Vertrag von Soldin (1309)

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Im Vertrag von Soldin vom 13. September 1309 zu Soldin erwarb der Deutsche Orden von Waldemar, Markgraf von Brandenburg, für 10.000 Silbermark brandenburgischen Gewichts dessen auf älteren Lehnsrechten beruhenden Ansprüche am Herzogtum Pommerellen. Faktisch wurde mit diesem Vertrag das Herzogtum Pommerellen zwischen zwei deutschen Feudalstaaten geteilt. Die pommerellischen Länder um Schlawe, Stolp, Rügenwalde und Bütow gingen an das pommerellische Adelsgeschlecht der Swenzonen als brandenburgische Lehnsnehmer, der größere Rest mit der Hauptfeste Danzig kam an den Deutschen Orden.

Das westliche Pommern, das von den pommerschen Herzögen der Stettiner Linie regiert wurde, und das östliche Pommern oder Pommerellen, das von den pommerschen Herzögen der Danziger Linie regiert wurde, hatten in älterer Zeit zu einem vereint regierten Territorium gehört und waren später durch Erbteilung zu eigenständigen Herzogtümern geworden. Beide Linien betonten in erhalten gebliebenen Urkunden ihr gegenseitiges verwandtschaftliches Verhältnis,[1] und beide Linien führten den Greif im Wappen, was in Pommerellen beispielsweise bis in die Neuzeit durch das Stadtwappen von Dirschau bestätigt ist. Da der letzte pommersche Herzog der Danziger Linie, Mestwin II., keine männlichen Nachkommen hatte, stellte er im Jahr 1164 in einem öffentlich gemachten Traktat seine genealogische Abstammung klar, wie sie aus zahlreichen Urkunden hervorging.[2] Nach dem Erbrecht der Hauptlinie hätte Pommerellen nach Mestwins II. Tod demnach den westpommerschen Herzögen zufallen müssen. Ohne Rücksicht darauf bemächtigte sich jedoch, nachdem Mestwin II. verstorben war, Przemysł II., Herzog von Großpolen, des Gebiets von Pommerellen, der sich kurz danach auch zum König von Polen ausrufen ließ. Er hatte am 15. Februar 1282 in Kempen vorsorglich Mestwin II. einen Erbfolgevertrag unterzeichnen lassen, obwohl er mit diesem nur über die weibliche Linie verwandt war.[3] Nach seiner Ermordung trat der polnische Herrscher Władysław I. Ellenlang die Nachfolge an.

Der Deutsche Orden war von Władysław I. Ellenlang gegen Zahlungsversprechungen angeworben worden, weil er ihm beim Erbfolgestreit mit Waldemar um Pommerellen und Danzig helfen sollte. Der Orden verteidigte die Burg von Danzig auch erfolgreich gegen die Brandenburger, Władysław hielt jedoch seine Zahlungsversprechungen nicht ein. Um sich schadlos zu halten, besetzte der Orden 1308 daraufhin Danzig und das zugehörige Gebiet. Um das Land legal besetzt halten zu können, kaufte der Orden anschließend Waldemar die Rechte der brandenburgischen Markgrafen an Pommerellen ab, die diese noch aus dem Vertrag von Arnswalde geltend machen konnten.[4]

Die Markgrafen händigten dem Orden auch eine Urkunde aus, der zufolge ihnen der römisch-deutsche Kaiser Friedrich II. im Dezember 1231 in Ravenna das Herzogtum Pommern zu Lehen gegeben hatte.[5][6][7] Diese Belehnung, die vor Friedrich II. bereits Friedrich Barbarossa vorgenommen hatte, war am 8. Januar 1295 in Mühlhausen erneuert worden.[8] Der Kauf- und Teilungsvertrag von Soldin wurde 1311 von dem römisch-deutschen König Heinrich VII. bestätigt.

Im Friedensvertrag von Kalisch 1343 erkannte der polnische König Kasimir der Große Pommerellen einschließlich Danzigs als legales Eigentum des Deutschordensstaates an, nachdem der Hochmeister Dietrich von Altenburg einer päpstlichen Untersuchungskommission 1339 die den Markgrafen von Brandenburg von Friedrich II. im Jahr 1231 ausgestellte Belehnungsurkunde zur Prüfung vorgelegt hatte.[9] Kasimir III. verpflichtete sich bei der Gelegenheit, in Zukunft keine Ansprüche mehr auf Pommerellen sowie auf das Kulmer Land und das Michelauer Land zu erheben. Er erhielt dafür im Gegenzug das von Deutschordensrittern zwischen 1329 und 1332 eroberte Kujawien und das Dobriner Land zurück. Das Friedensabkommen hatten auch sieben Städte zu bestätigen: Posen und Kalisch in Großpolen, Leslau und Kujawisch-Brest in Kujawien sowie Krakau, Sandomir und Neu-Sandez in Kleinpolen. Zwei Bestimmungen des Vertragswerks von Kalisch, die Streichung Pommerellens aus der Titulatur des polnischen Königs[10] und eine Entschädigungszahlung, waren anschließend nicht ausgeführt worden.

Die Ordensburg Marienburg wurde nach der Besitznahme Pommerellens 1309 Hauptresidenz der Hochmeister des Deutschen Ordens bis 1456.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vergl. z.B. Johann Karl Kretzschmer: Geschichte und Beschreibung der Klöster in Pommerellen. Band 1: Die Zisterzienser-Abtei Oliva, Danzig 1847, S. 21 ff..
  2. Ausführung der Rechte Sr. Königl. Majestät von Preußen auf das Herzogthum Pommerellen und auf verschiedenen andere Landschaften des Königreichs Pohlen. Mit Beweis-Urkunden. Gedruckt nach dem Berliner Exemplar. Regensburg 1773, S. 13.
  3. Udo Arnold und Marian Biskup (Hrsg.): Der Deutschordensstaat Preussen in der polnischen Geschichtsschreibung der Gegenwart (= Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens, Band 30). Verlag Wissenschaftliches Archiv, Bad Godesberg 1982, insbesondere S. 130.
  4. Scriptores rerum Prussicarum - Die Geschichtsquellen der preußischen Vorzeit bis zum Untergange der Ordensherrschaft (T. Hirsch, M. Töppen und E. Strehlke, Hrsg.). Band I, Leipzig 1861, S. 709, Anmerkung 92.
  5. Scriptores rerum Prussicarum, Band I, loc. cit, S. 708–709, Anmerkung 91
  6. Friederich II. Römischer Kayser, belehnet Johannem und seinen Bruder Ottonem, seel. Marggraffen Alberti Söhne, mit der Marck Brandenburg und dem Hertzogthum Pommern, wie dieses ihrem Vater und vorigen Marggraffen zu Brandenburg von ihm und seinen Vorfahren verliehen worden. In: Friedrich von Dreger: Codex Pomeraniae diplomaticus. I. Band bis auf das Jahr 1269 incl.. Haude und Spener, Berlin 1768, S. 149–152, Nr. LXXXVII.
  7. Martin Wehrmann: Geschichte von Pommern. Erster Band, Waidlich Reprints, Frankfurt 1981 (unveränderter Neudruck der ersten Ausgabe von 1904/06), S. 99.
  8. Jacob Caro: Geschichte Polens, Zweiter Theil (1300-1386), Perthes, Gotha 1863, S. 27
  9. Jacob Caro: Geschichte Polens. Zweiter Teil (1300–1386). Perthes, Cottbus 1886, S. 27, Fußnote 2).
  10. in seiner königlichen Titulatur erhob er auch nach 1343 weiterhin den Anspruch, ein Erbe „Pommerns“ zu sein (Uwe Ziegler: Kreuz und Schwert: die Geschichte des Deutschen Ordens, S. 126).