um Demütigung, Erniedrigung und Demonstration von Macht geht. Der Roman wurde 1978 verfilmt.[4] Das Buch ist 1996 in vorläufig letzter Ausgabe erschienen.[5]

Männer wollen immer Sex haben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine weitverbreitete gesellschaftliche Überzeugung ist, dass ein Mann, der eine Erektion oder einen Orgasmus bekommt, dazu bereit wäre, Sex zu haben und jede Art sexueller Aktivität zu genießen.[6] Roy J. Levin und Willy Van Berlo schrieben in einem Artikel, dass Stress oder eine leichte genitale Stimulation eine Erektion auslösen kann, obwohl keine spezifische sexuelle Stimulation vorhanden ist. Eine Erektion bedeutet nicht, dass ein Mann mit dem Sex einverstanden ist. Ähnlich wie bei der weiblichen Erektion kann die männliche Erektion durch mechanische Stimulation ausgelöst werden, auch wenn der Mann dem Sex in keiner Weise zustimmt. Erregung und Stimulation sind zwei unterschiedliche Dinge. Stimulation ist eine physische Reaktion auf einen Reiz. Männer können körperlich stimuliert werden, ohne dass sie das Gefühl erregt.

Männer, die vergewaltigt wurden, sind weniger traumatisiert als Frauen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Vorurteil, dass Männer, die vergewaltigt wurden, weniger traumatisiert seien als Frauen, ist absolut falsch, genau im Gegenteil. Studien zeigen auf, dass die Langzeitwirkungen einer Vergewaltigung, egal ob das Opfer Mann oder Frau ist, meistens schwerwiegende Folgen für das Leben haben. Dazu sind Männer größerer sozialerer Stigmatisierung ausgesetzt, was zu noch größeren psychischen Schäden bei den männlichen Vergewaltigungsopfern führt. Eine Untersuchung, die von den amerikanischen Ärzten Eogan und Richardson durchgeführt wurde, wies auf, dass Männer die gleichen Leidensgefühle wie Frauen hatten. Frazier (1993)[7] untersuchte 74 männliche und 1380 weibliche Vergewaltigungsopfer. Sie stellte in ihren Untersuchungen fest, dass Depressionen und Selbsthass bei männlichen Vergewaltigungsopfern deutlich schwerer ausgeprägt waren als bei weiblichen Vergewaltigungsopfern. Dieses führte sie auf die soziale Stigmatisierung und den verbreiteten Unglauben, dass Männer Opfer werden können, zurück.

Männer, die vergewaltigt wurden, werden homosexuell[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Henry Leak, der Vorsitzende der Survivors-Organisation, stellte fest, dass Vergewaltigung von Männern wie bei Frauen mehr mit Macht als mit Sexualität zu tun hat und nicht nur in der homosexuellen Gemeinschaft vorkommt.[8] Die sexuelle Orientierung ist ein komplexes Thema, und die Mehrheit der Täter, die Jungen vergewaltigen, ist nicht homosexuell, laut Kinsey-Report sind zwei Drittel der männlichen Täter bereits mit einer Frau verheiratet oder heiraten später.[9] Männliche Vergewaltigungsopfer haben oft Angst, als homosexuell oder schwach angesehen zu werden, oder dass sie mit ihrer Erscheinung die Tat provoziert haben.[10]

Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Physische Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schwere emotionale und körperliche Traumata entstehen häufig durch sexuelle Gewalt. 31,5 % der weiblichen und 16,1 % der männlichen Opfer sexueller Übergriffe äußerten, sie hätten keine körperlichen Verletzungen dadurch erlitten.[11] Männliche Opfer gaben im Vergleich zu weiblichen Opfern an, mehr körperliche Verletzungen erlitten zu haben und von Tätern öfter mit einer Waffe (Pistole oder Messer) bedroht worden zu sein. Die häufigsten körperlichen Verletzungen waren Kopfschmerzen, Geschwüre, Übelkeit, Colitis, Halsschmerzen und gebrochene Knochen. Zudem besteht die Gefahr, sich mit Geschlechtskrankheiten oder Pilzinfektionen zu infizieren.

Psychologische Langzeitfolgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Symptome wurden beschrieben[12][13]:

Selbstmordrate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Selbstmordrate von Männern, die vergewaltigt wurden, liegt 14–15 mal höher als bei Männern, die keiner sexuellen Straftat zum Opfer gefallen sind.[14]

Heiltherapie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Männliche Opfer sexueller Gewalt benötigen eine umfangreiche psychische und emotionale Therapie.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Deborah Condon: Male rape 'still a taboo subject'. Comments of Dr Maeve Eogan and Deirdra Richardson in Modern Medicine, the Irish Journal of Clinical Medicine. In: Irish Health, 4. April 2014.
  2. It is difficult for a male victim, heterosexual or gay, to report the sexual assault that was experienced by him, especially in a society with a strong masculine custom. They are afraid that people will doubt their sexual orientation and label them as gay. A perception of being gay is also a motive in many cases.
  3. Priya M Menon: Lacking support, male rape victims stay silent. In: The Times of India, 16. Februar 2013.
  4. Märta Tikkanen. In: Rowohlt Theater Verlag. Abgerufen am 14. August 2019.
  5. Märta Tikkanen: Wie vergewaltige ich einen Mann? Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1996, ISBN 978-3-499-14581-0 (schwedisch: Män kan inte våldtas. 1975. Übersetzt von Verena Reichel).
  6. For example, Mumbai Advocate Flavia Agnes said, “The consequences of rape for a woman are far-reaching. She has to battle social stigma, social mindset. While fixing marriages, nobody asks a man if he is a virgin.” In: The Times of India, 20. Juli 2012. Activists oppose making rape gender-neutral.
  7. Frazier Patricia A: A comparative study of male and female rape victims seen at a hospital-based rape crisis program. In: Journal of Interpersonal Violence. 8, Nr. 1, 1993, S. 64–76. doi:10.1177/088626093008001005. Cited from Jai Vipra. July 2013. CCS working Paper #286, A Case for Gender-Neutral Rape Laws in India.
  8. Sexual orientation is a complex issue, and the majority of male perpetrators who seek out boys are not homosexual.
  9. Sexueller Missbrauch An Jungen – Informationen – Lichtweg.de, abgerufen am 10. April 2019
  10. Christine Salek: 19-Year-Old Toronto Man Sexually Assaulted By 4 Women, Police Say. In: ibtimes.com, 8. April 2013.
  11. Survivors.
  12. http://www.livingwell.org.au/managing-difficulties/dealing-with-the-effects/
  13. Sexuelle Missbrauchserfahrungen in Kindheit und Jugend - Frauen helfen Frauen in Not e.V. Abgerufen am 13. August 2018.
  14. Holmes, W. C., M.D., MSCE, G.B. Slap, M.S.: Sexual Abuse of Boys. 280(1) In: Journal of the American Medical Association (1998): 1855–1862, citing numerous studies.