Villa Otrang

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Panoramablick auf die Römische Villa Otrang
Römerlager auf Villa Otrang
Hohlziegel der Warmluftheizung hinter dem Wandverputz

Die römische Villa Otrang ist eine antike Villa rustica bei Fließem im Eifelkreis Bitburg-Prüm in Rheinland-Pfalz. Mit einer Fläche von mehr als 3.600 Quadratmetern ist sie eine der größten und am besten erhaltenen römischen Villenanlagen nördlich der Alpen.

Lage und Aufbau[Bearbeiten]

Ihre Lage in einem ca. 5 km nördlich von Bitburg befindlichen Hügelgelände, welches ehemals als Atrangskamp oder Oterang bezeichnet wurde, gab der römischen Villa Otrang ihren Namen. Ihre Ländereien erstreckten sich von der alten Römerstraße Trier-Köln bis zum östlich gelegenen Kylltal. Zu dem Landgut gehörten 66 Räume, darunter ein eindrucksvolles Herrenhaus, mehrere Bäder, eine Heizungsanlage sowie ein Tempelbezirk und ein Gräberfeld. In der unmittelbaren Umgebung wurden eine Hoffläche und kleinere Wirtschaftsgebäude nachgewiesen, welche auf landwirtschaftliche Nutzung schließen lassen. Überregional bekannt ist die Villa Otrang für ihre prunkvollen Mosaik-Fußböden, mit denen 14 der 66 Räume ehemals ausgestattet waren. 4 dieser Fußböden sind bis heute nahezu unversehrt erhalten geblieben. Besonders eindrucksvoll sind die Mosaike des als Wohn- und Speisezimmer genutzten Apsidensaal, in denen Jagdszenen mit Löwe, Panther, Kranich und Schlange abgebildet sind. Besonders aufwendig restauriert wurde zudem die Hypokausten-Heizung, welche die warme Luft unter den Bodenplatten vom Heizraum in die luxuriösen Thermen und Bäder der Anlage verteilte.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Erbau des römischen Landguts wird auf das 1. Jh. n. Chr. datiert. Zum Gebäudekomplex gehörte ein Herrenhaus in der charakteristischen Form einer Risalit-Villa, welche jedoch vermutlich von Beginn an von vier Risaliten flankiert war. Sowohl an der Vorder- als auch an der Rückseite des Hauptkomplexes wurde eine Säulenhalle mit seitlichen Vorbauten errichtet. Einhergehend mit dem steigenden Wohlstand in der Region gab es Mitte des 2. Jh. eine umfassende Erweiterung der Villenanlage, welcher der Bau des großen Bades, die Vergrößerung des südwestlichen Risalits und die Erstellung zweier Mosaike zugeordnet werden können. Eine zweite Ausbauphase wird Anfang des 3. Jh. vermutet. Ihr entstammen alle weiteren Mosaikfußböden sowie der repräsentative Ausbau der West- und Südfronten. Die beiden südlichen Risalite erfuhren eine großzügige Erweiterung und wurden mit einer langen Säulenhalle verbunden. Zur Wahrung der Symmetrie wurde nordwestlich ebenfalls ein Risalit mit halbrundem Pavillon errichtet, wodurch sich ein neuer Eingangshof dem bereits bestehenden vorlagerte. Der Gebäudekomplex hatte nun eine Ausdehnung von ca. 379 Metern Länge und ca. 132 Metern Breite. Bis ins 4. Jh. war die Villa Otrang vermutlich bewohnt, anschließend wurde sie während der fränkischen Eroberung teilweise zerstört. Die Trümmer dienten der örtlichen Bevölkerung über Jahrhunderte als Steinbruch, gerieten jedoch im Laufe der Zeit in Vergessenheit.

Wiederentdeckung[Bearbeiten]

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts stieß man bei Feldarbeiten auf Überreste des Mosaikfußbodens, weshalb die preußische Regierung das Gelände erwarb und provisorische Schutzbauten über den noch erhaltenen Mosaiken errichtete. Der preußische Kronprinz und spätere König Friedrich Wilhelm IV. besuchte 1838 die Fundstelle, was vermutlich zur Folge hatte, dass in den kommenden Jahren Sanierungsmaßnahmen durchgeführt und neue Schutzhäuser errichtet wurden. Durch die archäologische Sicherung und Erforschung der Funde wurde die Villa Otrang zu einem frühen Musterbeispiel der konservatorischen Denkmalpflege. 1984 wurden die Schutzbauten selbst unter Denkmalschutz gestellt. Heute zählt die Villa Otrang zu den wichtigsten römischen Sehenswürdigkeiten der Eifel und zieht jährlich viele Besucher an. Das Museum kann von Februar bis November besichtigt werden und ist Mitglied des EU-Projekts Straßen der Römer. Auf dem Gelände befindet sich ebenfalls eine Gaststätte, die Speisen und Getränke im römischen Stil anbietet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinz Cüppers: Römische Villa Otrang. Führungsheft 5. Mainz 1997
  • Peter Hoffmann, Villa Otrang, Führungsheft 5, Edition Burgen, Schlösser, Altertümer Rheinland-Pfalz, Schnell & Steiner, Regensburg 2004 ISBN 3-7954-1465-2
  • Sabine Faust: Herrenhaus der römischen Villa Otrang. In: Rheinisches Landesmuseum Trier (Hrsg.): Führer zu archäologischen Denkmälern des Trierer Landes. Trier 2008, ISBN 978-3-923319-73-2 (Schriftenreihe des Rheinischen Landesmuseums Trier 35) S. 106f.
  • Walter Pippke, Ida Pallhuber: Die Eifel. Köln [1984] 2. Auflage 1984. (DuMont Kunst-Reiseführer), S. 300, Abb. 100

Weblinks[Bearbeiten]


50.0138888888896.5463888888889337Koordinaten: 50° 0′ 50″ N, 6° 32′ 47″ O